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18. Februar 2026
Marianne Waldenfels
Nils Behrens stellt sein Buch "Spaziergang zur Unendlichkeit" vor: Wie Longevity-Medizin funktioniert, warum Proteine Altersvorsorge sind und welche 5 Hacks sofort wirken
Longevity beginnt nicht im Labor, sondern im Alltag. In seinem neuen Buch „Spaziergang zur Unendlichkeit" zeigt Nils Behrens, dass ein langes, gesundes Leben keine Frage komplizierter Biohacking-Protokolle ist, sondern simpler, wissenschaftlich fundierter Entscheidungen.
Im Interview spricht er über die wichtigsten Bausteine der Longevity-Medizin: von Proteinen als Altersvorsorge über gezielten Stress bis hin zu Atemtechniken, die nichts kosten und trotzdem wirken. Seine Botschaft: Healthspan statt Lifespan – Qualität vor Kalenderjahre.
Was genau bedeutet Longevity – und was will die Longevity-Medizin erreichen?
Longevity klingt erstmal nach Menschen, die morgens ihre Blutwerte grüßen, bevor sie „Guten Morgen“ sagen. Für mich ist es viel banaler:
Longevity heißt nicht, den Tod zu besiegen. Longevity heißt, dem Leben möglichst lange gewachsen zu bleiben. Die Longevity-Medizin will nicht, dass wir 120 werden und die letzten 30 Jahre davon von Krankheit geprägt sind. Sie will, dass wir mit 70 noch Treppen steigen können, mit 80 klar im Kopf bleiben und mit 90 nicht vom eigenen Körper überrascht werden.
Kurz gesagt: Healthspan vor Lifespan. Qualität vor Kalenderjahre.
Ernährung für ein gesundes, langes Leben: Welche Bausteine braucht der Körper wirklich?
Der Körper ist kein Feinschmecker, sondern ein Bauleiter. Er fragt nicht nach Trends, sondern nach Material. Was er braucht, ist erstaunlich unspektakulär: Proteine, Ballaststoffe, Mikronährstoffe, ausreichend Energie und möglichst wenig Entzündungschaos durch Zucker, Alkohol und Transfette.
Je natürlicher, desto besser. Je weniger verarbeitet, desto entspannter reagiert der Stoffwechsel.

Nils Behrens ist der Host des Gesundheitspodcasts HEALTHWISE und Strategic Brand Partner von Sunday Natural. Zuvor war er über 12 Jahre als Chief Marketing Officer das Gesicht der Lanserhof Gruppe und Gastgeber des erfolgreichen Forever Young-Podcasts. In über 350 Experteninterviews erforschte er Wege zu einem längeren und fitteren Leben

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Sollte man Fette meiden?
Nein. Punkt. Fette sind nicht das Problem – die falschen Fette und die falsche Kombination sind es. Gesunde Fette sind Baustoffe für Zellmembranen, Hormone und das Gehirn. Ohne Fett keine Aufnahme vieler Vitamine. Wer Fett meidet, spart oft an der falschen Stelle. Wie jemand, der beim Hausbau auf Schrauben verzichtet, um Geld zu sparen.
Wie wichtig sind Proteine für die Longevity?
Proteine sind nicht wichtig. Sie sind elementar. Ohne Protein kein Muskel, ohne Muskel keine Stabilität, ohne Stabilität keine Longevity. Ab etwa 30 beginnt der Muskelabbau – leise, zuverlässig und ohne Vorwarnung. Wer da nicht gegensteuert, zahlt später mit Stürzen, Schwäche und Abhängigkeit.
Protein ist keine Fitness-Marotte. Protein ist Altersvorsorge.
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Welchen und wieviel Sport sollte man für ein langes Leben treiben?
Longevity braucht keinen Ironman – aber es braucht Muskeln, Ausdauer und Beweglichkeit. Krafttraining ist Pflicht, nicht Kür. Zwei- bis dreimal pro Woche reicht. Dazu Alltagsbewegung und etwas Herz-Kreislauf-Belastung. Der beste Sport ist der, den man auch noch mit 80 machen kann – und heute schon tut.

In Nils Behrens' neuem Werk "Spaziergang zur Unsterblichkeit" geht es um Healthspan und die Kunst, die gesunden Jahre zu verlängern. Next Level Verlag.
Welche Supplements nehmen Sie täglich ein – und warum?
Supplements sind kein Ersatz für Ernährung, sondern Versicherung gegen Realität. Unsere Böden sind ausgelaugt, unser Lebensstil fordernd, unser Bedarf individuell. Ich supplementiere gezielt und datenbasiert auf Basis meiner Laborwerte. Immer dabei sind Omega3, Vitamin D3/K2, Magnesium-Komplex, Q10, Kreatin und Astaxantin.
Welche Rolle spielt5 der Atem für ein langes, gesundes Leben?
Atmen ist das meist unterschätzte Longevity-Tool – weil es nichts kostet und nichts verkauft. Langsames, bewusstes Atmen aktiviert den Parasympathikus, senkt Stress, verbessert Schlaf und Regeneration. Meine Lieblingstechnik ist die physiologische Seufzeratmung: Tief einatmen, noch ein zweites Mal einatmen (also doppelte Einatmung) und dann langsam, lange ausatmen.
Warum ist Hormesis – gezielter Stress – so wichtig für die Longevity?
Der Körper wird nicht durch Komfort besser, sondern durch Reize. Kälte, Hitze, Fasten, Training sind alles kleine Stressoren, die dem Körper sagen: „Bleib wach. Bleib anpassungsfähig.“ Dauerstress macht krank. Gezielter Stress macht widerstandsfähig.
Wie kann man seine Einstellung gezielt verändern?
Indem man neugierig bleibt. Denn nur wer Lust auf die Veränderungen hat, die das Leben mit sich bringt, wird es auch genießen. Steve Jobs hat in seiner legendären Standford-Abschluss-Rede gesagt: Stay curious - stay foolish. Der vielleicht beste Longevity-Mindset-Tipp, der je gegeben wurde.