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7. September 2026
Christine Bürg & Marianne Waldenfels
Mit In-Ears einschlafen und sie bis zum Morgen im Ohr lassen? HNO-Ärztin Dr. Kristina Wiedelmann-Breloer sieht dadurch zunehmend Patienten mit Entzündungen und Ekzemen. Sie erklärt, was nachts im Ohr passiert – und wie sich die Risiken reduzieren lassen.

Mit
Kristina Wiedelmann-Breloer
Podcast, Musik, White Noise oder beruhigende Naturgeräusche: Viele Menschen setzen zum Einschlafen Kopfhörer auf und tragen sie nicht selten die ganze Nacht. Besonders praktisch erscheinen kleine In-Ear-Kopfhörer. Doch für die Ohren ist das stundenlange Tragen nicht immer so harmlos, wie es sich anfühlt.
Dr. Kristina Wiedelmann-Breloer beobachtet die Folgen inzwischen regelmäßig in ihrer HNO-Praxis: „Die Benutzung von In-Ear-Kopfhörern hat mir tatsächlich einen beträchtlichen Anteil neuer Patienten mit Gehörgangsentzündungen, Ekzemen und allergischen Hautreaktionen rund um das Ohr beschert.“
Nicht nur die Geräusche aus den Kopfhörern können eine Rolle spielen.
„Da In-Ear-Kopfhörer den Gehörgang über längere Zeit nahezu vollständig verschließen, entsteht dort ein feuchtwarmes Milieu – ideale Bedingungen für Bakterien und Pilze“, erklärt Wiedelmann-Breloer. „Verstärkt wird dieses Problem durch Shampoo- oder Duschgelreste im Ohr, die die ohnehin empfindliche Gehörgangshaut zusätzlich reizen können.“
Auch die Kopfhörer selbst können die empfindliche Haut reizen. „Nicht zu unterschätzen sind außerdem die Materialien und Beschichtungen der Kopfhörer bzw. Ohrpassstücke“, sagt die HNO-Ärztin. „Bei empfindlichen Personen können sie irritative oder allergische Hautreaktionen hervorrufen.“
Dass die Ohren die In-Ears nicht gut vertragen, lässt sich häufig schon früh erkennen. „Erste Warnzeichen sind häufig Juckreiz, Rötungen oder schuppige Haut am Gehörgangseingang. Im weiteren Verlauf können schmerzhafte, teilweise sogar blutige Hautrisse entstehen.“
Auch Ohrenschmalz kann durch langes Tragen zum Problem werden. „Normalerweise besitzt der Gehörgang einen sehr effektiven Selbstreinigungsmechanismus“, erklärt Wiedelmann-Breloer. „In-Ears können diesen behindern und Cerumen immer wieder nach innen schieben.“
Das kann Folgen haben: „Im ungünstigsten Fall entsteht ein kompletter Verschluss mit Hörminderung; gleichzeitig kann ein solcher Cerumenstau Entzündungen begünstigen.“
Wer nach längerer In-Ear-Nutzung plötzlich schlechter hört, ein Druckgefühl entwickelt oder das Gefühl eines verstopften Ohres hat, sollte allerdings nicht versuchen, das Ohr mit Wattestäbchen selbst zu reinigen. Auch die WHO rät davon ab, Gegenstände in den Gehörgang einzuführen.
Neben den Problemen im Gehörgang kann auch die nächtliche Dauerbeschallung zum Risiko werden.
„Das wesentlich besser belegte Risiko ist der Schall selbst“, sagt Wiedelmann-Breloer. „Entscheidend sind dabei Lautstärke und Dauer. Längere oder wiederholte hohe Schallbelastungen können die empfindlichen Haarzellen und weitere Strukturen des Innenohres dauerhaft schädigen. Mögliche Folgen sind eine Lärmschwerhörigkeit und Tinnitus.“
Die WHO verwendet ebenfalls ein Modell, bei dem zulässige Hördauer und Schallpegel zusammen betrachtet werden. Als Safe-Listening-Referenz nennt sie für Erwachsene 80 Dezibel über maximal 40 Stunden pro Woche. Bei Kindern liegt der Referenzwert bei 75 Dezibel über maximal 40 Stunden pro Woche.
Wer lediglich zum Einschlafen Musik oder White Noise benötigt, sollte deshalb einen Sleep-Timer einstellen, statt die Kopfhörer bis zum Morgen laufen zu lassen.
Wiedelmann-Breloer sieht das entspannt: „Hier ist die derzeitige Datenlage eher beruhigend. Bislang gibt es keinen gesicherten Nachweis dafür, dass die hochfrequenten elektromagnetischen Felder von Bluetooth-In-Ears das Gehirn, den Hörnerv oder das Innenohr schädigen. Die Exposition durch Bluetooth-Kopfhörer ist zudem in der Regel deutlich geringer als beispielsweise beim Mobiltelefon.“
Für die Ohren sind damit andere Faktoren wesentlich relevanter: wie lange die Kopfhörer getragen werden, ob sie den Gehörgang verschließen und wie hoch die Lautstärke ist.
Mittlerweile gibt es Kopfhörer, die ausdrücklich für die Nacht entwickelt wurden. Häufig sitzen dabei sehr flache Lautsprecher in einem weichen Stirnband und nicht direkt im Gehörgang.
Das hat zumindest einen praktischen Vorteil gegenüber In-Ears: Der Gehörgang wird nicht durch ein Ohrpassstück über Stunden nahezu vollständig verschlossen. Ob Schlafkopfhörer deshalb insgesamt gesünder für die Ohren sind, lässt sich wissenschaftlich bislang jedoch nicht eindeutig sagen. Belastbare Vergleichsstudien speziell zum Schlafen mit unterschiedlichen Kopfhörertypen fehlen.
Und auch bei einem Schlafkopfhörer bleibt die Lautstärke relevant. Wer lediglich Geräusche zum Einschlafen benötigt, kann alternativ einen leisen Lautsprecher neben dem Bett nutzen. Dann bleibt der Gehörgang vollständig frei.
Nein. „In-Ear-Kopfhörer sind nicht grundsätzlich gefährlich“, sagt Windelmann-Breloer. „Entscheidend ist, wie laut, wie lange und unter welchen Bedingungen sie getragen werden.“
Die Ärztin fasst die wichtigsten Regeln so zusammen: „Regelmäßige Tragepausen, eine moderate Lautstärke und vor allem saubere und trockene Ohren können bereits einen erheblichen Unterschied machen.“

Mit In-Ears einschlafen und sie bis zum Morgen im Ohr lassen? HNO-Ärztin Dr. Kristina Wiedelmann-Breloer sieht dadurch zunehmend Patienten mit Entzündungen und Ekzemen. Sie erklärt, was nachts im Ohr passiert – und wie sich die Risiken reduzieren lassen.
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