© Ketut Subiyanto
28. August 2025
Lena Sämann
Die Tage werden kürzer, die Müdigkeit größer: Erfahren Sie, warum der Herbst unseren Schlafrhythmus durcheinanderbringt und wie Sie mit acht Strategien Ihre Schlafqualität nachhaltig verbessern können
Die goldenen Blätter fallen, die Temperaturen sinken – und plötzlich fühlen wir uns müder als sonst. Dieses Phänomen ist kein Zufall: Der Herbst bringt biologische Veränderungen mit sich, die unseren Schlaf-Wach-Rhythmus erheblich beeinflussen. Doch mit dem richtigen Wissen und gezielten Maßnahmen lässt sich die Schlafqualität auch in der dunkleren Jahreszeit optimieren.
Das verkürzte Tageslicht ist der primäre Grund für unsere Herbstmüdigkeit. Weniger natürliches Licht führt zu einer verstärkten Produktion des Schlafhormons Melatonin, während gleichzeitig die Serotoninproduktion – unser "Glückshormon" – abnimmt. Diese hormonelle Verschiebung macht uns nicht nur müder, sondern kann auch die Stimmung beeinträchtigen.
Unser innerer biologischer Rhythmus, der circadiane Rhythmus, orientiert sich hauptsächlich am Tageslicht. Die verkürzte Lichtexposition im Herbst kann zu einer Desynchronisation führen, wodurch wir uns tagsüber schläfrig und nachts unruhig fühlen.
Aus evolutionärer Sicht ist die erhöhte Müdigkeit im Herbst durchaus sinnvoll: Unsere Vorfahren mussten Energie für die kalten Wintermonate konservieren. Diese biologische Programmierung wirkt auch heute noch in uns nach.
Melatonin wird in der Zirbeldrüse produziert und reguliert unseren Schlaf-Wach-Zyklus. Bei verringerter Lichteinwirkung steigt die Melatoninproduktion bereits am frühen Abend an, was zu vorzeitiger Müdigkeit führt. Studien zeigen, dass die Melatoninkonzentration im Herbst um bis zu 25% höher sein kann als im Sommer.
Der Mangel an Sonnenlicht beeinflusst auch die Vitamin-D-Synthese, die eng mit der Serotoninproduktion verknüpft ist. Ein niedriger Serotoninspiegel kann nicht nur die Stimmung beeinträchtigen, sondern auch die Schlafqualität verschlechtern.
Tageslichtlampen am Morgen: Verwenden Sie eine Tageslichtlampe mit 10.000 Lux für 20-30 Minuten direkt nach dem Aufwachen. Dies hilft dabei, den circadianen Rhythmus zu stabilisieren und die Melatoninproduktion zu regulieren.
Optimaler Zeitpunkt: Die Lichttherapie sollte zwischen 6 und 8 Uhr morgens stattfinden, um die beste Wirkung zu erzielen.
Regelmäßige Schlafzeiten: Gehen Sie auch am Wochenende zur gleichen Zeit ins Bett und stehen Sie zur gleichen Zeit auf. Dies stärkt Ihren natürlichen Rhythmus.
Optimale Schlafumgebung: Die ideale Raumtemperatur liegt zwischen 16 und 19°C. Sorgen Sie für absolute Dunkelheit und minimieren Sie Geräusche.
Outdoor-Aktivitäten priorisieren: Selbst bei bewölktem Himmel ist das natürliche Licht draußen deutlich heller als Innenbeleuchtung. Ein 30-minütiger Spaziergang am Vormittag kann Wunder bewirken.
Timing beachten: Intensive körperliche Aktivität sollte mindestens 3-4 Stunden vor der Schlafenszeit beendet werden.
Tryptophanreiche Lebensmittel: Truthahn, Milchprodukte, Nüsse und Bananen enthalten die Aminosäure Tryptophan, die bei der Serotoninproduktion hilft.
Vitamin-D-Supplementierung: Nach Rücksprache mit einem Arzt kann eine Vitamin-D-Ergänzung sinnvoll sein, besonders bei nachgewiesenem Mangel.
Blaulichtfilter aktivieren: Nutzen Sie ab dem späten Nachmittag Blaulichtfilter auf allen digitalen Geräten oder tragen Sie entsprechende Brillen.
Digital Sunset: Schalten Sie elektronische Geräte mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen aus.
Progressive Muskelentspannung: Diese Technik kann die Schlaflatenz (Zeit bis zum Einschlafen) um bis zu 50% reduzieren.
Atemübungen: Die 4-7-8-Atemtechnik aktiviert das parasympathische Nervensystem und bereitet den Körper auf den Schlaf vor.
Luftfeuchtigkeit: Die ideale Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer liegt zwischen 40-60%. Trockene Heizungsluft kann den Schlaf stören.
Belüftung: Lüften Sie vor dem Schlafengehen kurz stoß, um für frische Luft zu sorgen.
Lichtexposition durch Aktivitäten: Gemeinsame Unternehmungen im Freien kombinieren soziale Interaktion mit wertvoller Lichttherapie.
Regelmäßigkeit: Planen Sie feste Termine für Outdoor-Aktivitäten mit Freunden oder Familie.
Sollten die Schlafprobleme trotz konsequenter Umsetzung dieser Strategien über mehrere Wochen bestehen bleiben, ist eine ärztliche Beratung empfehlenswert. Besonders bei folgenden Symptomen:
Eine saisonale affektive Störung (SAD) oder andere schlafmedizinische Erkrankungen können professionelle Behandlung erfordern.
Die im Herbst etablierten Routinen sollten auch in den Wintermonaten beibehalten werden. Planen Sie bereits jetzt:
Lichttherapie-Equipment: Investieren Sie in hochwertige Tageslichtlampen für zu Hause und das Büro.
Vitamin-D-Status: Lassen Sie Ihren Vitamin-D-Spiegel überprüfen und besprechen Sie eine mögliche Supplementierung.
Bewegungsroutine: Entwickeln Sie einen Plan für Indoor-Aktivitäten an besonders dunklen Tagen.
Die Herbstmüdigkeit ist ein natürliches Phänomen, dem wir jedoch nicht hilflos ausgeliefert sind. Mit wissenschaftlich fundierten Strategien lässt sich die Schlafqualität auch bei weniger Tageslicht erheblich verbessern. Der Schlüssel liegt in der Kombination aus Lichtmanagement, gesunden Routinen und der bewussten Anpassung an die veränderten Umweltbedingungen.
Beginnen Sie am besten heute mit der Umsetzung dieser Tipps – Ihr Körper wird es Ihnen mit erholsameren Nächten und energiereicheren Tagen danken. Remember: Guter Schlaf ist keine Luxusausgabe, sondern eine Investition in Ihre Gesundheit und Lebensqualität.