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Um bestimmten Nebenwirkungen entgegenzuwirken, können zum Beispiel bereits vor der Chemotherapie Medikamente eingenommen werden.
7. Oktober 2026
Moira Hammes
Haarausfall, Erschöpfung, Übelkeit oder Nervenschäden: Eine Chemotherapie kann den Körper stark belasten. Doch viele Beschwerden lassen sich heute lindern, manche sogar verhindern – teilweise schon während der Infusion.
Eine Chemotherapie bei Brustkrebs kann mit Nebenwirkungen verbunden sein, die den Alltag erheblich belasten: Viele Patientinnen fürchten vor allem Haarausfall, starke Erschöpfung oder Übelkeit. Bestimmte Wirkstoffe können außerdem die Nerven schädigen und Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schmerzen in Händen und Füßen verursachen.
Doch einiges lässt sich heute bereits vorbeugend tun. Medikamente können Übelkeit häufig deutlich reduzieren, Bewegung kann bei krebsbedingter Fatigue helfen. Und bei bestimmten Chemotherapien kommen inzwischen auch Kühlkappen sowie Kälte oder Kompression an Händen und Füßen zum Einsatz. Sie sollen Haarausfall beziehungsweise Nervenschäden verringern.
Welche Maßnahmen infrage kommen, hängt allerdings von der jeweiligen Chemotherapie und der individuellen Situation ab.
Bei der Chemotherapie werden Zytostatika – zellwachstumshemmende Substanzen – üblicherweise intravenös verabreicht. Diese verteilen sich über den Blutkreislauf im gesamten Körper und können so auch verstreute Krebszellen erreichen.
Die Verabreichung erfolgt in mehreren Zyklen, deren Dauer und Häufigkeit individuell angepasst werden. Durch die Durchführung der Therapie in Zyklen können Tumorzellen in verschiedenen Wachstumsphasen gezielt angegriffen werden, was den Therapieerfolg erhöhen soll.
Die Behandlungsunterbrechungen zwischen den Zyklen dienen auch dazu, den gesunden Zellen Zeit zu geben, sich von den Auswirkungen der Therapie zu erholen.
Ob eine Patientin mit Brustkrebs eine Chemotherapie benötigt, lässt sich nicht allein anhand der Größe oder Ausbreitung des Tumors entscheiden. Eine wichtige Rolle spielt auch die Biologie des Tumors: etwa ob die Krebszellen Hormonrezeptoren tragen, HER2-positiv sind oder bestimmte andere Merkmale aufweisen.
Auch das individuelle Rückfallrisiko fließt in die Therapieentscheidung ein. Die große TAILORx-Studie zeigte beispielsweise, dass bestimmte Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem, HER2-negativem Brustkrebs nicht von einer zusätzlichen Chemotherapie profitieren.
Je nach Situation kann die Chemotherapie bereits vor einer Operation eingesetzt werden, um den Tumor zu verkleinern, oder anschließend, um möglicherweise verbliebene Krebszellen zu bekämpfen. Bei metastasiertem Brustkrebs kann sie ebenfalls Teil der Behandlung sein. Nicht jede Brustkrebspatientin benötigt jedoch eine Chemotherapie.
Viele Chemotherapeutika greifen vor allem Zellen an, die sich schnell teilen. Das betrifft Krebszellen, aber auch gesunde Zellen – beispielsweise in den Haarwurzeln, Schleimhäuten oder im Knochenmark. Dadurch können unter anderem Haarausfall, Übelkeit, Veränderungen des Blutbilds oder Entzündungen der Schleimhäute auftreten.
Welche Nebenwirkungen tatsächlich auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, hängt unter anderem von den verwendeten Wirkstoffen, ihrer Dosierung und der individuellen Reaktion ab. Bestimmte Medikamente können zudem die Nerven oder das Herz belasten.
Übelkeit und Erbrechen gehören zu den bekanntesten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Wie hoch das Risiko tatsächlich ist, hängt jedoch stark von den eingesetzten Medikamenten und ihrer Dosierung ab. Zudem lässt sich Übelkeit heute häufig schon vorbeugend behandeln.
Dafür werden sogenannte Antiemetika eingesetzt, meist bereits vor Beginn der Chemotherapie. Je nach Behandlung können verschiedene Wirkstoffe miteinander kombiniert und über mehrere Tage gegeben werden. Welche Medikamente notwendig sind, richtet sich unter anderem danach, wie wahrscheinlich die jeweilige Chemotherapie Übelkeit und Erbrechen auslöst.
Treten trotz der vorbeugenden Behandlung Beschwerden auf, sollte das Behandlungsteam darüber informiert werden. Die Medikamente können gegebenenfalls angepasst oder ergänzt werden. Auch Begleiterscheinungen wie Appetitlosigkeit, Veränderungen des Geschmacks oder Entzündungen der Mundschleimhaut sollten angesprochen werden, da sie Essen und Trinken zusätzlich erschweren können.
Erschöpfung während einer Krebstherapie ist nicht mit gewöhnlicher Müdigkeit vergleichbar. Eine sogenannte Fatigue kann dazu führen, dass selbst alltägliche Tätigkeiten plötzlich viel Kraft kosten – und sie verschwindet häufig nicht einfach durch mehr Schlaf oder Ruhe.
Gerade deshalb klingt es zunächst widersprüchlich, sich ausgerechnet dann mehr zu bewegen. Körperliche Aktivität gehört inzwischen jedoch zu den Maßnahmen, die bei krebsbedingter Fatigue empfohlen werden. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 mit 33 randomisierten Studien fand insbesondere für Krafttraining und Yoga positive Effekte auf die Erschöpfung.
Wie intensiv trainiert werden kann, hängt von der jeweiligen Behandlung und dem Gesundheitszustand ab. Bei ausgeprägter Erschöpfung sollte zudem geklärt werden, ob andere behandelbare Ursachen dahinterstecken – beispielsweise eine Blutarmut.
Einige bei Brustkrebs eingesetzte Chemotherapeutika können die Nerven schädigen. Besonders bekannt ist diese Nebenwirkung bei sogenannten Taxanen wie Paclitaxel oder Docetaxel. Betroffene spüren häufig zunächst Kribbeln, Taubheitsgefühle oder ein unangenehmes Brennen in Fingern und Zehen. Mediziner sprechen von einer chemotherapieinduzierten peripheren Neuropathie.
Eine Möglichkeit, das Risiko zu verringern, ist die Kühlung von Händen und Füßen während der Infusion. Dafür werden spezielle Kühlhandschuhe und -socken verwendet. Durch die Kälte verengen sich die Blutgefäße, sodass während der Behandlung weniger Blut – und damit vermutlich auch weniger Chemotherapeutikum – in Hände und Füße gelangt.
Neben der Kühlung wird auch Kompression untersucht beziehungsweise eingesetzt. Eine randomisierte Studie verglich beide Methoden bei Brustkrebspatientinnen während einer Taxan-Chemotherapie. Ob und wie zuverlässig sich Nervenschäden dadurch verhindern lassen, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.
Die aktualisierte S3-Leitlinie zur Supportivtherapie bei onkologischen Patientinnen und Patienten nennt sowohl Kryotherapie als auch Kompression als Möglichkeiten zur Vorbeugung einer durch Taxane verursachten Polyneuropathie. Sie können das Risiko beziehungsweise die Schwere der Nervenschädigung reduzieren, verhindern lässt sie sich damit jedoch nicht sicher.
Treten während der Chemotherapie trotzdem Kribbeln, Taubheitsgefühle, Schmerzen oder Probleme mit der Feinmotorik auf, sollte das Behandlungsteam möglichst früh davon erfahren. Je nach Ausprägung kann es notwendig sein, die Behandlung anzupassen.
Haarausfall gehört für viele Patientinnen zu den sichtbarsten und belastendsten Folgen einer Chemotherapie. Ob die Haare tatsächlich ausfallen und wie stark, hängt jedoch von den eingesetzten Medikamenten und ihrer Dosierung ab. Nicht jede Chemotherapie bei Brustkrebs führt zwangsläufig zu einem vollständigen Haarverlust.
Eine Möglichkeit, den Haarausfall zu verringern, ist die sogenannte Kopfhautkühlung. Dabei trägt die Patientin vor, während und noch eine Zeit lang nach der Infusion eine Kühlkappe. Die niedrige Temperatur verengt die Blutgefäße der Kopfhaut und reduziert deren Durchblutung. Gleichzeitig wird der Stoffwechsel der Haarwurzelzellen heruntergefahren. Dadurch sollen die Haarwurzeln weniger stark der Wirkung der Chemotherapie ausgesetzt sein.
Wie gut die Methode funktioniert, hängt unter anderem vom verwendeten Chemotherapie-Regime und von der korrekten Passform der Kühlkappe ab. In einer randomisierten Studie, die im Fachjournal „JAMA“ erschien, behielt etwa jede zweite Patientin mit Kopfhautkühlung mindestens die Hälfte ihrer Haare. In der Gruppe ohne Kühlkappe traf dies auf keine der Patientinnen zu.
Die Behandlung wird nicht von allen Patientinnen als angenehm empfunden. Vor allem zu Beginn können das starke Kältegefühl und Kopfschmerzen belastend sein. Ob eine Kopfhautkühlung infrage kommt, sollte deshalb vor Beginn der Chemotherapie mit dem Behandlungsteam besprochen werden.
Viele Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind unangenehm, aber vorübergehend. Manche Beschwerden müssen jedoch rasch abgeklärt werden. Dazu gehört insbesondere Fieber während einer Phase, in der die Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen durch die Chemotherapie stark abgesunken sein kann. Dann kann sich aus einer Infektion innerhalb kurzer Zeit eine ernste Komplikation entwickeln.
Auch plötzlich auftretende Atemnot, starke oder ungewöhnliche Schmerzen, anhaltendes Erbrechen oder Durchfall sowie deutliche Veränderungen des Allgemeinzustands sollten nicht bis zum nächsten regulären Termin abgewartet werden. Welche Symptome und welche Temperaturgrenze einen sofortigen Anruf erforderlich machen, sollten Patientinnen bereits vor Beginn der Chemotherapie mit ihrem Behandlungsteam klären.
Viele akute Nebenwirkungen bessern sich nach dem Ende der Chemotherapie wieder. Haare wachsen nach, Schleimhäute und Blutbildung erholen sich in der Regel, und auch Übelkeit verschwindet meist rasch nach Abschluss der Behandlung. Wie lange die Erholung dauert, ist allerdings individuell unterschiedlich.
Einige Folgen können länger bestehen bleiben. Dazu gehören insbesondere Nervenschäden: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schmerzen in Händen und Füßen können sich über Monate zurückbilden, bei manchen Patientinnen aber auch dauerhaft bestehen bleiben. Auch anhaltende Erschöpfung sollte nicht einfach hingenommen werden.
Umso wichtiger ist es, Nebenwirkungen nicht erst dann anzusprechen, wenn sie kaum noch auszuhalten sind. Viele Beschwerden lassen sich heute behandeln oder zumindest lindern – und bei manchen kann bereits während der Chemotherapie versucht werden, ihnen vorzubeugen.

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