
© Freepik
19. Juli 2026
Hanja Niederhammer
Gotu Kola gilt als Trend in Hautpflege und Nahrungsergänzung. Doch was kann die Heilpflanze tatsächlich? Welche Anwendungen durch Studien gut belegt sind – und wo die Forschung noch keine eindeutigen Antworten liefert.
Kaum eine Heilpflanze erlebt derzeit ein so großes Comeback wie Gotu Kola, ob als Serum für empfindliche Haut, als Nahrungsergänzungsmittel oder als K-Beauty-Star. Mal soll Centella asiatica die Kollagenbildung fördern, mal Stress lindern oder sogar das Gedächtnis verbessern.
Doch was ist tatsächlich wissenschaftlich belegt? In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Studien deutlich gestiegen. Am überzeugendsten ist die Studienlage derzeit für Haut, Wundheilung und chronische Venenschwäche. Weniger eindeutig sind die Daten zu Stress, Gedächtnis oder neurodegenerativen Erkrankungen. Was also kann Gotu Kola wirklich?
Gotu Kola (Centella asiatica) wächst in den tropischen Regionen Asiens und wird dort seit Jahrhunderten als Heilpflanze genutzt. Im Ayurveda zählt sie zu den wichtigsten traditionellen Arzneipflanzen, auch in der chinesischen Medizin hat sie einen festen Platz.
Heute wird Centella asiatica sowohl in Hautpflegeprodukten als auch als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt. Im Mittelpunkt der Forschung stehen vor allem ihre entzündungshemmenden und antioxidativen Pflanzenstoffe, die die Regeneration von Haut und Gewebe unterstützen könnten.
Der größte Pluspunkt von Gotu Kola liegt dort, wo die Pflanze heute am häufigsten eingesetzt wird: bei der Haut. Kaum ein pflanzlicher Wirkstoff findet sich inzwischen in so vielen Seren, Cremes und medizinischen Pflegeprodukten. Vor allem Menschen mit empfindlicher oder gereizter Haut begegnen Centella asiatica immer häufiger.
Der Grund dafür ist einfach: Für kaum einen anderen Anwendungsbereich gibt es so viele wissenschaftliche Untersuchungen. Studien zeigen, dass bestimmte Inhaltsstoffe die Kollagenbildung fördern, Entzündungsreaktionen abschwächen und die Regeneration geschädigter Haut unterstützen können. Gleichzeitig scheint Centella asiatica die Hautbarriere zu stärken und so dazu beizutragen, dass die Haut Feuchtigkeit besser speichert und äußere Reize abwehrt.

Tempo, Haltung, Schuhe oder das Smartphone: Schon kleine Gewohnheiten können den gesundheitlichen Nutzen des Gehens schmälern. Welche vier Fehler besonders häufig sind und was aktuelle Studien dazu zeigen.
Marianne Waldenfels

Mit
Prof. Dr. med. Dominik Pförringer

Muskelaufbau, Fettverbrennung oder stärkere Knochen – die Vibrationsplatte wird mit zahlreichen Gesundheitsversprechen beworben. Physiotherapeut Nils Stützer erklärt, welche Effekte wissenschaftlich belegt sind, wo die Forschung Grenzen setzt und für wen sich das Training tatsächlich lohnen kann
Christine Bürg & Marianne Waldenfels

Mit
Nils Stützer

Laser, Retinol, Biostimulatoren: Welche Anti-Aging-Methoden wirken tatsächlich? Dermatologin Dr. Susanne Steinkraus erklärt, welche Verfahren wissenschaftlich sinnvoll sind und worauf es für gesunde Haut ankommt
Christine Bürg & Marianne Waldenfels

Ein Interview mit
Dr. med. Susanne Steinkraus

Viele Frauen verzichten aus Angst vor Nebenwirkungen auf eine Hormonersatztherapie. Doch aktuelle Leitlinien bewerten Nutzen und Risiken heute deutlich differenzierter als noch vor 20 Jahren
Birgitta Dunckel

Mit
Dr. Petra Eisenmann
Auch bei der Wundheilung ist die Studienlage vergleichsweise gut. Mehrere Untersuchungen deuten darauf hin, dass standardisierte Extrakte die Neubildung von Hautgewebe fördern und kleinere Verletzungen schneller abheilen können. Deshalb wird Gotu Kola seit Jahren auch in medizinischen Wund- und Narbenpräparaten eingesetzt.
Immer wieder wird Centella asiatica als pflanzliche Alternative zu Retinol bezeichnet. Ganz so weit geht die Wissenschaft allerdings nicht.
Zwar sprechen Labor- und erste klinische Studien dafür, dass Gotu Kola die Kollagenbildung unterstützen kann – ein wichtiger Faktor für eine straffe Haut. Für Retinoide ist die Studienlage jedoch deutlich umfangreicher. Sie bleiben deshalb weiterhin der Goldstandard gegen lichtbedingte Hautalterung.
Interessant könnte Centella asiatica dennoch sein: Viele Dermatologen setzen den Pflanzenextrakt heute ergänzend ein, weil er die Haut beruhigen und ihre Regeneration unterstützen kann.
Können Heilpflanzen tatsächlich das Gehirn schützen? Genau dieser Frage gehen Forscher seit einigen Jahren nach. Bereits in der traditionellen asiatischen Medizin wurde Gotu Kola eingesetzt, um Konzentration, Gedächtnis und innere Ruhe zu fördern. Heute versuchen Wissenschaftler herauszufinden, ob sich diese Erfahrungen auch mit modernen Studien belegen lassen.
Die bisherigen Ergebnisse sind durchaus spannend. Im Labor zeigen die Inhaltsstoffe antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften. Dadurch könnten Nervenzellen besser vor Belastungen geschützt werden. Tierstudien liefern außerdem Hinweise darauf, dass Gotu Kola Lern- und Gedächtnisleistungen verbessern könnte.
Beim Menschen fällt das Bild allerdings deutlich zurückhaltender aus. Einige kleinere Studien berichten über eine bessere Stimmung oder ein geringeres subjektives Stressempfinden. Klare Belege dafür, dass Gotu Kola die Gedächtnisleistung verbessert oder Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson vorbeugen kann, gibt es derzeit jedoch nicht.
Die Forschung läuft zwar intensiv weiter, belastbare klinische Studien stehen aber noch aus.
Weniger bekannt ist, dass Centella asiatica bereits seit vielen Jahren bei chronischer Venenschwäche untersucht wird. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, bei der das Blut schlechter aus den Beinen zum Herzen zurückfließt. Typische Beschwerden sind schwere Beine, Spannungsgefühle oder Schwellungen.
Mehrere Studien deuten darauf hin, dass standardisierte Gotu-Kola-Extrakte die Mikrozirkulation verbessern und Beschwerden lindern könnten. Beobachtet wurden unter anderem weniger Schwellungen und eine stabilere Funktion kleiner Blutgefäße.
Auch wenn die Studien unterschiedlich aufgebaut sind, gehört dieser Bereich zu den wissenschaftlich am besten untersuchten Anwendungsgebieten der Heilpflanze.
Im Internet wird Gotu Kola inzwischen für zahlreiche weitere Beschwerden empfohlen, von Gelenkschmerzen bis hin zu Depressionen oder chronischen Entzündungen.
Tatsächlich gibt es für viele dieser Anwendungen erste wissenschaftliche Hinweise. Die meisten stammen jedoch aus Laborversuchen, Tierstudien oder kleinen Pilotstudien mit wenigen Teilnehmern. Daraus lassen sich noch keine verlässlichen Empfehlungen ableiten.
Das bedeutet nicht, dass Gotu Kola in diesen Bereichen wirkungslos ist. Vielmehr muss die Forschung erst zeigen, ob sich die vielversprechenden Ergebnisse auch in größeren klinischen Studien bestätigen lassen.
Ob als Kapsel, Tee oder Creme – Gotu Kola gilt insgesamt als gut verträglich. In Studien wurden nur gelegentlich leichte Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder Müdigkeit beobachtet. Bei äußerlicher Anwendung kann es in seltenen Fällen zu Hautreizungen kommen.
Ganz ohne Risiken ist die Heilpflanze dennoch nicht. Vereinzelt wurden nach einer längerfristigen oder hoch dosierten Einnahme Leberschäden beschrieben. Ein eindeutiger Zusammenhang konnte zwar nicht immer nachgewiesen werden, Menschen mit Lebererkrankungen oder einer bestehenden Medikamenteneinnahme sollten Nahrungsergänzungsmittel mit Centella asiatica dennoch vorsichtshalber mit ihrem Arzt besprechen.
Auch für Schwangere und Stillende gibt es bislang nicht genügend Daten, um eine regelmäßige Einnahme zu empfehlen.
Centella asiatica ist als Tee, Kapseln, Pulver oder standardisierter Extrakt erhältlich. In wissenschaftlichen Studien kamen überwiegend Extrakte zum Einsatz, die einen festgelegten Gehalt an den wirksamen Pflanzenstoffen enthielten.
Die meisten Untersuchungen verwendeten Tagesdosen zwischen 300 und 600 Milligramm über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen. Ob eine langfristige Einnahme sinnvoll oder notwendig ist, lässt sich derzeit nicht sicher beurteilen. Hierzu fehlen noch aussagekräftige Langzeitstudien.
Gotu Kola ist weder ein Wundermittel noch ein Alleskönner. Dennoch gehört Centella asiatica zu den wenigen traditionellen Heilpflanzen, deren Wirkung heute vergleichsweise gut untersucht ist. Besonders überzeugend ist die Evidenz für Hautregeneration, Wundheilung und chronische Venenschwäche. Bei vielen weiteren Anwendungen, etwa für Stress, Gedächtnis oder Entzündungen, ist die Forschung vielversprechend, aber noch nicht eindeutig.