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29. August 2025
Lena Sämann
Kurzsichtigkeit betrifft weltweit immer mehr Menschen. Erfahren Sie in unserem ausführlichen Ratgeber alles über Ursachen, Symptome und moderne Behandlungsmöglichkeiten der Myopie – von der Brille bis zur Laser-OP
Kurzsichtigkeit, medizinisch als Myopie bezeichnet, ist eine der häufigsten Sehstörungen weltweit. Betroffene können entfernte Objekte nur unscharf erkennen, während nahe Gegenstände klar sichtbar bleiben. In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der kurzsichtigen Menschen dramatisch angestiegen – besonders in industrialisierten Ländern und städtischen Gebieten.
Bei der Kurzsichtigkeit ist das Auge zu lang gebaut oder die Brechkraft von Hornhaut und Linse zu stark. Dadurch werden Lichtstrahlen bereits vor der Netzhaut gebündelt, statt exakt auf ihr. Das Ergebnis: Entfernte Objekte erscheinen unscharf und verschwommen, während nahe Gegenstände scharf zu erkennen sind.
Die Stärke der Kurzsichtigkeit wird in Dioptrien gemessen, wobei negative Werte die Fehlsichtigkeit angeben. Eine leichte Myopie liegt zwischen -0,25 und -3,0 Dioptrien vor, eine mittlere zwischen -3,0 und -6,0 Dioptrien und eine starke Kurzsichtigkeit ab -6,0 Dioptrien.
Die Vererbung spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Kurzsichtigkeit. Sind beide Elternteile kurzsichtig, liegt die Wahrscheinlichkeit bei etwa 60 Prozent, dass auch das Kind eine Myopie entwickelt. Bei einem kurzsichtigen Elternteil sinkt das Risiko auf etwa 25 Prozent.
Moderne Lebensgewohnheiten fördern die Entwicklung von Kurzsichtigkeit erheblich:
Naharbeit und Bildschirmzeit: Stundenlanges Arbeiten am Computer, häufige Smartphone-Nutzung und intensives Lesen belasten die Augen und können Myopie begünstigen. Besonders problematisch ist der geringe Abstand zu digitalen Geräten.
Mangel an Tageslicht: Studien zeigen, dass Kinder, die wenig Zeit im Freien verbringen, häufiger kurzsichtig werden. Natürliches Tageslicht scheint eine schützende Wirkung auf die Augenentwicklung zu haben.
Urbanisierung: In Städten ist die Myopie-Rate deutlich höher als in ländlichen Gebieten, was mit reduzierten Sehentfernungen und weniger Aufenthalt im Freien zusammenhängt.
Die meisten Menschen entwickeln Kurzsichtigkeit während der Schulzeit, wenn das Auge noch wächst. Durch vermehrte Naharbeit beim Lernen und gleichzeitig reduzierte Outdoor-Aktivitäten verstärkt sich dieser Trend.
Die Anzeichen einer beginnenden oder fortschreitenden Kurzsichtigkeit sind meist deutlich erkennbar:
Hauptsymptome:
Bei Kindern zusätzlich:
Die Diagnose erfolgt durch eine umfassende Augenuntersuchung. Dabei werden verschiedene Tests durchgeführt:
Sehtest: Mit Hilfe von Sehtafeln wird die Sehschärfe in verschiedenen Entfernungen gemessen. Der bekannte Snellen-Test mit Buchstaben oder Zahlen gehört zu den Standardverfahren.
Refraktionsmessung: Diese objektive Messung bestimmt die genaue Brechkraft des Auges und damit die benötigte Korrektur in Dioptrien.
Augenspiegelung: Der Augenarzt untersucht den Augenhintergrund, um strukturelle Veränderungen zu erkennen, die bei starker Kurzsichtigkeit auftreten können.
Regelmäßige Augenkontrollen sind wichtig, besonders wenn Symptome auftreten oder eine familiäre Vorbelastung besteht. Kinder sollten spätestens vor der Einschulung und dann alle zwei Jahre untersucht werden.
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Die Brille bleibt die bewährteste Methode zur Korrektur von Kurzsichtigkeit. Moderne Brillengläser bieten heute höchsten Komfort:
Vorteile: Einfache Handhabung, keine Infektionsgefahr, verschiedene Glastypen verfügbar (entspiegelt, getönt, mit Blaulichtfilter)
Nachteile: Kann als störend empfunden werden, beschlägt bei Temperaturschwankungen, Einschränkungen beim Sport
Kontaktlinsen bieten eine Alternative zur Brille und sind besonders bei aktiven Menschen beliebt:
Wichtig: Hygiene ist bei Kontaktlinsen essentiell, um Augeninfektionen zu vermeiden.
Verschiedene Laserverfahren können Kurzsichtigkeit dauerhaft korrigieren:
Voraussetzungen: Stabile Sehwerte über mindestens zwei Jahre, ausreichende Hornhautdicke, keine Augenerkrankungen.
Spezielle formstabile Kontaktlinsen werden über Nacht getragen und formen die Hornhaut temporär um. Tagsüber ist dann scharfes Sehen ohne Sehhilfe möglich.
Eltern können das Risiko für Kurzsichtigkeit bei ihren Kindern reduzieren:
Bildschirmarbeit: Monitor in 50-70 cm Entfernung positionieren, regelmäßig blinzeln, für gute Beleuchtung sorgen. Pausengestaltung: Bewusst in die Ferne blicken, Augen entspannen lassen. Ergonomie: Richtige Sitzhaltung und Bildschirmhöhe reduzieren Augenbelastung
Sportbrille: Spezielle Sportbrillen oder Kontaktlinsen ermöglichen uneingeschränkte Aktivität. Schwimmen: Schwimmbrillen mit Sehstärke oder wasserdichte Kontaktlinsen verwenden. Outdoor-Aktivitäten: Sonnenbrille mit Sehstärke schützt vor UV-Strahlung
Bei hoher Myopie (über -6 Dioptrien) können ernsthafte Augenprobleme auftreten:
Netzhautablösung: Durch die Verlängerung des Augapfels wird die Netzhaut gedehnt und kann reißen oder sich ablösen.
Glaukom: Das Risiko für Grünen Star ist bei starker Kurzsichtigkeit erhöht.
Makuladegeneration: Die zentrale Netzhaut kann bei hoher Myopie früher degenerieren.
Katarakt: Grauer Star tritt bei stark kurzsichtigen Menschen häufiger und früher auf.
Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind daher bei starker Kurzsichtigkeit besonders wichtig.
Die Wissenschaft arbeitet kontinuierlich an neuen Ansätzen zur Behandlung und Prävention von Kurzsichtigkeit:
Gentherapie: Forscher untersuchen, wie genetische Faktoren der Myopie beeinflusst werden können.
Neue Medikamente: Neben Atropin werden weitere Wirkstoffe zur Verlangsamung des Myopie-Fortschreitens erforscht.
Verbesserte Laserverfahren: Präzisere und schonendere Operationsmethoden werden entwickelt.
Smart-Kontaktlinsen: Kontaktlinsen mit integrierten Sensoren könnten künftig den Augeninnendruck überwachen und therapeutische Wirkstoffe abgeben.
Kurzsichtigkeit ist eine gut behandelbare Sehstörung, die bei rechtzeitiger Erkennung und angemessener Korrektur die Lebensqualität kaum einschränkt. Entscheidend sind regelmäßige Augenkontrollen, die richtige Wahl der Sehhilfe und präventive Maßnahmen, besonders bei Kindern.
Die moderne Augenheilkunde bietet vielfältige Behandlungsmöglichkeiten – von der klassischen Brille bis zur Laserchirurgie. Bei starker Kurzsichtigkeit sind regelmäßige Kontrollen wichtig, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
Mit den richtigen Maßnahmen und einer guten augenärztlichen Betreuung können Menschen mit Kurzsichtigkeit ein uneingeschränktes und aktives Leben führen. Die Investition in die Augengesundheit zahlt sich langfristig aus und erhält die Lebensqualität bis ins hohe Alter.