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14. August 2026
Marianne Waldenfels
Smoothies gelten als gesünder als Säfte – vor allem wegen ihrer Ballaststoffe. Doch neue Studien liefern überraschende Ergebnisse zur Wirkung auf den Blutzucker.
Ob grüner Smoothie oder frisch gepresster Saft zum Frühstück: Beide gelten als einfache Möglichkeit, mehr Obst und Gemüse in den Alltag zu integrieren. Doch gesundheitlich macht es durchaus einen Unterschied, ob Äpfel, Beeren, Karotten oder Spinat im Entsafter oder im Mixer landen.
Lange schien die Antwort eindeutig: Smoothies sind die bessere Wahl, weil sie im Gegensatz zu Saft die Ballaststoffe der verwendeten Lebensmittel enthalten und deshalb auch den Blutzucker weniger stark ansteigen lassen sollen. Doch ausgerechnet bei diesem Punkt ist die wissenschaftliche Lage überraschend kompliziert.
Beim Entsaften werden die festen Bestandteile von Obst und Gemüse weitgehend abgetrennt. Schale und Fruchtfleisch landen, je nach Verfahren, größtenteils im Trester, während Wasser, Zucker, Vitamine, Mineralstoffe und zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe in den Saft übergehen.
Beim Smoothie dagegen wird die ganze Frucht oder das ganze Gemüse zerkleinert. Die Ballaststoffe bleiben dadurch weitgehend erhalten. Genau das ist ernährungsphysiologisch ein wichtiger Unterschied: Ballaststoffe unterstützen die Verdauung, tragen zu einer längeren Sättigung bei und sind wichtig für ein gesundes Darmmikrobiom.
Das macht Smoothies allerdings nicht automatisch zu einem Gesundheitsgetränk. Entscheidend ist, was im Mixer landet und wie viel davon getrunken wird.
Frisch gepresster Saft kann Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe liefern. Besonders Gemüsesäfte können eine Möglichkeit sein, den Speiseplan zu ergänzen. Gleichzeitig geht beim Entsaften jedoch ein wesentlicher Bestandteil von Obst und Gemüse verloren: ein großer Teil der Ballaststoffe.
Hinzu kommt ein praktisches Problem. Flüssige Kalorien sättigen in der Regel weniger als feste Lebensmittel und lassen sich sehr schnell konsumieren. Für ein Glas Orangensaft werden beispielsweise mehrere Orangen benötigt, eine Menge, die man als ganze Früchte vermutlich nicht ebenso nebenbei essen würde.
Gerade bei Fruchtsäften können dadurch auf relativ kleinem Volumen größere Mengen Zucker zusammenkommen. Saft sollte deshalb nicht als gleichwertiger Ersatz für ganze Früchte und Gemüse betrachtet werden.

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Hier haben Smoothies einen klaren Vorteil. Weil das Fruchtfleisch nicht entfernt wird, bleiben die Ballaststoffe erhalten. Außerdem lassen sich Zutaten wie Naturjoghurt, Haferflocken, Nüsse oder Nussmus ergänzen. Sie liefern unter anderem Protein, komplexe Kohlenhydrate oder ungesättigte Fettsäuren und können die Sättigung erhöhen.
Allerdings kann aus einem vermeintlich leichten Smoothie auf diese Weise schnell eine kleine Mahlzeit werden. Vor allem große Mengen Banane, Mango oder anderer süßer Früchte sowie Fruchtsaft oder Honig können den Zucker- und Energiegehalt deutlich erhöhen.
Ein Smoothie aus überwiegend Gemüse, etwas Obst und ohne zugesetzten Zucker ist daher ernährungsphysiologisch etwas völlig anderes als ein großer Frucht-Smoothie mit Saft, Honig und weiteren kalorienreichen Zutaten.
Gerade beim Blutzucker gibt es eine interessante Wendung. Häufig wird angenommen, dass das Zerkleinern von Obst dazu führt, dass der darin enthaltene Zucker schneller aufgenommen wird und der Blutzucker deshalb stärker steigt. Erste Untersuchungen stellen diese einfache Erklärung jedoch infrage.
In einer kleinen Studie untersuchten die Ernährungswissenschaftlerinnen Lisa T. Crummett und Riley J. Grosso bei 20 gesunden jungen Erwachsenen, wie sich Äpfel und Brombeeren auf den Blutzucker auswirkten, einmal als ganze Früchte und einmal püriert als Smoothie. Überraschenderweise waren sowohl der maximale Blutzuckeranstieg als auch die gesamte Glukosereaktion nach dem Smoothie niedriger als nach dem Verzehr der ganzen Früchte.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Smoothies grundsätzlich besser für den Blutzucker sind als ganzes Obst. Die Untersuchung war klein, umfasste ausschließlich gesunde junge Erwachsene und testete eine bestimmte Kombination von Früchten. Aus den Ergebnissen lassen sich daher keine allgemeinen Empfehlungen für sämtliche Smoothies ableiten.
Auch eine 2025 im European Journal of Clinical Nutrition veröffentlichte Übersichtsarbeit von Forschenden der University of Plymouth beschäftigt sich mit der Frage, was das Mixen mit der Blutzuckerreaktion macht.
Die Autoren kritisieren unter anderem, dass Smoothies in Ernährungsempfehlungen teilweise ähnlich wie Fruchtsäfte behandelt werden. Die bisherige Forschung liefere jedoch kein eindeutiges Bild dafür, dass püriertes Obst grundsätzlich ungünstiger auf den Blutzucker wirkt als ganzes Obst. Einige der untersuchten Experimente fanden sogar niedrigere Blutzuckerreaktionen nach pürierten Früchten.
Warum das so sein könnte, ist noch nicht abschließend geklärt. Das mechanische Zerkleinern verändert die Struktur des Pflanzengewebes und könnte beeinflussen, wie Zucker, Ballaststoffe und andere Bestandteile während der Verdauung freigesetzt und aufgenommen werden.
Die Ergebnisse sind interessant, aber noch kein Grund, die bisherigen Ernährungsempfehlungen auf den Kopf zu stellen. Dafür sind viele der vorhandenen Untersuchungen zu klein und zu unterschiedlich. Sie zeigen vor allem eines: Die Blutzuckerreaktion auf Obst ist komplexer, als die einfache Gleichung „ganz = gut, gemixt = schlecht“ vermuten lässt.
Auch hier hängt die Reaktion von mehreren Faktoren ab: von der verwendeten Frucht, der Menge, der Verarbeitung und davon, was gleichzeitig gegessen wird. Einzelne Untersuchungen haben sogar bei bestimmten Säften günstigere Blutzuckerreaktionen gefunden als erwartet.
Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Fruchtsaft metabolisch günstiger wäre als ganzes Obst. Saft enthält deutlich weniger Ballaststoffe, lässt sich schnell in größeren Mengen trinken und sättigt weniger. Diese Unterschiede bleiben unabhängig davon relevant, wie hoch eine einzelne Blutzuckerspitze nach dem Trinken ausfällt.
Gerade deshalb sollte die Blutzuckerreaktion nicht zum einzigen Maßstab dafür werden, ob ein Lebensmittel gesund ist.
Hier spricht mehr für den Smoothie. Die enthaltenen Ballaststoffe sorgen dafür, dass er meist länger sättigt als Saft. Enthält er zusätzlich Protein oder Fett, etwa aus Naturjoghurt, Nüssen oder Nussmus, kann der Sättigungseffekt weiter steigen.
Doch auch dabei kommt es auf die Portion an. Ein großer Smoothie kann mehrere Portionen Obst enthalten und durch zusätzliche Zutaten beträchtliche Mengen Energie liefern. Wer einen solchen Smoothie zusätzlich zu einer normalen Mahlzeit trinkt, nimmt schnell deutlich mehr Kalorien auf, ohne dies unbedingt wahrzunehmen.
Saft wiederum sättigt kaum, kann aber ebenfalls erhebliche Mengen Zucker und Energie liefern, wenn statt eines kleinen Glases regelmäßig große Portionen getrunken werden.
Wer Saft und Smoothie gegeneinander abwägt, für den spricht zunächst mehr für den Smoothie: Beim Mixen bleiben die Ballaststoffe erhalten. Entscheidend ist allerdings, was im Glas landet. Eine Mischung aus viel Gemüse und etwas Obst ist ernährungsphysiologisch etwas anderes als ein großer Frucht-Smoothie mit Saft, Honig oder anderen süßen Zusätzen.
Auch Saft ist nicht per se ungesund. In kleinen Mengen kann er durchaus Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Gerade Fruchtsaft liefert jedoch auf kleinem Raum relativ viel Zucker, sättigt wenig und sollte deshalb nicht als Ersatz für ganze Früchte verstanden werden.
Unterm Strich hat der Smoothie damit einige Vorteile gegenüber Saft. Die gesündeste Variante ist allerdings noch einfacher: Ganzes Obst und Gemüse sollte im Alltag weiterhin die erste Wahl sein.