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31. Oktober 2026
Marianne Waldenfels
Alleinleben gilt vor allem im Alter als Gesundheitsrisiko. Doch eine neue Studie mit fast 600.000 Erwachsenen zeigt ein anderes Bild: Bei den 18- bis 64-Jährigen war das Sterberisiko um 22 Prozent erhöht, bei Senioren nur um sechs Prozent. Die Forscher haben untersucht, was hinter diesem überraschenden Unterschied steckt
Wenn von den Gesundheitsrisiken des Alleinlebens die Rede ist, denken die meisten an ältere Menschen: die verwitwete Rentnerin, den Senior, um den sich niemand kümmert. Doch eine neue Studie mit fast 600.000 Erwachsenen zeigt ein überraschendes Muster: Bei Menschen zwischen 18 und 64 Jahren war das Sterberisiko von Alleinlebenden um 22 Prozent erhöht. Bei Senioren betrug der Unterschied nur sechs Prozent.
Warum ausgerechnet Menschen im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter stärker betroffen sind, haben Forscher der American Cancer Society untersucht. Ihre Ergebnisse wurden Ende Oktober 2026 im International Journal of Epidemiology veröffentlicht. Auch für Deutschland sind sie relevant: Hier lebt inzwischen mehr als jeder Fünfte allein.
Das Team um Erstautorin Dr. Hyunjung Lee von der American Cancer Society wertete die Daten von 598.023 Erwachsenen in den USA aus. Grundlage war eine landesweite Gesundheitsbefragung aus den Jahren 1998 bis 2018, die mit dem nationalen Sterberegister verknüpft wurde. So ließ sich feststellen, welche Teilnehmer in den Folgejahren starben und welche Todesursachen dokumentiert wurden.
Die Forscher verglichen Menschen, die allein lebten, mit solchen, die ihren Haushalt mit anderen teilten. Dabei unterschieden sie zwei Altersgruppen: 18 bis 64 Jahre und 65 Jahre und älter. Untersucht wurden die Gesamtsterblichkeit und 15 einzelne Todesursachen.
Besonders deutlich fiel der Zusammenhang bei jüngeren und mittelalten Erwachsenen für bestimmte Todesursachen aus:
Bei den Älteren war Alleinleben insbesondere mit Todesfällen durch Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Verletzungen verbunden.
Den stärksten relativen Zusammenhang fanden die Forscher bei Suiziden. Bei den 18- bis 64-Jährigen lag das Suizidsterberisiko von Alleinlebenden um 58 Prozent höher, bei den über 65-Jährigen sogar um 103 Prozent. Ob das Alleinleben selbst dabei eine Rolle spielt oder andere Faktoren wie psychische Erkrankungen und soziale Belastungen entscheidend sind, lässt sich aus den Daten nicht ableiten.
Die Forscher warnen ausdrücklich davor, Alleinleben grundsätzlich als gesundheitsschädlich einzustufen. Es sei nicht zwangsläufig eine schlechtere Lebensform, betont Erstautorin Hyunjung Lee. Das zusätzliche Sterberisiko konzentriere sich vor allem auf Menschen, die bereits Vorerkrankungen haben oder gesundheitlich riskante Gewohnheiten pflegen.
Die Auswertung liefert dafür konkrete Zahlen: Unterschiede in Lebensstil, sozialer Lage, Gesundheitszustand und Zugang zur medizinischen Versorgung erklärten bei den 18- bis 64-Jährigen rund 57 Prozent des statistischen Zusammenhangs. Bei den Senioren waren es sogar 85 Prozent.
Besonders relevant sind offenbar Rauchen und hoher Alkoholkonsum. Beides kommt laut den Forschern bei Alleinlebenden häufiger vor, insbesondere bei Männern und Menschen mittleren Alters. Frühere Untersuchungen deuten außerdem darauf hin, dass Alleinlebende sich häufiger ungünstig ernähren und medizinische Vorsorge seltener in Anspruch nehmen.
Alleinleben bedeutet allerdings nicht zwangsläufig Einsamkeit. Ob die Teilnehmer enge Freundschaften oder ein stabiles soziales Netzwerk hatten, wurde in der Studie nicht untersucht.
Bemerkenswert ist jedoch, dass bei den jüngeren Erwachsenen auch nach Berücksichtigung dieser Faktoren ein größerer Teil des erhöhten Sterberisikos ungeklärt blieb als bei den Senioren. Welche zusätzlichen Einflüsse dahinterstecken, konnte die Studie nicht beantworten.
Hierzulande betrifft das Thema Millionen Menschen. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts lebten 2025 rund 17,3 Millionen Menschen allein. Vor 20 Jahren waren es noch 14,2 Millionen.
Alleinleben ist dabei längst kein Phänomen des Alters. Unter den 25- bis 34-Jährigen wohnte 2025 fast jeder Dritte allein. In Großstädten lag der Anteil der Alleinlebenden über alle Altersgruppen hinweg bei knapp 26 Prozent.
Die neue US-Studie lenkt den Blick damit auf eine Altersgruppe, die bei den Gesundheitsrisiken des Alleinlebens bislang weniger Beachtung findet: Menschen im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter.
Die Ergebnisse enthalten auch eine ermutigende Botschaft: Ein erheblicher Teil des erhöhten Sterberisikos hängt mit Faktoren zusammen, die sich zumindest teilweise beeinflussen lassen. Die Autoren sehen vor allem bei der Behandlung chronischer Erkrankungen, der Vorsorge, der Vermeidung von Verletzungen und der psychischen Gesundheit Möglichkeiten zur Prävention.
Vorsorge und Kontrolltermine wahrnehmen: Wer allein lebt, muss selbst darauf achten, dass Bluthochdruck, Diabetes oder Herzerkrankungen regelmäßig kontrolliert werden. Gesetzlich Versicherte können zwischen 18 und 34 Jahren einmal und ab 35 alle drei Jahre einen Gesundheits-Check-up beim Hausarzt in Anspruch nehmen.
Rauchen und Alkoholkonsum überprüfen: Beide Verhaltensweisen können das Risiko schwerer Erkrankungen erheblich erhöhen. Gerade bei Alleinlebenden lohnt es sich, auf Gewohnheiten zu achten, die sich unbemerkt verfestigen.
Soziale Kontakte und psychische Gesundheit ernst nehmen: Regelmäßige Kontakte zu Freunden, Familie oder anderen vertrauten Menschen können Unterstützung bieten – auch wenn man gern allein wohnt. Wer länger anhaltende depressive Symptome bemerkt, sollte frühzeitig ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe suchen.
Alleinleben ist für viele Menschen eine bewusste Entscheidung und keineswegs automatisch ungesund. Doch die Studie zeigt, dass gesundheitliche Risiken nicht erst im Alter beginnen. Wer allein lebt, sollte deshalb gerade in jüngeren Jahren auf Vorsorge, gesunde Gewohnheiten und soziale Kontakte achten.

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