
© Magnific
2. September 2026
PMC Redaktion
Warum altern manche Menschen gesünder als andere? Bewegung, Ernährung und Schlaf spielen dabei ebenso eine Rolle wie mentale und soziale Gesundheit. Auch bestimmte Mikronährstoffe und Pflanzenstoffe rücken zunehmend in den Fokus der Longevity-Forschung
Wer sich mit Longevity beschäftigt, stößt schnell auf biologische Alterstests, Supplements, Kältebäder oder neue Wirkstoffe. Doch die Grundlagen für ein langes und vor allem gesundes Leben sind weniger spektakulär. Körperliche Fitness, Ernährung und Schlaf spielen ebenso eine Rolle wie psychische Stabilität und soziale Beziehungen. Hinzu kommt ein Forschungsfeld, das sich rasant entwickelt: Mikronährstoffe und Pflanzenstoffe, die bestimmte biologische Prozesse des Alterns beeinflussen könnten.
Wie groß der Effekt einzelner Faktoren tatsächlich ist, lässt sich nicht einfach in zusätzlichen Lebensjahren ausrechnen. Dennoch zeichnet sich immer deutlicher ab, welche Bereiche besonders eng mit Gesundheit und Langlebigkeit verbunden sind.
Kaum ein Faktor ist so gut untersucht wie körperliche Aktivität. Regelmäßige Bewegung senkt das Risiko für zahlreiche Erkrankungen, die gesunde Lebensjahre kosten können – darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und einige Krebsarten. Gleichzeitig hilft sie, Mobilität und körperliche Funktionen im Alter zu erhalten.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die kardiorespiratorische Fitness, also die Fähigkeit von Herz, Lunge und Kreislauf, den Körper bei Belastung mit Sauerstoff zu versorgen. Eine große 2024 im British Journal of Sports Medicineveröffentlichte Übersichtsarbeit fasste Daten aus 199 Kohortenstudien mit insgesamt mehr als 20,9 Millionen Beobachtungen zusammen. Menschen mit hoher Fitness hatten ein deutlich geringeres Sterberisiko als Menschen mit niedriger Fitness. Jede um ein MET höhere kardiorespiratorische Fitness war mit einem um 11 bis 17 Prozent niedrigeren Gesamtsterberisiko verbunden.
Das macht körperliche Leistungsfähigkeit zu einem wichtigen Faktor für Healthy Aging. Dabei muss niemand zum Leistungssportler werden. Entscheidend ist, sie über möglichst viele Lebensjahre zu erhalten.
Zur körperlichen Gesundheit gehört nicht nur Ausdauer. Mit zunehmendem Alter nehmen Muskelmasse und vor allem Muskelkraft ab. Das kann Mobilität und Selbstständigkeit beeinträchtigen und das Risiko für Stürze erhöhen.
Krafttraining gehört deshalb zu den wichtigsten Maßnahmen, um diesem funktionellen Abbau entgegenzuwirken. Eine 2025 veröffentlichte Netzwerk-Metaanalyse von 151 randomisierten Studien mit mehr als 6.300 Teilnehmenden zeigt, dass Widerstandstraining bei älteren Erwachsenen körperliche Funktion, Muskelmasse, Muskelgröße und Kraft verbessern kann. Bemerkenswert ist, dass bereits ein vergleichsweise niedriges Trainingsvolumen deutliche Effekte auf körperliche Funktion und Muskelmasse zeigte.
Für Healthy Aging geht es dabei nicht um möglichst große Muskeln. Entscheidend ist, auch im höheren Alter Treppen steigen, Einkäufe tragen, vom Stuhl aufstehen und sich möglichst lange selbstständig bewegen zu können.
Bei der Ernährung ist die Suche nach dem einen Longevity-Lebensmittel wenig erfolgversprechend. Entscheidend scheint vielmehr zu sein, wie wir uns über Jahre und Jahrzehnte ernähren.
Das zeigte eine 2025 in Nature Medicine veröffentlichte Studie mit mehr als 100.000 Frauen und Männern. Die Forschenden verglichen acht unterschiedliche Ernährungsmuster über einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren. Als gesundes Altern definierten sie nicht allein ein langes Leben, sondern das Erreichen eines höheren Alters ohne schwere chronische Erkrankungen und bei guter körperlicher, kognitiver und psychischer Gesundheit.
Eine stärkere Orientierung an gesunden Ernährungsmustern war mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für gesundes Altern verbunden. Gemeinsam war diesen Ernährungsweisen vor allem ein hoher Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten sowie ungesättigten Fetten. Ein höherer Konsum von Transfetten, stark zuckerhaltigen Getränken sowie rotem und verarbeitetem Fleisch war dagegen ungünstig mit Healthy Aging assoziiert.
Mit zunehmendem Alter gewinnt außerdem eine ausreichende Proteinversorgung an Bedeutung. Gemeinsam mit körperlicher Aktivität trägt sie dazu bei, Muskelmasse und Muskelfunktion möglichst lange zu erhalten.
Schlaf ist weit mehr als eine nächtliche Ruhepause. Während wir schlafen, laufen zahlreiche Regenerations- und Regulationsprozesse ab, die unter anderem Stoffwechsel, Immunsystem, Gehirn und Herz-Kreislauf-System betreffen.
Neben der Schlafdauer beschäftigt die Forschung inzwischen verstärkt ein weiterer Faktor: Regelmäßigkeit.
Eine prospektive Studie mit knapp 61.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der UK Biobank wertete mehr als zehn Millionen Stunden objektiv gemessener Schlafdaten aus. Menschen mit regelmäßigeren Schlaf-Wach-Zeiten hatten ein niedrigeres Risiko, während der Nachbeobachtung zu sterben. In dieser Untersuchung war die Schlafregelmäßigkeit sogar stärker mit dem Sterberisiko verbunden als die reine Schlafdauer.
Für Healthy Aging dürfte es deshalb nicht nur darauf ankommen, ausreichend zu schlafen. Auch ein möglichst stabiler Schlaf-Wach-Rhythmus könnte eine Rolle spielen.
Healthy Aging endet nicht bei Muskeln, Ernährung und Schlaf. Auch die psychische Verfassung beeinflusst, wie gesund Menschen älter werden. Sie wirkt sich unmittelbar auf die Lebensqualität aus und steht gleichzeitig in enger Verbindung mit körperlicher Gesundheit, Verhalten und sozialen Beziehungen.
Besonders gut lässt sich das am sogenannten „Purpose in Life“ beobachten: dem Gefühl, dass das eigene Leben Sinn, Richtung und Ziele hat.
Eine 2026 veröffentlichte Meta-Analyse vereinte 25 Stichproben aus den USA, Europa und Asien mit insgesamt fast 489.000 Menschen und Nachbeobachtungszeiten von bis zu 32 Jahren. Ein stärker ausgeprägter Lebenssinn war mit einem niedrigeren Risiko für einen vorzeitigen Tod verbunden. Auch nachdem gesundheitliche und verhaltensbezogene Faktoren berücksichtigt worden waren, blieb ein Zusammenhang bestehen.
Lebenssinn lässt sich zwar nicht wie ein Medikament verordnen. Die Ergebnisse unterstreichen aber, dass für gesundes Altern nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische Verfassung zählt.
Kaum ein Begriff fällt in der Longevity-Debatte so häufig wie Stress. Chronische Belastung kann verschiedene körperliche Systeme beeinflussen und steht mit psychischen und körperlichen Erkrankungen in Zusammenhang.
Stress selbst ist zunächst eine normale Reaktion des Organismus. Problematisch kann er werden, wenn Belastungen dauerhaft bestehen und ausreichende Phasen der Erholung fehlen.
Deshalb spielt auch Resilienz eine Rolle. Gemeint ist damit nicht, Belastungen möglichst stoisch auszuhalten, sondern sich an Herausforderungen anpassen und nach belastenden Phasen wieder erholen zu können. Dabei greifen mehrere Säulen von Healthy Aging ineinander: Bewegung und Schlaf können ebenso zur psychischen Stabilität beitragen wie tragfähige soziale Beziehungen.
Freundschaften, Partnerschaft, Familie oder das Gefühl, zu einer Gemeinschaft zu gehören, erscheinen auf den ersten Blick weniger medizinisch als körperliche Fitness. Die Forschung zeigt jedoch, dass soziale Gesundheit eng mit Gesundheit und Lebenserwartung verbunden ist.
Besonders gut untersucht sind Einsamkeit und soziale Isolation. Eine 2025 veröffentlichte Meta-Analyse wertete 86 Langzeitstudien mit älteren Erwachsenen aus. Einsamkeit war mit einem um 14 Prozent höheren Gesamtsterberisiko verbunden. Bei sozialer Isolation lag der Unterschied bei 35 Prozent, beim Alleinleben bei 21 Prozent.
Wichtig ist die Unterscheidung: Alleinsein ist nicht automatisch Einsamkeit. Ein Mensch kann allein leben und dennoch enge Freundschaften und ein stabiles soziales Netz haben. Umgekehrt kann man von vielen Menschen umgeben sein und sich trotzdem einsam fühlen.
Für Healthy Aging geht es deshalb nicht darum, möglichst viele Kontakte zu sammeln. Entscheidend sind tragfähige Beziehungen, soziale Teilhabe und das Gefühl, mit anderen Menschen verbunden zu sein.
Die Longevity-Forschung beschäftigt sich aktuell intensiv mit Substanzen, die an wichtigen Prozessen des Alterns beteiligt sind, etwa am Energiestoffwechsel, an Entzündungsreaktionen, der DNA-Reparatur oder epigenetischen Vorgängen. Dabei geht es längst nicht mehr nur darum, klassische Nährstoffmängel auszugleichen.
Vitamin D3, Nicotinamid und Betain werden in diesem Zusammenhang ebenso untersucht wie Pflanzenstoffe aus Moringa oder der noch weniger bekannten Goldmelisse. Doch was weiß die Forschung bislang über ihre mögliche Rolle beim Healthy Aging?
Die Goldmelisse (Monarda didyma) ist ein noch relativ neuer Ansatz in der Forschung zu gesundem Altern. Sie enthält verschiedene bioaktive Pflanzenstoffe, darunter das Flavonoid-Glykosid Didymin.
2025 erschien dazu eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie in GeroScience. Untersucht wurde ein standardisierter Goldmelissenextrakt unter anderem im Hinblick auf die Telomerlänge der Leukozyten und das DNA-Methylierungsalter, zwei Biomarker, die in der Alternsforschung eingesetzt werden.
Unter der Einnahme zeigten sich günstige Veränderungen bei diesen Biomarkern: Die Telomerlänge nahm zu, während das DNA-Methylierungsalter im Vergleich zur Placebogruppe stabiler blieb. Die Teilnehmenden berichteten zudem Verbesserungen der Lebensqualität, insbesondere im körperlichen Bereich. Begleitende Laboruntersuchungen lieferten Hinweise auf Effekte bei oxidativem Stress, DNA-Schäden, zellulärer Seneszenz und Endothelfunktion.
Moringa oleifera gilt schon lange als nährstoffreiche Pflanze. Neben Vitaminen und Mineralstoffen liefert sie Polyphenole und zahlreiche weitere bioaktive Pflanzenstoffe. Für die Healthy-Aging-Forschung ist vor allem spannend, dass Moringa gleich an mehreren Stellen ansetzen könnte: beim Zuckerstoffwechsel, bei Entzündungsprozessen und bei der Herz-Kreislauf-Gesundheit.
Und inzwischen gibt es dazu auch vielversprechende Daten beim Menschen. Eine 2026 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse mit 20 klinischen Studien fand bei Menschen mit Stoffwechselerkrankungen unter Moringa günstigere Werte beim Nüchternblutzucker und Langzeitblutzucker HbA1c sowie beim systolischen und diastolischen Blutdruck.
Besonders deutlich sind die Ergebnisse zum Blutdruck. Eine weitere Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien aus dem Jahr 2026 kam ebenfalls zu positiven Ergebnissen: Im Mittel sank der systolische Blutdruck um 6 mmHg, der diastolische um 7,3 mmHg. Moringa könnte damit gleich mehrere Faktoren beeinflussen, die für gesundes Altern eine Rolle spielen.
Betain, auch Trimethylglycin genannt, kommt unter anderem in Roter Bete, Spinat und Vollkornprodukten vor. Im Körper hilft Betain dabei, sogenannte Methylgruppen zu übertragen. Diese kleinen chemischen Bausteine werden für zahlreiche Stoffwechselvorgänge benötigt – unter anderem für den Abbau von Homocystein. Erhöhte Werte dieser Aminosäure werden mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.
Eine 2025 in Nutrition Reviews veröffentlichte Netzwerk-Meta-Analyse wertete 16 randomisierte Studien mit insgesamt 1.369 Teilnehmenden zu verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln aus. Dabei konnte auch Betain den Homocysteinspiegel gegenüber Placebo oder keiner Behandlung signifikant senken.
Für die Alternsforschung ist noch eine zweite Funktion relevant: Methylgruppen sind auch an epigenetischen Vorgängen beteiligt. Vereinfacht gesagt beeinflussen diese, welche Gene in unseren Zellen stärker oder schwächer aktiv sind. Solche Veränderungen der Genregulation spielen auch beim Altern eine Rolle.
Nicotinamid, auch Niacinamid genannt, ist eine Form von Vitamin B3. Der Körper benötigt es, um NAD+ zu bilden, ein Molekül, das für die Energiegewinnung unserer Zellen unverzichtbar ist. Gleichzeitig wird NAD+ für Reparaturprozesse an der DNA benötigt und ist an der Regulation von Zellstress beteiligt. Genau diese Funktionen sind für Healthy Aging besonders relevant.
Mit zunehmendem Alter kann sich der NAD+-Stoffwechsel verändern. Deshalb untersucht die Forschung seit einigen Jahren, ob sich durch eine gezielte Beeinflussung dieses Systems Zellfunktion und Stoffwechsel unterstützen lassen.
Eine 2026 in Ageing Research Reviews veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit fasste 113 präklinische und klinische Studien zusammen. In Humanstudien konnten verschiedene NAD+-Vorstufen die Verfügbarkeit von NAD+ beziehungsweise damit verbundene Biomarker erhöhen. Untersucht wurden auch mögliche Auswirkungen auf Energiestoffwechsel, Gefäßgesundheit, Muskelfunktion und körperliche Leistungsfähigkeit.
Nicotinamid ist selbst eine NAD+-Vorstufe und damit Teil dieses zentralen Zellstoffwechsels. Sein Nutzen für Healthy Aging liegt vor allem darin, Prozesse zu unterstützen, für die NAD+ benötigt wird, von der Energieversorgung bis zur DNA-Reparatur.
Vitamin D3 gehört zu den am intensivsten erforschten Mikronährstoffen. Seine Bedeutung für Knochen und Muskelfunktion ist gut etabliert; auch im Immunsystem erfüllt Vitamin D wichtige physiologische Funktionen.
Neue Aufmerksamkeit bekommt Vitamin D in der Healthy-Aging-Forschung durch Daten zu den Telomeren. 2025 wurden Ergebnisse einer Substudie der großen randomisierten VITAL-Studie veröffentlicht. Bei 1.054 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde die Telomerlänge der weißen Blutkörperchen zu Beginn sowie nach zwei und vier Jahren gemessen. Sie hatten entweder täglich 2.000 IE Vitamin D3 oder Placebo erhalten.
Nach vier Jahren war die Verkürzung der Telomere in der Vitamin-D-Gruppe signifikant geringer. Die Forschenden sehen darin einen Hinweis darauf, dass Vitamin D3 einen biologischen Alterungsprozess beeinflussen könnte.
Bewegung hält nicht nur Muskeln und Herz-Kreislauf-System fit, sondern kann auch Schlaf und psychisches Wohlbefinden verbessern. Soziale Beziehungen können Stress abfedern, eine gesunde Ernährung liefert die Grundlage für zahlreiche Stoffwechselprozesse. Die einzelnen Säulen lassen sich deshalb kaum voneinander trennen. Gleichzeitig erweitert die Forschung zu Mikronährstoffen und Pflanzenstoffen das klassische Bild von Healthy Aging.
Das Fundament für gesundes Altern bleibt damit erstaunlich bodenständig: Bewegung, Ernährung, Schlaf sowie mentale und soziale Gesundheit. Supplements können dieses Fundament ergänzen und in Zukunft eine noch gezieltere Rolle im Healthy Aging spielen.

Augenringe gelten schnell als Zeichen für Schlafmangel. Doch oft spielen Pigmentierung, Gefäße, Veranlagung oder die Anatomie eine wichtige Rolle. Dermatologin Dr. Susanne Steinkraus erklärt, welche Behandlung zu welcher Ursache passt – und wo Vorsicht geboten ist
Christine Bürg & Marianne Waldenfels

Ein Interview mit
Dr. med. Susanne Steinkraus

"Feel good, live better" – in dieser Podcast-Folge erklärt Prof. Dr. Carina Riediger, weshalb die Heilung eines Lebertumors heute öfter möglich ist als gedacht.
Christine Bürg

Ein Interview mit
Prof. Dr. med. Carina Riediger, MSc

Medfluencer genießen Vertrauen und erreichen mit Gesundheitstipps ein Millionenpublikum. Doch auf Social Media zählt oft Reichweite mehr als wissenschaftliche Evidenz. Prof. Dominik Pförringer über die problematische Vermischung von Medizin, Reichweite und Geschäft
Prof. Dominik Pförringer

Von
Prof. Dr. med. Dominik Pförringer

Wegovy gibt es jetzt auch als Tablette. Doch ist die tägliche Abnehmpille wirklich eine Alternative zur wöchentlichen Spritze? Prof. Uwe Nixdorff erklärt die Unterschiede.
Christine Bürg & Marianne Waldenfels

Mit
Prof. Dr. Uwe Nixdorff