
© Dennis Mundkowski
Von links: Prof. Dr. David Matusiewicz, Dr. Siegfried Marquardt, Nikolay Kolev, Prof. Dr. Jochen Werner
10. Februar 2026
Dr. Siegfried Marquardt
Beim KI-Innovationsforum am Tegernsee, initiiert und veranstaltet von der Zahngesundheit am Tegernsee und 10xD, diskutierten Entscheiderinnen und Entscheider aus Gesundheitswesen, Technologie, Wirtschaft und Wissenschaft auf höchstem Niveau

Von
Dr. med. dent. Siegfried Marquardt
Ende Januar wurde der Tegernsee erneut zu einem Ort des vorausdenkenden Dialogs. Beim KI-Innovationsforum am Tegernsee, initiiert und veranstaltet von der Zahngesundheit am Tegernsee und 10xD, trafen sich Entscheiderinnen und Entscheider aus Gesundheitswesen, Technologie, Wirtschaft und Wissenschaft, um über die reale Wirkung von Künstlicher Intelligenz zu sprechen – jenseits von Hype, aber mit klarer Zukunftsorientierung.
Der Anspruch der Veranstaltung war von Beginn an deutlich: KI sollte nicht abstrakt verhandelt, sondern konkret eingeordnet und verantwortungsvoll gedacht werden. Diese Haltung prägte das gesamte Programm – von den Impulsvorträgen über die Workshops bis hin zu den intensiven Diskussionen am Rande.
Die Gastgeber Dr. Siegfried Marquardt und Prof. David Matusiewicz betonten gleich zu Beginn die Relevanz von KI als Transformationsmotor für verschiedenste Branchen.
Insbesondere der Gesundheitskontext verlieh dem Forum eine besondere Tiefe: KI wurde hier nicht als Selbstzweck betrachtet, sondern als Werkzeug, das Prozesse verbessern, Fachkräfte entlasten und Patientinnen und Patienten zugutekommen soll.
Die rund 80 Teilnehmer waren sich schnell einig: Gesundheit in Deutschland und Europa braucht kein weiteres „Whitepaper“. Sie braucht Umsetzung, Struktur und Mündigkeit.
Nikolay Kolev (CEO Doctolib) stellte einen KI-basierten Sprechstundenassistenten vor – ein Beispiel, wie KI Routineprozesse entlastet und Patient:innenbetreuung effizienter macht. „Der eigentliche Fortschritt liegt nicht in der Technologie selbst, sondern darin, wie sie Zeit für den Menschen zurückgibt, so Kolev.
Dr. Stefan Ebener (Google) gab einen Überblick über Next-Level-KI-Technologien aus globaler Perspektive und die rasanten Entwicklungen. „Nicht jede Innovation muss sofort genutzt werden – aber jede sollte verstanden werden,“ erklärte Ebener.
Heinz Wiendl (Prof. Valmed GmbH) berichtete von der Entwicklung einer CE-zertifizierten KI-Plattform im medizinischen Umfeld: "Die Entwicklung einer CE-zertifizierten KI-Plattform zeigt, wie anspruchsvoll der Weg von der Idee zur sicheren Anwendung im Gesundheitswesen ist und das die Regulatorik in Deutschland aktuell noch die größte Bremswirkung entfaltet.“
Dr. Roxana Mittler-Matica (FormMed HealthCare GmbH) sprach über KI-gestützte Prävention und personalisierte Mikronährstoffstrategien."individualisierte, KI-unterstütze Mikronährstoffstrategien werden zukünftig den Markt bestimmen und die Patienten gesünder machen.“
Marcel Pesch (academy4ai) leitete einen Hands-On-Workshop zu KI-Agenten – „bau dir deinen eigenen Mitarbeiter“, Daniel Nierhauve (9elements) zeigte konkrete KI-Anwendungsbeispiele aus der Unternehmenspraxis. Dr. Maximilian Hahn (Daiichi Sankyo Europe) fokussierte auf strategische Integration statt KI-Wildwuchs, warnte vor unkoordiniertem KI-Einsatz und plädierte für klare Leitplanken. „KI entfaltet ihren Nutzen erst dann, wenn sie Teil einer übergeordneten Strategie ist.“
Prof. Dr. Jochen A. Werner (10xD) reflektierte die Co-Evolution von KI und Mensch – ein Appell, technologiegetriebene Entwicklung menschlich zu gestalten. „Die entscheidende Frage ist nicht, was KI kann – sondern was wir mit ihr tun wollen.“ Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Bernd Stadlinger (ETH Zürich) gab Einblicke in die Veränderung dentaler Berufe durch KI und deren wissenschaftliche Relevanz.
Friedrich Overkamp (OncoConsult Overkamp GmbH) thematisierte KI und die Vision Zero in der Krebsmedizin: „Die Vision Zero wird in den nächsten 5 Jahren zur Realität in der Onkologie.“
Als Gastgeber und Praxisvertreter brachte Dr. Siegfried Marquardt (Zahngesundheit am Tegernsee) gemeinsam mit Daniel Echouafni (Align Technology) die Perspektive der zahnmedizinischen Versorgung ein. Sie machten deutlich, wie KI bereits heute Einzug in Diagnostik, Planung und Patientenkommunikation hält. „KI wird die Zahnmedizin nicht ersetzen – aber sie wird sie präziser, planbarer und menschlicher machen.“
Ein offenes Diskussionsformat mit Dr. Alexandra Farfsing (Roche), Tim Jäger (Blackout) und Dieter Weisshaar (myneva) richtete den Blick auf gesellschaftliche Herausforderungen, Chancen und Risiken von KI in Gesundheit und Alltag:
Unter der Moderation von Max Klopsch (The Pioneer) wurde als Fazit besonders deutlich: Technologischer Fortschritt braucht gesellschaftliche Akzeptanz – und diese entsteht nur durch offenen Dialog.
Den Abschluss des Forums bildete eine Reflexion der zentralen Erkenntnisse und ein Ausblick auf kommende Formate wie zum Beispiel dem Ludwig Erhard Gipfel. Am 28. April 2026 werden die Gastgeber Dr. Siegfried Marquardt mit Prof. Dr. David Matusiewicz eine eigene Health Stage auf dem LEG veranstalten und die angeregten Themen weiter vertiefen.
Das KI-Innovationsforum am Tegernsee 2026 war mehr als eine Fachveranstaltung. Es war ein Plädoyer für bewusste Gestaltung, für interdisziplinäres Denken und für den Mut, technologische Möglichkeiten kritisch zu reflektieren.
In den Diskussionen rund um die Konferenz wurde deutlich: „KI ist gekommen, um zu bleiben. Entscheidend ist, wie wir sie einsetzen.“ Mehrere Beiträge betonten, dass „KI ihren Wert erst entfaltet, wenn Menschen sie bewusst gestalten“ – und dass der eigentliche Fortschritt letztlich „nicht in der Technologie selbst liegt, sondern darin, wie sie Zeit für den Menschen zurückgibt“.
KI ist heute keine Zukunftsvision mehr, sondern ein praktisches Werkzeug, das branchenübergreifend gestaltet werden muss. Entscheidungsprozesse, Arbeitsweisen und Dienstleistungen stehen im Wandel – und erst im Zusammenspiel von Technologie und menschlicher Verantwortung entfaltet KI ihr volles Potenzial. Das nächste Event ist bereits auf den 29. Januar 2027 festgesetzt.