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Nuklearmedizin

Die Nuklearmedizin ist ein eigenständiges, aber eng mit der Radiologie verbundenes medizinisches Fachgebiet. Während die klassische Radiologie vor allem die Struktur von Organen und Geweben sichtbar macht (z. B. Form, Größe, Lage), konzentriert sich die Nuklearmedizin auf die Funktion und Stoffwechselprozesse im Körper. Sie beantwortet also weniger die Frage „Wie sieht etwas aus?“, sondern vielmehr „Wie arbeitet dieses Organ oder Gewebe?“. Die Nuklearmedizin wird also immer dann eingesetzt, wenn funktionelle Informationen entscheidend sind, denn sie macht sichtbar, wie der Körper funktioniert.

Szintigraphie & SPECT

Die Szintigraphie ist ein nuklearmedizinisches Verfahren, das nicht die Struktur von Organen darstellt, sondern deren Funktion und Stoffwechselaktivität. Um das herauszufinden, wird dem Patienten eine schwach radioaktive Substanz – ein sogenannter Tracer – über eine Injektion verabreicht, wobei die Menge dieser Substanz so gering ist, dass Körperfunktionen nicht gestört werden. Der Tracer ist so aufgebaut, dass er sich gezielt in bestimmten Organen oder Zelltypen anreichert, beispielsweise in der Schilddrüse, im Knochen oder in stoffwechselaktiven Tumorzellen. Und während sich der Tracer im Körper verteilt, sendet er eine schwache Strahlung aus, die von einer speziellen Kamera registriert wird. Aus diesen Signalen erstellt die Kamera schließlich aufschlussreiche Bilder, die zeigen, wie aktiv bestimmte Gewebe sind.

Die Szintigraphie wird vor allem dann eingesetzt, wenn funktionelle Informationen benötigt werden, die mit klassischen bildgebenden Verfahren wie CT oder MRT nicht ausreichend erfasst werden können. Ein typisches Anwendungsgebiet wäre hier die Schilddrüsendiagnostik, bei der beurteilt wird, ob einzelne Areale über- oder unteraktiv sind. In der Herzdiagnostik wird sie eingesetzt, um Durchblutungsstörungen des Herzmuskels zu eruieren, und im Skelettsystem erhält man durch die sogenannte Knochenszintigraphie Hinweise auf Entzündungen, Tumoren oder Metastasen.

Die SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography) ist wiederum eine Weiterentwicklung der klassischen Szintigraphie. Sie liefert dreidimensionale Schnittbilder, wodurch die Verteilung der radioaktiven Substanz räumlich genauer zugeordnet werden kann. Das verbessert die diagnostische Genauigkeit erheblich, gerade wenn es um komplexere Befunde geht. Aus den Ergebnissen lassen sich wichtige Rückschlüsse auf die Funktionsfähigkeit von Organen ziehen, etwa ob ein Gewebe normal arbeitet, überaktiv ist oder möglicherweise durch eine Krankheit verändert wurde. Damit liefert die Szintigraphie häufig entscheidende Hinweise auf Erkrankungen, noch bevor strukturelle Veränderungen sichtbar werden.

PET-CT / PET-MRT

Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) ist ein hochsensitives Verfahren zur Darstellung von Stoffwechselprozessen im Körper. Ähnlich wie bei der Szintigraphie wird ein radioaktiver Tracer verabreicht, der sich vor allem in stoffwechselaktiven Zellen anreichert. In der Onkologie wird häufig ein Zuckeranalogon verwendet, da Tumorzellen in der Regel einen erhöhten Energiebedarf haben und daher mehr Glukose aufnehmen als gesundes Gewebe. Die PET macht diese Aktivität sichtbar und zeigt damit, wo im Körper besonders aktive Zellprozesse stattfinden.

Besonders effizient wird die PET in Kombination mit einer Computertomographie oder einer Magnetresonanztomographie, weil hier funktionelle und anatomische Bildgebung kombiniert werden. Während die PET die Stoffwechselaktivität darstellt, liefert das CT oder MRT die genaue räumliche Zuordnung im Körper. Dadurch kann nicht nur erkannt werden, dass eine Auffälligkeit vorliegt, sondern auch exakt bestimmt werden, wo sie sich befindet und wie sie strukturell beschaffen ist. Dieses Verfahren wird insbesondere in der Krebsdiagnostik eingesetzt, weil es dabei hilft, Tumoren zu entdecken, ihre Ausbreitung zu beurteilen und zwischen aktiven Tumoranteilen und narbigem Gewebe zu unterscheiden. Auch bei der Therapiekontrolle spielt die PET eine wichtige Rolle, da sie frühzeitig zeigen kann, ob eine Behandlung anschlägt. Darüber hinaus wird die PET auch in der Neurologie eingesetzt, etwa zur Abklärung von Demenzerkrankungen oder epileptischen Herden.

Radionuklidtherapie

Die Radionuklidtherapie ist ein therapeutisches Verfahren der Nuklearmedizin, bei dem radioaktive Substanzen gezielt zur Behandlung von Erkrankungen eingesetzt werden. Im Gegensatz zur Diagnostik, bei der nur geringe Mengen radioaktiver Stoffe verwendet werden, werden hier therapeutisch wirksame Dosen eingesetzt, um krankhaft verändertes Gewebe gezielt zu zerstören oder in seiner Funktion zu hemmen. Ein klassisches Beispiel ist die Radiojodtherapie bei Schilddrüsenerkrankungen. Dabei wird radioaktives Jod verabreicht, das sich aufgrund der natürlichen Jodspeicherung gezielt in der Schilddrüse anreichert. Die abgegebene Strahlung wirkt lokal und zerstört überaktive oder krankhafte Schilddrüsenzellen, ohne das umliegende Gewebe stark zu beeinträchtigen. Auch in der Onkologie wird die Radionuklidtherapie zunehmend genutzt. Dabei werden radioaktive Substanzen an Moleküle gekoppelt, die gezielt an Tumorzellen binden. So kann die Strahlung direkt an den Ort der Erkrankung gebracht werden, während gesundes Gewebe weitgehend verschont bleibt.

Die Entscheidung für eine Radionuklidtherapie basiert auf vorhergehenden diagnostischen Untersuchungen, die zeigen, ob sich der verwendete Tracer im Zielgewebe ausreichend anreichert. Während und nach der Behandlung wird kontrolliert, wie gut die Therapie wirkt und ob das Zielgewebe erfolgreich beeinflusst wurde. Die Rückschlüsse beziehen sich dabei sowohl auf den Therapieerfolg als auch auf mögliche Nebenwirkungen und den weiteren Behandlungsbedarf.