
© Freepik
16. April 2026
Marianne Waldenfels
HPV betrifft nicht nur Frauen: Warum die HPV-Impfung auch für Männer wichtig ist – und wie sie vor Krebs schützt. Fakten und Einschätzung von Gynäkologin Dr. Uta Emmerich

© PMC
Mit
Dr. med. Uta Emmerich
Viele denken bei HPV vor allem an Frauen und Gebärmutterhalskrebs. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit: Auch Männer können sich mit humanen Papillomaviren infizieren und daran erkranken – etwa an Krebs im Mund-Rachen-Bereich, am After oder am Penis. In Deutschland erkranken Schätzungen zufolge jedes Jahr knapp 3.000 Männer an einem HPV-bedingten bösartigen Tumor.
Ja. Die HPV-Impfung schützt auch Männer vor bestimmten HPV-Typen, die Krebs und Krebsvorstufen verursachen können. Außerdem senkt sie das Risiko, das Virus weiterzugeben, und trägt so auch zum Schutz von Partnerinnen und Partnern bei.
In Deutschland wird die HPV-Impfung seit 2018 auch für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren standardmäßig empfohlen; eine Nachholimpfung kann bis zum 17. Lebensjahr erfolgen. HPV verursacht bei Männern unter anderem Peniskarzinome (Inzidenz etwa 1,2 pro 100.000 Männer pro Jahr in Deutschland), Analkarzinome (Inzidenz etwa 1,65 pro 100.000 Männer pro Jahr) sowie HPV‑assoziierte oropharyngeale Karzinome (Inzidenz etwa 4,1 pro 100.000 Männer pro Jahr).
Das oropharyngeale Karzinom ist die häufigste HPV‑assoziierte Krebserkrankung bei Männern und hat inzwischen die Inzidenz des Zervixkarzinoms bei Frauen übertroffen. „Zusätzlich zur individuellen Prävention bietet die Impfung von Jungen auch eine Herdenimmunität und schützt damit andere ungeimpfte Personen“, erklärt Dr. Uta Emmerich.
HPV kann bei Männern mehrere Krebsarten begünstigen, vor allem Tumoren im Oropharynx, im Analbereich und am Penis. Die Erkrankungen entstehen meist erst Jahre oder sogar Jahrzehnte nach der Infektion. Deshalb merken viele Betroffene lange nichts von der Ansteckung.
Ein besonders auffälliger Trend zeigt sich bei den oropharyngealen Karzinomen: Hier steigt die Zahl HPV‑bedingter Fälle, während andere Tumorentitäten im Vergleich rückläufig sind.
Die HPV‑Impfung wirkt am besten, wenn sie vor dem ersten Sexualkontakt erfolgt. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung für alle Kinder ab 9 Jahren bis zum Alter von 14 Jahren – also ausdrücklich auch für Jungen. Ungeimpfte Jugendliche sollen die Impfung möglichst bald und noch vor dem 18. Geburtstag nachholen.
„In Deutschland wird die HPV‑Impfung seit 2018 auch für Jungen standardmäßig im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen, eine Nachholimpfung kann bis zum 17. Lebensjahr erfolgen“, fasst Dr. Uta Emmerich noch einmal zusammen. „Zusätzlich zur individuellen Prävention bietet die Impfung von Jungen auch eine Herdenimmunität und schützt damit andere ungeimpfte Personen.“
Die Studienlage zeigt, dass die Impfung bei Jungen und Männern eine moderate bis gute Wirksamkeit gegen genitale HPV‑Infektionen und gegen höhereingrade anale Vorstufen hat. In der Langzeitbetrachtung erwarten Fachleute, dass die Impfung einen erheblichen Teil der jährlich neu auftretenden HPV‑bedingten Erkrankungen bei Männern vermeiden kann.
Wichtig ist dabei: Die Impfung schützt vor einer Infektion mit den enthaltenen HPV‑Typen, behandelt aber keine bereits bestehende Infektion.
Besonders profitieren Jungen vor dem ersten Sexualkontakt, aber auch junge Erwachsene können noch Nutzen aus der Impfung ziehen, wenn sie noch nicht mit allen relevanten HPV‑Typen in Kontakt waren.
Ein erhöhtes Risiko für HPV‑bedingte Folgeschäden besteht unter anderem bei Männern mit wechselnden Sexualpartnern, bei Männern, die Sex mit Männern haben, und bei Personen mit geschwächtem Immunsystem. Für diese Gruppen ist eine individuelle ärztliche Beratung besonders sinnvoll.
Ja, auch im späteren Jugend‑ oder jungen Erwachsenenalter kann die HPV‑Impfung noch sinnvoll sein. Die Schutzwirkung ist zwar am größten, wenn die Impfung früh erfolgt, aber sie bleibt auch dann relevant, wenn einzelne HPV‑Typen noch nicht aufgenommen wurden.
Lange Zeit wurde HPV fast ausschließlich mit dem Gebärmutterhalskrebs bei Frauen verknüpft. Deshalb lag der Fokus der öffentlichen Aufklärung und der Impfprogramme vor allem auf Mädchen und jungen Frauen. Erst in den letzten Jahren ist stärker in den Blick geraten, dass HPV auch für Männer ein relevantes Krebsrisiko darstellt.
Die HPV-Impfung ist nicht nur für Frauen relevant, sondern auch für Männer ein wichtiger Schutz vor bestimmten Krebsarten. Sie kann das Risiko für HPV-bedingte Tumoren deutlich senken und gleichzeitig dazu beitragen, die Verbreitung des Virus einzudämmen.
Besonders sinnvoll ist die Impfung im Jugendalter, bevor es zu einer Infektion kommt. Aber auch später kann sie noch einen Nutzen haben – vor allem für Menschen, die noch nicht mit allen HPV-Typen in Kontakt waren.
Entscheidend ist eine informierte Entscheidung: Wer sich früh impfen lässt, kann sein persönliches Krebsrisiko deutlich reduzieren und gleichzeitig andere schützen.
Ja. HPV kann auch bei Männern Krebs verursachen, unter anderem im Oropharynx, Analbereich und Penis. Die Impfung schützt vor den wichtigsten Hochrisiko‑HPV‑Typen und kann damit ein wichtiges Präventionsinstrument sein.
Am meisten profitieren Kinder und Jugendliche vor dem ersten Sexualkontakt. Die STIKO empfiehlt die Impfung regulär von 9 bis 14 Jahren; eine Nachholimpfung ist bis zum 17. Lebensjahr möglich.
Für die von der STIKO empfohlene Altersgruppe wird die HPV‑Impfung in Deutschland in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Ja, je nach verwendeten Impfstoff werden auch HPV‑Typen abgedeckt, die Genitalwarzen verursachen können.
Nein. Die Impfung schützt vor einer künftigen Infektion mit den enthaltenen HPV‑Typen, behandelt aber keine bereits bestehende Infektion und ersetzt keine Vorsorgeuntersuchung bei Beschwerden