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16. April 2026
Christine Bürg & Marianne Waldenfels
Die HPV-Impfung kann das Krebsrisiko deutlich senken. Wie gut sie schützt, für wen sie sinnvoll ist und wo ihre Grenzen liegen

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Mit
Dr. med. Uta Emmerich
Die HPV-Impfung gilt als eine der wirksamsten Maßnahmen zur Krebsprävention weltweit. Sie schützt vor den wichtigsten Hochrisiko-HPV-Typen und kann das Risiko für Gebärmutterhalskrebs sowie weitere HPV-assoziierte Tumoren deutlich senken. Trotzdem ist der Schutz nicht vollständig: Vorsorgeuntersuchungen bleiben weiterhin entscheidend.
Welche Wirkung die Impfung hat, für wen sie besonders sinnvoll ist und wo ihre Grenzen liegen, ordnet die Gynäkologin Dr. Uta Emmerich ein.
Die HPV-Impfung schützt sehr wirksam vor den wichtigsten HPV-Typen, die Krebs verursachen. Studien zeigen, dass sie bis zu 95 % der Infektionen verhindert, die zu Gebärmutterhalskrebs führen können. Einen vollständigen Schutz gibt es jedoch nicht, da nicht alle HPV-Typen abgedeckt sind – deshalb bleiben Vorsorgeuntersuchungen weiterhin wichtig.
Humane Papillomviren (HPV) sind eine große Virusfamilie mit mehr als 200 bekannten Typen. Einige werden über Hautkontakt übertragen, andere betreffen vor allem Schleimhäute im Genital- und Rachenbereich.
Die meisten Infektionen bleiben unbemerkt und verschwinden innerhalb von ein bis zwei Jahren. Problematisch wird es, wenn Hochrisiko-HPV-Typen über längere Zeit im Körper bleiben. Dann können sich Zellen verändern, und über viele Jahre entstehen Krebsvorstufen. Besonders relevant sind die Typen 16 und 18, die einen großen Teil der HPV-bedingten Krebserkrankungen verursachen.
HPV wird am häufigsten mit Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht, spielt aber auch bei anderen Krebsarten eine wichtige Rolle. Dazu zählen Tumoren im Mund-Rachen-Bereich, Analkrebs, Peniskrebs sowie bestimmte Krebsformen im Bereich von Vulva und Vagina. Diese Erkrankungen entwickeln sich oft erst viele Jahre nach der ursprünglichen Infektion – deshalb wird der Nutzen der Impfung häufig erst mit Verzögerung sichtbar.
Die heutigen HPV-Impfstoffe enthalten keine vollständigen Viren, sondern sogenannte Virus-like-Particles. Sie lösen eine Immunreaktion aus, ohne selbst eine Infektion auszulösen. Der Körper bildet dabei gezielt Antikörper gegen die HPV-Typen, die im Impfstoff enthalten sind. Besonders der 9-valente Impfstoff bietet einen breiten Schutz vor mehreren krebsauslösenden HPV-Typen.
Die Wirksamkeit ist besonders gut belegt, wenn die Impfung vor dem ersten Sexualkontakt erfolgt. Das Robert Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass die Impfung vor fast 95 % der HPV-Infektionen schützt, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können.
Auch große Studien zeigen einen deutlichen Effekt: Bei jungen Frauen sank die Zahl HPV16/18-assoziierter Krebsvorstufen drastisch. Gleichzeitig belegen Langzeitdaten, dass geimpfte Mädchen viele Jahre später ein deutlich geringeres Risiko haben, tatsächlich an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Die Impfung wirkt also nicht nur kurzfristig, sondern langfristig präventiv.
Die HPV-Impfung wird in Deutschland von der STIKO routinemäßig für alle Kinder (Jungen und Mädchen) im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen, erklärt die Gynäkologin Dr. Uta Emmerich: „Idealerweise sollte die Impfung vor Beginn der sexuellen Aktivität erfolgen, da sie dann am wirksamsten ist.“ Auch eine Nachholimpfung kann sinnvoll sein: „Für Personen im Alter von 13 bis 26 Jahren wird eine Nachholimpfung empfohlen.“
Für Erwachsene zwischen 27 und 45 Jahren sollte die Entscheidung individuell getroffen werden. „Hier profitieren am ehesten jüngere Erwachsene, Menschen mit wechselnden Partnern und Personen mit kürzlich diagnostizierter sexuell übertragbarer Erkrankung“, so Emmerich.
Ein besonders relevanter Punkt aus der Praxis: „Bei Patientinnen mit höhergradigen Zellveränderungen kann die HPV-Impfung rund um eine Operation das Rückfallrisiko um etwa 60 bis 65 Prozent senken.“
Trotz ihrer hohen Wirksamkeit bietet die HPV-Impfung keinen vollständigen Schutz. Sie deckt nur bestimmte Virus-Typen ab und kann eine bereits bestehende Infektion nicht beseitigen. Zudem spielen weitere Faktoren bei der Krebsentstehung eine Rolle, etwa Rauchen, ein geschwächtes Immunsystem oder individuelle biologische Unterschiede. Deshalb bleibt ein Restrisiko bestehen.
Die bisherigen Daten sprechen für einen langfristigen Schutz. Studien zeigen, dass die Immunität mindestens zwölf Jahre anhält, ohne Hinweise auf ein frühes Nachlassen. Viele Experten gehen sogar davon aus, dass der Schutz über Jahrzehnte bestehen könnte. Auffrischimpfungen werden derzeit nicht routinemäßig empfohlen.
Ein zentraler Punkt in der Prävention ist die Unterscheidung zwischen Vorbeugung und Früherkennung. „Die HPV-Impfung ist eine Primärprävention – sie verhindert die Infektion und damit die Entstehung von Krebs“, erklärt Dr. Uta Emmerich. Das Screening beim Frauenarzt erfüllt hingegen eine andere Aufgabe: „Es erkennt bereits bestehende Veränderungen am Gebärmutterhals, die dann behandelt werden können.“ Dr. Emmerich fasst zusammen, dass Impfung und Vorsorge keine Alternativen sind, sondern sich sinnvoll ergänzen.
Auch Männer können sich mit HPV infizieren und daran erkranken. Das Virus kann unter anderem Krebs im Mund-Rachen-Bereich, am After oder am Penis verursachen. Besonders das sogenannte oropharyngeale Karzinom gehört inzwischen zu den häufigsten HPV-assoziierten Krebsarten.
Deshalb empfiehlt die STIKO die HPV-Impfung seit einigen Jahren auch für Jungen. Neben dem eigenen Schutz trägt die Impfung außerdem dazu bei, die Verbreitung des Virus insgesamt zu reduzieren.
Ja. Die Impfung senkt das Risiko deutlich, verhindert aber nicht jede Infektion und nicht jede Krebsentstehung.
Ja, allerdings ist der Nutzen meist geringer als bei einer frühen Impfung.
Aktuelle Daten sprechen für einen langanhaltenden Schutz über viele Jahre.
Nein. Vorsorgeuntersuchungen bleiben notwendig, weil die Impfung nicht alle HPV-Typen abdeckt und bestehende Infektionen nicht behandelt.
Ja, da HPV auch bei Männern verschiedene Krebsarten verursachen kann.