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In Deutschland gibt es für verschiedene Krebsarten spezifische Empfehlungen und Untersuchungen
27. Januar 2026
Sophie Rodewyk
Krebserkrankungen frühzeitig erkennen, noch bevor sie Beschwerden auslösen. Welche Vorsorgeuntersuchungen werden wann empfohlen? Was zahlt die Kasse? Ein Guide
Jährlich erkranken in Deutschland rund 500.000 Menschen neu an Krebs – eine Diagnose, die das Leben von Betroffenen und ihren Angehörigen grundlegend verändert. Doch es gibt eine gute Nachricht: Wird Krebs frühzeitig erkannt, liegen die Heilungschancen bei vielen Krebsarten bei über 90 Prozent. Im Frühstadium entdeckter Brustkrebs etwa hat eine 5-Jahres-Überlebensrate von 99 Prozent, während diese bei späten Stadien auf unter 30 Prozent sinkt.
Selbst Menschen, die einen ausgesprochen gesunden Lebensstil führen, erkranken immer wieder an Krebs. Die ärztliche Krebsvorsorge oder auch Krebsfrüherkennung ist deshalb neben dem eigenen aufmerksamen Beobachten von körperlichen Veränderungen die sicherste Möglichkeit, eine Krebserkrankung frühzeitig zu erkennen.
Die Zahlen sprechen für sich: Bei regelmäßiger Teilnahme an Früherkennungsprogrammen kann die Sterblichkeit beispielsweise bei Darmkrebs um bis zu 60 Prozent gesenkt werden. Trotzdem nehmen in Deutschland nur etwa 50 Prozent der Berechtigten die kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen wahr – oft aus Angst, Scham oder Unwissenheit.
Auch wenn es mittlerweile vielversprechende Entwicklungen in der Forschung gibt, die darauf hindeuten, dass dank der Weiterentwicklung der mRNA-Technologie die Krebstherapie revolutioniert werden könnte, gilt nach wie vor: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Krebsvorsorge bleibt entscheidend für die rechtzeitige Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen.
Denn grundsätzlich gilt: Frühe Stadien lassen sich in der Regel erfolgreicher und auch schonender behandeln. In Deutschland gibt es für verschiedene Krebsarten spezifische Empfehlungen und Untersuchungen, die von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden – ohne Zuzahlung und ohne bürokratische Hürden.
Wir haben nachfolgend die möglichen Untersuchungen für die fünf häufigsten Krebsarten genauer erklärt und beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Krebsfrüherkennung.
Frauen haben ab dem 20. Lebensjahr Anspruch auf den Pap-Abstrich, der jährlich durchgeführt werden kann. Ab dem 35. Lebensjahr wird eine Kombination aus Pap-Abstrich und HPV-Test angeboten, die alle drei Jahre wiederholt werden kann.
Der Pap-Abstrich ist eine schmerzlose Untersuchung, die nur wenige Minuten dauert. Mit einem kleinen Bürstchen oder Spatel entnimmt der Frauenarzt Zellen vom Muttermund und Gebärmutterhals. Diese Zellen werden anschließend im Labor auf Veränderungen untersucht, die auf eine Krebsvorstufe oder einen Tumor hindeuten könnten.
Der HPV-Test sucht nach Humanen Papillomviren, die für über 70 Prozent aller Gebärmutterhalskrebsfälle verantwortlich sind. Die Probe wird zusammen mit dem Pap-Abstrich entnommen – Sie spüren davon nichts zusätzlich.
Wichtige Warnsignale, bei denen Sie außerhalb der regulären Termine einen Arzt aufsuchen sollten:
Ein auffälliger Pap-Abstrich bedeutet nicht automatisch Krebs. In den meisten Fällen handelt es sich um harmlose Zellveränderungen, die sich von selbst zurückbilden. Bei auffälligen Befunden wird Ihr Arzt:
Die HPV-Impfung ist zudem eine mögliche präventive Maßnahme, um das Risiko für Gebärmutterhalskrebs deutlich zu verringern. Bis zum 17. Lebensjahr werden die Kosten für Impfungen von Mädchen in jedem Fall übernommen. Einige Krankenkassen bieten die Kostenübernahme aber auch noch über diese Altersgrenze hinaus an. Seit 2013 wird die HPV-Impfung in Deutschland auch für Jungen empfohlen.
Brustkrebs ist mit rund 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Etwa jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Die gute Nachricht: Bei früher Entdeckung sind die Heilungschancen sehr gut.
Ab dem 30. Lebensjahr haben Frauen die Möglichkeit, jährlich eine gynäkologische Untersuchung mit Abtasten der Brust und der regionären Lymphknoten durchführen zu lassen. Bei der gynäkologischen Untersuchung sollte zudem eine ärztliche Anleitung zur Selbstuntersuchung eingeschlossen sein.
Eine monatliche Selbstuntersuchung wird Frauen bereits ab 20 Jahren empfohlen.
Die beste Zeit für die Selbstuntersuchung ist etwa eine Woche nach Beginn der Periode, wenn das Brustgewebe weniger empfindlich ist. So gehen Sie vor:
Ab dem 50. Lebensjahr besteht für Frauen der Anspruch auf eine Mammographie, die alle zwei Jahre im Rahmen des organisierten Mammographie-Screening-Programms angeboten wird. Seit dem 1. Juli 2024 ist die obere Altersgrenze des Programms von zuvor 69 auf 75 Jahre angehoben worden.
Etwa 3 von 100 Frauen erhalten einen auffälligen Befund. Das bedeutet nicht automatisch Brustkrebs:
Hautkrebs ist die häufigste Krebsart in Deutschland – mit steigender Tendenz. Jährlich erkranken etwa 270.000 Menschen neu. Das Gute: Hautkrebs ist bei früher Erkennung fast immer heilbar.
Ab dem 35. Lebensjahr haben alle Versicherten in Deutschland alle zwei Jahre Anspruch auf eine Hautkrebsfrüherkennung, bei der die gesamte Haut auf auffällige Veränderungen untersucht wird.
Das Screening ist schmerzfrei und dauert etwa 10-20 Minuten:
Sie müssen sich komplett entkleiden, aber die Untersuchung erfolgt in einem geschützten Raum. Tragen Sie am besten keine oder nur wenig Make-up und Nagellack, da auch Gesicht und Nägel untersucht werden.
Zusätzlich zur ärztlichen Untersuchung ist die Selbstbeobachtung der Haut auf neue Muttermale oder Veränderungen von bestehenden Hautveränderungen entscheidend. Hierbei wird geraten, regelmäßig auf Symptome wie Juckreiz, Rötungen oder Geschwüre zu achten.
Worauf Sie achten sollten (ABCDE-Regel):
Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern in Deutschland. Jährlich erhalten etwa 60.000 Männer diese Diagnose. Bei früher Erkennung sind die Heilungschancen sehr gut – die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei über 90 Prozent.
Ab dem 45. Lebensjahr haben Männer Anspruch auf eine jährliche Untersuchung, die in der Regel ein Abtasten des äußeren Genitales, eine Tastuntersuchung der Prostata (vom Enddarm aus) und eine Tastuntersuchung der regionären Lymphknoten umfasst.
Viele Männer scheuen diese Untersuchung aus Scham oder Angst vor Schmerzen. Die Realität:
Der Ablauf:
Zwischen den jährlichen Untersuchungen sollten Sie bei folgenden Symptomen einen Arzt aufsuchen:
Achtung: Diese Symptome treten meist erst bei fortgeschrittenen Tumoren auf. Früher Prostatakrebs verursacht oft keine Beschwerden – daher ist die Vorsorge so wichtig!
Als zusätzliche Früherkennung wird der sogenannte PSA-Test empfohlen, wobei dieser nicht standardmäßig von den Krankenkassen übernommen wird.
Was ist der PSA-Test? Der PSA-Test misst im Blut die Konzentration des Prostata-spezifischen Antigens. Ein erhöhter Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten, aber auch andere Ursachen haben (gutartige Prostatavergrößerung, Entzündung).
Kosten: 20-50 Euro als IGeL-Leistung
Kontroverse: Der PSA-Test ist umstritten, da er zu Überdiagnosen führen kann. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob der Test für Sie sinnvoll ist.
Bei Verdacht auf Prostatakrebs folgen weitere Untersuchungen:
Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebstodesursache. Dabei ist Darmkrebs durch Früherkennung in den meisten Fällen vermeidbar, denn er entwickelt sich meist über Jahre aus gutartigen Vorstufen (Polypen).
Gesetzlich versicherte Frauen und Männer ab 50 haben in Deutschland Anspruch auf eine einmalige ärztliche Beratung über die Möglichkeiten der Darmkrebsfrüherkennung. Zudem kann ab 50 jährlich ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl mit einem quantitativen immunologischen Test (iFOBT) durchgeführt werden.
Der immunologische Stuhltest (iFOBT) ist eine einfache Methode, die Sie zu Hause durchführen:
Ablauf:
Was wird gemessen: Der Test weist nicht sichtbares (okkultes) Blut im Stuhl nach. Blut im Stuhl kann auf Polypen oder Tumore hinweisen, hat aber oft auch harmlose Ursachen (Hämorrhoiden, Analfissuren).
Wichtig: Ein positiver Test bedeutet nicht automatisch Krebs, sondern ist eine Empfehlung für eine Darmspiegelung zur Abklärung.
Ab April 2025 können Frauen und Männer die gleichen Angebote zur Darmkrebsvorsorge nutzen. Bislang hatten Männer ab 50 und Frauen erst ab 55 Anspruch auf zwei kostenlose Darmspiegelungen in Abstand von 10 Jahren.
Eine erneute Früherkennungs-Darmspiegelung kann nach Ablauf von zehn Jahren durchgeführt werden.
Die Koloskopie gilt als Goldstandard der Darmkrebsfrüherkennung. Viele Menschen haben Angst davor, aber die Untersuchung ist dank moderner Technik gut verträglich:
Vorbereitung (1-2 Tage vorher):
Die Untersuchung selbst:
Nach der Untersuchung:
Polypen sind häufig und meist harmlos:
Die Koloskopie ist die einzige Krebsvorsorge, die Krebs nicht nur früh erkennt, sondern auch verhindern kann:
Krebsvorsorge rettet Leben. Die regelmäßige Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen erhöht die Chancen erheblich, Krebs in einem frühen, gut behandelbaren Stadium zu entdecken. Früh erkannter Krebs bedeutet:
Alle in diesem Artikel genannten Früherkennungsuntersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, sofern Sie im empfohlenen Alter sind und die vorgesehenen Intervalle einhalten. Es fallen keine Zuzahlungen an.
Ausnahmen bilden:
Sie benötigen keine Überweisung für die Vorsorgeuntersuchungen. Vereinbaren Sie einfach einen Termin bei Ihrem Hausarzt oder dem entsprechenden Facharzt.
Die Teilnahme an Krebsvorsorgeuntersuchungen ist in Deutschland vollständig freiwillig. Es gibt keine Pflicht, die Untersuchungen wahrzunehmen. Allerdings ist die Teilnahme dringend empfohlen, da Früherkennung Leben retten kann.
Die Darmspiegelung selbst ist in der Regel nicht schmerzhaft. Die meisten Patienten erhalten auf Wunsch eine Sedierung (leichte Betäubung), sodass sie die Untersuchung verschlafen. Ohne Sedierung kann die Untersuchung unangenehm sein, wenn Luft in den Darm gepumpt wird oder Kurven im Darm durchfahren werden. Die Vorbereitung mit dem Abführmittel empfinden viele Menschen als unangenehmer als die Untersuchung selbst.
Ein auffälliger Befund bedeutet nicht automatisch Krebs. In den meisten Fällen handelt es sich um harmlose Veränderungen oder gutartige Vorstufen. Ihr Arzt wird weitere Untersuchungen veranlassen, um die Auffälligkeit zu klären:
Selbst wenn es sich um Krebs handelt: Je früher erkannt, desto besser die Heilungschancen.
Ja, Sie können Termine absagen und neu vereinbaren. Es gibt keine Konsequenzen durch die Krankenkasse. Allerdings sollten Sie versäumte Termine zeitnah nachholen, um Ihren Vorsorgeschutz aufrechtzuerhalten. Bei Mammographie-Screening-Terminen erhalten Sie automatisch neue Einladungen, wenn Sie einen Termin nicht wahrnehmen.
Für die gesetzlichen Früherkennungsuntersuchungen benötigen Sie in der Regel keine Überweisung. Sie können direkt einen Termin beim entsprechenden Facharzt vereinbaren:
Nur bei weiterführenden Untersuchungen nach auffälligen Befunden kann eine Überweisung notwendig sein.
Ja, auch private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten für Krebsfrüherkennungsuntersuchungen, oft sogar in größerem Umfang als gesetzliche Kassen. Die genauen Leistungen hängen von Ihrem Versicherungstarif ab. Informieren Sie sich bei Ihrer Versicherung über die spezifischen Regelungen.
Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nur in den empfohlenen Intervallen. Möchten Sie häufiger untersucht werden, müssen Sie die Kosten in der Regel selbst tragen (IGeL-Leistung). Ausnahme: Wenn Sie Symptome haben oder ein erhöhtes Risiko (z.B. familiäre Vorbelastung), können engere Kontrollintervalle medizinisch notwendig und damit kassenleistung sein.
Die Begriffe werden oft synonym verwendet, haben aber unterschiedliche Bedeutungen:
Die meisten "Vorsorgeuntersuchungen" sind genau genommen Früherkennungsuntersuchungen. Nur die Darmspiegelung ist echte Vorsorge, da Polypen entfernt werden, bevor sie zu Krebs werden.
Ja, bei vielen Krebsarten erhöht sich das Risiko, wenn nahe Verwandte (Eltern, Geschwister) erkrankt sind. In diesem Fall:
Ja, Krebsvorsorge bietet keinen 100%igen Schutz. Manche Tumore wachsen sehr schnell und werden zwischen den Untersuchungen entdeckt (Intervallkarzinome). Auch können Untersuchungen manchmal etwas übersehen. Dennoch: Die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen senkt Ihr Risiko erheblich, an Krebs zu sterben.
Krebsvorsorge ist eine der wichtigsten Maßnahmen für Ihre Gesundheit. Nutzen Sie die kostenlosen Angebote der gesetzlichen Krankenkassen und nehmen Sie die empfohlenen Untersuchungen regelmäßig wahr. Ergänzen Sie die ärztlichen Kontrollen durch Selbstuntersuchungen und achten Sie auf Veränderungen an Ihrem Körper.
Die Zahlen sprechen für sich: Früh erkannter Krebs ist in den meisten Fällen heilbar. Warten Sie nicht, bis Symptome auftreten – dann ist es oft zu spät für eine schonende Behandlung.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, welche Vorsorgeuntersuchungen für Sie persönlich sinnvoll sind und wann der nächste Termin ansteht. Vereinbaren Sie am besten gleich heute Ihre nächste Vorsorgeuntersuchung – es könnte Ihr Leben retten.