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27. Juli 2026
Marianne Waldenfels
Kaffee, Milch, Grapefruitsaft oder stark alkalisches Mineralwasser: Manche Getränke können die Wirkung bestimmter Medikamente beeinflussen. Welche Kombinationen problematisch sein können und warum Wasser meist die beste Wahl bleibt
Kaffee, ein Glas Milch oder Mineralwasser – die meisten Menschen schlucken ihre Medikamente einfach mit dem Getränk, das sie gerade griffbereit haben. Doch nicht jedes eignet sich gleich gut. Manche Getränke können nämlich beeinflussen, wie gut Arzneimittel vom Körper aufgenommen werden oder wie schnell sie wirken.
Während Grapefruitsaft schon lange für Wechselwirkungen bekannt ist, deutet eine neue Studie nun darauf hin, dass auch stark alkalisches Mineralwasser bei bestimmten Tabletten problematisch sein könnte.
Alkalisches Mineralwasser liegt seit einigen Jahren im Trend. Anders als gewöhnliches Mineral- oder Leitungswasser besitzt es einen besonders hohen pH-Wert – meist über 8 – und wird häufig mit Versprechen wie einer besseren Regeneration oder einem ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt beworben. Wissenschaftlich sind diese gesundheitlichen Vorteile allerdings bislang kaum belegt.
Nun haben Forschende der Semmelweis-Universität in Budapest untersucht, ob stark alkalisches Mineralwasser auch die Wirkung bestimmter Medikamente beeinflussen könnte.
Im Mittelpunkt standen sogenannte magensaftresistente Tabletten. Sie besitzen einen speziellen Schutzüberzug, der verhindert, dass sich der Wirkstoff bereits im sauren Milieu des Magens auflöst. Stattdessen soll das Medikament erst im Dünndarm freigesetzt werden. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem viele Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol sowie einige Acetylsalicylsäure-Präparate (ASS).
Für die Laborstudie legten die Wissenschaftler verschiedene magensaftresistente Tabletten in Leitungswasser, gefiltertes Wasser, Apfelsaft sowie mehrere alkalische Mineralwässer mit unterschiedlichen pH-Werten. Dabei zeigte sich: Vor allem die stark alkalischen Wässer griffen den Schutzüberzug deutlich schneller an als die anderen Getränke. Bei einem der getesteten Heilwässer wurden innerhalb von fünf Minuten bereits mehr als 90 Prozent des Wirkstoffs freigesetzt.
Allerdings betonen die Forscher, dass es sich um eine reine Laborstudie handelt. Ob sich dieser Effekt im menschlichen Körper tatsächlich in gleichem Maße zeigt, ist bislang nicht untersucht.

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Deutlich besser untersucht sind Wechselwirkungen zwischen Grapefruitsaft und Medikamenten. Bestimmte Inhaltsstoffe der Grapefruit hemmen im Darm das Enzym CYP3A4, das für den Abbau zahlreicher Arzneimittel verantwortlich ist. Dadurch können manche Medikamente deutlich stärker wirken als vorgesehen – gleichzeitig steigt das Risiko für Nebenwirkungen.
Betroffen sein können unter anderem bestimmte Cholesterinsenker (Statine), einige Blutdruckmedikamente, Immunsuppressiva und verschiedene Psychopharmaka. Da die Wirkung des Grapefruitsafts viele Stunden anhalten kann, raten Fachleute bei entsprechenden Medikamenten meist dazu, ganz auf Grapefruit zu verzichten.
Schon ein Glas Grapefruitsaft kann ausreichen, um den Abbau bestimmter Medikamente zu verändern. Der Effekt kann je nach Präparat länger als 24 Stunden anhalten.
Nicht die Milch selbst ist das Problem, sondern ihr hoher Calciumgehalt. Calcium kann sich im Darm an bestimmte Wirkstoffe binden und schwer lösliche Verbindungen bilden. Die Folge: Das Medikament wird schlechter aufgenommen und wirkt unter Umständen weniger zuverlässig.
Besonders gut belegt ist dieser Effekt für Antibiotika aus der Gruppe der Tetrazykline (zum Beispiel Doxycyclin) und Fluorchinolone (zum Beispiel Ciprofloxacin oder Levofloxacin). Auch einige Medikamente gegen Osteoporose, sogenannte Bisphosphonate, sollten nicht zusammen mit Milch oder anderen calciumreichen Lebensmitteln eingenommen werden.
Deshalb empfehlen Fachinformationen, zwischen der Einnahme dieser Medikamente und Milch, Joghurt oder Calciumpräparaten einen zeitlichen Abstand einzuhalten, je nach Arzneimittel meist mindestens zwei Stunden.
Für viele Menschen gehört die erste Tasse Kaffee zum Morgenritual – oft zusammen mit den Medikamenten. Doch auch das kann ungünstig sein.
Besonders gut untersucht ist dieser Effekt bei Levothyroxin zur Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion. Kaffee kann die Aufnahme des Wirkstoffs im Darm deutlich verringern. Deshalb empfehlen Experten, das Medikament morgens nüchtern mit einem Glas Wasser einzunehmen und mit dem Kaffee mindestens 30 bis 60 Minuten zu warten.
Auch Eisenpräparate sowie Bisphosphonate zur Behandlung von Osteoporose sollten nicht zusammen mit Kaffee eingenommen werden. Kaffee kann die Aufnahme der Wirkstoffe beeinträchtigen. Deshalb empfehlen Fachgesellschaften und Hersteller, diese Medikamente nüchtern mit einem Glas Wasser einzunehmen und mit Kaffee anschließend mindestens 30 Minuten – bei manchen Präparaten auch länger – zu warten.
Auch Alkohol kann die Wirkung von Arzneimitteln verändern. Besonders problematisch ist die Kombination mit Schlafmitteln, Beruhigungsmitteln, Opioiden oder einigen Antidepressiva. Alkohol kann deren dämpfende Wirkung verstärken und dadurch Schläfrigkeit, Schwindel oder sogar Atemprobleme begünstigen.
Auch bei einzelnen Antibiotika wie Metronidazol sollte Alkohol konsequent gemieden werden.
Ärzte und Apotheker empfehlen für die Einnahme der meisten Medikamente ein großes Glas Leitungswasser oder normales Mineralwasser. Beide beeinflussen die Aufnahme der meisten Wirkstoffe nicht und gelten deshalb als die sicherste Wahl.