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„de Mains en mains“: Die Schülerinnen und Schüler, hochkonzentriert bei der Arbeit
26. Juni 2026
PMC Redaktion
Gold in den Händen, Zukunft im Blick: Van Cleef & Arpels eröffnet Schülerinnen und Schülern in Lyon mit der Initiative „de Mains en mains“ eine Welt voller neuer Möglichkeiten. Plus: Ausstellungstipp MAK Wien
Wo sonst strenge Diskretion herrscht, dürfen einmal im Jahr Zwölf- bis Fünfzehnjährige mit Korneisenheft und Pinzette arbeiten: Echtes Gold biegen, Edelsteine sortieren, eine Fassung setzen, die sonst nur geübte Hände berühren. Seit 2021 öffnet Van Cleef & Arpels in Lyon regelmäßig die Türen seiner sonst streng abgeschirmten Werkstätten – für Schüler, Quereinsteiger und ein interessiertes Publikum.
Die Initiative „de Mains en mains“ („von Hand zu Hand“) zeigt, dass die Berufe der Haute Joaillerie alles andere als altmodisch sind. Und sie reagiert auf ein ganz konkretes Problem der Branche: fehlenden Nachwuchs.
Lyon ist für Van Cleef & Arpels kein Zufallsort. Die Maison unterhält in der Region mehrere Werkstätten und beschäftigt dort mittlerweile rund 260 Mitarbeitende, mit weiterem Wachstum in Aussicht: Zwei neue Standorte in der Region Auvergne-Rhône-Alpes sollen bis 2026 jeweils rund 250 Arbeitsplätze schaffen.
Damit steht das Unternehmen vor einer Herausforderung, die viele Luxus- und Handwerksbetriebe kennen: Hochspezialisierten Berufe der Schmuckfertigung wie Steinsetzer, Gemmologen und Polierer sind in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt, gelten als verschlossene, fast geheimnisvolle Welt.
Genau hier setzt „de Mains en mains“ an. Das Unternehmen kooperiert seit 2021 mit dem französischen Bildungsministerium und bindet Schulen in der Region Lyon in ein mehrmonatiges Programm ein: Ab Oktober besuchen Fachleute der Maison sowie der hauseigenen Bildungseinrichtung L’École, School of Jewelry Arts, die Partnerschulen und verknüpfen die Berufsbilder mit dem regulären Lehrplan: zum Beispiel die Geschichte des Schmucks im Geschichtsunterricht, das Prinzip des Gießens anhand von Masse- und Volumenberechnung im Matheunterricht.
Im November folgt dann der „Parcours des Savoir-faire“ am InterContinental Lyon – Hôtel Dieu: eine Woche, in der Schülerinnen und Schüler zwischen zwölf und 15 Jahren direkt mit Handwerkern der Van-Cleef-&-Arpels-Werkstätten zusammenarbeiten und selbst an sechs Berufsstationen Hand anlegen dürfen, als Goldschmied, Steinexperte, Steinsetzer, 3D-Designer, Polierer und Emailleur.

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Praktische Aufgaben: Die Basics der Goldschmiedekunst
Catherine Renier, Präsidentin und CEO von Van Cleef & Arpels, ordnet die Initiative in die langfristige Strategie der Maison ein: Seit 2021 sei „de Mains en mains“ zu einem festen jährlichen Termin geworden, bei dem alle Teams die Möglichkeit hätten, ihre Leidenschaft für die Schmuckberufe zu teilen.
Die Ausweitung – zunächst nach Lyon, im Februar 2025 erstmals auch nach Clermont-Ferrand – sei nur durch die Unterstützung des französischen Bildungsministeriums und verlässlicher Partner möglich gewesen und zeige ein wachsendes kollektives Bewusstsein dafür, wie wichtig das hauseigene Savoir-faire für künftige Kreationen sei.
Dass es dabei nicht nur um Nachwuchsgewinnung geht, zeigen die Stimmen aus dem Programm selbst. Ein Siebtklässler, der 2022 am Parcours teilnahm, berichtete, das Polieren habe ihm am meisten Spaß gemacht – diese Tätigkeit sei ihm zugänglich erschienen, und er sei stolz gewesen, als Erster in seiner Gruppe fertig zu sein. Im Anschluss habe er sich eine Liste mit Berufswünschen gemacht, auf der neben Journalist und Archäologe auch Juwelier stand.
Auch Mathéo, Steinsetzer in den Werkstätten in Lyon, beschreibt den Effekt der Workshops: Man verwandle die Jugendlichen für die Dauer eines Workshops selbst in Steinsetzer, Goldschmiede, Polierer und Designer, damit sie die einzelnen Etappen der Schmuckherstellung entdecken könnten und es sei schön zu sehen, dass ihnen die Erfahrung gefalle und sie das auch sagten.

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Auch Theorie-Unterricht steht auf dem Programm
Dass aus einer einzelnen Begegnung tatsächlich ein Berufsweg werden kann, zeigt die Geschichte von Pauline, heute Goldschmiedin in den Werkstätten in Lyon: Sie habe Van Cleef & Arpels 2022 bei einem „de Mains en mains“-Event in Lyon entdeckt, das sie mit ihrer Schule SEPR besuchte.
Die Werte, das Savoir-faire und die gezeigten Stücke hätten den Wunsch geweckt, der Maison beizutreten, ein Wunsch, der sich über die unternehmenseigene „Pépinière“, ein vier- bis zwölfmonatiges Trainingsprogramm, tatsächlich erfüllt habe.
Was ursprünglich als reines Jugendprogramm gedacht war, hat sich seither zu einer mehrtägigen öffentlichen Veranstaltung ausgeweitet. Parallel zum „Parcours des Savoir-faire“ für Schulklassen öffnet Van Cleef & Arpels am Ende des Tages und an Wochenenden auch für die breite Öffentlichkeit gegen Reservierung.
Besucherinnen und Besucher können Handwerkerinnen und Handwerker der Maison bei der gemeinsamen Fertigung einer „Coccinelles“-Brosche beobachten, eine Kreation, die Gemmologie, Goldschmiedekunst, Steinfassung, Polieren und Emaillieren miteinander verbindet.
Van Cleef & Arpels ist mit diesem Ansatz nicht allein. Auch andere Häuser der Luxusbranche investieren zunehmend in Programme, die junge Menschen früh an traditionelle Handwerksberufe heranführen – sei es durch Workshops für jüngere Zielgruppen oder Veranstaltungsreihen, die durch mehrere Städte touren.
Der Hintergrund ist branchenweit ähnlich: Wer hochspezialisierte, oft jahrzehntealte Fertigungstraditionen erhalten will, muss aktiv jungen Menschen den Zugang dazu ermöglichen. Denn von selbst finden viele Jugendliche heute kaum noch den Weg in Berufe, die Geduld, Präzision und manuelles Geschick erfordern.
Ob aus den Begegnungen in Lyon am Ende tatsächlich Karrieren in der Haute Joaillerie erwachsen, lässt sich im Einzelfall schwer vorhersagen – Paulines Weg zeigt aber, dass es passieren kann. Allein die Tatsache, dass ein Unternehmen wie Van Cleef & Arpels handwerkliche Berufsbilder so sichtbar macht, sendet zudem ein Signal, das über die eigene Nachwuchsgewinnung hinausreicht: Handarbeit und Präzision haben auch im digitalen Zeitalter ihren Wert – und ihren Platz.
Wer sich für das Zusammenspiel von Handwerkskunst und Designgeschichte interessiert, muss dafür nicht nach Lyon reisen. Seit dem 10. Juni 2026 zeigt das MAK – Museum für angewandte Kunst in Wien die Ausstellung „GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection“ (bis 27. September 2026).
Sie bringt rund 500 Exponate zusammen: etwa 350 Haute-Joaillerie-Stücke aus der unternehmenseigenen, in den 1970er-Jahren von Jacques Arpels begründeten Sammlung mit mehr als 3.000 Objekten, sowie rund 160 Werke aus der MAK-Sammlung – von mittelalterlichen Textilien bis zu Entwürfen der Wiener Werkstätte.

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Spektakulär: die Ausstellung GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection
Die von Atelier Tsuyoshi Tane Architects gestaltete, labyrinthartige Szenografie führt durch sechs thematische Kapitel: Wanderlust (u. a. ein 1906 gefertigtes Modell der Segelyacht „Varuna“ im Dialog mit einem historischen Knüpfteppich aus dem Besitz des österreichischen Kaiserhauses), Architecture (mit der 1933 patentierten Minaudière und einem klassizistischen Spieltisch von David Roentgen), Rhythmic Designs (Art-déco-Broschen im Vergleich mit Archivmaterial der Wiener Werkstätte), On Stage (von höfischer Ballkultur bis zu Feen- und Tänzerinnenmotiven der Maison), Metamorphoses (mit der wandelbaren „Zip“-Halskette von 1938 und einem Paravent von Koloman Moser) sowie Nature & Cosmos, das mit der „Chrysanthemum“-Brosche die berühmte „Mystery-Set“-Fasstechnik zeigt.
Kuratiert wird die Schau von Alexandrine Maviel-Sonet (Direktorin für Kulturerbe und Ausstellungen bei Van Cleef & Arpels) und Anne-Katrin Rossberg (Kustodin der MAK-Sammlung Metall und des Wiener-Werkstätte-Archivs).