
© Stijn Dijkstra
30. Juni 2026
Judith Cyriax
Ob als Pulver im Morgenkaffee oder als Nahrungsergänzung in Kapselform: Lion's Mane, Reishi oder Cordyceps gelten als neue Stars der Longevity-Bewegung. Doch welche gesundheitlichen Vorteile sind tatsächlich wissenschaftlich belegt?
Pilze begleiten die Menschen schon seit tausenden von Jahren. Lange bevor moderne Arzneimittel entwickelt wurden, nutzten Völker in Asien, Europa und Nordamerika bestimmte Pilzarten – meist in Form von Tee oder als Pulver – gezielt zur Unterstützung von Gesundheit und Wohlbefinden.
Heute erleben die sogenannten „Functional Mushrooms“ ein bemerkenswertes Comeback. Innovative Forschung, moderne Extraktionsverfahren und neue Studien haben Vitalpilze wieder in den Fokus gerückt.
Während lange Zeit Omega-3-Fettsäuren, Spirulina, Chlorella oder Ashwagandha die Biohacking- und Longevity-Szene prägten, zählen Vitalpilze gerade zu den meistdiskutierten natürlichen Wirkstoffen für mentale und körperliche Leistungsfähigkeit.
„Aus heutiger Sicht stehen vor allem ihre immunmodullierenden, entzündungsregulierenden und adaptogenen – also die körperlich Stressresilienz unterstützenden – Eigenschaften im Fokus des wissenschaftlichen Interesses“, erklärt Dr. Gesche Brannolte, Fachärztin für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie, sowie TCM-Expertin.
Vielen denken bei Pilzen zunächst an Pflanzen, schließlich wachsen sie aus dem Boden und können geerntet werden. Doch das ist so nicht richtig, denn sie haben keine Wurzeln, keine Blätter und vor allem kein Blattgrün.
Also kein Chlorophyll, mit dem sie Fotosynthese betreiben können. Auch bestehen ihre Zellwände nicht aus Cellulose, sondern aus Chitin. Also aus dem Stoff, aus dem die Zellwände der meisten Insekten gemacht sind; und dennoch sind sie keine Tiere.
Tatsächlich bilden Pilze neben Pflanzen und Tieren ein eigenes biologisches Reich. Und dieses pusht unsere Gesundheit dank einer Vielzahl an bioaktiven Substanzen wie Beta-Glucane, Triterpene, Polysacchariden, Antioxidantien sowie zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe. Nicht nur als Zutat in der Küche, sondern als neue Generation funktioneller Nahrungsergänzungsmittel.
„In meiner Praxis erlebe ich ein zunehmendes Interesse an Heilpilzen, insbesondere bei Menschen, die ihre Gesundheit präventiv unterstützen wollen. Dabei sehe ich diese Pilze nicht als Wundermittel, sondern als einen möglichen Baustein innerhalb eines ganzheitlichen Gesundheitskonzeptes“, so Dr. Brannolte.

Prävention soll Krankheiten nicht nur früh erkennen, sondern möglichst verhindern. Dr. Jan Hennigs erklärt, welche Untersuchungen heute wirklich sinnvoll sind, warum Herz-Kreislauf-Risiken häufig unterschätzt werden und wie Künstliche Intelligenz die Prävention verändern wird
Christine Bürg & Marianne Waldenfels

Ein Interview mit
Dr. med. Jan K. Hennigs
Tipp der Fachärztin: „Gerade bei Pilzpräparaten lohnt sich ein genauer Blick auf die Qualität. Entscheidend ist, ob Fruchtkörper (eindeutig besser) oder Myzel verwendet werden, wie hoch der Anteil relevanter Inhaltsstoffe ist und ob unabhängige Qualitätskontrollen vorliegen“.
Vitalpilze unterstützen Körper und Geist mit einer Vielzahl an Benefits. So enthalten sie eine hohe Konzentration an sogenannten Beta-Glucane, denen Wissenschaftler und Gesundheitsexperten eine besondere Aufgabe in der Unterstützung des Immunsystems attestieren.
Diese komplexen Zuckerstrukturen aktivieren unter anderem Makrophagen, also natürliche Fresszellen des Körpers, die die körpereigene Abwehr unterstützen und dadurch das Immunsystem pushen. Triterpene senken wiederum den Blutdruck, schützen die Leber und wirken entzündungshemmend. Polysaccharide fördern die Darmgesundheit und regulieren die Verdauung.
Zusätzlich dienen sie sowohl als Energiespeicher als auch Energiequelle. Auch eine hohe Menge an Antioxidantien sind in Heilpilzen enthalten. Diese können freie Radikale neutralisieren und oxidativen Stress reduzieren – ein Faktor, der unter anderem mit dem Alterungsprozess von Zellen in Verbindung gebracht wird.
Ein weiterer wichtiger Aspekt im Heilaspekt von Pilzen sind die sogenannten Adaptogene. Diese natürlichen Substanzen helfen dem Körper dabei, besser mit Stress umzugehen und erhöhen die eigene Widerstandsfähigkeit. Last but not least reduzieren sie entzündliche Prozesse im Körper und entlasten damit das Immunsystem.
Nicht nur als Speisepilz, sondern auch als Heilpilz weltweit im Einsatz. Der Shiitake liefert wertvolle Vitamine, Mineralstoffe und Beta-Glucane und wird häufig zur Unterstützung des Immunsystems eingesetzt, sowie zur Regulierung eines normalen Cholesterinstoffwechsels. Auch bei der Herz-Kreislauf-Gesundheit spielt er eine wichtige Rolle.
Der Reishi-Pilz (chinesisch für „Pilz der Unsterblichkeit“) genießt in Asien, vor allem in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), einen legendären Ruf. Kein Wunder, enthält er neben Beta-Glucane und Triterpene zahlreiche Vitamine und Mineralstoffen wie Magnesium, Kalzium, Zink und Eisen. Alles Powerstoffe, die sich um eine innere Balance, Stressresistenz und Vitalität kümmern. Zusätzlich wird der Reishi mit Entspannung und einem besseren Schlaf in Verbindung gebracht.
Kaum ein Vitalpilz sorgt derzeit für so viel Aufmerksamkeit wie der Lion’s Mane (zu Deutsch Löwenmähne oder Igelstachelbart), weil er sich besonders durch seine potenziellen Effekte auf Gehirn und Nervensystem hervorhebt. Placebokontrollierte Humanstudien deuten darauf hin, dass er die Konzentration fördert und die mentale Leistungsfähigkeit steigern kann. Zusätzlich unterstützt er die Bildung von Nervenwachstumsfaktoren und wirkt sich positiv auf die Darmgesundheit aus.
Der Chaga-Pilz wächst vor allem auf Birken in kalten Regionen und wird nicht selten als „König der Vitalpilze“ bezeichnet. Er weist eine einzigartige Kombination unterschiedlicher Inhaltsstoffe auf, unter anderem Polyphenole und Polysaccharide, die als wertvolle Antioxidantien gelten.
Insgesamt haben sich diese antioxidativen Substanzen als sehr gut wasserlöslich erwiesen, wodurch sie für den menschlichen Organismus besonders leicht aufgenommen werden können. Verschiedene Mineralstoffe – insbesondere Kalium, Natrium und Magnesium – machen den Chaga darüber hinaus zu einem hervorragenden Vitalitätslieferant.
Vor allem im Sport- und Biohacking-Bereich wird dieser Pilz, der für moderne Nahrungsergänzungsmittel heute unter kontrollierten Bedingungen gezüchtet wird, besonders geschätzt. Durch seine reichhaltigen bioaktiven Inhaltsstoffe wird er hauptsächlich zur Förderung von Energie, Ausdauer und Leistungsfähigkeit eingesetzt.
Die Qualität entscheidet maßgeblich über den Nutzen eines Vitalpilz-Präparats. Empfehlenswert sind standardisierte Extrakte aus dem Fruchtkörper mit transparenten Inhaltsstoffangaben und unabhängigen Qualitätskontrollen.