
© Karolina Grabowska
24. August 2026
Sharon Burbat
Sexualität kann sich in den Wechseljahren verändern: Manche Frauen haben weniger Lust, andere erleben Sex sogar entspannter als zuvor. Warum Hormone dabei nur ein Teil der Geschichte sind, was hinter Schmerzen und Scheidentrockenheit steckt und was dagegen hilft
Mit den Wechseljahren kann sich auch das Sexualleben verändern. Einige Frauen spüren weniger Verlangen, andere erleben die Zeit nach der Menopause als überraschend frei und entspannt. Zugleich hinterlässt die hormonelle Umstellung mitunter körperliche Spuren: Das Gewebe im Intimbereich kann trockener und empfindlicher werden, Berührungen fühlen sich anders an, Sex kann unangenehm sein oder schmerzen.
Hinzu kommen Hitzewallungen, schlaflose Nächte, Erschöpfung oder das Gefühl, sich im eigenen Körper erst wieder neu zurechtfinden zu müssen. Dass unter solchen Umständen die Lust nicht immer an erster Stelle steht, ist wenig überraschend.
Die Gleichung „weniger Östrogen gleich weniger Lust“ wäre dennoch zu einfach. Sexuelles Verlangen hängt nicht an einem einzelnen Hormonwert. Körperliches Wohlbefinden, Psyche, Partnerschaft und Lebenssituation spielen ebenso eine Rolle und nicht jede Veränderung wird überhaupt als Problem empfunden.
Dass sich die Libido im Laufe der Wechseljahre verändern kann, zeigt unter anderem die große amerikanische SWAN-Langzeitstudie mit mehr als 3.000 Frauen: Im Verlauf der Menopause berichteten die Teilnehmerinnen im Durchschnitt über weniger sexuelles Verlangen und häufiger über Schmerzen beim Sex. Zugleich zeigte die Untersuchung, dass Gesundheit, psychisches Befinden, Beziehungsstatus und vaginale Trockenheit eng mit der sexuellen Funktion zusammenhingen. Die Menopause allein erklärt also längst nicht alles.
Wenn die Lust in den Wechseljahren nachlässt und das als belastend empfunden wird, lohnt sich zunächst die Frage nach dem Warum. Denn eine Therapie, die für alle Frauen gleichermaßen funktioniert, gibt es nicht.
Sind Trockenheit oder Schmerzen beim Sex der Auslöser, steht deren Behandlung im Vordergrund. Rauben Hitzewallungen und Schlafprobleme über Wochen die Energie, kann es sinnvoll sein, diese Beschwerden gezielt anzugehen.
Sexualmedizinische oder psychotherapeutische Beratung kann sinnvoll sein, wenn der Verlust des sexuellen Verlangens dauerhaft belastet oder Konflikte entstehen. Für einen mit den Wechseljahren verbundenen Libidoverlust nennt die zudem als mögliche ärztliche Therapie, wenn eine Hormontherapie allein nicht ausreichend wirkt.
Trockenheit, Brennen und Schmerzen beim Sex zählen dagegen zu den Beschwerden, die eng mit dem sinkenden Östrogenspiegel zusammenhängen können. Das Gewebe von Vulva und Vagina wird dünner, weniger elastisch und schlechter befeuchtet. Auch die Harnwege können betroffen sein. Fachleute sprechen deshalb vom genitourinären Menopausensyndrom, kurz GSM. Beschwerden beim Wasserlassen oder wiederkehrende Harnwegsinfektionen können ebenfalls dazugehören.
Anders als Hitzewallungen verschwinden solche Beschwerden nach der Menopause nicht unbedingt wieder. Unbehandelt können sie bestehen bleiben oder stärker werden. Hinzu kommt, dass sich Schmerzen verselbstständigen können: Wer damit rechnet, dass Sex wehtut, spannt sich möglicherweise unwillkürlich an, was Erregung und Lubrikation zusätzlich erschwert.
Schmerzen sollten dennoch nicht automatisch den Wechseljahren zugeschrieben werden. Auch Infektionen, Hauterkrankungen, Veränderungen des Beckenbodens oder andere gynäkologische Ursachen kommen infrage. Neu auftretende oder anhaltende Beschwerden gehören deshalb abgeklärt.
Gleitmittel können die Reibung beim Sex verringern und damit unmittelbar Erleichterung bringen. Vaginale Feuchtigkeitspräparate werden regelmäßig und unabhängig von sexueller Aktivität angewendet. Zu den am besten untersuchten Therapien bei GSM gehört niedrig dosiertes vaginales Östrogen. Es ist etwa als Creme, Vaginaltablette oder Zäpfchen erhältlich und wirkt überwiegend dort, wo die Beschwerden entstehen; nur geringe Mengen gelangen in den Blutkreislauf.
Welche Behandlung passt, hängt von den Beschwerden und der individuellen Krankengeschichte ab. Das gilt besonders für Frauen, die an einem hormonabhängigen Brustkrebs erkrankt sind oder waren: Hier sollte die Therapie mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten abgestimmt werden.
Eine Hormonherapie kann verschrieben werden, wenn zugleich belastende Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen oder Nachtschweiß bestehen. Für Beschwerden im Genitalbereich kann trotzdem zusätzlich eine lokale Behandlung nötig sein.
Eine Hormonersatztherapie ist kein allgemeines Mittel gegen sexuelle Unlust. Ein Cochrane-Review mit 36 Studien und mehr als 23.000 Teilnehmerinnen kommt zu dem Ergebnis, dass Östrogen allein die sexuelle Funktion bei Frauen mit Beschwerden oder in der frühen Postmenopause wahrscheinlich leicht verbessern kann; für andere Hormonregime ist die Evidenz deutlich unsicherer.
Bleibt ein mit den Wechseljahren verbundener niedriger Sexualtrieb trotz HRT bestehen und verursacht Leidensdruck, kann nach sorgfältiger Abklärung in bestimmten Fällen auch Testosteron erwogen werden. Auch die NICE-Leitlinie nennt diese Möglichkeit, wenn eine HRT allein nicht ausreichend wirkt.
Die Wechseljahre bedeuten nicht zwangsläufig weniger Lust. Einige Frauen erleben ihre Sexualität nach der Menopause sogar als freier und entspannter. Die Sorge vor einer ungewollten Schwangerschaft fällt irgendwann weg, zugleich können sich mit zunehmendem Alter Wünsche und Prioritäten verändern.
Manche Frauen wissen genauer, was ihnen gefällt und sprechen selbstverständlicher darüber. Wie Sexualität nach der Menopause erlebt wird, ist deshalb so individuell wie die Veränderungen, die diese Lebensphase mit sich bringt.
Auch wenn die Fruchtbarkeit in der Perimenopause deutlich abnimmt, sind Eisprünge und damit Schwangerschaften weiterhin möglich. Wer nicht schwanger werden möchte, braucht deshalb zunächst weiterhin eine geeignete Verhütung.
Welche Methode infrage kommt, hängt von Alter, Vorerkrankungen und individuellen Risikofaktoren ab. Die FSRH-Leitlinie zur Verhütung ab 40 betont, dass in den 40ern keine Verhütungsmethode allein aufgrund des Alters ausgeschlossen ist; ab 50 werden kombinierte hormonelle Methoden allerdings nicht mehr empfohlen.
Für Frauen, die nicht hormonell verhüten, gibt es eine einfache Orientierung: War die Frau bei ihrer letzten natürlichen Regelblutung 50 Jahre oder älter, sollte sie noch ein weiteres Jahr verhüten. Trat die letzte Periode vor dem 50. Geburtstag ein, werden zwei weitere Jahre empfohlen.
Spätestens ab 55 Jahren ist eine natürliche Schwangerschaft so selten, dass eine Verhütung in der Regel nicht mehr nötig ist. Unter hormoneller Verhütung lässt sich der Zeitpunkt der Menopause allerdings nicht zuverlässig anhand der Blutung bestimmen. Wann eine Methode gewechselt oder abgesetzt werden kann, sollte deshalb individuell geklärt werden.

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