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11. Februar 2026
Marianne Waldenfels
Wie Reishi, Cordyceps und andere Heilpilze die Pollensaison erleichtern können
Jeder siebte Mensch in Deutschland leidet unter Heuschnupfen – tränende Augen, laufende Nase und quälender Juckreiz machen den Frühling zur Tortur. Während klassische Antihistaminika oft müde machen, rücken Vitalpilze als natürliche Alternative in den Fokus. Doch was steckt wirklich hinter der Wirkung von Reishi, Cordyceps und Co.? Wir haben die Studienlage durchleuchtet.
Bei einer Pollenallergie stuft das Immunsystem eigentlich harmlose Blütenpollen als gefährliche Eindringlinge ein. Die Folge: Der Körper schüttet massiv Histamin aus – jenen Botenstoff, der für die typischen Symptome verantwortlich ist. Rote, geschwollene Augen, eine verstopfte Nase und ständiger Juckreiz sind die unangenehmen Begleiter durch die Pollensaison.
Etwa 20 Prozent der deutschen Bevölkerung sind mittlerweile betroffen – Tendenz steigend. Viele greifen zu rezeptfreien Antihistaminika, doch diese bekämpfen nur die Symptome und können als Nebenwirkung Müdigkeit verursachen. Eine langfristige Lösung, die das Immunsystem reguliert statt unterdrückt, wäre deutlich wünschenswert.
Hier kommen Vitalpilze ins Spiel. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden Heilpilze seit Jahrtausenden bei Allergien und Atemwegsbeschwerden eingesetzt. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Medikamenten: Vitalpilze wirken immunmodulierend – sie bringen das Immunsystem wieder ins Gleichgewicht, anstatt es einfach zu unterdrücken.
Verantwortlich dafür sind vor allem zwei Stoffgruppen: Beta-Glucane und Triterpene. Beta-Glucane sind spezielle Zuckermoleküle, die von Immunzellen im Darm erkannt werden und diese aktivieren – ähnlich einem Trainingseffekt für die Körperabwehr. Triterpene wiederum wirken entzündungshemmend und können die Histaminausschüttung drosseln, ganz ähnlich wie Kortison, aber ohne dessen Nebenwirkungen.

Wie Reishi, Cordyceps und andere Heilpilze die Pollensaison erleichtern können
Marianne Waldenfels
Der Reishi-Pilz (Ganoderma lucidum), auch als "Pilz der Unsterblichkeit" bekannt, ist der am besten erforschte Vitalpilz bei allergischen Reaktionen. Studien an der Universität Okayama in Japan konnten nachweisen, dass Reishi vier Wirkstoffe enthält, die die Histaminfreisetzung hemmen können. Diese sogenannten Ganoderinsäuren blockieren die Ausschüttung des Entzündungsbotenstoffs und bringen die Immunglobulin E (IgE)-Antikörper wieder ins Gleichgewicht.
Besonders bemerkenswert: Reishi enthält etwa 140 hochaktive Triterpene, die kortisonähnlich wirken – jedoch ohne die gefürchteten Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder Immunschwäche. In Erfahrungsberichten berichten Betroffene von deutlich gelinderten bis komplett verschwundenen Symptomen.
Der Mandelpilz ABM zeichnet sich durch den höchsten Beta-Glucan-Gehalt aller bisher erforschten Vitalpilze aus – satte 45 Prozent Proteinanteil machen ihn zu einem echten Powerpaket. Beta-Glucane aktivieren Makrophagen, jene Fresszellen, die Krankheitserreger eliminieren und das Immunsystem gezielt stimulieren.
In einer Studie an Kindern mit Atemwegsbeschwerden zeigte sich eine klare antiallergische Wirkung. Besonders praktisch: ABM kann auch als Speisepilz verzehrt werden – ein leckeres Gericht mit therapeutischem Nebeneffekt.
Der Igelstachelbart (Hericium erinaceus) ist besonders hilfreich, wenn die Schleimhäute stark anschwellen. Er regeneriert die Atemwegs-Schleimhäute und unterstützt über die sogenannte Darm-Hirn-Achse auch psychisch-emotionale Prozesse. Gerade bei chronischem Heuschnupfen, der mit Stress und Nervosität einhergeht, kann Hericium wertvolle Dienste leisten.
Bei starkem Fließschnupfen und verstopfter Nase kommt der Polyporus ins Spiel. Er drosselt die Schleimbildung und stimuliert das Lymphsystem, wodurch allergische Reaktionen gedämpft werden. Idealerweise wird eine Kur mit Polyporus bereits im Winter durchgeführt – so geht man mit einer geringeren Allergiebereitschaft in die Pollensaison.
Falls die Allergie mit Erschöpfung und depressiver Verstimmung einhergeht, ist Cordyceps eine gute Wahl. Der "Raupenpilz" wirkt stimmungsaufhellend, beruhigend und energetisierend zugleich. Er enthält das wertvolle Cordycepin, das eng mit DNA-Bausteinen verwandt ist und Stoffwechselprozesse unterstützt.
Die Forschung zu Vitalpilzen bei Allergien steckt noch in den Anfängen, zeigt aber vielversprechende Ergebnisse. Eine aktuelle Metaanalyse zu Beta-Glucanen aus Hefe ergab, dass in Behandlungsgruppen 60 Prozent weniger Teilnehmer an Atemwegsinfekten erkrankten. Auch die Dauer und der Schweregrad von Infekten wurden signifikant reduziert.
Für Reishi liegen mittlerweile über 1000 Studien in der Datenbank PubMed vor. Japanische Forscher konnten nachweisen, dass die Triterpene in Reishi die Aktivität bestimmter Abwehrzellen (T-Zellen, Makrophagen, natürliche Killerzellen) modulieren und Entzündungsprozesse hemmen.
Eine Untersuchung des Paul-Ehrlich-Instituts aus dem Jahr 2025 bestätigte, dass Beta-Glucane das Immunsystem gezielt beeinflussen und allergiebedingte Immunantworten unterdrücken können. Besonders Zymosan und β-1,3-Glucan zeigten die Fähigkeit, Mastzellen zu stabilisieren – jene Zellen, die bei Allergien Histamin freisetzen.
Idealer Start: Mit der Einnahme sollte bereits im Winter begonnen werden, mindestens 6-8 Wochen vor Beginn der Pollensaison. So hat das Immunsystem Zeit, sich zu regulieren.
Dosierung: Je nach Präparat werden 2-3 Gramm Pilzpulver oder entsprechende Extrakt-Kapseln täglich empfohlen. Bei akuten Beschwerden kann die Dosis kurzfristig erhöht werden.
Kombinationstherapie: Erfahrungsgemäß wirken Vitalpilze synergistisch. Eine Kombination aus Reishi (für die Histaminhemmung), Hericium (für die Schleimhäute) und ABM oder Cordyceps (für das Immunsystem) wird häufig empfohlen.
Darreichungsform: Achten Sie auf hochwertige Extrakte aus dem ganzen Pilz (Fruchtkörper UND Myzel). Pulver sollte schonend verarbeitet sein, um die wertvollen Enzyme zu erhalten. Bio-Qualität aus kontrolliertem Anbau ist Pflicht, um Schwermetallbelastungen zu vermeiden.
Vitalpilze entfalten ihre volle Wirkung am besten in Kombination mit einem ganzheitlichen Ansatz:
• Vitamin C wirkt als natürliches Antihistaminikum und senkt den Histaminspiegel. Es lindert zudem die Reizung der Atemwege.
• Zink schützt die Schleimhäute, regeneriert sie und reduziert die Histaminfreisetzung.
• B-Vitamine kontrollieren die Histaminausschüttung und können allergische Symptome abmildern.
• Omega-3-Fettsäuren (aus Lein-, Walnussöl oder Fischöl) verringern überschießende Entzündungsreaktionen.
• Darmgesundheit ist essenziell – 70 Prozent des Immunsystems sitzen im Darm. Eine darmfreundliche Ernährung mit Probiotika unterstützt die Wirkung der Vitalpilze.
Vitalpilze gelten als sehr gut verträglich und nebenwirkungsarm. Dennoch gibt es einige Punkte zu beachten:
• Pilzallergiker sollten generell vorsichtig sein und zunächst niedrig dosiert testen.
• Blutverdünnende Medikamente: Reishi kann blutverdünnend wirken – vor Operationen absetzen und mit dem Arzt sprechen.
• Blutdruckmedikamente: Reishi kann den Blutdruck senken – bei gleichzeitiger Einnahme von Blutdrucksenkern ist Vorsicht geboten.
• Immunsuppressiva: Nach Organtransplantationen sollten Vitalpilze nicht eingenommen werden.
• Schwangerschaft und Stillzeit: Hier ist die Datenlage noch dünn – sicherheitshalber sollte mit einem Arzt Rücksprache gehalten werden.
Der Markt für Vitalpilze boomt – leider nicht immer zum Vorteil der Verbraucher. Eine Studie ergab, dass 75 Prozent der Reishi-Produkte auf dem Markt gefälscht oder stark gestreckt sind. Deshalb gilt:
• Bio-Zertifizierung aus kontrolliertem europäischen Anbau bevorzugen
• Laborgeprüfte Produkte mit Analysezertifikaten für Schwermetalle und Pestizide
• Vollspektrum-Extrakte aus Fruchtkörper UND Myzel für maximale Wirkstoffvielfalt
• Transparente Herstellerangaben zu Herkunft, Anbaumethode und Inhaltsstoffen
• Realistischer Preis: Hochwertige Vitalpilz-Präparate haben ihren Preis – Billigprodukte sind meist minderwertig
Vitalpilze sind keine Wundermittel, aber sie bieten einen vielversprechenden Ansatz für Menschen, die unter Heuschnupfen leiden und nach natürlichen Alternativen suchen. Die immunmodulierende Wirkung von Reishi, ABM und Co. setzt an der Ursache an, statt nur Symptome zu unterdrücken.
Die Studienlage ist zwar noch ausbaufähig, aber erste Untersuchungen und zahlreiche Erfahrungsberichte sind ermutigend. Wichtig ist: Vitalpilze brauchen Zeit. Wer mit dem ersten Niesen zur Kapsel greift, wird enttäuscht sein. Wer aber bereits im Winter mit der Einnahme beginnt und auf Qualität achtet, hat gute Chancen, die nächste Pollensaison deutlich entspannter zu erleben.
Ein Tipp zum Schluss: Konsultieren Sie einen Mykotherapeuten oder Heilpraktiker, der auf Vitalpilze spezialisiert ist. Eine individuell abgestimmte Pilzkombination ist oft effektiver als der Selbstversuch mit einzelnen Präparaten.
Achtung: Vitalpilze sind kein Ersatz für eine ärztlich verordnete Therapie. Bei starken allergischen Beschwerden, Asthma oder Einnahme von Medikamenten sollte die Anwendung immer mit Arzt oder Ärztin abgestimmt werden.
Schnelle Hilfe bei akutem Heuschnupfen
Dampfbad mit Meersalz und Pfefferminze
• 1,5 Liter Wasser aufkochen
• 2 EL Meersalz und getrocknete Pfefferminze hinzufügen
• Mit Handtuch über dem Kopf 15 Minuten inhalieren
• 2x täglich anwenden
Das feuchte Dampfbad befeuchtet die Schleimhäute, erleichtert das Durchatmen und reduziert die Pollenlast.