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26. Mai 2026
Christine Bürg & Marianne Waldenfels
Sollte man Retinol im Sommer vermeiden? Dermatologin Dr. med. Elisabeth Zott-Schuhmachers erklärt, warum der Wirkstoff nicht automatisch problematisch ist und welche Fehler viele bei Sonne machen

Mit
Dr. med. Elisabeth Zott-Schuhmachers
Viele setzen Retinol im Sommer aus Angst vor Sonnenschäden sofort ab. Laut Dr. med. Elisabeth Zott-Schuhmachers, Spezialistin für Ästhetische Dermatologie, ist das oft gar nicht nötig.
Kaum ein Hautpflege-Wirkstoff sorgt vor dem Sommer für so viele Diskussionen wie Retinol. Macht es die Haut wirklich empfindlicher gegenüber Sonne? Sollte man die Anwendung in den warmen Monaten lieber pausieren? Und wie gefährlich ist Retinol im Urlaub tatsächlich?
Die gute Nachricht: Wer Retinol bereits gut verträgt, muss im Sommer meist nicht darauf verzichten. Problematisch wird es laut Dermatologin Dr. med. Elisabeth Zott-Schuhmachers vor allem dann, wenn man zu schnell zu viel will.
„Grundsätzlich kann man Retinol im Sommer weiter verwenden. Ich würde sogar sagen, man soll es ausdrücklich, denn Retinol ist ein Antioxidans, das Lichtschäden verbessert“, erklärt die Hautärztin.
Der eigentliche Knackpunkt ist nicht das Retinol selbst, sondern die Phase, in der sich die Haut daran gewöhnen muss.
„Man muss wissen, dass es bei Retinol immer eine Anfangsphase gibt, in der die Haut gerötet und irritiert sein kann“, sagt Zott-Schuhmachers. Genau deshalb sei Hochsommer nicht unbedingt der ideale Zeitpunkt, um mit dem Wirkstoff anzufangen oder die Konzentration zu erhöhen.
Denn gerade am Anfang reagiert die Haut oft empfindlich:
Der Grund: Retinol beschleunigt die Zellerneuerung und bringt die Haut vorübergehend aus dem Gleichgewicht. „Nur im Initialstadium ist die Haut trockener und dünner durch den Exfoliationsprozess“, erklärt die Dermatologin.
Wer Retinol dagegen schon länger verwendet und bei dem keine Irritationen mehr auftreten, müsse im Sommer meist keine Angst vor dem Wirkstoff haben.
Streng genommen nein. „Retinol ist kein Photosensibilisator im klassischen Sinn“, sagt die Expertin. Der Mythos komme vor allem daher, dass die Haut während der Eingewöhnung gereizter auf UV-Strahlung reagieren kann.
Langfristig beobachtet die Dermatologin sogar eher positive Effekte: „Ist die Haut gut an Retinol gewöhnt, passiert eher das Gegenteil: Die Haut wird fitter, elastischer und kann sogar kleine Lichtschäden besser reparieren.“
Vor allem vor dem Urlaub sieht die Hautärztin immer wieder dieselben Probleme. „Die größten Fehler sind, mit Retinol während eines Strandurlaubes anzufangen, die Retinoldosis zu steigern oder Retinol wahllos mit anderen reizenden Stoffen zu kombinieren.“
Besonders kritisch seien Kombinationen mit:
Das könne die Hautbarriere unnötig stressen — vor allem bei Hitze, UV-Strahlung und Salzwasser.
Retinal gilt als moderner und stärker als klassisches Retinol. Trotzdem lässt sich laut Zott-Schuhmachers nicht pauschal sagen, dass es automatisch sommerfreundlicher ist.
„Es gibt auch sehr hochkonzentrierte Retinal-Seren, die starke Hautirritationen hervorrufen können.“ Entscheidend sei deshalb weniger der Name auf der Verpackung als die Frage: Wie gut verträgt die Haut das Produkt wirklich? Für sehr empfindliche Haut könne Bakuchiol im Sommer eine sanftere Alternative sein.
Beim UV-Schutz macht die Dermatologin keine Kompromisse. „Mit und ohne Retinol empfehle ich jedem Menschen im Sommer wie im Winter LSF 50, an Outdoor-Tagen sogar LSF 100.“
Mindestens genauso wichtig wie der Lichtschutzfaktor selbst sei allerdings, genug Produkt aufzutragen und regelmäßig nachzucremen — besonders im Urlaub oder bei langen Tagen draußen.
Retinol und Sonne schließen sich nicht automatisch aus. Wer den Wirkstoff bereits gut verträgt, kann ihn meist auch im Sommer weiterverwenden.
Vorsicht ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Haut noch in der Eingewöhnungsphase steckt, bereits gereizt ist oder man kurz vor einem Strandurlaub mit einer stärkeren Retinol-Routine beginnt.
Ja, wenn die Haut bereits an den Wirkstoff gewöhnt ist und täglich Sonnenschutz verwendet wird.
Nicht zwingend. Dermatolog:innen raten aber davon ab, direkt vor einem Strandurlaub mit Retinol zu beginnen oder die Konzentration zu erhöhen.
Empfohlen wird mindestens LSF 50.