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27. Mai 2026
Christine Bürg & Marianne Waldenfels
Von LASIK bis SMILE: Augenärztin Dr. Tabitha Neuhann erklärt moderne Laserbehandlungen, mögliche Nebenwirkungen und langfristige Ergebnisse

Ein Interview mit
Dr. med. Tabitha Neuhann
Wer über Augenlasern nachdenkt, hat meist viele Fragen und oft auch Respekt vor dem Eingriff. Wie sicher ist Lasern? Für wen eignet sich die Behandlung? Welche Risiken gibt es? Und hält das Ergebnis tatsächlich dauerhaft?
Dr. Tabitha Neuhann führt gemeinsam mit ihrem Vater Tobias Neuhann und ihrem Bruder Raphael das Ophthalmologikum Dr. Neuhann. Einer ihrer Schwerpunkte: moderne Lasertherapien zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten.
Im Gespräch erklärt die Spezialistin, warum Kontaktlinsen oft unterschätzt werden, welche Laser-Verfahren heute State of the Art sind und weshalb sie selbst ihre Augen lasern ließ.
Das ist tatsächlich gar nicht so einfach pauschal zu beantworten, weil man zwei völlig unterschiedliche Dinge miteinander vergleicht: Kontaktlinsen auf der einen Seite und einen operativen Eingriff auf der anderen.
Kontaktlinsen wirken zunächst harmloser, weil sie alltäglich sind und man selbst entscheiden kann, wann man sie trägt oder wieder herausnimmt. Aber genau darin liegt auch ein Problem: Die Hygiene hängt komplett vom Patienten ab. Und schlechte Kontaktlinsenhygiene kann schwere Entzündungen an der Hornhaut verursachen.
Ich war selbst jahrelang Kontaktlinsenträgerin – und definitiv keine Vorzeigepatientin. Zu lange getragen, manchmal damit geschlafen – ich kenne die Nachteile also sehr gut. Gerade langfristig können Kontaktlinsen die Hornhaut verändern.
Das Lasern dagegen ist ein Eingriff – das muss man ganz klar sagen. Aber langfristig betrachtet halte ich es für die sicherere und oft auch kosteneffizientere Lösung.
Ja, absolut. Die Patienten kommen heute unglaublich gut informiert zu uns. Viele haben sich bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt, kennen Vor- und Nachteile und haben sich innerlich oft schon entschieden.
Früher musste man viel mehr erklären und Überzeugungsarbeit leisten. Heute ist das eher ein gemeinsames Gespräch auf Augenhöhe. Das liegt natürlich auch daran, dass Augenlasern inzwischen viel verbreiteter ist und viele jemanden im Bekanntenkreis kennen, der bereits gelasert wurde.
Grundsätzlich gibt es drei klassische Fehlsichtigkeiten, die wir behandeln: Die häufigste ist die Kurzsichtigkeit. Betroffene sehen in der Ferne unscharf, können aber in der Nähe meist problemlos lesen. Dann gibt es die Weitsichtigkeit – also genau das Gegenteil: Die Ferne funktioniert gut, aber Lesen oder Naharbeit werden schwierig.
Und schließlich die Hornhautverkrümmung, medizinisch Astigmatismus genannt. Dabei ist die Hornhaut nicht überall gleichmäßig geformt. Punkte oder Linien erscheinen verzerrt oder verlängert. Vor allem Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmungen behandeln wir sehr häufig mit dem Laser.
Das ist meist eine Mischung aus praktischen, emotionalen und manchmal auch ästhetischen Gründen. Früher spielte die Optik wahrscheinlich eine größere Rolle. Heute tragen viele Menschen sogar gerne Brille. Der häufigste Grund ist eher die Einschränkung im Alltag.
Viele sagen: „Ich möchte beim Sport frei sein.“ Oder beim Skifahren keine beschlagene Brille mehr unter der Skibrille tragen. Andere sind genervt vom Reisen mit Kontaktlinsenbehältern, Lösungen und Ersatzbrillen.
Ein weiterer häufiger Grund ist Kontaktlinsen-Unverträglichkeit. Viele entwickeln trockene Augen und können ihre Linsen irgendwann nur noch wenige Stunden tragen. Und dann gibt es auch berufliche Gründe – etwa bei Polizei oder Bundeswehr.
Beim Lasern ja. Die Behandlung dauert insgesamt nur etwa 20 bis 30 Minuten für beide Augen. Die eigentliche Laserzeit beträgt oft nur wenige Sekunden pro Auge. Das meiste ist tatsächlich die Vorbereitung. Bei anderen Eingriffen – etwa wenn Linsen implantiert werden – operiert man die Augen dagegen zeitversetzt.
Wir empfehlen unseren Patienten, sich ein paar Tage freizunehmen. Deshalb planen wir viele Eingriffe bewusst Richtung Wochenende.
Wichtig zu wissen: Augenlasern gilt als ästhetischer Eingriff und nicht als medizinisch notwendige Operation. Deshalb gibt es dafür normalerweise keine Krankschreibung. Die meisten sehen bereits am ersten Tag deutlich besser als vorher ohne Brille. Nach wenigen Tagen sind viele wieder arbeitsfähig.
Nicht für die Ewigkeit – aber sehr lange. Irgendwann kommt bei fast jedem Menschen die sogenannte Altersweitsichtigkeit, meist ab Mitte 40. Das betrifft auch Menschen ohne vorherige Fehlsichtigkeit.
Das bedeutet aber nicht, dass die Laserbehandlung „versagt“ hat. Das ursprüngliche Problem – etwa die Kurzsichtigkeit – ist trotzdem korrigiert. Prinzipiell kann man auch nachlasern, aber das hängt immer vom individuellen Fall ab.
Wie bei jedem Eingriff gibt es auch beim Lasern Risiken. Wichtig ist aber: Die allgemeine Komplikationsrate liegt weltweit bei unter einem Prozent. Am häufigsten sehen wir trockene Augen. Beim Lasern verändern wir die Hornhaut – dort sitzen sehr viele Nerven, die unter anderem den Blinkreflex steuern. Dadurch kann das Auge vorübergehend trockener werden.
Deshalb arbeiten wir intensiv mit befeuchtenden Tropfen. Meist bessert sich das innerhalb weniger Tage oder Wochen deutlich.
Manche Patienten bemerken nachts sogenannte Lichthöfe um Lichtquellen – ähnlich einem Halo-Effekt. Das kennen vor allem stark Kurzsichtige oft bereits vorher. In der Regel gewöhnt man sich daran. Natürlich kann es auch zu Unter- oder Überkorrekturen kommen. Jeder Mensch heilt anders, und trotz modernster Technik bleibt das Auge eben ein biologisches System.
Das häufigste Verfahren bei uns ist aktuell die sogenannte Femto-LASIK. Dabei arbeiten wir mit zwei Lasern: Zunächst wird eine dünne Hornhautlamelle präpariert, anschließend modelliert ein zweiter Laser die Hornhaut neu.
Das modernste Verfahren ist derzeit die sogenannte SMILE-Methode. Hier wird ein kleines Gewebestück innerhalb der Hornhaut entfernt, ohne einen klassischen Flap zu erzeugen. Daneben gibt es noch die sogenannte Trans-PRK oder No-Touch-Technik. Dabei berührt kein Instrument das Auge – der Laser arbeitet komplett kontaktlos.
Die Ergebnisse sind bei allen Verfahren sehr gut. Unterschiede gibt es vor allem im Heilungsverlauf und darin, welches Verfahren für welchen Patienten am besten geeignet ist.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten normalerweise nicht, da es sich um einen ästhetischen Eingriff handelt. Bei privaten Krankenkassen hängt es stark vom Tarif ab. Manche beteiligen sich teilweise an den Kosten.
Je nach Verfahren liegen die Gesamtkosten für beide Augen meist zwischen etwa 4.600 und 5.500 Euro.
Ja. Eine der häufigsten Ursachen ist eine zu dünne Hornhaut. Beim Lasern wird Gewebe abgetragen – dafür braucht man eine gewisse Restdicke. Außerdem muss die Sehstärke stabil sein. Wenn sich die Werte ständig verändern, macht Lasern wenig Sinn.
Auch sehr hohe Fehlsichtigkeiten können problematisch sein. Hier gibt es allerdings oft Alternativen – etwa implantierbare Kontaktlinsen, sogenannte ICL-Linsen. Und natürlich brauchen wir ein gesundes Auge. Entzündliche Erkrankungen oder bestimmte Autoimmunerkrankungen können gegen einen Eingriff sprechen.
Während Schwangerschaft und Stillzeit lasern wir grundsätzlich nicht, weil hormonelle Veränderungen die Hornhaut beeinflussen können.
Während des Laserns selbst haben Patienten normalerweise keine Schmerzen, weil wir die Augen mit Tropfen betäuben. Danach kann es aber für einige Stunden unangenehm werden: Brennen, Kratzen, tränende Augen und Lichtempfindlichkeit sind typisch.
Viele Patienten denken am OP-Tag kurz: „Warum habe ich das gemacht?“ – aber meistens sieht die Welt schon am nächsten Morgen ganz anders aus. Man merkt natürlich, dass etwas gemacht wurde, aber man ist nicht wirklich krank. Viele gehen bereits wenige Tage später wieder spazieren, essen mit Freunden oder reisen sogar.
Ich selbst bin am Tag nach meiner Behandlung direkt geflogen – sehr zum Leidwesen meines Vaters. Aber es ging alles gut.

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Marianne Waldenfels