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Radiologie im Rotkreuzklinikum
Prof. Dr. Christopher Herzog gehört zu den Radiologen, die moderne Herz-CT-Diagnostik in Deutschland von Anfang an begleitet und mitentwickelt haben – dennoch stehen für ihn nicht Geräte oder Bilder im Vordergrund. Sondern die Menschen, die mit einer großen Unsicherheit vor ihm sitzen.
Dass ihn die Radiologie einmal so faszinieren würde, war zunächst nicht abzusehen. Eigentlich wollte er Chirurg werden, wie schon sein Großvater und Onkel. Mitte seines Studiums war er von der Neurochirurgie so fasziniert, dass er damit liebäugelte. Später folgte eine Station in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Immer auf der Suche nach „seinem“ Platz. Zwischendurch spielte er sogar mit dem Gedanken, die Medizin ganz zu verlassen. Vorstellungsgespräche bei McKinsey und Boston Consulting liefen bereits., parallel dazu begann er einen MBA.
Letztlich entschied er sich bewusst wieder für die Medizin – und für ein Fach, das für ihn analytisches Denken, technisches Verständnis und den Blick auf den ganzen Patienten miteinander verbindet. „Die Radiologen waren die coolen Typen“, sagt er heute schmunzelnd. „Die wussten immer alles.“ An der Uniklinik Frankfurt wurde dann Prof. Dr. Vogl, einer der prägenden Köpfe der Radiologie, sein weiterer Mentor.
„Eigentlich ist das Herz-CT die dankbarste Bildgebung, die man machen kann.“
Prof. Dr. Christopher Herzog
Diese Entscheidung fiel in eine Zeit, in der sich die Radiologie rasant veränderte. Anfang der 2000er-Jahre begann sich abzuzeichnen, dass die Computertomographie die Herzdiagnostik grundlegend verändern könnte. Erkrankungen der Herzkranzgefäße ließen sich bis dahin meist nur indirekt beurteilen oder mit einem invasiven Herzkatheter sicher nachweisen. Moderne CT-Systeme versprachen erstmals eine schonendere Alternative – allerdings musste diese Technik zunächst entwickelt und in den klinischen Alltag überführt werden.
Prof. Dr. Herzog war von Anfang an Teil dieser Entwicklung. Als Medical Consultant bei Siemens Healthcare arbeitete er an den ersten Generationen moderner Herz-CT-Systeme, entwickelte Untersuchungsprotokolle mit und half dabei, Standards zu schaffen, die heute selbstverständlich sind. Es ging um grundlegende Fragen: Wie lässt sich ein schlagendes Herz überhaupt scharf darstellen? Wann wird Kontrastmittel verabreicht? Welche Einstellungen liefern Bilder, auf die sich Ärzte wirklich verlassen können?
„Das war echte Basisarbeit“, erinnert er sich. Vieles kannte er aus der Neurochirurgie, so galt er schon als Assistent schnell als CT-Spezialist. Auch wenn ihm manchmal noch diagnostische Grundlagen fehlten, in Sachen Technik machte ihm keiner was vor. Nach der Facharztprüfung führte ihn der Weg über Siemens für zwei Jahre an die Medical University of South Carolina (MUSC) in Charleston, damals eines der führenden Zentren für kardiale Bildgebung. Die dort gewonnenen Erfahrungen brachte er danach als Oberarzt an der Uniklinik Frankfurt ein.
Schließlich folgte der gebürtige Münchner einem Ruf in seine Heimatstadt, ans Rotkreuzklinikum. Heute ist er Gesellschafter der Gemeinschaftspraxis Radiologie München, mit Sitz im Rotkreuzklinikum, und ergänzt somit das Portfolio der 12 hochspezialisierten Standorte um eine „Herzensangelegenheit“. Weit über 200 000 CTs des Herzens hat er inzwischen durchgeführt.
„Ob die KI den Befund macht oder ich, spielt eigentlich keine Rolle. Denn mein Job beginnt danach.“
Prof. Dr. Christopher Herzog
Auch das Cardio-CT entwickelte sich. Mit der sogenannten Dual-Source-Technologie folgte der nächste entscheidende Schritt: Ausgestattet mit zwei Röhren und zwei Detektoren ermöglichte es erstmals, das schlagende Herz scharf abzubilden – auch bei höheren Herzfrequenzen. Sogar kleinste Herzkranzgefäße können mit einer hohen örtlichen Auflösung präzise und ohne Verzerrung sichtbar gemacht werden. Und das, weil die Aufnahmezeit kürzer ist – bei deutlich geringerer Strahlenbelastung. In Bildern gesprochen: „Das ist, wie wenn sie die Dusche aufdrehen und schnell durchrennen – dann werden sie auch weniger nass“.
In der Herzbildgebung beginnt mit dem neuesten Dual Source CT ein neues Zeitalter. Für Prof. Dr. Herzog eines der wichtigsten Verfahren, um Erkrankungen der Herzkranzgefäße früh zu erkennen oder sicher auszuschließen. Damit ergänzt es auch die Kardiologie entscheidend. Für viele Patientinnen und Patienten bedeutet es, eine kurze, nicht invasive Untersuchung statt eines diagnostischen Herzkatheters. Vor allem aber schafft sie Klarheit – oft lange bevor Beschwerden auftreten. „Eigentlich ist das Herz-CT die dankbarste Bildgebung, die man machen kann.“ Warum? Weil sie Menschen Gewissheit gibt. Entweder, weil sich eine koronare Herzkrankheit ausschließen lässt. Oder weil Veränderungen so früh erkannt werden, dass rechtzeitig behandelt werden kann. „Man macht die Patienten entweder glücklich, weil man sagen kann: ,Sie haben nichts.‘ Oder man entdeckt etwas früh genug, um ihr Leben zu ändern.“
Für Prof. Dr. Herzog endet die Untersuchung deshalb nicht mit dem fertigen Befund. „Eigentlich beginnt mein Job erst danach.“ Denn Bilder allein beantworten noch keine Fragen. Erfahrung bedeutet für ihn vor allem, Ergebnisse richtig einzuordnen. Nicht jede Verkalkung macht einen Herzkatheter notwendig. Nicht jeder auffällige Befund ist sofort bedrohlich. Umgekehrt gibt es Patienten, bei denen auf den ersten Blick wenig zu sehen ist und die dennoch ein hohes Risiko tragen. „Die Kunst besteht darin, den richtigen Patienten als krank und den richtigen Patienten als gesund zu identifizieren.“ Genau darin sieht er die eigentliche ärztliche Aufgabe.
So versteht er auch seine Arbeit in der Onkologie und der interventionellen Radiologie. Hier geht es nicht nur darum, Tumoren oder Metastasen sichtbar zu machen, sondern den nächsten Schritt einzuleiten: Gewebeproben zu entnehmen, unklare Befunde rasch abzuklären oder gemeinsam mit den behandelnden Kolleginnen und Kollegen den weiteren Therapieweg festzulegen. Wer mit einer Krebsdiagnose konfrontiert wird, verliert oft zunächst die Orientierung. Dann versucht Prof. Dr. Herzog Struktur in eine Situation zu bringen, die für viele Patienten zunächst nur aus Angst besteht. „Man wird eher zu so etwas wie ein Anwalt für die Patienten.“ Radiologie bedeutet für ihn daher nicht nur Diagnostik, sondern Begleitung. „Ich habe einen Plan“ – vier einfache Worte, die in dem Moment für die Patienten wichtiger sind als alles andere. Sie sollen verstehen, was ein Befund bedeutet – und vor allem, wie es weitergeht.
„Für mich geht’s einfach immer darum, dem Menschen zu helfen und gesund zu machen – auf welche Art und Weise auch immer.“ Dazu gehört auch Früherkennung, z. B. durch das Herz-CT. Die smarte Möglichkeit, ohne viel Aufwand einmal „reinzuschauen“.
„Mit dem Herz-CT und guter Patientenführung können wir die Mortalität von Herzinfarkt massiv senken.“
Prof. Dr. Christopher Herzog
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