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9. März 2026
Marianne Waldenfels
Ashwagandha gilt als natürliches Wundermittel – doch die Heilpflanze kann Leber, Schilddrüse & Blutdruck beeinflussen. Wer besonders aufpassen sollte und was Studien zur Sicherheit des Adaptogens sagen
Die Heilpflanze Ashwagandha (Withania somnifera) gehört zu den bekanntesten Adaptogenen aus der traditionellen indischen Medizin (Ayurveda) und wird häufig bei Stress, Schlafproblemen und Erschöpfung eingesetzt. Klinische Studien zeigen, dass standardisierte Ashwagandha-Extrakte Stress reduzieren, die Schlafqualität verbessern und kognitive Funktionen unterstützen können. Trotz des „natürlichen" Ursprungs handelt es sich um einen pharmakologisch aktiven Pflanzenextrakt, der Ashwagandha-Nebenwirkungen und in seltenen Fällen ernstere Komplikationen verursachen kann.
Dieser Überblick erklärt, welche Risiken bekannt sind, welche Nebenwirkungen auftreten können, was Studien zur Sicherheit sagen – und wer besser auf Ashwagandha verzichten sollte.
Ashwagandha ist eine Heilpflanze aus der ayurvedischen Medizin und wird als Adaptogen eingesetzt – also als Pflanzenstoff, der dem Körper helfen soll, besser mit Stress umzugehen. Viele Menschen nehmen Ashwagandha heute als Nahrungsergänzungsmittel ein, zum Beispiel:
In klinischen Studien werden häufig standardisierte Extrakte in Dosierungen von etwa 300 bis 600 mg pro Tag über 6 bis 12 Wochen verwendet.
In Studien und Erfahrungsberichten werden vor allem milde Nebenwirkungen beschrieben, die meist zu Beginn der Einnahme oder bei höheren Dosierungen auftreten:
Randomisierte, doppelblinde Studien an gestressten, aber ansonsten gesunden Erwachsenen fanden bei 300–600 mg Ashwagandha-Extrakt täglich vor allem solche leichten, vorübergehenden Beschwerden. Viele Nutzer nehmen Ashwagandha bewusst abends ein, weil die beruhigende Wirkung den Schlaf fördern kann – was bei empfindlichen Personen tagsüber jedoch zu Müdigkeit oder Konzentrationsproblemen führen kann.
Neben den häufigen, meist milden Nebenwirkungen werden in der medizinischen Literatur auch seltenere, schwerwiegendere Risiken diskutiert.
In den letzten Jahren wurden vereinzelt Leberschäden nach der Einnahme von Ashwagandha-Präparatenbeschrieben. Betroffene entwickelten Symptome wie:
Eine Fallserie aus Indien beschrieb 23 Patienten mit leberbezogenen Nebenwirkungen, darunter cholestatische Hepatitis und akut-auf-chronisches Leberversagen. In vielen Fällen besserten sich die Leberwerte nach Absetzen des Präparats – was auf einen möglichen ursächlichen Zusammenhang hindeutet.
Ob Ashwagandha selbst oder Verunreinigungen in Nahrungsergänzungsmitteln die alleinige Ursache waren, ist in vielen Berichten unklar. Dennoch gilt: Bei ungewöhnlichen Beschwerden sollte die Einnahme sofort gestoppt und ärztlicher Rat eingeholt werden.
Ashwagandha kann die Aktivität der Schilddrüse beeinflussen. In einer doppelblinden, randomisierten Studie mit Menschen mit subklinischer Hypothyreose führten 600 mg Ashwagandha-Wurzelextrakt täglich über acht Wochen zu einem signifikanten Anstieg von T3 und T4 sowie einer Senkung des TSH-Spiegels.
Für Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen – etwa Hyperthyreose oder Hashimoto-Thyreoiditis – kann dies problematisch sein, weil eine zusätzliche Stimulation Symptome verstärken oder die medikamentöse Einstellung erschweren kann. Die Einnahme sollte daher nur nach ärztlicher Rücksprache und unter Kontrolle der Schilddrüsenwerte erfolgen.
Ashwagandha zeigt in experimentellen Untersuchungen immunmodulatorische und teils immunstimulierende Effekte. Bei gesunden Menschen sind diese in der Regel unproblematisch – bei Autoimmunerkrankungen könnten sie jedoch eine Rolle spielen. Beispiele:
Wer an einer Autoimmunerkrankung leidet, sollte Nahrungsergänzungsmittel mit immunmodulierender Wirkung grundsätzlich mit einem Arzt abklären.
Mehrere klinische Studien untersuchten Ashwagandha bei Stress und Schlafstörungen – und liefern gleichzeitig Daten zur Verträglichkeit:
Diese Daten sprechen dafür, dass Ashwagandha bei kurz- bis mittelfristiger Anwendung in moderaten Dosierungen für viele gesunde Erwachsene relativ gut verträglich ist – sie schließen seltene Einzelfälle wie Leberschäden aber nicht aus.
Ashwagandha kann mit bestimmten Medikamenten interagieren, indem es deren Wirkung verstärkt oder abschwächt.
Da Ashwagandha selbst beruhigend wirkt, kann es die Wirkung von Benzodiazepinen (z. B. Diazepam, Lorazepam) und anderen Sedativa verstärken – mit möglicher Folge: stärkere Schläfrigkeit, verlängerte Reaktionszeiten oder im Extremfall Atemdepression.
Ashwagandha kann den Blutdruck leicht senken. In Kombination mit Antihypertensiva (z. B. ACE-Hemmer, Betablocker, Calciumkanalblocker) kann der Effekt zu stark werden und zu niedrigem Blutdruck führen.
Menschen, die Levothyroxin oder andere Schilddrüsenhormone einnehmen, sollten Vorsicht walten lassen: Ashwagandha kann die endogene Schilddrüsenhormonproduktion stimulieren und so die Wirkung bestehender Hormontherapien beeinflussen.
Aufgrund immunmodulierender Effekte könnte Ashwagandha theoretisch der Wirkung von Immunsuppressiva entgegenwirken – etwa nach Organtransplantationen oder bei Autoimmunerkrankungen.
Generell gilt: Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte Ashwagandha nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden.
Ashwagandha wird für folgende Personengruppen in der Regel nicht empfohlen:
Auch vor Operationen wird empfohlen, Ashwagandha mindestens zwei Wochen vorher abzusetzen, da die beruhigende Wirkung die Narkose beeinflussen könnte.
Wer Ashwagandha ausprobieren möchte, kann folgende Vorsichtsmaßnahmen beachten:
Mit niedriger Dosis beginnen: Viele Studien nutzen 300–600 mg Extrakt pro Tag. Ein langsames Eindosieren kann die Verträglichkeit verbessern.
Auf geprüfte Produkte achten: Qualitätssiegel, standardisierte Extrakte und Hersteller mit transparenten Analysenzertifikaten reduzieren das Risiko von Verunreinigungen.
Warnsignale ernst nehmen: Bei Gelbfärbung der Haut, starkem Juckreiz, dunklem Urin, starken Magenproblemen oder ungewöhnlicher Müdigkeit sollte die Einnahme sofort gestoppt und ein Arzt aufgesucht werden.
Im Zweifel ärztlichen Rat einholen: Besonders bei bestehenden Erkrankungen (Leber, Schilddrüse, Autoimmunerkrankungen) oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme.
Ashwagandha gilt für viele gesunde Erwachsene bei moderater Dosierung und begrenzter Einnahmedauer als relativ gut verträglich – gestützt durch mehrere randomisierte, placebokontrollierte Studien. Gleichzeitig zeigen Fallberichte zu Leberschäden sowie Daten zur Beeinflussung der Schilddrüsenfunktion, dass der Pflanzenextrakt nicht als harmloses Wellness-Produkt unterschätzt werden sollte.
Wer Ashwagandha nutzen möchte, sollte auf Qualität, angemessene Dosierung und mögliche Vorerkrankungen achten – und im Zweifel ärztlichen Rat einholen.
Welche Nebenwirkungen hat Ashwagandha? Die häufigsten Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, Schläfrigkeit und leichte Kopfschmerzen. In seltenen Fällen wurden Leberschäden berichtet.
Kann Ashwagandha die Leber schädigen? Ja, in Einzelfällen wurden Leberschäden nach der Einnahme von Ashwagandha dokumentiert. Bei Symptomen wie Gelbsucht oder dunklem Urin sollte die Einnahme sofort gestoppt werden.
Ist Ashwagandha bei Schilddrüsenproblemen gefährlich? Ashwagandha kann die Schilddrüsenaktivität stimulieren und ist daher bei Hyperthyreose oder Hashimoto nur nach ärztlicher Rücksprache empfehlenswert.
Wer sollte kein Ashwagandha nehmen? Schwangere, Stillende, Menschen mit Autoimmunerkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen oder Leberproblemen sowie Personen mit bestimmten Medikamenten sollten auf Ashwagandha verzichten oder es nur unter ärztlicher Aufsicht einnehmen.
Wie hoch sollte die Ashwagandha-Dosierung sein? Studien verwenden häufig 300–600 mg standardisierten Extrakt pro Tag. Höhere Dosen erhöhen das Risiko von Nebenwirkungen.