
© Magnific
8. Oktober 2026
Christine Bürg & Marianne Waldenfels
Weniger Stress, bessere Konzentration, mehr Gelassenheit: EXOMIND soll mithilfe magnetischer Impulse die mentale Stärke fördern. Dr. med. Neda Nabavi erklärt, wie die innovative Behandlung funktioniert, welche Veränderungen sie bei ihren Patienten beobachtet und warum die Gehirngesundheit für sie ein zentraler Bestandteil von Longevity ist

Ein Interview mit
Dr. med. Neda Nabavi
Wenn von Longevity die Rede ist, geht es meist um Muskelmasse, Stoffwechsel, Hormone oder Hautqualität. Das Gehirn kommt dabei erstaunlich selten vor, obwohl geistige Klarheit und emotionale Stabilität entscheidend dafür sind, wie gut wir altern.
Hier setzt EXOMIND an. Die Behandlung nutzt magnetische Impulse, um bestimmte Hirnregionen zu stimulieren und die Anpassungsfähigkeit des Gehirns zu fördern. Die zugrunde liegende Technologie, die transkranielle Magnetstimulation (TMS), wird in der Medizin bereits seit Jahren eingesetzt, etwa bei Depressionen. Neu ist die Anwendung außerhalb klassischer Krankheitsbilder, etwa bei Stress, Erschöpfung, innerer Unruhe oder Konzentrationsschwierigkeiten
Die Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie Dr. med. Neda Nabavi bietet EXOMIND in ihrer Hamburger Praxis an. Im Interview berichtet sie von ihren bisherigen Erfahrungen, überraschenden Beobachtungen bei ihren Patienten und erklärt, welches Potenzial sie in der Behandlung für die Zukunft der Longevity-Medizin sieht.
Dr. Nabavi, mit EXOMIND behandeln Sie nicht die Haut, sondern das Gehirn. Was steckt hinter diesem Ansatz?
Das Gehirn ist für mich einer der wichtigsten und gleichzeitig lange vernachlässigten Bausteine beim Thema Longevity. Wir können über Muskelmasse, Stoffwechsel, Hautqualität, Hormone oder Ernährung sprechen, aber wenn wir geistige Klarheit, emotionale Stabilität und unsere Fähigkeit verlieren, mit Belastungen umzugehen, fehlt ein ganz wesentlicher Teil von Healthspan.
Genau deshalb finde ich EXOMIND so spannend. Die Technologie basiert auf transkranieller Magnetstimulation, kurz TMS. Über gezielte magnetische Impulse werden elektrische Ströme in bestimmten Arealen der Großhirnrinde induziert. Ein wichtiger Zielbereich ist dabei der dorsolaterale präfrontale Cortex, der unter anderem an emotionaler Regulation, Aufmerksamkeit, Entscheidungsfindung und Impulskontrolle beteiligt ist.
Der für mich entscheidende Begriff dabei ist Neuroplastizität. Unser Gehirn ist kein statisches Organ. Es besitzt lebenslang die Fähigkeit, seine Aktivitätsmuster und neuronalen Verbindungen anzupassen. Wiederholte TMS kann genau solche neuroplastischen Prozesse beeinflussen.
Man kann sich das vereinfacht so vorstellen: Wir geben dem Gehirn einen gezielten Trainingsreiz und ermöglichen bestimmten neuronalen Netzwerken, wieder anders miteinander zu kommunizieren. Das ist wissenschaftlich deutlich interessanter als die Vorstellung eines kurzfristigen „Mental Boosts“.
Je nach Protokoll wird TMS medizinisch bereits seit Jahren eingesetzt, insbesondere bei Depressionen und anderen neuropsychiatrischen Erkrankungen. Gleichzeitig entstehen gerade sehr interessante Forschungsfelder rund um Stressregulation, Cravings, kognitive Funktionen und Brain Health.
Was hat Sie bei Ihren bisherigen Erfahrungen mit EXOMIND besonders überrascht?
Was mich tatsächlich von Anfang an überrascht hat, ist eine konstante Beobachtung: Alle Menschen fühlen sich happy nach der EXOMIND-Behandlung. Und zwar erstaunlich unabhängig davon, aus welchem Grund sie ursprünglich zu uns gekommen sind.
Ich meine damit keine künstliche Euphorie. Es ist eher eine Veränderung der Grundtonalität. Patienten beschreiben eine größere innere Ruhe und Gelassenheit. Dinge, die sie vorher unmittelbar gestresst oder aus der Balance gebracht haben, treffen sie plötzlich weniger stark. Viele sagen mir: „Ich bin immer noch in derselben Situation, aber ich reagiere anders darauf.“ Und das finde ich eigentlich viel spannender als das Versprechen, Stress komplett eliminieren zu können.
Dazu kommen Berichte über mehr Fokus, mentale Klarheit und Leistungsfähigkeit. Manche Patienten haben das Gefühl, weniger schnell abgelenkt zu sein oder Aufgaben konzentrierter zu Ende bringen zu können. Andere beschreiben vor allem eine höhere Resilienz gegenüber äußeren Stressoren.
Das ist für mich ein wichtiger Unterschied: Resilienz bedeutet ja nicht, dass das Leben plötzlich stressfrei wird. Es bedeutet, dass unser System besser damit umgehen kann.
Ich sehe darüber hinaus sehr interessante Veränderungen bei Verhaltensmustern und Cravings. Eine Patientin in meiner Praxis, die seit vielen Jahren etwa 20 Zigaretten täglich geraucht hatte, hörte beispielsweise bereits nach der ersten Behandlung auf zu rauchen und war auch 18 Monate später noch rauchfrei.
Und das ist kein einzelner klinischer Verlauf, sondern wurde bereits mehrfach bei anderen Patienten beobachtet. Solche Erfahrungen zeigen sehr anschaulich, warum die Verbindung zwischen präfrontalen Netzwerken, Selbstregulation und Verhalten wissenschaftlich so interessant ist.
Was erwartet jemanden, der sich für EXOMIND entscheidet?
Die Behandlung selbst ist überraschend unkompliziert. Man liegt entspannt im Behandlungsstuhl, der Applikator wird exakt am Kopf positioniert und zu Beginn bestimmen wir individuell die notwendige Stimulationsintensität über die sogenannte motorische Schwelle. Danach beginnt die eigentliche Stimulation.
Man bleibt die gesamte Zeit wach und ansprechbar. Es gibt keine Narkose, keine Medikamente und keine Ausfallzeit. Man spürt die Impulse manchmal als sanftes Kribbeln am Kopf. Danach kann man direkt wieder in den Alltag gehen.
In den publizierten EXOMIND-Protokollen werden häufig sechs Sitzungen, beispielsweise zweimal pro Woche, eingesetzt. Je nach Fragestellung und Indikation kann das Protokoll aber angepasst werden. Klassische medizinische TMS-Protokolle können beispielsweise deutlich umfangreicher sein.
Ich finde auch hier wichtig, nicht jedem Menschen einfach dasselbe Schema überzustülpen. Wir behandeln ein Gehirn und keinen standardisierten Hauttyp; Anamnese, Zielsetzung und Verlauf gehören deshalb für mich immer dazu.
Und wie dauerhaft sind die Ergebnisse?
Gerade hier wird Neuroplastizität interessant. Die Idee ist nicht, das Gehirn für 25 Minuten „anzuschalten“ und danach verschwindet alles wieder. Wiederholte Stimulation soll Veränderungen neuronaler Aktivität und Netzwerkfunktionen anstoßen, die über die einzelne Sitzung hinausreichen können.
Wie lange ein Effekt anhält, hängt allerdings stark von der jeweiligen Indikation und vom Menschen selbst ab. Aus der etablierten TMS-Medizin wissen wir, dass therapeutische Effekte durchaus über die eigentliche Behandlungsserie hinaus bestehen können. Bei manchen Patienten werden später Erhaltungssitzungen eingesetzt.
Für die neueren EXOMIND-Anwendungen rund um Mental Wellness, Stressresilienz oder Performance fehlen uns aber noch die Langzeitdaten, um wirklich zuverlässig sagen zu können: Nach sechs Behandlungen hält der Effekt exakt über so und so viele Monate.
Ich würde deshalb auch nicht automatisch jeden Patienten in ein dauerhaftes Maintenance-Programm schicken. Ich schaue mir lieber an: Was hat sich verändert? Wie stabil ist diese Veränderung? Und braucht dieser Mensch überhaupt eine Auffrischung?
Besonders interessant finde ich, neuroplastische Phasen aktiv zu nutzen. Wenn jemand beispielsweise weniger Craving hat, fokussierter ist oder sich emotional stabiler fühlt, ist genau das ein guter Zeitpunkt, um neue Gewohnheiten zu etablieren. Für mich liegt darin ein großer Teil der Nachhaltigkeit.
Welche Risiken sollte man vor einer Behandlung kennen?
TMS ist insgesamt sehr gut untersucht und bei korrekter Anwendung in der Regel gut verträglich. Am häufigsten sehen wir vorübergehende Kopfschmerzen oder ein Druck- beziehungsweise Klopfgefühl an der Kopfhaut. Während der Stimulation können Gesichtsmuskeln leicht mitreagieren.
Die relevante, aber seltene schwerwiegende Komplikation ist ein Krampfanfall. Deshalb gehört für mich vor jede Behandlung eine vernünftige medizinische Anamnese. Ein erhöhtes Krampfrisiko, neurologische Erkrankungen und Medikamente, die die Krampfschwelle beeinflussen können, müssen berücksichtigt werden.
Besonders wichtig sind metallische oder elektronische Implantate im oder nahe am Kopf, beispielsweise bestimmte Cochlea-Implantate, Neurostimulatoren oder ferromagnetische Implantate. Hier kann eine Behandlung kontraindiziert sein. Auch bei Schwangerschaft oder bestimmten neurologischen Vorerkrankungen muss individuell sehr sorgfältig abgewogen werden.
Die Behandlung fühlt sich niedrigschwellig an und genau deshalb darf man nicht vergessen, dass wir trotzdem mit einer medizinischen Technologie arbeiten, die neuronale Aktivität beeinflusst. Für mich gehört sie daher in einen ärztlich begleiteten Kontext.
Welche Perspektiven eröffnet EXOMIND für die Longevity-Medizin?
Für mich gehört Brain Longevity zwingend zu Longevity. Ein langes Leben allein ist noch kein besonders interessantes Ziel. Wir wollen möglichst lange körperlich leistungsfähig sein, aber ebenso klar denken, lernen, Entscheidungen treffen, emotional flexibel bleiben und selbstbestimmt leben.
Und genau hier wird Neuroplastizität zu einem faszinierenden Thema.
Wir wissen aus der Forschung, dass rTMS neuronale Netzwerke und neuroplastische Prozesse beeinflussen kann. Es gibt inzwischen auch Studien bei milden kognitiven Einschränkungen und Alzheimer-Erkrankungen, in denen Verbesserungen kognitiver Funktionen beobachtet wurden. Neuere Meta-Analysen zeigen hier durchaus positive Signale. Gleichzeitig sind Protokolle und Patientengruppen sehr unterschiedlich, sodass daraus noch kein allgemeiner präventiver Longevity-Effekt abgeleitet werden kann.
Bei gesunden Menschen sind die Daten wesentlich zurückhaltender. Auch hier finden sich Effekte auf bestimmte kognitive Funktionen, sie sind bislang aber eher klein und nicht konsistent genug, um zu behaupten, TMS würde das normale Altern des Gehirns aufhalten.
Ich finde diese Differenzierung wichtig. Wir können heute nicht sagen: EXOMIND verhindert Demenz oder hält das Gehirn jung. Das wäre der Wissenschaft voraus.
Aber wir können sagen: Das Gehirn ist plastisch. Wir können neuronale Netzwerke nicht-invasiv gezielt stimulieren. Und wir beginnen gerade erst zu verstehen, welche Rolle solche Technologien langfristig für Brain Health spielen könnten. Für mich ist das eines der spannendsten Felder innerhalb der Longevity-Medizin überhaupt.
Könnte EXOMIND auch unser Verständnis von ästhetischer Medizin verändern?
Ich glaube, wir müssen zunächst die Frage stellen, was moderne ästhetische Medizin überhaupt sein möchte.
Wenn es ausschließlich darum geht, eine Falte zu reduzieren, dann braucht man EXOMIND natürlich nicht. Aber meine Vorstellung von ästhetischer Medizin war schon immer eine andere.
Wie wir altern, zeigt sich nicht nur an unserer Haut. Es zeigt sich in unserer Muskelkraft, unserer Haltung, unserem Stoffwechsel, unserer Energie, unserer Mimik und ganz wesentlich in unserem Gehirn. Wie fokussiert bin ich? Wie gut kann ich mit Stress umgehen? Wie flexibel kann ich auf Veränderungen reagieren? Wie sehr habe ich das Gefühl, mein eigenes Leben aktiv gestalten zu können?
Deshalb sehe ich EXOMIND nicht als klassische ästhetische Behandlung. Ich sehe es als Brücke zwischen Ästhetik, regenerativer Medizin und Longevity.
Wir haben uns in der ästhetischen Medizin sehr lange mit dem beschäftigt, was man von außen sieht. Jetzt beginnen wir zunehmend, die Systeme dahinter zu verstehen. Hautalterung steht nicht isoliert da. Muskelalterung steht nicht isoliert da. Und auch mentale Gesundheit und körperliche Gesundheit lassen sich nicht voneinander trennen.
Für mich ist das die Entwicklung, die vor uns liegt: nicht nur länger jung auszusehen, sondern möglichst lange gut zu funktionieren, klar zu denken, resilient zu bleiben und sich im eigenen Leben wohlzufühlen, also besser zu altern. Genau dort beginnt die nächste Generation der ästhetischen Medizin. Und dabei spielt das Gehirn eine zentrale Rolle.

Weniger Stress, bessere Konzentration, mehr Gelassenheit: EXOMIND soll mithilfe magnetischer Impulse die mentale Stärke fördern. Dr. med. Neda Nabavi erklärt, wie die innovative Behandlung funktioniert, welche Veränderungen sie bei ihren Patienten beobachtet und warum die Gehirngesundheit für sie ein zentraler Bestandteil von Longevity ist
Christine Bürg & Marianne Waldenfels

Ein Interview mit
Dr. med. Neda Nabavi

Zucker weglassen, Kohlenhydrate reduzieren, bestimmte Lebensmittel meiden: Rund um Ernährung und Krebs kursieren viele Regeln. Onkologin Dr. Gesche Brannolte-Raab erklärt, was davon stimmt – und was sie ihren Patienten wirklich empfiehlt.
Christine Bürg & Marianne Waldenfels

Ein Interview mit
Dr. med. Gesche Brannolte-Raab