
© PMC | AI
Die Strahlentherapie, auch Radiotherapie genannt, ist ein Bestandteil der modernen Krebsbehandlung und stellt ein eigenständiges medizinisches Fachgebiet dar. Sie ist jedoch eng mit der diagnostischen Radiologie verbunden, da beide Disziplinen auf dem Einsatz von Strahlung und bildgebenden Verfahren basieren. Während die diagnostische Radiologie Technologien wie Röntgen, CT oder MRT nutzt, um Krankheiten sichtbar zu machen und zu diagnostizieren, verfolgt die Strahlentherapie ein therapeutisches Ziel. Im Mittelpunkt der Strahlentherapie steht die Anwendung von hochenergetischer, meist ionisierender Strahlung. Diese Strahlung besitzt genügend Energie, um die DNA von Zellen zu schädigen, was wiederum in der Behandlung von Krebs von Nutzen ist. Warum? Tumorzellen sind meist empfindlicher gegenüber Schäden als gesundes Gewebe, da sie sich schneller teilen und weniger effektive Reparaturmechanismen besitzen. Durch die Bestrahlung wird entweder der direkte Zelltod ausgelöst oder die Fähigkeit der Krebszellen zur weiteren Teilung verhindert, wodurch das Tumorwachstum gestoppt oder der Tumor verkleinert wird. Ein weiterer Aspekt der Strahlentherapie ist die präzise Planung der Behandlung, die auf bildgebende Verfahren aus der Radiologie zurückgreift: Mithilfe von CT, MRT oder PET werden Lage, Größe und Form des Tumors exakt bestimmt. Auf dieser Grundlage wird ein individueller Bestrahlungsplan erstellt, der sicherstellt, dass die Strahlung möglichst gezielt den Tumor trifft und das umliegende gesunde Gewebe weitgehend geschont wird. Die Strahlentherapie kann in verschiedenen Formen eingesetzt werden: als alleinige Behandlung, in Kombination mit Operation oder Chemotherapie oder auch zur Linderung von Beschwerden (palliativ), wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Je nach Situation erfolgt die Bestrahlung von außen durch spezielle Geräte (Teletherapie) oder von innen, indem radioaktive Substanzen direkt in oder nahe am Tumor platziert werden (Brachytherapie).
Stereotaktische Radiochirurgie
Die stereotaktische Radiochirurgie ist ein hochpräzises Verfahren der Strahlentherapie, das es ermöglicht, Tumoren mit sehr hoher Strahlendosis in besonders wenigen Sitzungen zu behandeln. Häufig genügen ein bis fünf Termine. Trotz des Begriffs handelt es sich nicht um eine Operation im eigentlichen Sinne, sondern um eine von außen zugeführte, punktgenau gebündelte Bestrahlung. Möglich wird diese Genauigkeit durch moderne Positionierungssysteme, eine Oberflächenerkennung in Echtzeit und eine kontinuierliche Bildkontrolle, die sicherstellen, dass der Tumor auch bei leichten Bewegungen oder durch die Atmung millimetergenau im Fokus bleibt. Besonders in empfindlichen Körperregionen wie dem Gehirn, an der Wirbelsäule oder in der Nähe lebenswichtiger Organe erlaubt dieses Verfahren eine intensive und zugleich gut kontrollierte Behandlung, während das umliegende gesunde Gewebe weitgehend geschont wird.
Online-adaptive Strahlentherapie
Die online-adaptive Strahlentherapie trägt dem Umstand Rechnung, dass sich der Körper von Tag zu Tag verändert: Tumoren können schrumpfen, Organe sich leicht verschieben, der Flüssigkeitshaushalt kann schwanken. Bei diesem Verfahren wird vor jeder einzelnen Sitzung mithilfe hochauflösender Bildgebung und rechnergestützter Auswertung ein aktuelles Abbild des Körpers erstellt, sodass der Bestrahlungsplan täglich neu angepasst werden kann. Auf diese Weise erhält der Tumor die optimale Dosis, während gesundes Gewebe bestmöglich geschont und Nebenwirkungen reduziert werden. Besonders bei Organen, deren Lage sich häufig verändert, etwa der Prostata, ist diese fortlaufende Anpassung von großem Vorteil, da die Strahlung stets dort ankommt, wo sie wirken soll.


