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Kudzu soll Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen und helfen, den Blutdruck zu senken
1. Februar 2026
Birgitta Dunckel
Kudzu gilt im asiatischen Raum als Heilpflanze – bei Wechseljahresbeschwerden und sogar Herz-Kreislauf-Problemen. Wie wirkt sie und wie wird sie angewendet?
Kudzu (Pueraria montana) ist eine asiatische Kletterpflanze, die sich innerhalb eines Jahres bis zu 20 Meter ausbreiten kann. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und der japanischen Heilkunde wird sie seit Jahrhunderten bei verschiedenen gesundheitlichen Beschwerden eingesetzt. Aufgrund ihres kriechenden Wuchses ist die Pflanze auch unter dem Namen "Japanische Weinrebe" bekannt.
Kudzu stammt ursprünglich aus Asien und wächst vor allem in Indien, China und Japan – typischerweise an Wald- und Straßenrändern. Heute ist die Pflanze weltweit bekannt und wird zunehmend auch in Europa als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben.
Die Geschichte von Kudzu als Heilpflanze reicht mehr als 2.000 Jahre zurück. Erstmals dokumentiert wurde ihre medizinische Anwendung in der chinesischen Schrift "Ben Cao Gang Mu" aus dem 16. Jahrhundert, einem der bedeutendsten Werke der traditionellen chinesischen Medizin. Dort wird Kudzu als Mittel gegen Fieber, Durchfall und Magenprobleme beschrieben.
In Japan hat Kudzu ebenfalls eine lange Tradition – sowohl als Heilpflanze als auch als Nahrungsmittel. Aus der stärkereichen Wurzel wird ein feines Verdickungsmittel gewonnen, das in der japanischen Küche seit Jahrhunderten Verwendung findet.
Im 19. Jahrhundert gelangte Kudzu nach Nordamerika, wo die Pflanze zunächst zur Bekämpfung von Bodenerosion eingesetzt wurde. Aufgrund ihrer extremen Wachstumsgeschwindigkeit – bis zu 20 Meter pro Jahr – breitete sie sich unkontrolliert aus und gilt heute in den südlichen USA als invasive Art. Ironischerweise hat genau diese biologische Robustheit das Interesse der Wissenschaft an den Inhaltsstoffen der Pflanze geweckt.
In Europa wurde Kudzu erst in den letzten Jahrzehnten als Naturheilmittel populär, vor allem im Zuge des wachsenden Interesses an TCM-Präparaten und pflanzlichen Alternativen zur Schulmedizin.
Die Einsatzmöglichkeiten von Kudzu sind vielfältig. Traditionell wird die Pflanze bei eingesetzt. Bei übersäuertem Magen und Sodbrennen soll die Kudzu-Wurzel die Magenschleimhaut auskleiden und so den Magen beruhigen.
Besonders bekannt ist Kudzu für seine Wirkung beim Alkohol- und Nikotinentzug: Es soll das Verlangen nach diesen Substanzen spürbar reduzieren. Darüber hinaus wird der Pflanze eine vorbeugende Wirkung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zugeschrieben – sie soll helfen, den Blutdruck zu senken und den Blutzucker zu regulieren.
Ein weiteres Anwendungsgebiet sind Wechseljahresbeschwerden. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Kudzu bei regelmäßiger Einnahme Hitzewallungen in Häufigkeit und Intensität abschwächen kann.
Die heilsame Wirkung von Kudzu wird auf seine vielfältigen sekundären Pflanzenstoffe zurückgeführt. In der Wurzel, den Bohnen und den Blättern finden sich neben Kohlenhydraten und Ballaststoffen vor allem wertvolle Wirkstoffe: Die Isoflavone Daidzein und Diazin wirken als pflanzliche Östrogene mit antioxidativer Wirkung, während Puerarin als Flavonoid gefäßerweiternde Eigenschaften besitzt. Ergänzt werden diese durch Genistein und Genestin – weitere Isoflavone mit hormonähnlicher Wirkung – sowie Hydroxytryptophan.
Besonders die Isoflavone sind für die medizinische Wirkung relevant: Ihre Struktur ähnelt dem menschlichen Hormon Östrogen. Da der Östrogenspiegel in den Wechseljahren sinkt, können Isoflavone aus Kudzu möglicherweise einen Ausgleich schaffen. Laut einigen Studien nahmen Hitzewallungen bei Frauen nach mehrwöchiger Einnahme von Kudzu-Präparaten in Häufigkeit und Intensität ab.
Das wissenschaftliche Interesse an Kudzu hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Besonders drei Bereiche stehen im Fokus der Forschung:
Alkoholkonsum und Sucht: Eine der bekanntesten Studien wurde an der Harvard Medical School durchgeführt. Dabei tranken Probanden, die Kudzu-Extrakt eingenommen hatten, signifikant weniger Bier als die Kontrollgruppe. Forscher vermuten, dass Puerarin die Alkoholaufnahme verlangsamt und so das Sättigungs- und Belohnungsgefühl früher eintritt.
Herz-Kreislauf-System: Puerarin wird in Teilen der Forschung als gefäßerweiternd und blutdrucksenkend eingestuft. In einigen asiatischen Ländern wird Puerarin bereits als ergänzende Therapie bei Herzerkrankungen eingesetzt, wenngleich die Datenlage für westliche Zulassungsstandards noch nicht ausreicht.
Wechseljahresbeschwerden: Mehrere kleinere Studien deuten darauf hin, dass die Isoflavone in Kudzu die Häufigkeit und Intensität von Hitzewallungen reduzieren können. Die Ergebnisse sind vielversprechend, jedoch sind größere klinische Studien notwendig, um endgültige Aussagen treffen zu können.
Wichtiger Hinweis: Viele Studien zu Kudzu sind noch vorläufig oder wurden an kleinen Stichproben durchgeführt. Kudzu ist kein Ersatz für medizinische Behandlungen. Bei ernsthaften Beschwerden sollte immer ein Arzt konsultiert werden.
In Japan und China wird Kudzu traditionell als Tee aus getrockneten Wurzeln zubereitet. In westlichen Ländern ist die Pflanze heute vor allem in folgenden Formen erhältlich:
• Kapseln und Pillen
• Pulver (z.B. zum Auflösen in Wasser oder Smoothies)
• Tee aus getrockneten Wurzeln oder Blättern
Wer Kudzu kaufen möchte, findet das Präparat in Apotheken, Reformhäusern und Online-Shops. Damit man ein qualitativ hochwertiges Produkt bekommt, sollte man beim Kauf folgende Punkte beachten:
• Herkunft und Reinheit: Achte auf Produkte mit klaren Angaben zur Herkunft der Pflanze. Präparate aus kontrolliertem Anbau sind vorzuziehen.
• Standardisierter Extrakt: Hochwertige Produkte geben den Gehalt an Puerarin oder Isoflavonen in Prozent an. So lässt sich die Wirkstoffkonzentration besser einschätzen.
• Zertifizierungen: Siegel wie GMP (Good Manufacturing Practice) oder ISO-Zertifizierungen geben Hinweis auf Qualitätsstandards in der Produktion.
• Ohne Zusatzstoffe: Achte darauf, dass keine unnötigen Füllstoffe, Konservierungsmittel oder künstlichen Aromen enthalten sind.
• Vertrauenswürdige Anbieter: Kaufe bevorzugt bei Apotheken oder seriösen Naturkostikhändlern, die Produktinformationen transparent kommunizieren.
Preislich bewegen sich Kudzu-Kapseln und -Pulver je nach Dosierung und Menge meist zwischen 15 und 40 Euro. Günstige Angebote ohne Herkunftsangaben sollte man mit Vorsicht genießen.
Achtung: Auch wenn Kudzu eine Naturheilpflanze ist, sollte die Einnahme nicht leichtfertig erfolgen. Zu beachten ist:
• Dosierung einhalten: Die östrogenähnlichen Isoflavone sind in hoher Konzentration enthalten und können bei Überdosierung negative pharmakologische oder toxische Wirkungen haben. Die Herstellerangaben zur Höchstdosis sollten strikt eingehalten werden.
• Diabetiker: Kudzu kann den Insulinspiegel rapide anheben – eine Einnahme wird daher nicht empfohlen.
• Blutverdünner: Personen, die gerinnungshemmende Medikamente wie Aspirin einnehmen, sollten Kudzu meiden.
• Schwangere und Stillende: Von der Einnahme wird ausdrücklich abgeraten.
Bei Unsicherheiten empfiehlt sich vor der Einnahme stets eine ärztliche Rücksprache.
Kudzu ist eine faszinierende Heilpflanze mit langer Tradition in der asiatischen Medizin. Ihre Geschichte reicht über 2.000 Jahre zurück, und die moderne Forschung liefert zunehmend Belege für die Wirksamkeit einzelner Inhaltsstoffe – insbesondere Puerarin und die Isoflavone.
Besonders interessant ist Kudzu bei Wechseljahresbeschwerden, Magenproblemen und dem Wunsch nach Reduktion von Alkohol- oder Nikotinkonsum. Wichtig ist jedoch ein bewusster und informierter Umgang mit dem Präparat: Kudzu ist trotz seiner pflanzlichen Herkunft nicht frei von Risiken und kein Ersatz für ärztliche Behandlung.
Wer Kudzu ausprobieren möchte, sollte auf Qualitätsprodukte setzen, die Dosierungsempfehlungen einhalten und im Zweifel seinen Arzt oder Apotheker konsultieren.