
© Nataliya Vaitkevich
24. Mai 2026
Christine Bürg & Marianne Waldenfels
Kann Ozempic die Fruchtbarkeit erhöhen? Prof. Uwe Nixdorff erklärt, warum Frauen unter Semaglutid leichter schwanger werden können – besonders bei PCOS

Mit
Prof. Dr. Uwe Nixdorff
Immer mehr Frauen berichten von ungeplanten Schwangerschaften während der Einnahme von Ozempic. In sozialen Netzwerken ist bereits von „Ozempic-Babys“ die Rede. Viele Betroffene hatten zuvor jahrelang mit Zyklusproblemen, Übergewicht oder unerfülltem Kinderwunsch zu kämpfen. Doch kann die Abnehmspritze tatsächlich die Fruchtbarkeit erhöhen?
Tatsächlich beobachten Ärzte seit einiger Zeit einen Zusammenhang zwischen starkem Gewichtsverlust durch Medikamente wie Ozempic und Wegovy und einer verbesserten Fertilität bei Frauen.
Prof. Dr. med. Uwe Nixdorff, Internist und Kardiologe sowie Geschäftsführer des European Prevention Center in Düsseldorf, erklärt dazu: „Es stimmt tatsächlich, dass Frauen unter der Therapie mit Semaglutid leichter schwanger werden können. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Übergewicht häufig mit hormonellen Störungen einhergeht – etwa beim sogenannten polyzystischen Ovarialsyndrom, das die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann."
Und weiter: "Wenn sich das Gewicht normalisiert und der Stoffwechsel verbessert, wirkt sich das insgesamt positiv auf die Fertilität aus. Das ist also weniger ein direkter Medikamenteffekt als vielmehr eine Folge der verbesserten körperlichen Situation."
Dieses Zitat bringt die medizinische Lage gut auf den Punkt: Semaglutid macht nicht direkt fruchtbar, kann aber indirekt Voraussetzungen für eine Schwangerschaft verbessern.
Übergewicht kann den Hormonhaushalt deutlich stören. Besonders häufig betroffen sind Frauen mit dem polyzystischen Ovarialsyndrom (PMOS, das international meist als PCOS bezeichnet wird). Dabei kommt es unter anderem zu:
Wenn Frauen unter einer Semaglutid-Therapie Gewicht verlieren, kann sich dieser Kreislauf teilweise wieder normalisieren. Der Zyklus wird stabiler, der Eisprung kehrt eher zurück und damit steigt auch die Chance auf eine Schwangerschaft.
Semaglutid (GLP-1-Rezeptor-Agonist) führt bei vielen Patientinnen zu deutlicher Gewichtsabnahme und besserer Blutzuckerkontrolle. Dadurch kann sich bei Frauen der Hormonhaushalt stabilisieren, die Insulinresistenz verbessern, der Zyklus normalisieren und der Eisprung wieder einsetzen.
Bereits eine moderate Gewichtsabnahme von 5 bis 10 Prozent kann die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit deutlich erhöhen, wie die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) betont.
Ja. Sowohl Ozempic als auch Wegovy enthalten den Wirkstoff Semaglutid und gehören zur Gruppe der sogenannten GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Die beschriebenen Auswirkungen auf Gewicht, Stoffwechsel und Fruchtbarkeit gelten deshalb grundsätzlich für beide Medikamente.
Auch unter Wegovy kann sich durch starken Gewichtsverlust und eine verbesserte Insulinempfindlichkeit der Zyklus normalisieren und die Wahrscheinlichkeit eines Eisprungs steigen. Experten gehen daher davon aus, dass die zunehmenden Berichte über ungeplante Schwangerschaften nicht nur Ozempic betreffen.
Wichtig ist: Ozempic hebt die Wirkung der Pille nicht direkt auf. Trotzdem sollten Frauen nicht davon ausgehen, dass unter der Therapie alles unverändert bleibt. Wenn sich der Zyklus normalisiert, kann die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit wieder steigen.
Hinzu kommt, dass starke Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen oder Durchfall die sichere Aufnahme hormoneller Verhütungsmittel beeinträchtigen können. Wer also unter Semaglutid keine Schwangerschaft möchte, sollte auf eine verlässliche Verhütung achten und bei anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen
Die Berichte über sogenannte „Ozempic-Babys“ sind kein bloßer Internet-Hype. Ärzte beobachten tatsächlich, dass sich unter starkem Gewichtsverlust und verbesserter Stoffwechsellage die Fruchtbarkeit vieler Frauen verändern kann. Gerade deshalb ist eine gute ärztliche Begleitung während der Therapie besonders wichtig
Wer eine Schwangerschaft vermeiden möchte, sollte sich dieser möglichen Veränderung bewusst sein und zuverlässig verhüten. Frauen mit Kinderwunsch sollten die Therapie dagegen eng ärztlich begleiten lassen und eine präkonzeptionelle Beratung in Anspruch nehmen.
Ja, indirekt. Vor allem durch Gewichtsverlust und eine Verbesserung des Stoffwechsels kann die Fertilität steigen, insbesondere bei Adipositas und PCOS.
Semaglutid löst den Eisprung nicht direkt aus. Bei Frauen mit Zyklusstörungen oder PCOS kann sich der Eisprung unter Gewichtsreduktion und verbesserter Insulinempfindlichkeit wieder normalisieren.
Übergewicht kann Hormone und Eisprung stören. Sinkt das Gewicht, verbessert sich oft der gesamte Hormonhaushalt, die Insulinresistenz nimmt ab und die Ovulationsrate steigt.
Nein. Die bessere Fertilität gilt als indirekte Folge der körperlichen Veränderungen, nicht als direkter Medikamenteneffekt.
Nein. Semaglutid sollte während der Schwangerschaft nicht verwendet werden.
Die Fachinformation empfiehlt, Semaglutid mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abzusetzen.

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