
© Lina Retzlaff
25. Juni 2026
Moira Hammes
Wie wirkt Red Light Therapy? Hale.Now-Gründerin Miriam Zech erklärt, was Studien belegen, warum die richtige Lichtdosis entscheidend ist und wo Hype um die Rotlichttherapie endet
Rotes, insbesondere warmes, Licht kennen viele noch aus der Rotlichtlampe von Oma, aber was steckt wirklich dahinter und wie hat sich die Technologie weiterentwickelt?
Was heute unter dem Begriff Red Light Therapy in Longevity-Studios Einzug hält, basiert auf einem zellulären Mechanismus und auf einer wachsenden Forschungsbasis. Die sogenannte Photobiomodulation nutzt gezielt rotes und nahinfrarotes Licht in sehr bestimmten Wellenlängen, um tief ins Gewebe einzudringen und dort auf zellulärer Ebene zu wirken. Konkret: an den Mitochondrien, also den Energiezentralen unserer Zellen.
Die Forschungslage ist vielversprechend, aber selektiv: Nicht alles, was gerade gehypt wird, ist bereits belegt und der Unterschied zwischen seriösem Einsatz und reinem Wellness-Marketing entscheidend.
Miriam Zech, Gründerin und CEO von Hale.Now, hat Rotlichttherapie nicht aus einem Impuls heraus in zwei ihrer Berliner Studios integriert, sondern nach intensiver Auseinandersetzung mit der Studienlage und einem persönlichen Werksbesuch beim Hersteller.
Im Interview spricht sie über die Technik hinter der Liege, dem überschätztem Hype von der Red Light Classes und warum Regeneration eine wichtige Säule eines jeden Gesundheitskonzepts ist.
Wie kam es zur Entscheidung, Red Light Therapy bei Hale.Now zu integrieren – was war der ausschlaggebende Moment?
Von Red Light Therapy war ich schon seit einigen Jahren überzeugt – und zwar nicht aus dem Bauch heraus, sondern weil ich mich intensiv durch die wissenschaftlichen Studien gelesen hatte. Gleichzeitig war ich etwas zögerlich, weil es auf dem deutschen Markt kaum bekannt war. Aber als wir eine passende Einheit für ein weiteres Hale.Now Studio hatten, war klar: jetzt oder nie.
Hale.Now steht für Longevity und ganzheitliches Wellbeing. Wie passt Red Light konkret in Ihr Konzept?
Wir haben uns stetig weiterentwickelt und von Anfang an Bewegung, aber auch Entspannung in Form von Gruppenformaten angeboten. Es geht um die Body-Mind-Connection, und mir war es schon immer wichtig, Gesundheit holistisch zu betrachten.
Red Light Therapy zu integrieren war der nächste logische Schritt, uns noch holistischer aufzustellen und das Recovery-Offering zu erweitern. Und ganz praktisch: Unsere Liegen mit ihren 10- bis 20-minütigen Sessions passen natürlich perfekt in den ohnehin schon stressigen Alltag von Großstädtern – kurz abschalten, die Zellen aufladen und weiter geht’s.
Was passiert gesundheitlich während einer Session?
Ganz unromantisch gesagt: Wir füttern Ihre Kraftwerke. Das rote und nahinfrarote Licht dringt in Haut und Gewebe ein und wird in den Mitochondrien von einem Enzym namens Cytochrom-c-Oxidase aufgenommen – quasi der Türsteher der Energieproduktion. Wird der angeregt, läuft die Zellatmung effizienter und es entsteht mehr ATP, die Energiewährung deiner Zellen.
Der Fachbegriff ist Photobiomodulation, und das ist der entscheidende Punkt: kein Wärme-Effekt wie in der Sauna, sondern ein Licht-Effekt auf Zellebene. Die Durchblutung wird angekurbelt, die Zellregeneration aktiviert, die Bildung neuer Zellen angeregt. Man liegt da und spürt erstmal nichts Dramatisches – die Arbeit passiert im Verborgenen. Genau das ist der Witz an Recovery.

© Caroline Pitzke
Miriam Zech, Gründerin und CEO von Hale.Now
Für welche Ziele oder Beschwerden eignet sich Red Light Therapy besonders?
Da differenziere ich bewusst, sonst werde ich Teil des Hypes, den ich selbst nicht mag. Am besten belegt ist die Wirkung auf die Haut: Studien zeigen schnellere Wundheilung und eine angeregte Kollagen- und Elastin-Bildung – mehr Straffheit, weniger Fältchen. Das ist die Anti-Aging-Schiene, und weil unsere Liege großflächig die Haut erreicht, passt das perfekt.
Solide Daten gibt es außerdem bei Schmerzen und Muskulatur – etwa Rücken, Knie und Muskelkater nach dem Training – und, was viele überrascht, beim Haarwachstum.
Mir ist dabei eine ehrliche Unterscheidung wichtig: Am stärksten ist die Evidenz bei gezielter, lokaler Anwendung. Bei der Ganzkörper-Variante wie in unserer Liege ist die Forschung zur Muskelregeneration noch dünner – dafür gibt es genau hier erste, spannende Hinweise auf besseren Schlaf, bis hin zu höheren Melatoninwerten.
Beim Thema „mehr Energie im Alltag“ und Immunsystem bleibe ich vorsichtig: Da berichten viele Member großartige Effekte, aber das ist eher das „Gesamtpaket Wohlbefinden“ als ein Versprechen auf Rezept. Mein ehrlicher Rat: Wer eine Erkrankung behandeln will, gehört zum Arzt. Wer Regeneration, Hautqualität und mehr Tank im Alltag will, ist bei uns goldrichtig.
Wie oft sollte man idealerweise eine Session machen, um Effekte zu spüren?
Red Light ist kein One-Night-Stand, sondern eine Beziehung. Für spürbare Ergebnisse empfehlen wir 1 bis 3 Sessions pro Woche – idealerweise als langfristige Recovery- und Anti-Aging-Routine. Eine Einheit dauert 10 bis 20 Minuten, passt also in jeden Tag, ohne dass man sein Leben drumherum bauen muss.
Wie bei Bewegung gilt: Die Magie liegt nicht in der einen heroischen Session, sondern in der Regelmäßigkeit. Konsequenz schlägt Intensität.
Sie haben sich bewusst gegen ein Red-Light-Class-Format entschieden – gegen Gruppenangebote, wie sie anderswo angeboten werden. Warum? Was spricht aus Ihrer Sicht für private Kabinen?
Weil Red Light kein Workout ist, sondern Recovery – und Recovery funktioniert nicht im Pulk. Der entscheidende Punkt ist der Sweet Spot: die Wirkung hängt an der Lichtdosis, und die ergibt sich aus zwei Faktoren – wie nah du am Licht bist und wie lange. Beides muss stimmen, gleichzeitig.
Und genau hier wird’s physikalisch ehrlich: Die Lichtintensität fällt mit der Entfernung rapide ab. Ein paar Zentimeter zu weit weg, und aus „wirksam“ wird „nettes rotes Glühen“. In unserer Liege bist du auf exakt der Entfernung, für die das Gerät konstruiert ist – rundum, beidseitig, gleichmäßig und über die volle Session hinweg.
Eine anhaltende, gleichbleibende Lichtexposition auf dem Punkt, an dem sie tatsächlich etwas bewirkt. Je mehr Haut direkten Kontakt zum Licht hat, desto besser – und in einer Kabine kannst du dich dafür ausziehen, soweit du magst.
In einer Gruppenklasse ist genau dieser Sweet Spot strukturell unmöglich. Zehn Leute, ein Panel, jede:r in einem anderen Abstand, die meisten zu weit weg, von vorne statt rundum, meist halb angezogen. Die einen kriegen ein bisschen was ab, die anderen baden im Stimmungslicht – aber kaum jemand bekommt die Dosis, die zählt. Das ist der Unterschied zwischen „dabei gewesen“ und „gewirkt“.
Dazu kommt der philosophische Teil: Bei uns hast du die Kabine 20 bis 30 Minuten ganz für dich allein. Keine Performance, kein Vergleich, kein „atmet jetzt alle gemeinsam“. Nur du, deine Zellen und Ruhe. „Take what you need“ meinen wir genau so. Red Light Classes sind ein cleverer Trend fürs Foto – wir wollten lieber die Wirkung.
Red Light ist gerade ein großer Wellness-Trend – was ist echter wissenschaftlicher Erkenntnisstand, und was ist Hype?
Beides, und das darf man auch sagen. Solide belegt ist die Photobiomodulation auf Zellebene und vor allem die Wirkung auf Haut und lokale Regeneration – dazu gibt es eine Menge Forschung. Hype wird’s da, wo Red Light plötzlich alles heilt: jede Krankheit, der Jungbrunnen aus der Steckdose.
Da werde ich skeptisch. Vieles beruht auf kleinen Studien, und entscheidend sind Wellenlänge, Dosis und Abstand – Faktoren, die in der Praxis oft komplett unter den Tisch fallen. Und „mehr ist besser“ stimmt gerade nicht: Licht hat eine optimale Dosis, drüber kippt der Effekt.
Meine Haltung: Ich liebe Red Light – aber als seriösen Baustein in einer Longevity-Routine, nicht als Wundermittel. Genau deshalb investieren wir in geprüfte Technik statt in fette Versprechen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Red Light Therapy – sowohl bei Hale.Now als auch im breiteren Gesundheitskontext?
Dass Regeneration endlich so selbstverständlich wird wie Training. Wir haben uns jahrelang erzählt, Gesundheit hieße, sich zu quälen – mehr Schweiß, mehr Leistung, mehr. Die andere Hälfte der Gleichung, die Erholung, haben wir ignoriert. Für Hale.Now wünsche ich mir, dass Red Light fester Teil der Routine unserer Member wird – so normal wie der Reformer-Kurs am Dienstag.
Im großen Kontext wünsche ich mir mehr Ehrlichkeit: gute, unabhängige Forschung statt Hochglanz-Versprechen, damit Menschen wissen, was die Technik kann und was nicht. Wenn Prävention und Recovery genauso ernst genommen werden wie Krankheit, haben wir wirklich etwas bewegt.
Mit fast 50 sage ich: Es ist nie zu spät anzufangen – und nie zu früh. Und der logische nächste Schritt steht schon in den Startlöchern: Noch dieses Jahr eröffnen wir das erste RCVR.NOW Studio – mit reinem Fokus auf Non-Touch-Recovery. Man darf gespannt sein.