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13. Juli 2026
Christine Bürg & Marianne Waldenfels
Laser, Retinol, Biostimulatoren: Welche Anti-Aging-Methoden wirken tatsächlich? Dermatologin Dr. Susanne Steinkraus erklärt, welche Verfahren wissenschaftlich sinnvoll sind und worauf es für gesunde Haut ankommt

Ein Interview mit
Dr. med. Susanne Steinkraus
Kann man die Hautalterung tatsächlich verlangsamen oder versprechen moderne Anti-Aging-Behandlungen mehr, als sie halten? Dermatologin Dr. Susanne Steinkraus erklärt im Interview, welche Methoden wissenschaftlich sinnvoll sind, welche Wirkstoffe sich bewährt haben und warum nicht der neueste Trend, sondern individuelle Hautpflege, konsequenter Sonnenschutz, ausreichend Schlaf und ein gesunder Lebensstil die Grundlage gesunder Haut bilden.
Frau Dr. Steinkraus, überall ist derzeit von "Reverse Aging" die Rede. Ist es tatsächlich möglich, die Hautalterung rückgängig zu machen?
Der Begriff Reverse Aging ist medizinisch betrachtet nur bedingt korrekt. Es handelt sich letztlich um ein Modewort. Biologisch altern wir alle – das lässt sich nicht verhindern. Die gute Nachricht ist aber, dass wir den Alterungsprozess positiv beeinflussen können.
Dafür stehen uns heute verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Prävention, Regeneration und Reparatur. Entscheidend ist, dass diese Maßnahmen sinnvoll kombiniert werden. Es gibt nicht die eine Behandlung, die alles löst. Vielmehr greifen unterschiedliche Verfahren ineinander und ergänzen sich.
Welche Behandlungen spielen dabei die wichtigste Rolle?
Heute verfügen wir über eine ganze Reihe moderner Verfahren, die unterschiedliche Hautschichten und verschiedene Alterungsprozesse ansprechen. Besonders wichtig ist das Zusammenspiel dieser Methoden.
Dazu gehören sogenannte Energy-based Devices wie Laser, Radiofrequenz oder Ultraschall. Hinzu kommen biostimulatorische Verfahren, die direkt auf Zellebene wirken und die Kollagenbildung sowie Regenerationsprozesse anregen sollen. Auch medizinische Peelings oder Microneedling können die Hauterneuerung unterstützen, indem sie gezielt Reparaturmechanismen aktivieren.
Mindestens genauso wichtig ist allerdings die Prävention. Und dabei steht eine Maßnahme ganz klar an erster Stelle: konsequenter Sonnenschutz.
Es gibt einige Wirkstoffe, die sich seit Jahren bewährt haben und deshalb für mich zur Basis einer guten Hautpflege gehören. Ganz vorne stehen Ceramide, weil sie die Hautbarriere stärken und gesund erhalten. Ein weiterer Klassiker ist Retinol beziehungsweise seine verschiedenen Abkömmlinge. Retinoide regen den Zellstoffwechsel an und gehören aus meiner Sicht zu den wirksamsten Anti-Aging-Wirkstoffen überhaupt.
Hinzu kommen Antioxidantien wie Vitamin E und Niacinamid, die die Haut vor oxidativem Stress schützen können. Hyaluronsäure sorgt vor allem für eine gute Hydratation der Haut. Sehr spannend sind außerdem Peptide und Wachstumsfaktoren, zu denen derzeit intensiv geforscht wird.
Braucht empfindliche Haut eine andere Pflege als normale Haut?
Absolut. Hautpflege sollte immer individuell auf den jeweiligen Hauttyp abgestimmt werden. Deshalb würde ich jeder Empfehlung zunächst eine Hautanalyse voranstellen. Idealerweise erfolgt diese gemeinsam mit einer erfahrenen medizinischen Kosmetikerin oder einem Hautarzt. So lässt sich herausfinden, welche Wirkstoffe die Haut tatsächlich gut verträgt.
Gerade Retinol und seine Abkömmlinge sollten langsam eingeführt werden. Ich empfehle grundsätzlich, zunächst nur einmal pro Woche mit einer niedrigen Konzentration zu beginnen und die Anwendung anschließend schrittweise zu steigern. So lassen sich Hautreizungen meist gut vermeiden.
Außerdem gilt: Nicht jeder Wirkstoff lässt sich beliebig miteinander kombinieren. Gerade beim sogenannten Layering wird häufig zu viel des Guten gemacht. Ich bin überzeugt, dass weniger oft mehr ist. Entscheidend sind sorgfältig ausgewählte Wirkstoffe, die zum individuellen Hauttyp passen.
Wann sollte man mit einer gezielten Anti-Aging-Pflege beginnen?
Idealerweise beginnt man bereits zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr. Wir wissen, dass die körpereigene Kollagenproduktion etwa ab Mitte zwanzig langsam nachlässt. Noch wichtiger als jeder Anti-Aging-Wirkstoff ist allerdings konsequenter UV-Schutz – und der beginnt bereits im Kindesalter.
Wer frühzeitig eine auf den Hauttyp abgestimmte Pflege verwendet, kann auch schon in jungen Jahren mit ausgewählten Wirkstoffen starten. Niacinamid beziehungsweise Vitamin B3 ist beispielsweise ein sehr gut verträgliches Antioxidans, das sich problemlos morgens anwenden lässt. Abends eignet sich Retinol beziehungsweise Vitamin A. Ergänzt wird die Pflege durch eine Feuchtigkeitspflege, die sich an Jahreszeit, Alter und hormonellen Veränderungen der Haut orientiert.
Viele investieren viel Zeit in die Gesichtspflege. Hals und Hände werden dagegen häufig vernachlässigt. Warum altern diese Bereiche oft besonders schnell?
Tatsächlich konzentrieren sich die meisten Menschen fast ausschließlich auf das Gesicht. Hals und Hände werden dagegen häufig vergessen, obwohl sie genauso altern.
Gerade die Hände sind täglich starken Belastungen ausgesetzt. Häufiges Waschen, Desinfektionsmittel oder Kälte trocknen die Haut zusätzlich aus. Gleichzeitig besitzen Hände und Hals deutlich weniger Talgdrüsen als das Gesicht und können sich deshalb schlechter selbst rückfetten.
Deshalb dürfen die Hände ruhig besonders intensiv gepflegt werden. Gerade im Winter empfehle ich reichhaltige Cremes, gegebenenfalls mit Urea. Wer unter sehr trockener Haut leidet, kann nachts sogar Baumwollhandschuhe über der Pflege tragen. Auch der Hals profitiert gelegentlich von einer intensiv pflegenden Maske über Nacht.
Neben Hautpflege und Behandlungen spielen heute auch Longevity, Ernährung und Schlaf eine große Rolle. Welche Faktoren sind für die Haut tatsächlich entscheidend?
Für mich gehört guter Schlaf zu den wichtigsten Faktoren überhaupt. Während wir schlafen, laufen die Regenerationsprozesse des Körpers auf Hochtouren und davon profitiert auch die Haut. Gleichzeitig ist ausreichender Schlaf heute einer der am meisten unterschätzten Gesundheitsfaktoren. Viele glauben, mit wenigen Stunden auszukommen. Langfristig zahlt der Körper dafür jedoch einen Preis.
Ich sage meinen Patientinnen und Patienten deshalb oft: Hautalterung vorzubeugen ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wer seiner Haut langfristig etwas Gutes tun möchte, sollte auf eine gute Schlafhygiene achten.
Ebenso wichtig ist eine ausgewogene Ernährung. Darm und Haut stehen in engem Zusammenhang. Veränderungen im Darm können sich häufig auch im Hautbild bemerkbar machen. Außerdem spielt Bewegung eine große Rolle. Sie verbessert unter anderem die Durchblutung und unterstützt gleichzeitig Stressabbau und Regeneration.
Welche Lebensmittel empfehlen Sie für eine gesunde Haut – und welche sollte man möglichst meiden?
Entscheidend ist zunächst, dass die Ernährung langfristig zur jeweiligen Person passt. Strenge Diäten funktionieren aus meiner Erfahrung selten dauerhaft. Viel wichtiger ist ein gesunder Lebensstil, den man über Jahre beibehalten kann.
Bewährt haben sich Omega-3-Fettsäuren, eine eiweißreiche Ernährung sowie Lebensmittel mit vielen Antioxidantien. Gleichzeitig empfehle ich eine möglichst entzündungsarme Ernährung.
Zucker sehe ich dagegen kritisch. Unser Körper braucht zugesetzten Zucker nicht. Inzwischen gibt es zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, die zeigen, dass ein hoher Zuckerkonsum den Zellstoffwechsel ungünstig beeinflussen kann. Deshalb sollte Zucker möglichst reduziert werden.
Welche Lebensmittel stehen bei Ihnen persönlich ganz oben auf der Empfehlungsliste?
Besonders empfehlenswert sind Beeren sowie verschiedenes Gemüse – möglichst frisch und wenig verarbeitet. Wer nicht täglich frische Lebensmittel einkaufen kann, muss sich darüber aber keine Sorgen machen. Tiefgekühlte Beeren und tiefgekühltes Gemüse sind eine sehr gute Alternative, weil die Vitamine durch das schnelle Einfrieren häufig besonders gut erhalten bleiben.
In den vergangenen Jahren ist das Mikrobiom immer stärker in den Fokus gerückt. Welche Bedeutung hat die Darmgesundheit für unsere Haut?
Das Mikrobiom spielt für den gesamten Organismus eine sehr wichtige Rolle. Gerät es aus dem Gleichgewicht, kann sich das auf viele Bereiche des Körpers auswirken – unter anderem auch auf die Haut.
Allerdings ist das Thema komplex. Das Mikrobiom lässt sich nicht einfach mit einer einzelnen Untersuchung beurteilen. Dafür braucht es spezialisierte Diagnostik und Erfahrung. Außerdem ist die Forschung auf diesem Gebiet noch in Entwicklung.
Gerade nach Antibiotikatherapien oder bestimmten Infektionen kann es längere Zeit dauern, bis sich das Gleichgewicht im Darm wieder stabilisiert. In solchen Fällen arbeite ich häufig interdisziplinär mit entsprechenden Spezialisten zusammen, weil sich viele Hautprobleme allein durch Cremes oder äußere Behandlungen nicht dauerhaft lösen lassen.
Viele Frauen bemerken spätestens in den Wechseljahren deutliche Veränderungen ihrer Haut. Kann eine Hormonersatztherapie sinnvoll sein?
Ja, sie kann sehr hilfreich sein – allerdings nicht für jede Frau. Das Thema hat in den vergangenen Jahren unterschiedliche Entwicklungen erlebt: Zunächst wurde eine Hormonersatztherapie eher kritisch gesehen, später wurde sie teilweise fast schon zum Standard.
Ich halte einen individuellen Ansatz für den richtigen Weg. Eine Hormontherapie sollte immer gemeinsam mit einer erfahrenen Gynäkologin, einem Gynäkologen oder einer Endokrinologin beziehungsweise einem Endokrinologen geplant und regelmäßig überprüft werden. Nicht jede Frau braucht Hormone, nicht jede darf sie einnehmen – aber jede sollte die Möglichkeit haben, sich individuell beraten zu lassen.
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel wächst rasant. Welche Supplements empfehlen Sie persönlich?
Der Markt ist inzwischen riesig. Gleichzeitig dürfen Nahrungsergänzungsmittel nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Grundlagen entscheidend bleiben. Ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ein gesundes Körpergewicht lassen sich durch keine Tablette ersetzen.
Wenn diese Basis stimmt, können Nahrungsergänzungsmittel im Einzelfall sinnvoll sein. Ich persönlich halte Magnesium für sehr wichtig – sowohl im Zusammenhang mit Schlaf als auch mit Sport. Auch ein Vitamin-B-Komplex kann in bestimmten Lebensphasen sinnvoll sein.
Grundsätzlich empfehle ich jedoch, nicht wahllos Präparate einzunehmen. Heute können wir Laborwerte sehr gut bestimmen. Deshalb sollte zunächst gemessen werden, ob tatsächlich ein Mangel besteht. Anschließend kann gezielt ergänzt und später kontrolliert werden, ob die Einnahme den gewünschten Effekt erzielt. Einfach dauerhaft Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, ohne den Bedarf zu kennen, halte ich nicht für sinnvoll.
Welche Entwicklungen beobachten Sie aktuell in der Hautpflege?
Retinol und seine Derivate gehören weiterhin zu den wichtigsten Wirkstoffen und haben in den vergangenen Jahren völlig zurecht ein Comeback erlebt.
Außerdem wird derzeit viel über Exosomen gesprochen. Das ist ein spannendes Forschungsfeld. Allerdings brauchen wir hier noch mehr wissenschaftliche Daten. Entscheidend ist auch, wie diese Wirkstoffe überhaupt in die Haut gelangen. Gerade bei Cremes stellt sich häufig die Frage, ob sie tatsächlich tief genug eindringen, um ihre Wirkung zu entfalten.
Ein weiterer Trend gefällt mir sehr gut: Viele Menschen verabschieden sich inzwischen von überladenen Pflegeroutinen. Statt zehn verschiedener Produkte gilt heute wieder häufiger das Motto: Weniger ist mehr. Hochwertige, individuell ausgewählte Wirkstoffe sind aus meiner Sicht deutlich sinnvoller als möglichst viele Produkte gleichzeitig zu verwenden.
Wie wird sich die ästhetische Dermatologie in den kommenden Jahren verändern?
Die ästhetische Medizin wird immer medizinischer, ganzheitlicher und langfristiger. Den einen schnellen Quick Fix gibt es aus meiner Sicht nicht. Entscheidend ist Kontinuität. Wer dauerhaft etwas für seine Haut tun möchte, muss regelmäßig dranbleiben.
Gleichzeitig wird die Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen immer wichtiger. Gesunde Haut entsteht nicht allein durch eine Creme oder eine einzelne Behandlung. Prävention, Regeneration und medizinische Therapien greifen ineinander und sollten individuell auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abgestimmt werden.
Die Zukunft gehört deshalb der personalisierten Medizin. Behandlungen werden immer individueller und berücksichtigen den gesamten Menschen – nicht nur einzelne Hautveränderungen.

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