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OrthoCenter München
Der nächste Schritt zählt
Zurück in die Bewegung
„Die meisten, die zu mir kommen, sind nicht krank. Sie sind verletzt“, für Dr. Daniel Berthold macht das den Unterschied. Denn hinter einem schmerzenden Knie, einer gereizten Achillessehne oder einer überlasteten Schulter sieht er erstmal einen Menschen mit einem Ziel. Wieder den Marathon zu laufen. Endlich mal an einem Stadtlauf teilzunehmen. Mit 70 noch jedes Jahr vier Wochen Ski zu fahren. Oder einfach schmerzfrei durch den Alltag zu kommen. Deshalb fragt er nicht unbedingt zuerst nach den Schmerzen, sondern was der- oder diejenige erreichen möchte. „Mein Job ist es dann, sie zu begleiten,“ so Berthold. Es macht ihm Spaß, zu unterstützen, aufzuklären, Ängste zu nehmen – aber auch, mal auf die Bremse zu treten. „Wir sehen oft Beschwerden oder Überlastungsschäden, weil die Leute, getrieben von Social Media und Performance Gedanken, sich einfach überfordern.“ Aus diesem Grund findet er Trendsportarten wie Hyrox oder Goals wie den Ironman zwar spannend, sieht sie aber durchaus kritisch: Gerade junge Frauen und Männer im mittleren Alter laufen hier Gefahr, die Signale des Körpers zu überhören. Zu einem guten Orthopäden gehört dann auch, mal gegen den Sport und für die Gesundheit zu plädieren.
„Die meisten hier sind nicht krank, sie sind verletzt“
PD Dr. med. Daniel P. Berthold
Beschwerden entstehen selten aus dem Nichts, neben seiner medizinischen Kompetenz zählt er Zuhören zu einer seiner wichtigsten Fähigkeiten. „Ich möchte nicht nur behandeln, wo es weh tut, sondern den eigentlichen Auslöser finden“, sagt er. Um den besser eingrenzen zu können, braucht es natürlich auch die richtigen Fragen, die ihm helfen, zu verstehen, wie ein Mensch lebt, sich bewegt, welche Geschichte er hat. Und die Zeit nimmt er sich. Denn: „Ein Knieschmerz kann ein Knieschmerz sein, es kann aber auch etwas richtig Kompliziertes sein. Das findet man oft nicht in fünf Minuten heheraus.“
„Return to Alltag oder Return to Sports – das treibt mich täglich an. Und dafür kriegen meine Patientinnen und Patienten immer Optionen.“
Ein Ansatz, der aus seiner eigenen Geschichte folgt: Der gebürtige Luxemburger kommt aus dem Leistungssport und spielte Fußball – verbrachte aber mehr Zeit in orthopädischen Praxen und OP-Sälen. „Ich war vermutlich der verletzungsanfälligste Spieler, den man sich vorstellen kann,“ sagt er heute und lacht.
„Return to Alltag, return to sports - das treibt mich täglich an“
PD Dr. med. Daniel P. Berthold
Damals fand er das nicht lustig. Aber er begann schon früh zu hinterfragen, wie Verletzungen entstehen, warum manche schneller heilen als andere, weshalb Therapien unterschiedlich wirken oder warum Sportler immer wieder dieselben Verletzungen haben. Damals schon prophezeite ihm ein Orthopäde, dass er irgendwann selbst einer werden würde.
Dass Medizin sein Ziel sein würde, stand schon früh fest - schon als 10-Jähriger verfolgte er wissenschaftliche Sendungen und Artikel, wollte mehr wissen. „Ich war schon immer ein Streber“, gesteht er lachend. „Es hat mir einfach Spaß gemacht.“ Seine Ausbildung führte ihn in die Sportorthopädie am Klinikum rechts der Isar (bei Prof. Andreas Imhoff und Prof. Sebastian Siebenlist), an die LMU und zu einem Forschungsaufenthalt an die University of Connecticut. Er habilitierte früh, hat viel publiziert und dennoch fehlte ihm was in der Uni-Klinik: Die Möglichkeit, näher am Patienten zu sein - sie nicht nur zu operieren, sondern über einen längeren Zeitraum begleiten zu können. „Ich arbeite einfach gern mit Menschen,“ wie er sagt. Ein Traum, den er sich in der Praxis erfüllen konnte.
Im Januar 2026 hat er die ärztliche Leitung des OrthoCenters München von Prof. Lill in der Münchener Maximilianstraße, gleich gegenüber der Oper, übernommen. Seine Schwerpunkte: Behandlung von Schulter-, Ellenbogen-, Knie- und Sprunggelenksverletzungen. Er ist spezialisiert auf konservative Behandlungen, minimal-invasive Gelenkchirurgie, sowie evidenzbasierte individuelle Therapiepläne.
Der Wissenschaft bleibt er dennoch weiterhin erhalten: Er ist Privatdozent, betreut mehrere Doktoranden, publiziert und ist im Board von zwei renommierten internationalen sportorthopädischen Fachjournalen. Kein Selbstzweck, sondern die Chance möglichst viele, neue Erkenntnisse zu sammeln und gleichzeitig Wissen weiterzugeben – wie zum Beispiel in einem Buch über Schulterverletzungen bei Profisportlern, das Ende 2026 herauskommen wird.
Nah an der Wissenschaft und nah am Patienten – so könnte man seinen Anspruch bezeichnen. Er nennt es: Etwas mehr als klassische alte Orthopädie. Wie sich dieser Anspruch im Praxisalltag zeigt, beginnt schon bei der Diagnostik. „Ich sehe das Thema ganzheitlich. Von Kopf bis Fuß. Es reicht nicht, nur hüftabwärts zu schauen,“ erklärt Dr. Berthold. Das heißt auch, für die richtige Diagnose braucht man Zeit: „Ein Knieschmerz kann ein Knieschmerz sein, aber auch etwas richtig Kompliziertes. Und das findet man nicht in fünf Minuten heraus.“ Um sich ein vollständiges Bild zu machen, setzt er auf Tools, die ihren Ursprung häufig im Leistungs- und Profisport haben: Dynamische Ultraschalluntersuchungen, EMG-gestützte Muskelanalysen, videogestützte Laufdiagnostik oder den 4D Body Scanner, der Haltung, Bewegungsmuster und muskuläre Dysbalancen sichtbar macht. Daraus entwickelt in enger Zusammenarbeit mit Physiotherapeutinnen, Sportwissenschaftlerinnen und Athletiktrainern individuelle Trainingsprogramme.
„Ich möchte nicht nur behandeln, wo es weh tut, sondern den eigentlichen Auslöser finden.“
PD Dr. med. Daniel P. Berthold
In der Behandlung gilt: Konsequent alle konservativen Methoden ausschöpfen.
Zu den faszinierendsten konservativen Verfahren zählen für Berthold die Eigenbluttherapien. „So einfach, aber genial“, findet er. „Es ist kein Aufwand für die Patienten, steigert schnell die Lebensqualität und verursacht keinen Schaden im Gelenk. Und man kann das Eigenblut mit verschiedenen Zusätzen erstaunlich präzise individuell anpassen.“ Zudem umfasst das Praxis-Spektrum auch biologische Kombinationstherapien und moderne Hyaluronsäure-Behandlungen sowie komplementäre Therapien wie Akupunktur, Magnetfeldtherapie, Elektrotherapie oder Stoßwelle.
Operiert wird immer erst, wenn es sinnvoll ist, das heißt, nicht-chirurgische Verfahren keine Linderung versprechen. Und dann überwiegend minimalinvasiv und immer mit dem Ziel, möglichst schnell und dauerhaft in die Bewegung zurückzukehren.
Bewegung spielt für Dr. Berthold auch privat eine große Rolle. Gemeinsam mit seiner Familie und Labradorhündin Cookie ist der frischgebackene Vater oft draußen unterwegs – am liebsten in den Bergen, an den Seen oder im Englischen Garten. Zum Abschalten setzt er auf Eisbaden und ausreichend Schlaf. Weil für lange Einheiten im Fitnessstudio oft die Zeit fehlt, hat er sich außerdem eine ganz eigene Routine entwickelt: fünf Übungen für die Grundspannung – Dips, Klimmzüge, Liegestütze, Bauchübungen und Squats. Das Praktische daran: Sie funktionieren immer und überall, auch zwischendurch. Denn für Daniel Berthold zählt am Ende, dass Bewegung selbstverständlich Teil des Lebens ist und bleibt.

Roboter sollen Knieprothesen präziser einsetzen und Patienten nach der Operation schneller auf die Beine bringen. Doch wie groß ist der Vorteil wirklich? Orthopäde PD Dr. Daniel P. Berthold erklärt, was die neue Technik kann – und wo ihre Grenzen liegen.
Christine Bürg & Marianne Waldenfels

Ein Interview mit
PD Dr. med. Daniel P. Berthold