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16. Februar 2026
Marianne Waldenfels
Kreatin ist eines der am besten erforschten Nahrungsergänzungsmittel für Muskelaufbau und Kraftsteigerung. In diesem umfassenden Leitfaden erfährst du alles, was du als Einsteiger über Kreatin wissen musst – von der Wirkungsweise über die richtige Dosierung bis hin zu möglichen Nebenwirkungen. Wissenschaftlich fundiert und praxisnah erklärt.
Wer mit Krafttraining beginnt und sich über Nahrungsergänzungsmittel informierst, stößt früher oder später auf Kreatin. Und das aus gutem Grund: Kreatin gehört zu den wissenschaftlich am besten untersuchten und wirksamsten Supplements überhaupt. Mit über 500 veröffentlichten Studien gibt es kaum ein Nahrungsergänzungsmittel, das besser erforscht ist.
Kreatin ist eine körpereigene Substanz, die hauptsächlich in der Muskulatur vorkommt – etwa 95% deiner Kreatinspeicher befinden sich in den Muskeln. Dein Körper produziert täglich zwischen ein und zwei Gramm Kreatin selbst, hauptsächlich in Leber und Nieren. Zusätzlich nimmst du Kreatin über die Nahrung auf, besonders durch Fleisch und Fisch.
Die International Society of Sports Nutrition bezeichnete Kreatin-Monohydrat 2017 nach Analyse hunderter Studien als das effektivste leistungssteigernde Nahrungsergänzungsmittel, das Athleten derzeit zur Verfügung steht. Für Anfänger bedeutet das: Kreatin kann helfen, schneller Fortschritte beim Muskelaufbau und bei der Kraftsteigerung zu erzielen.
Die Hauptaufgabe von Kreatin ist die schnelle Energiebereitstellung für die Muskelzellen. Dabei wird Kreatin zu Kreatinphosphat umgewandelt, das als eine Art Energiespeicher dient. Bei kurzen, intensiven Belastungen – etwa beim Gewichtheben, Sprinten oder explosiven Bewegungen – nutzt der Körper diesen Speicher, um blitzschnell Energie bereitzustellen.
Konkret geschieht Folgendes: Bei intensiver Muskelarbeit benötigt der Körper ATP (Adenosintriphosphat) als Energiequelle. Wenn ATP verbraucht wird, entsteht ADP (Adenosindiphosphat). Kreatin hilft dabei, ADP schnell wieder in ATP umzuwandeln, sodass deine Muskeln länger mit maximaler Kraft arbeiten können.
Studien zeigen, dass durch Kreatin eine kurzfristige Steigerung von Muskelkraft und Leistung um 10 bis 20 Prozent erzielt werden kann. Das bedeutet für Einsteiger: Man kann möglicherweise mehr Wiederholungen schaffen, schwerere Gewichte bewegen oder intensiver trainieren – all das führt langfristig zu besserem Muskelaufbau.
Der Hauptvorteil von Kreatin liegt in der Unterstützung des Muskelaufbaus. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Kreatin in Kombination mit Krafttraining zu einer größeren Zunahme von Muskelmasse führt als Training allein. Eine Meta-Analyse zeigte statistisch signifikante Verbesserungen bei der maximalen Kraftleistung sowohl im Oberkörper als auch im Unterkörper.

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Marianne Waldenfels
Studien belegen spezifische Vorteile von Kreatin auf die Regeneration nach intensiver Belastung. Die Muskelkrafterholung verbessert sich um bis zu 21%, und die Marker für Muskelschäden fallen deutlich niedriger aus. Das bedeutet: Du erholst dich schneller zwischen den Trainingseinheiten und kannst häufiger mit hoher Intensität trainieren.
Durch die verbesserte Energiebereitstellung kannst du bei wiederholten maximalen oder submaximalen Belastungen länger durchhalten. Das ermöglicht, mehr Wiederholungen zu schaffen oder kürzere Pausen zwischen den Sätzen zu benötigen – beides wichtige Faktoren für effektiven Muskelaufbau.
Kreatin erhöht den Wassergehalt in den Muskelzellen, was zu einem pralleren, volleren Muskelbild führt. In der ersten Woche kommt es typischerweise zu einer Gewichtszunahme von 0,5 bis 1,5 Kilogramm durch Wasserspeicherung in den Muskeln. Dies ist kein Fett, sondern intrazelluläres Wasser, das die Muskeln größer erscheinen lässt.
Die Dosierung von Kreatin ist ein häufiges Thema der Verwirrung. Hier die aktuellen wissenschaftlichen Empfehlungen:
• Für gesunde Erwachsene: 3 Gramm täglich gelten als unbedenklich und wissenschaftlich abgesichert
• Für Leistungssportler: Bis zu 4,4 Gramm täglich werden als verträglich angesehen
• Alternative Berechnung: 0,7-1 Gramm pro 10 Kilogramm Körpergewicht (z.B. 5-7 Gramm bei 70 kg)
Früher wurde oft eine Ladephase empfohlen: 20 Gramm täglich über fünf Tage, gefolgt von einer Erhaltungsdosis. Aktuelle Studien zeigen jedoch: Von dieser Praxis wird inzwischen abgeraten. Eine konstante Einnahme von 3-5 Gramm täglich ist genauso effektiv, nur dauert es etwas länger, bis die Kreatinspeicher vollständig aufgefüllt sind.
Der Grund: Je kleiner die eingenommene Dosis, desto besser ist die Resorption und Bioverfügbarkeit. Bei Überdosierung kann nur ein kleiner Anteil der Menge vom Körper aufgenommen werden. Außerdem fährt der Körper bei zu hoher externer Zufuhr die eigene Kreatinproduktion herunter.
• Täglich einnehmen: Kreatin wirkt durch Anreicherung in den Muskeln – nehmen Sie es jeden Tag, nicht nur an Trainingstagen
• Flüssigkeitszufuhr: Pro Gramm Kreatin sollten Sie 100-150 ml Flüssigkeit trinken, vorzugsweise Wasser
• Keine Einnahmepausen: Bei Einhaltung der empfohlenen Dosis sind weder Pausen noch Zyklen erforderlich
• Timing: Der Zeitpunkt der Einnahme ist weniger wichtig als die tägliche Regelmäßigkeit
Auf dem Markt gibt es zahlreiche Kreatin-Varianten: Kreatin-Monohydrat, Kreatin-Citrat, Kreatin-Ethylester, Kreatin-Malat und weitere. Als Einsteiger sollte man wissen:
Kreatin-Monohydrat ist die einzige Form, für die eine Leistungssteigerung wissenschaftlich belegt ist.
Für andere Variationen wie Kreatin-Malat, Kreatin-Ester, Kreatin-Citrat oder Kreatin-Pyruvat ist kein Vorteil gegenüber Kreatin-Monohydrat erkennbar. Außerdem sind einige Formen in der EU nicht zugelassen oder ausreichend erforscht.
Achten Sie beim Kauf auf:
• Reines Kreatin-Monohydrat als Hauptinhaltsstoff
• Seriöse Anbieter mit Herstellung in der EU
• Qualitätssiegel wie Creapure® (optional, aber Zeichen für hohe Reinheit)
• Produkte ohne unnötige Zusatzstoffe
Eine der häufigsten Fragen von Einsteigern betrifft die Sicherheit. Die gute Nachricht: Kreatin gehört zu den sichersten Nahrungsergänzungsmitteln überhaupt.
Die International Society of Sports Nutrition kam 2017 zu dem eindeutigen Schluss: Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass die kurz- oder langfristige Anwendung von Kreatin-Monohydrat schädliche Auswirkungen auf gesunde Erwachsene hat – selbst bei Dosierungen bis zu 30 Gramm pro Tag über fünf Jahre.
Metaanalysen belegen, dass empfohlene Dosen von 3-5 Gramm täglich weder Nieren noch Leber belasten, selbst bei mehrjähriger Einnahme. Eine dreijährige Studie mit Profisportlern zeigte bei täglicher Einnahme von 5 Gramm keine Auffälligkeiten bei klinischen Blutparametern.
• Wassereinlagerung: 0,5-1,5 kg Gewichtszunahme in der ersten Woche durch Wasserspeicherung in den Muskeln (dies ist normal und erwünscht)
• Magen-Darm-Beschwerden: Treten nur bei Überdosierung (10+ Gramm täglich) auf. Bei Einzeldosen von 3-5 Gramm gibt es keine Hinweise auf solche Nebenwirkungen
• Nierenfunktion: Die Forschung zeigt klar, dass Kreatin die Nierenfunktion bei gesunden Menschen nicht beeinträchtigt
• Muskelkrämpfe: Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise, dass Kreatin Muskelkrämpfe verursacht
• Haarausfall: Der angebliche Zusammenhang basiert auf einer einzigen Studie mit nur 20 Männern über drei Wochen. In längerfristigen Studien wurde keine Zunahme des Haarausfalls beobachtet
• Verletzungsrisiko: Entgegen früherer Bedenken zeigt die wissenschaftliche Literatur, dass Kreatin das Verletzungsrisiko nicht erhöht
Bei Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion wird von der zusätzlichen Gabe von Kreatin abgeraten. Wenn du gesundheitliche Vorerkrankungen hast, sprich vor der Einnahme mit deinem Arzt.
Kreatin wirkt nicht bei jedem gleich. Hier erfährst du, wann Kreatin für dich als Anfänger besonders sinnvoll ist:
Kreatin zeigt die besten Effekte bei Sportarten mit kurzen, intensiven Belastungen:
• Gewichtheben und Krafttraining
• Sprint und Sprintsportarten
• Kampfsportarten
• CrossFit und hochintensives Intervalltraining (HIIT)
Besonders interessant: Vegetarier und Veganer haben niedrigere Kreatinspeicher, da Kreatin hauptsächlich in Fleisch und Fisch vorkommt. Studien zeigen, dass diese Personengruppen oft stärker von einer Kreatin-Supplementierung profitieren als Fleischesser. Wenn du dich pflanzlich ernährst, kann Kreatin für dich als Einsteiger besonders wertvoll sein.
Für reine Ausdauersportarten wie Langstreckenlauf oder Radfahren ist die Datenlage gemischt. Die meisten Studien können keinen ergogenen Effekt unter Kreatin-Supplementierung bei reinen Ausdauerbelastungen nachweisen. Allerdings kann Kreatin bei Endspurts, Sprints oder hochintensiven Phasen während der Ausdauerbelastung helfen.
Als Einsteiger ist es wichtig, realistische Erwartungen zu haben:
• Die körperliche Leistung bei Schnellkrafttraining im Rahmen kurzzeitiger intensiver körperlicher Betätigung steigern (offiziell zugelassener Health Claim der EU)
• Bei über 55-Jährigen die Wirkung von Krafttraining auf Muskelmasse und -kraft verstärken (bei mindestens dreimaligem Training wöchentlich)
• Die Regeneration nach intensiven Trainingseinheiten verbessern
• Mehr Trainingsvolumen ermöglichen durch bessere Energiebereitstellung
Wichtig zu wissen: Nicht jeder Körper reagiert mit einer Leistungssteigerung auf zusätzliches Kreatin. Etwa 20-30% der Menschen sind sogenannte Non-Responder, deren Kreatinspeicher bereits gut gefüllt sind oder die aus genetischen Gründen weniger stark auf eine Supplementierung ansprechen. Das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge.
• Kreatin-Monohydrat in Pulverform (am günstigsten und flexibelsten)
• Seriöser Hersteller mit EU-Produktion
• Möglichst rein, ohne unnötige Zusatzstoffe
• Beginnen Sie mit 3 Gramm täglich (ein gestrichener Teelöffel entspricht etwa 5 Gramm)
• Mischen Sie das Pulver in 300-500 ml Wasser
• Rühren Sie gut um, bis sich das Kreatin vollständig aufgelöst hat
• Nehmen Sie Kreatin jeden Tag zur gleichen Zeit ein (z.B. morgens zum Frühstück)
• Ohne Ladephase dauert es 3-4 Wochen, bis die Kreatinspeicher vollständig aufgefüllt sind
• Trinken Sie ausreichend Wasser über den Tag verteilt (mindestens 2-3 Liter)
• Dokumentieren Sie Trainingsgewichte und Wiederholungszahlen
• Achten Sie auf Veränderungen in der Regeneration und Trainingsintensität
• Seien Sie nicht beunruhigt über eine leichte Gewichtszunahme in der ersten Woche
Muss ich als Anfänger überhaupt Kreatin nehmen?
Nein, Kreatin ist optional. Eine ausgewogene Ernährung und konsequentes Training sind die wichtigsten Faktoren für Muskelaufbau. Kreatin kann jedoch als Ergänzung im Rahmen eines gut zusammengestellten Ernährungsplans sinnvoll sein und deine Fortschritte beschleunigen.
Wann sollte ich Kreatin einnehmen – vor oder nach dem Training?
Der Zeitpunkt ist weniger wichtig als die tägliche Regelmäßigkeit. Kreatin wirkt durch Anreicherung in den Muskeln, nicht durch einen akuten Effekt. Nehmen Sie es zu einer Tageszeit ein, die gut in Ihre Routine passt.
Kann ich Kreatin dauerhaft einnehmen oder brauche ich Pausen?
Bei Einhaltung der empfohlenen Dosis von 3-5 Gramm täglich sind keine Einnahmepausen erforderlich. Die Langzeitsicherheit ist wissenschaftlich gut dokumentiert.
Nehme ich durch Kreatin nur Wasser zu oder auch Muskeln?
Beides. Die anfängliche Gewichtszunahme ist hauptsächlich Wasser in den Muskelzellen. Langfristig ermöglicht Kreatin jedoch intensiveres Training, was zu echtem Muskelaufbau führt.
Was passiert, wenn ich mit der Einnahme aufhöre?
Die Kreatinspeicher kehren innerhalb von 4-6 Wochen auf das normale Niveau zurück. Die während der Einnahme aufgebaute Muskulatur bleibt erhalten, solange man weiter trainiert. Es gibt keinen Rebound-Effekt oder Muskelabbau.
Kreatin ist eines der wenigen Nahrungsergänzungsmittel, die ihr Versprechen tatsächlich halten – unterstützt durch über 500 wissenschaftliche Studien. Für Einsteiger, die Krafttraining betreiben oder Schnellkraftsportarten ausüben, kann Kreatin ein wertvolles Werkzeug sein, um Fortschritte zu beschleunigen.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
• Kreatin-Monohydrat ist die einzige wissenschaftlich belegte Form
• 3 Gramm täglich sind ausreichend und sicher
• Keine Ladephase notwendig – konstante Einnahme ist der Schlüssel
• Nebenwirkungen sind bei empfohlener Dosierung äußerst selten
• Kreatin ersetzt kein Training und keine ausgewogene Ernährung
Wichtig: Kreatin ist kein Wundermittel, aber ein solides, gut erforschtes Supplement, das Einsteigern helfen kann, das Beste aus dem Training herauszuholen. Kombiniert mit konsequentem Training, ausreichend Schlaf und guter Ernährung kann es ein nützlicher Baustein auf dem Weg zu mehr Kraft und Muskulatur sein.