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8. September 2026
Marianne Waldenfels
Lachen gegen Atemnot klingt ungewöhnlich. Doch eine neue Studie zeigt, dass eine strukturierte Lachtherapie Menschen mit COPD das Atmen erleichtern könnte. Dahinter steckt möglicherweise ein überraschend einfacher Mechanismus
Lachen gegen Atemnot? Das klingt zunächst eher ungewöhnlich. Doch ausgerechnet bei Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) könnte eine gezielte Lachtherapie tatsächlich Beschwerden lindern. Eine randomisierte kontrollierte Studie, die auf dem diesjährigen Kongress der European Respiratory Society (ERS) vorgestellt wurde, zeigt: Nach acht Wochen hatten Betroffene weniger Atembeschwerden und berichteten über einen besseren allgemeinen Gesundheitszustand.
Das Interessante daran: Hinter der Wirkung könnte mehr stecken als der bekannte entspannende Effekt des Lachens. Denn richtig eingesetzt, ähnelt Lachen in mancher Hinsicht einer Atemübung.
Bei einer COPD sind die Atemwege dauerhaft verengt und die Lunge geschädigt. Besonders das Ausatmen kann dadurch erschwert sein: Die Atemwege neigen dazu, sich während der Ausatmung zu verengen, sodass nicht die gesamte verbrauchte Luft entweichen kann. Luft bleibt in der Lunge eingeschlossen, ein Phänomen, das auch als „Air Trapping“ bezeichnet wird.
Neben Medikamenten und körperlichem Training kommen deshalb bei COPD auch spezielle Atemtechniken zum Einsatz. Eine davon ist die sogenannte Lippenbremse: Dabei wird durch die Nase eingeatmet und anschließend langsam gegen locker aufeinanderliegende Lippen ausgeatmet. Der leichte Gegendruck kann dabei helfen, die Atemwege während des Ausatmens länger offenzuhalten und eingeschlossene Luft besser entweichen zu lassen.
Dass Atemtechniken bei COPD hilfreich sein können, ist bereits vergleichsweise gut untersucht. Eine systematische Übersichtsarbeit mit 73 randomisierten Studien und insgesamt 5479 Teilnehmern kam zu dem Ergebnis, dass Atemübungen Atemnot verringern können und insbesondere die gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Menschen mit schweren Atemwegserkrankungen verbessern.
Genau hier setzt die neue Untersuchung an. Goncagul Aldan und ihr Team untersuchten 63 Menschen mit COPD, die am Ankara Bilkent City Hospital behandelt wurden. Das Studiendesign wurde auch in einem Register für klinische Studien dokumentiert.
Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip auf drei Gruppen mit jeweils 21 Personen verteilt. Eine Gruppe trainierte die etablierte Lippenbremse, eine zweite absolvierte eine Lachtherapie, die dritte führte keine zusätzlichen Atemübungen durch. Alle Teilnehmer setzten ihre reguläre COPD-Behandlung fort.
Während der Lachtherapie erlernten die Teilnehmer ein strukturiertes Programm, das spielerische Lachübungen mit rhythmischen Bewegungen, Lauten und bewusster Atmung kombinierte. Dazu kamen Phasen mit spontanem, ungezwungenem Lachen sowie Entspannungsübungen mit ruhiger Atmung und Lächeln.
Nach einer persönlichen Einführung sollten die Teilnehmer die Übungen acht Wochen lang dreimal wöchentlich jeweils 30 Minuten zu Hause durchführen.
Am Ende der acht Wochen zeigte sich ein bemerkenswerter Unterschied: Sowohl die Teilnehmer der Lachtherapie als auch diejenigen, die die Lippenbremse trainiert hatten, litten unter weniger Atemnot als die Kontrollgruppe. Auch ihr allgemeiner Gesundheitszustand hatte sich verbessert.
Der Effekt auf die Atemnot war laut den Forschern sogar einen Monat nach Ende des Programms noch feststellbar. Nicht verändert hatte sich dagegen, wie viel Unterstützung die Patienten im Alltag benötigten.
Damit deutet die Untersuchung darauf hin, dass strukturierte Lachübungen bei COPD möglicherweise eine interessante Ergänzung zu klassischen Atemübungen sein könnten.
Wie genau die Lachtherapie wirkt, ist bislang nicht geklärt. Die Forschenden vermuten jedoch mehrere Mechanismen.
Lachen verändert den normalen Atemrhythmus und führt zu wiederholten, teils kräftigeren Ausatmungen. Dadurch könnte die Atemmuskulatur beansprucht und eine tiefere Ausatmung gefördert werden. Bei COPD wäre gerade das interessant: Je besser verbrauchte Luft aus der Lunge herausbefördert werden kann, desto weniger Luft könnte eingeschlossen bleiben.
Hinzu könnte ein psychischer Effekt kommen. Atemnot kann Angst auslösen – und Angst wiederum die Atmung beeinflussen und das Gefühl von Luftnot verstärken. Die Forschenden vermuten, dass Lachtherapie unter anderem über Entspannung und die Ausschüttung von Endorphinen auch auf diesen Kreislauf wirken könnte.
Noch sind diese Erklärungen allerdings Hypothesen. Die Mechanismen hinter der möglichen Wirkung der Lachtherapie bei COPD seien bislang nur unzureichend verstanden, betont Studienleiterin Aldan. Weitere Untersuchungen seien notwendig.
Die Ergebnisse bedeuten deshalb auch nicht, dass Menschen mit COPD möglichst häufig oder besonders heftig lachen sollten. Entscheidend ist, dass in der Studie eine strukturierte Therapie untersucht wurde, bei der Lach-, Atem- und Entspannungsübungen miteinander kombiniert wurden.
Sehr intensives oder unkontrolliertes Lachen kann die Atmung bei Menschen mit Atemwegserkrankungen sogar belasten. Das untersuchte Programm bereitet den Körper dagegen mit rhythmischen Übungen und kontrollierter Atmung auf das Lachen vor.
Die Ergebnisse sind interessant, sollten aber noch mit Vorsicht betrachtet werden. Mit lediglich 63 Teilnehmern handelt es sich um eine kleine Untersuchung. Die Ergebnisse wurden bislang auf dem ERS Congress 2026 vorgestellt; eine vollständige wissenschaftliche Publikation der Resultate liegt noch nicht vor.
Die Forschenden wollen die Lachtherapie deshalb nun in größeren Untersuchungen und gemeinsam mit internationalen Partnern weiter untersuchen.
Auch der nicht an der Studie beteiligte Pneumologe Marc Miravitlles vom Vall d’Hebron University Hospital in Barcelona bezeichnet die Untersuchung als klein, aber gut durchgeführt. Besonders interessant sei, dass Lachtherapie einfach und kostengünstig sei und zu Hause durchgeführt werden könne.
Als Ersatz für eine medizinische COPD-Therapie ist sie jedoch nicht gedacht. Medikamente, Bewegung, Impfungen und je nach Krankheitsbild eine pulmonale Rehabilitation bleiben zentrale Bestandteile der Behandlung. Sollte sich der Effekt in größeren Untersuchungen bestätigen, könnte strukturiertes Lachen künftig aber eine ungewöhnliche und unkomplizierte Ergänzung sein.

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