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13. Oktober 2026
Marianne Waldenfels
Bohnen für Männer, Brokkoli für Frauen? Eine australische Studie mit 638 jungen Erwachsenen zeigt überraschende Unterschiede: Je nach Geschlecht waren andere Gemüsesorten mit günstigeren Werten für Herz und Stoffwechsel verbunden. Was dahintersteckt.
Wer sich gesund ernähren will, soll viel Gemüse essen. Doch welche Sorten besonders vorteilhaft sind, hängt womöglich auch vom Geschlecht ab. Darauf deutet eine neue Untersuchung aus Australien hin: Männer, die mehr Bohnen, Linsen und Erbsen aßen, wiesen günstigere Stoffwechselwerte auf. Bei Frauen zeigte sich dieser Zusammenhang für Brokkoli, Blumenkohl und andere Kohlsorten.
Die Unterschiede sind erstaunlich groß. Männer, die täglich eine zusätzliche Portion von 75 Gramm Bohnen, Linsen oder Erbsen aßen, hatten statistisch um 72 Prozent geringere Chancen, dass Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte oder zu viel Bauchfett zusammenkamen. Bei Frauen zeigte sich für dieselbe Menge Kohlgemüse ein Rückgang um 85 Prozent
Die Forscher vermuten, dass Männer und Frauen bestimmte Pflanzenstoffe unterschiedlich verarbeiten. Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie stark beeinflusst das Geschlecht, welche gesundheitlichen Vorteile einzelne Lebensmittel bieten?
Für die 2026 veröffentlichte Studie werteten Wissenschaftler der Edith Cowan University in Australien Daten von 638 jungen Erwachsenen aus. Die Teilnehmer waren etwa 22 Jahre alt und gehörten zur sogenannten Raine Study, einer Langzeituntersuchung, die ihre Entwicklung seit der frühen Kindheit begleitet.
Die Forscher untersuchten, wie die Ernährungsgewohnheiten mit Blutdruck, Blutzucker, Blutfetten und Bauchumfang zusammenhingen. Das Ergebnis: Schon jeder fünfte Teilnehmer zeigte mit Anfang 20 mindestens zwei auffällige Werte – frühe Warnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.
Bemerkenswert ist, dass die Zusammenhänge zwischen dem Gemüseverzehr und den Stoffwechselwerten auch dann bestehen blieben, als die Wissenschaftler andere Einflüsse wie Bewegung, Rauchen, Alkoholkonsum und weitere Ernährungsgewohnheiten berücksichtigten.
Ob das Gemüse selbst für die günstigeren Werte verantwortlich ist, lässt sich daraus noch nicht ableiten. Die Studie zeigt aber, dass bestimmte Ernährungsgewohnheiten bereits in jungen Jahren mit der Stoffwechselgesundheit zusammenhängen.
Eine Erklärung suchen die Forscher bei den Hormonen. Denn bestimmte Pflanzenstoffe beeinflussen hormonelle Prozesse, und Männer und Frauen unterscheiden sich darin, wie ihr Körper diese Stoffe verarbeitet.
Bei Männern vermuten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen Inhaltsstoffen aus Hülsenfrüchten und dem männlichen Hormonhaushalt, insbesondere Testosteron. Bei Frauen könnten dagegen Pflanzenstoffe aus Brokkoli und anderen Kohlsorten den Stoffwechsel der Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron beeinflussen
Auch die Darmflora kommt als Erklärung infrage. Darmbakterien verarbeiten Ballaststoffe und andere Pflanzenbestandteile zu Substanzen, die den Stoffwechsel und Entzündungsprozesse beeinflussen. Unterschiede in der Zusammensetzung der Darmflora könnten deshalb mitbestimmen, wie der Körper auf bestimmte Lebensmittel reagiert.
Ob diese Mechanismen tatsächlich erklären, warum bei Männern Hülsenfrüchte und bei Frauen Kohlgemüse auffielen, ist noch offen. Die australische Studie hat weder die Hormonwirkung noch die Darmflora untersucht.
Unabhängig von den Geschlechterunterschieden spricht bereits einiges für die gesundheitlichen Vorteile beider Gemüsegruppen.
Besonders gut untersucht sind Hülsenfrüchte. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse aus dem Jahr 2023 wertete zahlreiche Beobachtungs- und Interventionsstudien aus. In kontrollierten Ernährungsstudien verbesserten Bohnen, Linsen und Erbsen unter anderem das LDL-Cholesterin und weitere Stoffwechselwerte. Damit beeinflussen sie Faktoren, die für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen von Bedeutung sind.
Auch für Brokkoli und andere Kohlsorten gibt es aufschlussreiche Befunde. Bereits 2020 untersuchte ein australisches Forscherteam um Lauren Blekkenhorst den Gemüseverzehr von 684 älteren Frauen. Sie waren im Durchschnitt etwa 75 Jahre alt.
Das Ergebnis der im British Journal of Nutrition veröffentlichten Studie: Frauen, die täglich mehr als 45 Gramm Kreuzblütler aßen, hatten eine um 46 Prozent geringere statistische Wahrscheinlichkeit für ausgeprägte Kalkablagerungen in der Bauchschlagader als Frauen, die weniger als 15 Gramm verzehrten.
Solche Ablagerungen sind ein Hinweis auf Gefäßveränderungen und gelten als Risikomarker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Wissenschaftler diskutierten unter anderem die Rolle von Vitamin K und weiteren Pflanzenstoffen aus Kohlgemüse. Ein ursächlicher Schutz vor Gefäßverkalkungen war damit allerdings nicht nachgewiesen.
Die australische Studie wirft damit eine Frage auf, die in der Ernährungsforschung bislang zu wenig Beachtung findet: Brauchen Männer und Frauen unterschiedliche Ernährungsempfehlungen? Noch reichen die Ergebnisse nicht aus, um diese Frage zu beantworten. Doch sie sprechen dafür, künftig genauer zu untersuchen, welche Rolle das Geschlecht dabei spielt, wie sich einzelne Lebensmittel auf unsere Gesundheit auswirken.

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