
© Polina Zimmerman
11. Juni 2026
Moira Hammes
Sechs Stunden, über 230 Biomarker und modernste Diagnostik: Mein Erfahrungsbericht vom Gesundheitscheck in Berlins präventivmedizinischer Klinik YEARS
Als ich mich um 6:30 Uhr Richtung Charlottenburg auf den Weg mache, liegt bereits eine frühlingshafte Luft über Berlin. Die ersten Sonnenstrahlen des Tages ziehen sich schüchtern über die Stadt. Am Kudamm angekommen, erreiche ich YEARS über ein Bürogebäude und die Fahrt in den 14. Stock.
YEARS ist eine präventivmedizinische Klinik, die es sich unter der Leitung von Dr. Jan Hennings, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, gemeinsam mit einem interdisziplinären Team und kooperierenden Fachärzt:innen zum Ziel gesetzt hat, Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen – je nach Programm mit über 230 Biomarkern, Bildgebung und KI-Analytik. Der Ansatz der dahinter stehtist, nicht auf Krankheiten zu warten, sondern ihnen zuvorzukommen.
Da sich heute alles um meine Gesundheit drehen soll, erwarte ich eigentlich das, was man aus den meisten Arztpraxen kennt: ein steriles, weißes Umfeld. Zu meiner Überraschung empfängt mich YEARS in einem ganz anderen Licht. Warmes Holz und in den Fluren installierte Pflanzen erzeugen eher das Gefühl eines exklusiven Boutique-Hotels.
Nach dem Klingeln werde ich direkt an der Tür von einer medizinischen Fachangestellten in Empfang genommen, die mich die kommenden Stunden durch alle anstehenden Untersuchungen begleitenwird – dabei sind bürokratisches Empfangsgespräch und Wartezimmer eine Fehlanzeige.
Nach einem kurzen Weg durch die Räumlichkeiten werde ich in einen lichtdurchfluteten Raum mit Blick über die Gedächtniskirche und den Berliner Zoo geführt. Dieser ruhige Rückzugsort steht mir den ganzen Tag als persönliche Basis zwischen den Untersuchungen zur Verfügung.
YEARS behandelt derzeit sechs Tage die Woche in verschiedenen Zeitfenstern bis zu vier Patient:innen gleichzeitig – jede Person dabei in ihrer eigenen Suite.

© YEARS
Luxuriöser Rückzugsort: Patientensuite in YEARS

Physiotherapeut und Health Coach Andreas Stollreiter über die Philosophie der Osteopathie, die Suche nach den Ursachen von Beschwerden und die überraschenden Verbindungen zwischen Bewegungsapparat, Darm, Nervensystem und Psyche
Christine Bürg and Marianne Waldenfels
Kaum habe ich meine Sachen abgelegt, geht es auch schon los. Ich werde in einen großen Untersuchungsraum gebracht, der von der Atmosphäre her etwas mehr an eine klassische Klinik erinnert. Aber auch hier: keine Hektik, keine beunruhigenden Geräusche, dafür ein weiter Blick über Berlin.
Die erste Untersuchung gilt meiner Haut: Mithilfe KI-gestützter Bildgebung werden zahlreiche Fotografien aller Hautareale erstellt und auf auffällige Leberflecken oder Veränderungen geprüft, die entsprechend dokumentiert werden. Daran schließt sich ein Ganzkörper-3D-Scan an, bei dem ich auf einer Plattform stehe und von einer Kamera in 360 Grad umfahren werde. Auf einem Bildschirmsehe ich kurz darauf einen dreidimensionalen Scan meines Körpers, inklusive der genauen Umfänge von Beinen, Armen und Rumpf.
Auf einer Art Präzisionswaage wird anschließend meine Körperzusammensetzung ermittelt: Muskel-, Fett- und Wassermasse sowie deren konkrete Verteilung im Körper. Anhand von Alter, Größe und Geschlecht werden dabei zugleich individuelle Idealwerte berechnet. Ich bin froh, dass meine Ergebnisse im grünen Bereich liegen.
Dieser Teil der Untersuchung ist ohne Zweifel der intimste, weshalb ich mir vorstellen kann, dass er für Menschen, die ein schwieriges Verhältnis zum eigenen Körper haben, herausfordernd sein kann. Der Umgang damit ist jedoch durchweg professionell und empathisch: Ein Gefühl von Scham entsteht zu keinem Zeitpunkt.
Zum Abschluss dieses ersten Blocks werden noch meine Knochendichte, Ruhe-Laktatwert und Kohlendioxidgehalt im Atem gemessen.
Zurück in meiner Suite folgt die Blutabnahme. Ich lege mich auf die in eine Holzvertäfelung eingelassene Liege, während zahlreiche Röhrchen mit meinem Blut gefüllt werden. Ergänzend gebe ich eine Speichel- und eine Urinprobe ab. Man spürt, dass hier nicht bloß Laborwerte gesammelt, sondern Daten für ein umfassendes Gesundheitsprofil und weitergehende Forschung generiert werden.
Im Anschluss an die Blutentnahme trinke ich eine Glukoselösung worauf folgend meine Blutzuckerwerte im stündlichen Rhythmus kontrolliert werden.
Kurz darauf betritt Dr. med. Ann Netzer, Fachärztin für Innere Medizin, den Raum für das Anamnesegespräch. Sie nimmt sich ausreichend Zeit, um mit mir den zuvor ausgefüllten Anamnesebogendurchzugehen – Vorerkrankungen, Familienhistorie, Lebensstil und persönliche Gesundheitsziele. Dieses Gespräch fühlt sich nicht an wie ein typisches Arztgespräch, das aufgrund knapper Ressourcenmöglichst schnell zum Ende kommen muss. Dr. Netzer ist zugewandt, hört zu und stellt gezielte Fragen.
Das Gespräch bietet Patient:innen übrigens auch die Möglichkeit, weitere Untersuchungen individuell zum gebuchten Paket hinzuzufügen – ganz präzise auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten. Dr. Netzer erklärt außerdem, dass YEARS, mit Zustimmung der Patient:innen, mit den erfassten Daten aktiv Forschung betreibt, deren Ergebnisse der Gesellschaft und Medizin zugutekommen sollen.
Zum Abschluss des Gesprächs bittet sie mich, noch einmal kurz meine Haut persönlich inspizieren zu dürfen. KI erzielt zwar inzwischen bemerkenswert gute Ergebnisse in der Diagnostik, der Mensch bleibt dennoch die letzte Instanz.
Der nächste Stopp ist die Lungenfunktionsprüfung, oder, um es medizinisch korrekt zu benennen: die Bodyplethysmographie. Ich werde in einen Raum gebracht, den ich noch nicht kenne. In der Mitte steht eine kleine Glaskabine, in die ich mich setze. Die MFA reicht mir eine Nasenklammer, schließt die Tür und ich sitze luftdicht eingeschlossen in einer Kabine, um die Messgenauigkeit zugewährleiten.
Ich brauche mehrere Anläufe, um den Test korrekt zu absolvieren: In verschiedenen Durchläufen muss ich nach vorgegebenen Mustern durch ein Rohr atmen, pusten und kräftig einziehen. Das Rohr entzieht mir dabei zu kontrollierten Zeitpunkten die Luft – ein eigenartiges Gefühl, mitten im Atemzug plötzlich ins Leere zu greifen.
Nach dem Test bin ich ziemlich geschafft. Es ist vormittags und ich bin, bis auf den Glukosesaft, noch nüchtern.
Die Pause kommt wie gerufen. Nach der Lungendiagnostik bekomme ich eine halbe Stunde Zeit, um mich eigenständig an einem Müslibuffet zu bedienen. Die Auswahl ist beeindruckend: verschiedene Obstsorten, Joghurt, Quark, Milch, Saaten, Goji-Beeren – ich entdecke direkt zahlreiche klassische „Superfoods".
Dass eine Präventionsklinik beim Frühstücksangebot ausschließlich auf gesunde und vollwertige Optionen setzt, überrascht im Grunde nicht. Ich stelle mir mein Müsli zusammen, mache mir einen Tee und kehre in meinen Raum zurück.
Nachdem die medizinische Fachangestellte ein EKG sowie einen Stresstest bei mir durchgeführt hat – für Letzteren wurde mein Herzrhythmus fünf Minuten lang in vollständiger Stille beobachtet –, kommt Dr. Netzer erneut herein, um einen umfassenden Ultraschall durchzuführen.
Was mich dabei beeindruckt: Untersuchungen, auf die man in der Regelversorgung teils wochenlang wartet, werden hier in einem Rutsch effizient abgearbeitet. Die Ärztin schaut sich Herz, Schilddrüse, Leber, Nieren und Venen an, alles dabei ruhig, präzise und konzentriert. Alles sieht gut aus, teilt sie mir direkt mit, und nutzt den Moment gleichzeitig, um mir die Anatomie meines Herzens anschaulichan meinem eigenen „Modell" zu erklären.
Im nächsten Block werden meine Sinne getestet. Beim Hörtest erhalte ich Kopfhörer und ein Klickgerät: Verschiedene Töne werden mir in steigender Lautstärke auf dem rechten, dann auf dem linkenOhr eingespielt – ich soll klicken, sobald ich sie wahrnehme.
Der anschließende Sehtest ist dem vom Augenarzt ähnlich: Ich sitze vor einem Gerät, das mir verschieden große Buchstaben, Zahlen und Symbole zeigt, und teste sowohl mein Sehvermögen als auch meine räumliche Wahrnehmung. Die Ergebnisse werden zur weiteren Auswertung an einen ausgebildeten Augenarzt außerhalb der Klinik übermittelt.
Nun folgt der erste körperlich aktive Teil des Tages. Vor einer Kamera, die meinen Bewegungsradius aufzeichnet, absolviere ich verschiedene Übungen. Auf einer Messplattform wird anschließend meineBalance geprüft – wechselnd auf einem Bein, mit offenen und geschlossenen Augen. Auch ein Sprunghöhentest gehört dazu.
Zuletzt wird meine Griffstärke gemessen, ein Test, bei dem ich angesichts meiner Klimmzugerfahrung keine Höchstleistungen erwarte. Die Handkraftmessung ist jedoch kein sportlicher Selbstzweck: Als Indikator für den allgemeinen Gesundheitszustand erfasst sie die isometrische Maximalkraft der Hand- und Unterarmmuskulatur und hilft, frühzeitig Risiken wie Sturzgefährdung oder Pflegebedürftigkeitim Alter zu erkennen.
Diese Testreihe macht deutlich, wie YEARS Gesundheit begreift: nicht als bloße Abwesenheit von Krankheit, sondern als Summe aus Organfunktion, Sinnesleistung und alltäglicher Leistungsfähigkeit. Gerade in jungen Jahren werden Beweglichkeit, Knochen- und Muskelkraft oft als selbstverständlich wahrgenommen, dabei liefern sie wertvolle Frühhinweise auf den Gesundheitszustand.
Den Abschluss des Untersuchungstages bildet mein persönliches Highlight: die Spiroergometrie. Zurück im ersten Behandlungsraum werde ich angewiesen, mich auf ein Spinning-Rad zu setzen. Komplett verkabelt – Elektroden für das EKG, eine Blutdruckmanschette und eine Atemmaske – beginnt ein kombiniertes Herz-Lungen-Belastungsdiagnostikverfahren, das die körperliche Leistungsfähigkeit durch Messung der Atemgase unter steigender Last erfasst.
Ich trete im gleichmäßigen Rhythmus bei kontinuierlich steigender Wattzahl, bis ich nicht mehr kann. Anhand von Geschlecht, Alter und Gewicht wurde im Vorfeld ein Richtwert bestimmt, den ich idealerweise erreichen sollte.
Zu Beginn fühlt sich die Belastung beinahe spielerisch leicht an. Von Minute zu Minute steigt der Widerstand, bis ich ordentlich ins Schwitzen komme. Direkt vor mir zeigen mehrere Bildschirme meineWerte in Echtzeit.
Als ich meinen Richtwert von 150 Watt erreicht habe, entscheide ich mich weiterzutreten, denn kleine Herausforderungen nehme ich gerne an. Schließlich geben meine Beinmuskelnbei 225 Watt nach. Man erklärt mir, dass Ausdauer und Muskelausdauer nicht deckungsgleich sind: Die Muskulatur kann aufgeben, während die kardiorespiratorische Kapazität theoretisch noch weitertrüge.
Nach dem Test dusche ich in den dafür vorgesehenen Räumlichkeiten von YEARS. Auch hier setzt sich die Ästhetik der Klinik fort: moderne Einrichtung, die an den Badebereich eines gehobenen Hotels erinnert, ergänzt durch dermatologische Pflegeprodukte.
Anschließend darf ich mir ein Gericht aus einem umfangreichen, gesunden Mittagsmenü auswählen, das mir in meinen Raum gebracht wird. Dr. Netzer schaut noch einmal kurz vorbei, um einen Termin für die Nachbesprechung zu vereinbaren. Sechs Stunden nach meiner Ankunft verlasse ich die Klinik.
In den zwei Wochen bis zur Nachbesprechung absolviere ich eigenständig einen Kognitionstest. Der sogenannte CNS-Vital-Signs-Test ist ein computergestütztes neurokognitives Screening zur Bewertung von Gehirnfunktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Reaktionszeit, rund eine Stunde sollte man dafür einplanen.
Ich absolviere ihn nach dem Mittagessen und merke schnell, was sich später in den Ergebnissen bestätigt: Morgens wäre ich besser dran gewesen. Der Test besteht aus mehreren Aufgaben, die verschiedene kognitive Fähigkeiten abdecken: Wortgedächtnis, Bildgedächtnis, Reaktionszeit, Aufmerksamkeit und mehr. Ich gebe zu, dass ich gegen Ende ungeduldig werde und erleichtert bin, als ich die letzte Aufgabe abgeschlossen habe.
Zwei Wochen nach meinem Besuch führe ich meine einstündige Abschlussbesprechung mit Dr. Netzer im Online-Meeting. Wir gehen gemeinsam ausführlich durch alle Ergebnisse des Tages – Blutbild, Gesundheitsdaten, Belastungstest. Ich erhalte dafür einen knapp 70 Seiten lagen ausführlichen Bericht. Zu meiner Freude ist der Befund bis auf wenige Stellschrauben erfreulich. Für die Bereiche, die ich weiter im Blick behalten sollte, gibt mir Dr. Netzer konkrete, umsetzbare Empfehlungen. Auch hier wird sich für jede Frage ausreichend Zeit genommen – das Versprechen einer wirklichindividualisierten Medizin trägt sich auch hier fort.
Die gesamte Erfahrung hat sich zu keinem Zeitpunkt nach einem Arztbesuch angefühlt. Das Umfeld der Klinik, die medizinische Fachangestellte und Dr. Netzer haben sich spürbar auf mein Sicherheits- und Wohlbefinden ausgewirkt und mir durchgängig das Gefühl gegeben, begleitet statt abgefertigt zu werden. Es gab zu jedem Zeitpunkt Raum für offene Fragen. Risiken und Tests wurden angstfrei und empathisch erklärt.
Auch wenn der Tag insgesamt ein umfangreiches Programm mit sich bringt, haben die einzelnen Stationen vor allem Neugier bei mir ausgelöst – das Interesse, mehr über den eigenen Körper und den eigenen Gesundheitszustand zu erfahren.
Ohne vor meinem Besuch konkrete Sorgen gehabt zu haben, fühle ich mich danach bestätigt, dass in meinem Körper vieles rund läuft. Und ich weiß nun auch: Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt, odergenauer gesagt, sie geht weiter. Denn Prävention ist kein einmaliges Event, sondern ein stetiger Prozess, den man täglich ins Leben tragen sollte.
Gleichzeitig bleibt nach diesem Tag eine Frage, die mich nicht ganz loslässt: Warum ist diese Form der Medizin nur für wenige Menschen zugänglich und was sagt das über unser Gesunheitssystemaus? Prävention sollte keine Frage des Budgets sein und doch ist sie es.
Kliniken wie YEARS zeigen, was möglich ist, wenn Ressourcen, Technologie und medizinische Expertise zusammenkommen. Dass YEARS neben der patientenzentrierten Präventivmedizin die erfassten Daten, mit Zustimmung der Patient:innen, auch für Altersforschung nutzt, deren Ergebnisse im besten Fall allen zugutekommen sollen, ist deshalb kein Randdetail, sondern bedarf besonderer Erwähnung.

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Auch die Lungenfunktion ist Teil des Checkups

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Mein persönliches Highlight: die Spiroergometrie