
© Karolina Grabowska
2. März 2026
PMC Redaktion
Mehr als 4 Tassen Kaffee täglich sollen das Risiko für Kopf- und Halskrebs um bis zu 30 % senken. Was zeigen Studien – und was gilt für Tee?
Wer täglich Kaffee trinkt, nimmt nicht nur einen Wachmacher zu sich, sondern möglicherweise auch Substanzen, die das Krebsrisiko beeinflussen. Neue Untersuchungen zeigen: Regelmäßiger Kaffeekonsum steht mit einem geringeren Risiko für bestimmte Krebsarten, insbesondere im Kopf- und Halsbereich, in Verbindung. Was genau bekannt ist – und was nicht –, lesen Sie hier.
Eine umfassende Meta-Analyse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Cancer“, fasste Daten aus 14 internationalen Studien zusammen. Insgesamt wurden knapp 9.500 Personen mit Kopf-Hals-Krebs mit rund 15.700 krebsfreien Kontrollpersonen verglichen. Das Ergebnis: Menschen, die täglich mehr als vier Tassen Kaffee trinken, hatten ein um etwa 17 Prozent niedrigeres Risiko für Kopf- und Halskrebs als Nicht-Kaffeetrinker.
Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang bei Tumoren der Mundhöhle und des Rachenraums, wo relative Risikoreduktionen im Bereich von etwa 20 bis 30 Prozent beobachtet wurden. Für Kehlkopfkrebs zeigte sich in einigen Auswertungen hingegen kein klarer schützender Effekt.
Eine wichtige Beobachtung: Der mögliche Schutzeffekt scheint nicht ausschließlich am Koffein zu hängen. In manchen Studien zeigte auch entkoffeinierter Kaffee eine inverse Beziehung zum Risiko, insbesondere bei Leber- und teilweise bei Mundhöhlenkrebs.
„Vielleicht sind es andere Inhaltsstoffe im Kaffee, die diesen Effekt auslösen“, sagt die Studienautorin Yuan-Chin Amy Lee vom Huntsman Cancer Institute. Kaffee enthält Hunderte bioaktiver Verbindungen, darunter Chlorogensäuren, Polyphenole und andere Antioxidantien. Diese Substanzen können Entzündungsprozesse dämpfen und oxidativen Stress in Zellen reduzieren, beides Mechanismen, die mit Krebsentstehung in Zusammenhang stehen.
Gut zu wissen: Für Menschen, die auf Koffein empfindlich reagieren, Schlafprobleme haben oder aus anderen Gründen Koffein meiden, kann entkoffeinierter Kaffee eine sinnvolle Alternative sein – auch hier deuten Daten auf potenzielle Vorteile bei bestimmten Krebsarten hin.
Die erwähnte Analyse fokussiert auf Karzinome im Kopf- und Halsbereich, also Tumoren der Mundhöhle, des Rachens (Pharynx), des Kehlkopfs (Larynx) und angrenzender Strukturen. In Deutschland erkranken jährlich mehrere Tausend Menschen an diesen Krebsformen; die wichtigsten Risikofaktoren bleiben Rauchen und hoher Alkoholkonsum.
Der beobachtete Zusammenhang mit Kaffeekonsum ersetzt daher keinesfalls den Verzicht auf Tabak und einen maßvollen Umgang mit Alkohol. Kaffee kann – wenn überhaupt – nur ein zusätzlicher Baustein in einem insgesamt gesundheitsbewussten Lebensstil sein.
Auch Tee wurde in der Analyse betrachtet, allerdings mit weniger klaren Ergebnissen. Eine Tasse Tee pro Tag oder weniger ging mit einem etwa 9 Prozent niedrigeren Risiko für Kopf-Hals-Krebs einher, wobei insbesondere Tumoren im unteren Rachenbereich (Hypopharynx) betroffen waren.
Interessant ist ein möglicher Risikoanstieg: Wer mehr als eine Tasse Tee täglich trank, hatte in der Auswertung ein etwa 38 Prozent höheres Risiko für Kehlkopfkrebs. Forschende diskutieren, dass häufiger und sehr heißer Teekonsum Schleimhautreizungen und Reflux begünstigen könnte – beides bekannte Risikofaktoren für Kehlkopfkrebs. Allerdings handelt es sich hier um Beobachtungen, die weiterer Bestätigung bedürfen, und nicht um einen gesicherten Ursache-Wirkungs-Nachweis.
Ob sich grüner, schwarzer oder Kräutertee unterschiedlich auswirken, lässt sich aus den bisher ausgewerteten Daten nicht zuverlässig ableiten, da diese Differenzierung nicht in allen Studien vorgenommen wurde.
Die Auswertungen beruhen überwiegend auf Fragebögen zu Kaffee- und Teekonsum. Solche Selbstangaben sind anfällig für Erinnerungsfehler und ungenaue Mengenangaben. Zudem können Störvariablen (Confounder) die Ergebnisse beeinflussen – zum Beispiel Rauchverhalten, Alkoholkonsum, Ernährung oder sozioökonomische Faktoren.
Viele fragen sich, ob die Art der Zubereitung eine Rolle für den möglichen Schutz spielt. In den ausgewerteten Studien wurde Kaffeekonsum jedoch meist allgemein erfasst, ohne genaue Unterscheidung zwischen Filterkaffee, Espresso, Kapselkaffee oder Instant. Die beobachteten Effekte spiegeln somit den „typischen“ Kaffeekonsum im Alltag wider.
Dennoch gibt es Unterschiede bei den Inhaltsstoffen: Filterkaffee enthält durch das Papierfilter weniger ölhaltige Diterpene, während Espresso und Kaffee aus Vollautomaten höhere Konzentrationen dieser Verbindungen aufweisen. Diterpene können Cholesterin erhöhen, zeigen aber auch entzündungshemmende Wirkungen. Für die krebsbezogenen Effekte werden vor allem Polyphenole und Chlorogensäuren verantwortlich gemacht, die in nahezu allen gängigen Zubereitungsarten reichlich vorkommen.
Ein Detail für Kaffeefans: Heller bis mittel gerösteter Kaffee enthält tendenziell mehr hitzeempfindliche Antioxidantien als sehr dunkle Röstungen, weil ein Teil dieser Verbindungen beim starken Rösten abgebaut wird.
Die Hinweise auf eine mögliche Schutzwirkung von Kaffee beschränken sich nicht auf Kopf- und Halskrebs. Mehrere Studien haben auch andere Krebsarten untersucht.
Leberkrebs
Für Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom) ist die Evidenz besonders deutlich: Meta-Analysen zeigen, dass regelmäßiger Kaffeekonsum mit einem deutlich geringeren Risiko verbunden ist.
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO stuft Kaffee seit 2016 nicht mehr als „möglicherweise krebserregend“ ein und sieht Hinweise auf einen schützenden Effekt gegenüber Leberkrebs. Als mögliche Erklärung gelten antiinflammatorische Effekte und eine günstigere Beeinflussung von Leberfibrose und Leberzirrhose.
Darmkrebs
Auch bei Darmkrebs deuten mehrere Beobachtungsstudien auf ein um etwa 10 bis 15 Prozent verringertes Risiko für Dickdarmkrebs bei regelmäßigem Kaffeekonsum hin. Dabei scheint der Effekt sowohl bei koffeinhaltigem als auch bei entkoffeiniertem Kaffee aufzutreten, was die Bedeutung der nicht-koffeinhaltigen Pflanzenstoffe unterstreicht.
Brust- und Gebärmutterkrebs
Für Brustkrebs ist die Datenlage weniger einheitlich; einige Studien berichten von leicht niedrigeren Risiken, insbesondere bei postmenopausalen Frauen, andere finden keinen klaren Effekt. Beim Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom) ist der Zusammenhang konsistenter: Mehrere Untersuchungen beschreiben ein verringertes Risiko bei Frauen, die regelmäßig Kaffee trinken, möglicherweise durch Effekte auf Insulinstoffwechsel und Östrogenspiegel.
Bei all diesen Krebsarten gilt: Es handelt sich um Beobachtungsdaten, die keine Kausalität beweisen.
Kaffee ersetzt weder Vorsorgeuntersuchungen noch andere präventive Maßnahmen. Dennoch zeigt die Gesamtschau der Forschung ein zunehmend positives Bild: Das lange als „ungesund“ geltende Getränk ist bei den meisten Menschen eher mit gesundheitlichen Vorteilen als mit Nachteilen verbunden, zumindest was mehrere Krebsarten und die Lebergesundheit betrifft.
Die derzeit verfügbaren Daten sprechen dafür, dass Kaffee – in moderaten bis höheren Mengen – mit einem geringeren Risiko für bestimmte Kopf- und Halskrebsarten assoziiert ist. Dieser Zusammenhang scheint eher auf den vielfältigen bioaktiven Verbindungen als allein auf Koffein zu beruhen.
Kaffee ist damit kein Allheilmittel, aber bei den meisten gesunden Erwachsenen auch kein eigenständiger Risikofaktor – sondern ein Genussmittel, das bei maßvollem Konsum einen gesundheitlichen Mehrwert haben kann. Richtwerte wie bis zu vier Tassen pro Tag und maximal 400 mg Koffein täglich gelten laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als unbedenklich.
Beim Tee deuten die Daten auf mögliche Vorteile bei niedrigem bis moderatem Konsum hin, während ein deutlich höherer Konsum in einigen Analysen mit einem erhöhten Kehlkopfkrebsrisiko verbunden war – ein Befund, der vorsichtig interpretiert und durch weitere Studien geprüft werden sollte.
Aktuelle Meta-Analysen und große Beobachtungsstudien zeigen eine Assoziation zwischen regelmäßigem Kaffeekonsum und einem verminderten Risiko für Kopf-Hals-Krebs sowie für Leberkrebs und teils andere Krebsarten. Ein kausaler Beweis fehlt, die Datenlage ist aber konsistent genug, um von einem möglichen Schutzeffekt zu sprechen.
Für gesunde Erwachsene gelten bis zu 400 mg Koffein pro Tag – das entspricht je nach Stärke etwa 3 bis 5 Tassen Kaffee – als unbedenklich. In diesem Bereich werden in vielen Studien auch die potenziell positiven Effekte beobachtet.
Entkoffeinierter Kaffee enthält ebenfalls viele bioaktive Pflanzenstoffe. Für einige Krebsarten, insbesondere Leberkrebs, wird auch mit Decaf ein reduziertes Risiko beobachtet, wenn auch teilweise etwas schwächer als bei koffeinhaltigem Kaffee. Für Menschen, die Koffein schlecht vertragen, ist entkoffeinierter Kaffee daher eine sinnvolle Option.
In einer großen Analyse war hoher Teekonsum mit einem erhöhten Risiko für Kehlkopfkrebs verbunden. Eine Erklärung könnte sein, dass sehr heiße Getränke und häufiger Konsum Reflux und Schleimhautreizungen im Kehlkopfbereich fördern, was als Risikofaktor für Krebs gilt. Dieser Zusammenhang beruht jedoch auf Beobachtungsdaten und sollte nicht überinterpretiert werden.