
© Celine I
28. April 2026
Marianne Waldenfels
Kaffee beeinflusst nicht nur die Wachheit: Eine neue Studie zeigt Effekte auf Darmmikrobiom, Stress und Stimmung – sogar bei entkoffeiniertem Kaffee
Kaffee gilt seit Jahrzehnten als Wachmacher – doch eine neue Studie zeigt, dass Kaffee auch das Darmmikrobiom beeinflussen und sich auf Stress sowie Stimmung auswirken könnte. Forschende berichten, dass regelmäßiger Kaffeekonsum mit einer stabileren Psyche verbunden ist – selbst bei entkoffeiniertem Kaffee.
Die im April 2026 in Nature Communications veröffentlichte Untersuchung analysierte insgesamt 62 Erwachsene. Darunter waren 31 regelmäßige Kaffeetrinker und 31 Personen, die keinen Kaffee konsumierten.
Zur Datenerhebung kombinierten die Forschenden mehrere Ansätze:
Ziel war es, mögliche Zusammenhänge zwischen Kaffeekonsum, mikrobiellen Veränderungen im Darm und psychischer Gesundheit zu identifizieren.
Die Analyse zeigte mehrere signifikante Unterschiede zwischen Kaffeetrinkern und Nicht-Kaffeetrinkern:
Zusätzlich zeigte sich bei koffeinhaltigem Kaffee:
Ein besonders interessanter Befund: Viele der positiven Effekte traten unabhängig vom Koffeingehalt auf. Das deutet darauf hin, dass Kaffee als Gesamtkomplex wirkt – nicht nur über Koffein.
Kaffee ist chemisch deutlich komplexer, als oft angenommen. Neben Koffein enthält er zahlreiche bioaktive Verbindungen, darunter:
Diese Stoffe können im Darm als Substrat für bestimmte Mikroorganismen dienen und so das Wachstum „günstiger“ Bakterien fördern. In diesem Zusammenhang wird häufig von präbiotischen Effekten gesprochen.
Das Mikrobiom wiederum steht über die sogenannte Darm-Hirn-Achse in enger Verbindung mit dem zentralen Nervensystem. Signale werden unter anderem über:
übermittelt. Veränderungen im Darm können daher messbare Effekte auf Stimmung, Stressverarbeitung und kognitive Funktionen haben.
So vielversprechend die Ergebnisse sind, sie sollten nicht überinterpretiert werden. Die Studie weist mehrere Einschränkungen auf:
Das bedeutet: Es ist nicht abschließend geklärt, ob Kaffee direkt für die beobachteten Effekte verantwortlich ist – oder ob andere Lebensstilfaktoren eine Rolle spielen.
Allerdings fügen sich die Ergebnisse in eine wachsende Zahl an Studien ein, die Kaffee mit gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung bringen, darunter:
Ein spannender Aspekt der Studie ist die Rolle von entkoffeiniertem Kaffee. Da viele Effekte unabhängig vom Koffein auftraten, könnte Decaf für bestimmte Gruppen besonders interessant sein:
Allerdings ist zu beachten, dass koffeinhaltiger Kaffee zusätzliche Effekte auf Aufmerksamkeit und Wachheit haben kann, die bei Decaf naturgemäß fehlen.
Auch wenn die optimale Menge individuell variieren kann, zeigen bisherige Daten:
Wichtig ist zudem der Gesamtkontext: Ernährung, Schlaf, Bewegung und Stressmanagement spielen eine deutlich größere Rolle für die Darm- und mentale Gesundheit als ein einzelnes Lebensmittel.
Kann Kaffee wirklich die Darmflora verbessern?
Es gibt Hinweise darauf, dass Kaffee das Wachstum bestimmter Darmbakterien fördern kann. Ob dies langfristig klinisch relevante Effekte hat, ist noch nicht abschließend geklärt.
Ist entkoffeinierter Kaffee genauso gesund?
Teilweise ja. Die Studie zeigt, dass viele Effekte unabhängig vom Koffein auftreten. Einige Vorteile, etwa auf die Aufmerksamkeit, sind jedoch koffeinabhängig.
Wirkt Kaffee gegen Stress?
Die Daten deuten auf einen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und geringeren Stresswerten hin. Ein direkter Ursache-Wirkungs-Beweis fehlt jedoch.
Sollte man jetzt mehr Kaffee trinken?
Nicht unbedingt. Kaffee kann Teil einer gesunden Ernährung sein, ersetzt aber keine grundlegenden Faktoren wie ausgewogene Ernährung und Lebensstil.
Die aktuelle Studie liefert spannende Hinweise darauf, dass Kaffee weit mehr ist als ein reines Stimulans. Seine möglichen Effekte auf das Darmmikrobiom und die Psyche könnten auch ohne Koffein bestehen. Dennoch gilt: Die Ergebnisse sind ein erster Baustein – keine endgültige Empfehlung.
Weitere, größere Studien sind notwendig, um die Rolle von Kaffee im Zusammenspiel von Darm und Gehirn besser zu verstehen.