
© Alexander Krivit
15. April 2026
Christine Bürg & Marianne Waldenfels
Dermatologe Dr. Timm Golücke erklärt, wie Hautalterung entsteht, welche Faktoren sie beeinflussen und wie wir mit Pflege, Lifestyle und Behandlungen länger jung aussehen

Ein Interview mit
Dr. med. Timm Golüke
Wie entsteht Hautalterung – und was hilft wirklich dagegen? Unsere Haut wird nur zu etwa 20 Prozent genetisch bestimmt, der Rest hängt von unserem Lebensstil ab. Dermatologe Dr. Timm Golücke erklärt, welche Faktoren entscheidend sind und wie wir die Hautalterung gezielt verlangsamen können
Golücke, der die Hautpflegelinie Royal Fern entwickelt hat, spricht unter anderem darüber, wie wir mit der richtigen Pflege, modernen Behandlungen und einem bewussten Lebensstil gegensteuern können. Außerdem geht es um die spannende Frage, ob die Haut als Biomarker für unsere Gesundheit dienen kann.
Ich bin ein großer Verfechter des ganzheitlichen Blicks. Wenn wir jemanden ansehen, schätzen wir intuitiv das Alter ein – und dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle.
Bezogen auf die Haut sind typische Zeichen der Alterung:
Diese Schäden zeigen sich oft erst Jahre später. Viele erinnern sich dann an intensive Sonnenexposition – etwa im Freibad vor 20 Jahren.
Aus dermatologischer Sicht gibt es darüber hinaus auch Veränderungen wie aktinische Keratosen, also echte Lichtschäden.
Das biologische Hautalter wird mithilfe multispektraler Bildgebung bestimmt. Dabei analysieren spezielle Geräte verschiedene Parameter der Haut, darunter Feuchtigkeitsgehalt, Kollagen- und Elastinanteil, Durchblutung sowie UV-bedingte Schäden.
Auf dieser Basis lässt sich ein Hautalter berechnen, das nicht selten vom tatsächlichen Lebensalter abweicht. Gerade frühere Sonnenschäden werden dabei sichtbar – oft in Form von kontrastreichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, auf denen verborgene Pigmentveränderungen deutlich hervortreten.
Ein häufiger erster Gedanke ist: „Ich war doch nie in der Sonne.“ Und dann erinnert man sich doch an frühere Jahre.
Wichtig ist:
Selbst wenn bereits Schäden vorhanden sind, lohnt es sich jederzeit, damit zu beginnen – nicht nur im Hinblick auf Hautalterung, sondern auch zur Hautkrebsprävention.
Idealerweise verwendet man täglich Sonnenschutz, am besten mineralisch und getönt, da dieser zusätzlich vor sichtbarem Licht schützt, das ebenfalls Pigmentierung und Alterung fördern kann.
Darüber hinaus spielen minimalinvasive Verfahren und vor allem Lebensstilfaktoren eine zentrale Rolle im Sinne von Skin Longevity.
Ein zentraler Begriff in der modernen Dermatologie ist „Inflammaging“, also eine chronische, unterschwellige Entzündung, die als wesentlicher Treiber der Hautalterung gilt. Im Laufe der Zeit kommt es dabei zu einem kontinuierlichen Abbau von Kollagen und Elastin, während gleichzeitig die körpereigene Produktion dieser wichtigen Strukturproteine nachlässt.
Auch der Hyaluronsäuregehalt sinkt, wodurch die Haut an Feuchtigkeit und Spannkraft verliert. Hinzu kommt eine reduzierte Durchblutung, die die Versorgung der Hautzellen verschlechtert, sowie ein weniger stabiles Hautmikrobiom, das die natürliche Schutzfunktion der Haut beeinträchtigt.
Die Hautalterung wird vor allem durch äußere Einflüsse beschleunigt. Einer der größten Faktoren ist UV-Strahlung ohne ausreichenden Schutz, die maßgeblich zum Abbau von Kollagen beiträgt. Ebenso wirken sich Schlafmangel und eine zuckerreiche Ernährung negativ auf die Haut aus.
Auch sogenanntes Blue Light, etwa durch Bildschirme, kann Alterungsprozesse fördern. Hinzu kommen Umweltbelastungen wie Luftverschmutzung sowie ein Mangel an Bewegung, der die Durchblutung und damit die Versorgung der Haut beeinträchtigt. All diese Faktoren greifen ineinander und beeinflussen die Hautgesundheit in ihrer Gesamtheit.
Für mich persönlich ist Schlaf einer der entscheidendsten Faktoren, da sich die Haut über Nacht regeneriert. Idealerweise sollte man versuchen, ausreichend und regelmäßig zu schlafen.
Darüber hinaus spielen mehrere Faktoren zusammen:
Disziplin ist wichtig, aber genauso entscheidend ist Gelassenheit. Nicht alles muss perfekt umgesetzt werden – auch mentale Entspannung, etwa durch Meditation, kann einen großen Beitrag leisten.
In der Hautpflege gibt es drei grundlegende Bausteine, die jeder berücksichtigen sollte: Sonnenschutz, gründliche Reinigung – vor allem am Abend – und Pflegeprodukte mit antioxidativen Wirkstoffen.
Zu den wichtigsten Antioxidantien zählen:
Sie schützen die Haut vor freien Radikalen, die durch UV-Strahlung, Stress oder Umweltfaktoren entstehen und den Kollagenabbau beschleunigen können.
Der Trend in der ästhetischen Dermatologie geht zunehmend weg von reinem Volumenaufbau hin zur sogenannten Biostimulation. Dabei wird die Haut gezielt angeregt, ihre eigenen Regenerationsprozesse zu aktivieren und wieder mehr Kollagen zu produzieren.
Zu den wichtigsten Verfahren gehören:
Viele Patientinnen und Patienten bevorzugen heute bewusst natürliche Ansätze, insbesondere solche, die mit körpereigenen Substanzen arbeiten.
Die Haut ist seit jeher ein wichtiger Hinweisgeber für internistische Erkrankungen. Bestimmte Hautveränderungen können frühzeitig auf systemische Krankheiten hinweisen.
So zeigen sich beispielsweise bei Autoimmunerkrankungen wie Lupus typische Rötungen im Gesicht, während auch Erkrankungen wie Rheuma oder Diabetes über die Haut sichtbar werden können. In Zukunft wird die Haut vermutlich noch stärker als Indikator für unsere allgemeine Gesundheit und Longevity genutzt werden.
Eine gute Hautpflege basiert weniger auf Perfektion als auf Konsequenz. Entscheidend sind Disziplin und eine gewisse Regelmäßigkeit – kombiniert mit einem entspannten Umgang mit Ausnahmen.
Ein typischer Alltag kann beispielsweise so aussehen:
Rauchen sollte vermieden werden, Alkohol nur in Maßen konsumiert werden. Gleichzeitig gilt: Kleine Ausnahmen gehören dazu – und sind langfristig oft gesünder als ein zu strenges Regime.