
© Eva Bronzini
22. Juli 2026
Marianne Waldenfels
Vor dem Krafttraining kurz an dunkler Schokolade riechen? Eine neue Studie legt nahe, dass der Duft die Leistung beim Workout leicht steigern könnte. Warum Forschende den Effekt spannend finden – und weshalb die Ergebnisse trotzdem mit Vorsicht zu bewerten sind
Dass dunkle Schokolade aufgrund ihrer Flavanole mit positiven Effekten auf Herz, Gefäße und Stoffwechsel in Verbindung gebracht wird, wird seit Jahren erforscht. Nun haben Wissenschaftler eine ungewöhnliche Fragestellung untersucht: Reicht möglicherweise schon ihr Geruch aus, um die körperliche Leistungsfähigkeit zu beeinflussen?
Für ihre Studie, die in der Fachzeitschrift Frontiers in Physiology veröffentlicht wurde, ließen die Forscher 23 gesunde Männer, die regelmäßig Krafttraining betrieben, an drei verschiedenen Düften riechen: an dunkler Schokolade (90 Prozent Kakao), Milchschokolade (60 Prozent Kakao) und einer geruchsneutralen Wasserprobe als Kontrollbedingung.
Alle Teilnehmer absolvierten die drei Testtage im Abstand von mehreren Tagen. Vor dem Training und vor jedem neuen Trainingssatz rochen sie jeweils etwa 30 Sekunden an der jeweiligen Duftprobe. Anschließend führten sie Beinstrecker-Übungen bis zur Muskelerschöpfung durch.
Die Unterschiede zwischen den drei Bedingungen waren deutlich. Nach dem Duft der dunklen Schokolade schafften die Teilnehmer im Durchschnitt rund 18 Wiederholungen mehr als in der Kontrollbedingung. Außerdem absolvierten sie etwa einen zusätzlichen Trainingssatz.
Auch der Duft von Milchschokolade zeigte einen positiven Effekt, fiel jedoch deutlich geringer aus. Hier lag der Zugewinn bei durchschnittlich neun Wiederholungen.
Interessant war auch ein zweiter Befund: Bereits vor dem Training berichteten die Teilnehmer nach dem Einatmen des dunklen Schokoladendufts über weniger Hunger, ein geringeres Verlangen nach Essen und ein stärkeres Sättigungsgefühl. Beim Duft der Milchschokolade zeigte sich dieser Effekt dagegen kaum. Stattdessen bewerteten die Probanden diesen Geruch als angenehmer.
Die Autoren vermuten deshalb, dass dunkle und helle Schokolade möglicherweise über unterschiedliche Mechanismen wirken könnten. Während dunkle Schokolade eher das Sättigungsgefühl beeinflusst haben könnte, scheint bei Milchschokolade vor allem die angenehme Wahrnehmung des Geruchs eine Rolle zu spielen.
Gerüche gelangen besonders schnell in Hirnregionen, die Emotionen, Motivation und Erinnerungen steuern. Anders als viele andere Sinneseindrücke werden sie nicht zuerst über den Thalamus verarbeitet, sondern erreichen direkt Bereiche des limbischen Systems. Deshalb können Düfte innerhalb weniger Sekunden körperliche und psychische Reaktionen auslösen.
Die Autoren der Studie vermuten außerdem, dass die sogenannte cephalische Phase eine Rolle spielen könnte. Dabei handelt es sich um eine frühe Reaktion des Körpers auf den Anblick, Geschmack oder Geruch von Lebensmitteln.
Schon bevor überhaupt gegessen wird, können Speichelfluss, Verdauungsenzyme und verschiedene hormonelle Prozesse aktiviert werden. Ob dieser Mechanismus tatsächlich auch die Trainingsleistung beeinflusst, ist bislang allerdings nicht geklärt.
Die Schokoladenstudie steht nicht allein. Seit einigen Jahren beschäftigen sich Sportwissenschaftler zunehmend mit der Frage, ob bestimmte Düfte die Leistungsfähigkeit oder das subjektive Belastungsempfinden verändern können.
So wurden vor allem Pfefferminze, Zitrusdüfte, Lavendel und Ammoniak untersucht. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 fasste 19 Studien zusammen und kam zu dem Ergebnis, dass einzelne Düfte durchaus kleine positive Effekte haben könnten, allerdings abhängig von Sportart, Intensität und Studiendesign.
Pfefferminze wurde beispielsweise mehrfach mit einer besseren Sprint- und Laufleistung sowie einem geringeren Belastungsempfinden in Verbindung gebracht. Zitrusdüfte könnten das Wohlbefinden während körperlicher Aktivität steigern. Lavendel wird eher wegen seiner entspannenden Eigenschaften untersucht, während Ammoniak – bekannt aus sogenannten Smelling Salts im Kraftsport – kurzfristig die Wachheit erhöhen kann.
Insgesamt fallen die beobachteten Effekte jedoch meist eher klein aus und lassen sich nicht in allen Studien bestätigen.
Unabhängige Experten bewerten die Ergebnisse deshalb zwar als spannend, sehen darin aber noch keinen Beleg dafür, dass Schokoladenduft tatsächlich ein neues Hilfsmittel für Sportler ist.
Die Studie war klein und umfasste ausschließlich junge, gesunde Männer mit Krafttrainingserfahrung. Zudem fanden alle Tests nach einer mindestens zehnstündigen Nüchternphase statt und untersuchten lediglich eine einzige Kraftübung. Ob sich die Ergebnisse auf Frauen, ältere Menschen, Ausdauersport oder den Trainingsalltag übertragen lassen, ist völlig offen.
Auch der genaue biologische Mechanismus bleibt bislang ungeklärt.
Der Duft dunkler Schokolade könnte möglicherweise mehr bewirken, als nur Appetit zu machen. Erste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass er die Trainingsleistung leicht verbessern und gleichzeitig das Hungergefühl verringern könnte. Noch handelt es sich jedoch um eine kleine explorative Studie, aus der sich keine allgemeinen Empfehlungen ableiten lassen.
Fest steht allerdings: Der Einfluss von Gerüchen auf Gehirn und Leistungsfähigkeit entwickelt sich zunehmend zu einem spannenden Forschungsgebiet. Ob Schokoladenduft eines Tages tatsächlich zum festen Bestandteil des Warm-ups wird, müssen größere und hochwertigere Studien erst noch zeigen.

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Marianne Waldenfels

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Prof. Dr. med. Dominik Pförringer

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