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Die Inhaltsstoffe des Reishi-Pilzes können eine beruhigende Wirkung erzielen
8. September 2026
Hanja Niederhammer
Reishi soll Stress lindern, die Stimmung verbessern und für mehr innere Balance sorgen. Erste Studien am Menschen liefern dafür durchaus interessante Hinweise. Doch wie viel kann der Heilpilz für die Psyche wirklich leisten?
Stress reduzieren, besser schlafen, die Stimmung aufhellen: Reishi werden erstaunlich viele Effekte auf die Psyche zugeschrieben. Was heute als Adaptogen in Kapseln und Pulvern verkauft wird, hat allerdings eine lange Geschichte. Unter dem Namen Lingzhi wird der auffällig glänzende Pilz in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahrhunderten verwendet.
Doch was ist dran an seinem Ruf als natürlichem Stresshelfer? Tatsächlich beschäftigt sich inzwischen auch die Forschung mit der Wirkung von Reishi auf psychische Gesundheit und Gehirn. Neben zahlreichen Labor- und Tierexperimenten gibt es auch Untersuchungen am Menschen.
Die Ergebnisse fallen allerdings weniger eindeutig aus, als die vielen Versprechen rund um den Heilpilz vermuten lassen. Was Studien über Reishi bei Stress und Stimmungstiefs zeigen – und wo die Forschung bislang an ihre Grenzen stößt.
Reishi enthält eine Vielzahl bioaktiver Verbindungen. Besonders intensiv untersucht werden Polysaccharide wie die sogenannten β-Glucane sowie Triterpene. Diese Stoffe können unter anderem das Immunsystem und entzündliche Prozesse beeinflussen.
Das ist auch für die Psyche interessant. Denn Entzündungsprozesse spielen nach heutigem Forschungsstand auch bei verschiedenen Vorgängen im Gehirn eine Rolle und werden unter anderem im Zusammenhang mit Depressionen untersucht.
Ein weiterer möglicher Wirkweg führt über die Darm-Hirn-Achse. Darm und Gehirn kommunizieren unter anderem über Nervenbahnen, Immunbotenstoffe und Stoffwechselprodukte miteinander. Reishi könnte an mehreren dieser Prozesse ansetzen, bislang stammen die Hinweise darauf allerdings überwiegend aus Labor- und Tierexperimenten.
Eine der bislang aussagekräftigeren Untersuchungen stammt aus dem Jahr 2024. In der doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Studie nahmen 78 Studentinnen 30 Tage lang entweder 500 Milligramm Reishi, 1.000 Milligramm Reishi oder ein Placebo ein.
Besonders in der Gruppe mit täglich 1.000 Milligramm verbesserten sich Werte für Angst, depressive Stimmung, Vitalität und positives Wohlbefinden. Das klingt zunächst vielversprechend. Allerdings war die Studie klein und kurz, zudem nahmen ausschließlich junge Frauen teil. Ob sich die Ergebnisse auf andere Menschen übertragen lassen oder längerfristig bestehen bleiben, ist deshalb offen.
Auch andere Untersuchungen liefern einzelne positive Signale. Bei Frauen mit Fibromyalgie verbesserten sich unter Reishi zwar einige psychologische Werte, gegenüber der Kontrollgruppe zeigte sich jedoch kein statistisch signifikanter Vorteil bei den untersuchten Stimmungsparametern.
Eine kleine Studie mit Brustkrebspatientinnen fand dagegen neben einer Verbesserung der Fatigue auch günstigere Werte für Angst und depressive Beschwerden. Beide Untersuchungen betrafen allerdings spezielle Patientengruppen – nicht Menschen, die wegen einer Depression oder Angststörung behandelt wurden.
Genau darin liegt das Problem der bisherigen Forschung: Es gibt Hinweise auf eine mögliche Wirkung, aber noch kein konsistentes Bild. Die Studien sind klein, untersuchen unterschiedliche Personengruppen und verwenden verschiedene Reishi-Präparate und Dosierungen.
Auch eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 2025 kommt bei der Bewertung klinischer Reishi-Studien insgesamt zu einer sehr niedrigen Evidenzqualität, wobei psychische Beschwerden nicht ihr spezieller Untersuchungsgegenstand waren.
Reishi enthält β-Glucane, die das Darmmikrobiom und entzündliche Prozesse beeinflussen könnten. Das ist auch für die Psyche interessant, weil Darm und Gehirn über verschiedene Wege miteinander kommunizieren.
Eine Tierstudie von 2025 stützt diese Theorie: Bei Mäusen veränderte ein β-Glucan aus Reishi das Darmmikrobiom, beeinflusste entzündliche Signalwege und verbesserte die Leistung in Lern- und Gedächtnistests.
Ob sich daraus auch beim Menschen spürbare Effekte auf Stimmung oder Stress ergeben, ist allerdings noch offen. Die Studie liefert vor allem einen möglichen Erklärungsansatz dafür, wie Reishi auf das Gehirn wirken könnte – keinen Nachweis für eine psychische Wirkung beim Menschen.
Auch wenn Reishi ein Naturprodukt ist, ist die Einnahme nicht automatisch frei von Nebenwirkungen. Beschrieben wurden unter anderem Magen-Darm-Beschwerden, trockener Mund, Schwindel, Juckreiz und Hautreaktionen.
Hinzu kommt, dass sich Reishi-Präparate erheblich unterscheiden können. Angeboten werden Pulver aus dem Fruchtkörper, Sporenpulver und verschiedene Extrakte. Wie viele der untersuchten Inhaltsstoffe darin tatsächlich enthalten sind, kann entsprechend variieren. Ergebnisse eines bestimmten Präparats lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf andere Produkte übertragen.
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, schwanger ist oder wegen einer Erkrankung behandelt wird, sollte die Einnahme vorher ärztlich abklären.
Reishi hat durchaus Potenzial für die Psyche. Inhaltsstoffe wie β-Glucane und Triterpene wirken auf Prozesse, die für Stress, Stimmung und Gehirngesundheit relevant sein könnten. Besonders spannend: Auch beim Menschen gibt es Hinweise darauf, dass Reishi Stress, Stimmung und Wohlbefinden positiv beeinflussen könnte.
Noch ist die Forschung allerdings nicht weit genug für eindeutige Empfehlungen. Die Humanstudien sind klein und ihre Ergebnisse nicht einheitlich. Als Mittel gegen Depressionen oder Angststörungen ist Reishi daher nicht belegt – als möglicher Unterstützer für das psychische Wohlbefinden aber durchaus interessant.

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