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2. November 2026
Marianne Waldenfels
Eine neue Untersuchung der Universität Basel mit 719 Teilnehmern liefert bemerkenswerte Ergebnisse: Wer zwölf Wochen lang kalt duschte, berichtete von 26 Prozent weniger Krankheitstagen. Was dahintersteckt und warum schon 30 Sekunden kaltes Wasser einen Unterschied machen können.
Kaltes Wasser am Morgen ist für viele Menschen eine Zumutung. Trotzdem schwören immer mehr Menschen auf den täglichen Kältereiz – für mehr Energie, bessere Stimmung und ein stärkeres Immunsystem. Doch was bringt das unangenehme Ritual tatsächlich?
Eine neue Untersuchung aus der Schweiz liefert darauf eine interessante Antwort. Und sie knüpft an eine große niederländische Studie an, die bereits vor zehn Jahren einen gesundheitlichen Vorteil des kalten Duschens festgestellt hatte. In einem entscheidenden Punkt gehen die neuen Ergebnisse jedoch darüber hinaus.
Bereits 2016 hatte eine große niederländische Studie einen gesundheitlichen Vorteil des kalten Duschens festgestellt. Die neue Untersuchung geht nun in einem entscheidenden Punkt darüber hinaus.
Die Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Lena Glaser untersuchte für ihre Dissertation an der Universität Basel, wie sich Menschen zu umweltfreundlicherem Verhalten bewegen lassen. Als Beispiel wählte sie das kalte Duschen: eine einfache Veränderung im Alltag, die Energie spart, zunächst aber unangenehm ist.
An der Untersuchung nahmen 719 gesunde Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren teil. Die Teilnehmer der Kaltwassergruppe sollten zwölf Wochen lang so kalt duschen, wie es ihre Dusche zuließ. Wer bereits regelmäßig kalt duschte, war ausgeschlossen. Die Kontrollgruppe behielt ihre gewohnten Duschgewohnheiten bei.
Die Ergebnisse, über die die Universität Basel Ende Oktober 2026 berichtete, gingen über den ursprünglich untersuchten Umweltaspekt hinaus.
Die Teilnehmer der Kaltwassergruppe gaben an, sich an 26 Prozent weniger Tagen krank gefühlt zu haben als die Kontrollgruppe. Ihre krankheitsbedingten Fehltage am Arbeitsplatz lagen sogar um 31 Prozent niedriger.
Auch das Wohlbefinden veränderte sich. Diejenigen, die durchhielten, fühlten sich im Verlauf der zwölf Wochen körperlich und psychisch zunehmend besser. Unmittelbar nach dem Duschen beschrieben viele ein Gefühl von Wachheit und Frische.
Besonders schwer fiel den Teilnehmern der Einstieg. In den ersten beiden Wochen brachen viele das Experiment ab, danach sank die Zahl der Aussteiger deutlich. Glaser sieht darin einen Gewöhnungseffekt.
Die Ergebnisse wurden bislang im Rahmen ihrer Dissertation veröffentlicht, nicht als eigenständiger begutachteter Fachartikel. Hinzu kommt: Die Teilnehmer gaben selbst an, wie oft sie sich krank fühlten. Ärztlich bestätigte Infekte wurden nicht erfasst.
Dass kaltes Duschen gesundheitliche Vorteile haben könnte, ist keine neue Vermutung. Bereits 2016 untersuchte ein niederländisches Forschungsteam um den Mediziner Dr. Geert Buijze den Effekt an 3.018 Erwachsenen.
Die Teilnehmer wurden zufällig vier Gruppen zugeteilt. Drei Gruppen beendeten ihre warme Dusche 30 Tage lang mit 30, 60 oder 90 Sekunden kaltem Wasser. Die vierte Gruppe duschte wie gewohnt. Anschließend konnten die Teilnehmer zwei Monate lang selbst entscheiden, ob sie mit dem kalten Duschen fortfuhren.
Das Ergebnis der in PLOS ONE veröffentlichten Studie war deutlich: Die Teilnehmer, die kalt duschten, meldeten sich um 29 Prozent seltener krank. Ob sie 30 oder 90 Sekunden unter kaltem Wasser standen, machte dabei keinen Unterschied.
Allerdings gab es eine Besonderheit: Die Zahl der Tage, an denen sich die Teilnehmer krank fühlten, unterschied sich nicht zwischen den Gruppen. Die Kaltduscher fehlten also seltener bei der Arbeit, obwohl sie sich genauso häufig krank fühlten.
Die Forscher vermuteten, dass die Teilnehmer ihre Symptome möglicherweise als weniger belastend empfanden oder sich insgesamt leistungsfähiger fühlten.
Beim Kontakt mit kaltem Wasser reagiert der Körper unmittelbar. Das sympathische Nervensystem wird aktiviert, Herzschlag und Atmung beschleunigen sich, Stresshormone werden ausgeschüttet und die Blutgefäße der Haut ziehen sich zusammen. Gleichzeitig kann sich kurzfristig die Verteilung bestimmter Immunzellen verändern.
Ob diese Reaktionen vor Infektionen schützen, wurde in mehreren kleineren Untersuchungen erforscht. Ein tschechisches Forschungsteam um den Physiologen Lubomír Janský beobachtete bei jungen, sportlichen Männern nach sechs Wochen regelmäßiger Kaltwasserbäder leicht erhöhte Werte einzelner Immunzellen und Botenstoffe. Die Forscher beschrieben eine geringe Aktivierung des Immunsystems, deren gesundheitliche Bedeutung jedoch unklar blieb.
Auch eine viel beachtete Studie der Radboud-Universität Nijmegen aus dem Jahr 2014 zeigte, dass sich Immunreaktionen gezielt beeinflussen lassen. Zwölf Männer trainierten die Wim-Hof-Methode, eine Kombination aus Atemübungen, Meditation und Kälteexposition. Als die Forscher anschließend mit einem Bakterienbestandteil eine Entzündungsreaktion auslösten, produzierten die trainierten Männer mehr entzündungshemmende Botenstoffe und entwickelten deutlich mildere grippeähnliche Symptome als die Vergleichsgruppe.
Allerdings lässt sich nicht feststellen, welchen Anteil die Kälte daran hatte, da die Teilnehmer gleichzeitig spezielle Atemtechniken praktizierten.
Wer kaltes Duschen ausprobieren möchte, muss nicht gleich mehrere Minuten unter eiskaltem Wasser stehen. Die niederländische Studie liefert einen praktikablen Anhaltspunkt: Schon 30 Sekunden kaltes Wasser am Ende einer warmen Dusche waren mit weniger krankheitsbedingten Fehltagen verbunden. Eine längere Dauer brachte in dieser Untersuchung keinen zusätzlichen Vorteil.
Auch die Basler Untersuchung spricht dafür, den Einstieg möglichst einfach zu gestalten. Die meisten Teilnehmer, die das Experiment abbrachen, taten dies innerhalb der ersten beiden Wochen. Danach fiel das Durchhalten offenbar leichter.
Die Psychologin Lena Glaser empfiehlt, sich schrittweise an niedrigere Temperaturen heranzutasten. Das Wasser müsse nicht jeden Tag gleich kalt sein. Entscheidend sei, eine Temperatur zu wählen, die sich an dem jeweiligen Tag bewältigen lasse.
Der britische Physiologe Prof. Mike Tipton von der Universität Portsmouth beschreibt diese sogenannte Kälteschockreaktion als eine der wichtigsten unmittelbaren Auswirkungen plötzlicher Kälteexposition.
Bei gesunden Menschen ist eine kurze kalte Dusche in der Regel gut verträglich. Für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann der abrupte Temperaturwechsel jedoch problematisch sein.
Wer unter Herzrhythmusstörungen, einer Herzerkrankung, unkontrolliertem Bluthochdruck oder ausgeprägten Kreislaufproblemen leidet, sollte deshalb vor dem Beginn ärztlichen Rat einholen.
Regelmäßiges kaltes Duschen könnte sich lohnen. Zwei große Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die kalt duschen, seltener krankheitsbedingt bei der Arbeit fehlen. Die neue Basler Studie liefert darüber hinaus Hinweise auf weniger Krankheitstage. Für gesunde Menschen spricht wenig dagegen, es auszuprobieren – schon 30 Sekunden kaltes Wasser am Ende der Dusche sind ein guter Einstieg.

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