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13. September 2026
Christine Bürg & Marianne Waldenfels
Starker Gewichtsverlust verändert den Körper – und nicht immer kann die Haut mithalten. Plastischer Chirurg Dr. Alexander de Heinrich erklärt, wann Body Contouring sinnvoll sein kann, warum Funktion und Ästhetik für ihn zusammengehören – und weshalb er von manchen Eingriffen bewusst abrät.

Ein Interview mit
Dr. Alexander de Heinrich
Abnehmspritzen wie Ozempic und Wegovy ermöglichen vielen Menschen einen starken Gewichtsverlust. Doch während die Kilos verschwinden, kann überschüssige Haut zurückbleiben – an Bauch, Armen oder Oberschenkeln, aber auch an Brust und Gesicht. Für den plastischen Chirurgen Dr. Alexander de Heinrich ist das längst ein Thema in der Praxis.
Der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie hat sich unter anderem auf Body Contouring spezialisiert. Dabei geht es ihm nicht um möglichst große Veränderungen, sondern darum, Proportionen wiederherzustellen. Im Interview erklärt er, was nach starkem Gewichtsverlust möglich ist, warum Funktion und Ästhetik für ihn zusammengehören – und wann ein ehrliches Nein die beste Empfehlung sein kann.
Dr. de Heinrich, Sie nehmen sich am Anfang viel Zeit für Ihre Patientinnen und Patienten, weil Ihnen wichtig ist zu verstehen, was hinter dem Wunsch nach einer Veränderung steht. Was sind die häufigsten Gründe?
Ich glaube, die wenigsten Menschen kommen zu mir, weil sie plötzlich schöner werden wollen. Die meisten kommen, weil sich irgendetwas nicht richtig anfühlt. Weil sich nach einer Schwangerschaft etwas verändert hat, nach einem starken Gewichtsverlust die Haut oft nicht mehr zur neuen Figur passt oder das Gesicht einfach müder wirkt, als man sich eigentlich fühlt.
Es geht also weniger um Perfektion als vielmehr darum, dass das äußere Erscheinungsbild wieder mit dem eigenen Körpergefühl übereinstimmt. Deshalb interessiert mich im Erstgespräch zunächst gar nicht die Operation an sich. Mich interessiert eher die Geschichte dahinter: Warum gerade jetzt? Was stört Sie wirklich? Wie lange beschäftigt Sie das schon? Und vor allem: Was erwarten Sie von einer Veränderung?
Erst wenn ich das verstanden habe, können wir gemeinsam entscheiden, ob eine Operation überhaupt der richtige Weg ist. Die Operation ist dann eigentlich der kleinere Teil meiner Arbeit.
Was sind die häufigsten Wünsche, mit denen Menschen zu Ihnen kommen?
Interessanterweise wünschen sich die wenigsten Patientinnen und Patienten eine möglichst große Veränderung. Die meisten wünschen sich, einfach wieder so auszusehen, wie sie sich fühlen.
Nach einem starken Gewichtsverlust stört zum Beispiel die überschüssige Haut, obwohl das eigentliche Ziel ja schon erreicht ist. Oder nach einer Schwangerschaft und Stillzeit geht es oft darum, dass Bauch und Brust nicht mehr so zusammenpassen. Oder im Gesicht: „Ich sehe ständig müde aus, obwohl ich mich eigentlich fit fühle.“ Solche Sätze höre ich oft.
Natürlich kommen die Menschen mit konkreten Anliegen wie einer Bauchdeckenstraffung, einer Bruststraffung oder einer Augenlidstraffung. Aber hinter diesem Wunsch steckt meistens derselbe Gedanke: Sie möchten sich einfach wieder stimmig fühlen und sich im eigenen Körper wiedererkennen.
Durch Abnehmspritzen wie Ozempic und Co. verlieren immer mehr Menschen stark an Gewicht. Verändert das auch Ihr Fachgebiet?
Ja, sehr. Allerdings wahrscheinlich nicht so, wie viele denken. Zunächst einmal finde ich es positiv, wenn Menschen dadurch gesundheitlich profitieren und nachhaltig an Gewicht verlieren. Das ist ein wirklich großer medizinischer Fortschritt.
Was wir anschließend häufig sehen, sind aber die Folgen des schnellen Gewichtsverlustes. Die Haut kann sich vor allem ab einem gewissen Alter oder nach größerer Gewichtsabnahme nicht vollständig zurückbilden. Das betrifft den Bauch, die Schamregion, die Oberarme, die Oberschenkel, manchmal auch die Brust oder das Gesicht.
Ich sehe deshalb Menschen, die ihr eigentliches Ziel schon erreicht haben. Sie haben das Gewicht verloren, fühlen sich gesundheitlich besser. Und trotzdem erinnert die überschüssige Haut sie täglich an ihr früheres Gewicht oder stört sie auch tatsächlich funktionell.
Genau da kommen wir als plastische Chirurgen ins Spiel. Es geht nicht darum, weiter Gewicht zu reduzieren, sondern den Körper an die neue Situation anzupassen. Das kann eine Bauchdeckenstraffung sein, Body Contouring, eine Bruststraffung oder im Gesicht manchmal auch Eigenfett oder ein Facelift, wenn durch Volumenverlust die Konturen eingefallen sind.
Wichtig ist aber eines: Ich operiere niemanden unmittelbar nach einer Gewichtsabnahme. Das Gewicht sollte stabil sein, idealerweise über mehrere Monate. Erst dann können wir sinnvoll planen und über ein dauerhaft gutes Ergebnis sprechen.
Ich vollende nicht den Gewichtsverlust. Ich helfe dabei, dass der Körper zu dem neuen Gewicht passt.
Was machen Sie, wenn die Erwartungen überzogen sind oder Sie finden, dass eine gewünschte Veränderung nicht zum Gesamtbild passt?
Das kommt schon vor. Und ich sehe das nicht als Problem, sondern als Teil meiner Verantwortung. Ich bin nicht dafür da, jeden Wunsch umzusetzen. Ich bin dafür da, gemeinsam mit meinen Patientinnen und Patienten herauszufinden, welcher Eingriff sinnvoll ist und welches Ergebnis langfristig zu ihnen passt.
Manchmal wünschen sich Menschen eine Veränderung, die anatomisch nicht sinnvoll ist oder ihre natürlichen Proportionen verändern würde. In solchen Fällen erkläre ich sehr offen, warum ich diesen Weg nicht empfehlen würde und welche Alternativen aus meiner Sicht besser wären. Manchmal komme ich auch zu dem Schluss, dass eine Operation gar nicht die richtige Lösung ist. Das gehört für mich genauso zu einer guten Beratung wie die Planung des Eingriffs an sich.
Ich glaube sogar, dass ein ehrliches Nein manchmal die wertvollste Empfehlung sein kann, die ein plastischer Chirurg geben kann. Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst viel zu operieren, sondern darum, das Richtige zu machen. Man könnte sagen: Ich werde nicht dafür bezahlt, möglichst viele Operationen durchzuführen. Ich werde dafür bezahlt, die richtige Entscheidung zu treffen.
Ihr Spezialgebiet ist Body Contouring. Was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff – und ist das nicht das Gleiche wie ein Mommy Makeover?
Viele Menschen denken, dass Body Contouring mit einer Fettabsaugung gleichzusetzen ist. Aber Body Contouring bedeutet nicht, möglichst viel Fett zu entfernen. Body Contouring bedeutet, Proportionen wiederherzustellen.
Für mich bedeutet Body Contouring, den Körper als Ganzes zu betrachten: Wie wirken Oberschenkel, Bauch, Taille, Hüfte und Brust zusammen? Wo fehlt Volumen? Wo ist zu viel Gewebe vorhanden? Wie entsteht am Ende wieder ein harmonisches Gleichgewicht oder Gesamtbild?
Deshalb gehören zum Body Contouring nicht nur Fettabsaugungen, sondern zum Beispiel auch Bauchdeckenstraffungen, die Korrektur einer Rektusdiastase, Eigenfetttransplantationen oder Hautstraffungen – etwa nach einer Schwangerschaft oder einem größeren Gewichtsverlust.
Ein Mommy Makeover ist wiederum eine besondere Form des Body Contourings. Es richtet sich speziell an Frauen nach Schwangerschaft und Stillzeit und kombiniert je nach Ausgangssituation Eingriffe an Bauch, Brust und Körperkontur.
Der entscheidende Unterschied ist also der Anlass. Beim Mommy Makeover stehen die körperlichen Veränderungen nach Schwangerschaft und Stillzeit im Mittelpunkt. Body Contouring ist der übergeordnete Begriff und umfasst viele unterschiedliche Situationen.
Ich forme keine einzelnen Körperregionen. Ich forme die Silhouette.
Fettabsaugung, Bauchdecken- oder Bruststraffung - welcher dieser Eingriffe ist am unkompliziertesten?
Das ist ein bisschen so, als würde man einen Architekten fragen: Welches Zimmer eines Hauses ist am einfachsten zu bauen? Entscheidend ist nicht das einzelne Zimmer. Entscheidend ist, dass am Ende das ganze Haus funktioniert. Genauso denke ich auch über den Körper.
Ich behandle keine einzelnen Körperregionen. Ich versuche, Proportionen und Harmonie wiederherzustellen. Deshalb lässt sich die Frage nicht ganz so einfach beantworten. Eine Fettabsaugung ist technisch etwas völlig anderes als eine Bauchdeckenstraffung oder eine Bruststraffung. Jeder Eingriff hat seine eigene Herausforderung.
Viel wichtiger ist aber die Frage: Welcher Eingriff ist für diesen Menschen der richtige? Eine vermeintlich kleine Operation kann unpassend sein und eine größere genau die richtige Lösung. Deshalb denke ich nicht in Kategorien wie einfach oder schwierig, sondern richte mich nach der richtigen Indikation.
Wann kombinieren Sie die Methoden miteinander?
Immer dann, wenn das Gesamtergebnis davon profitiert. Ein gutes Beispiel ist das genannte Mommy Makeover. Wenn sich nach einer Schwangerschaft sowohl Bauch als auch Brust verändert haben, wäre es oft unlogisch, nur eine Region zu behandeln. Der Körper wird ja als Ganzes wahrgenommen, und deshalb planen wir häufig auch als Ganzes.
Gleichzeitig kombiniere ich nicht, um des Kombinierens willen. Jede zusätzliche Maßnahme verlängert auch die Operation und die Erholung. Deshalb muss jede Kombination natürlich medizinisch sinnvoll sein.
Was passiert, wenn eine Frau nach einer Bauchdeckenstraffung oder einem Mommy Makeover noch einmal schwanger wird?
Eine OP hält das Leben nicht an! Und das soll ja auch nicht das Ziel sein. Wenn eine Frau danach noch einmal schwanger wird, verändert sich natürlich wieder der Körper.
Deshalb frage ich im Erstgespräch auch immer explizit nach der Familienplanung: Ist diese abgeschlossen? Es sollte außerdem eine gewisse Zeit seit der letzten Geburt und der Stillzeit vergangen sein. Idealerweise führen wir solche Eingriffe erst durch, wenn das abgeschlossen ist. Nach einem Gewichtsverlust sollte das Gewicht über mehrere Monate stabil gehalten werden.
Sollte es dennoch später zu einer Schwangerschaft kommen, ist das medizinisch gesehen in der Regel kein Problem. Das Ergebnis kann sich wieder verändern. Genauso ist es auch mit dem Älterwerden. Wir können den natürlichen Alterungsprozess ja nicht stoppen. Das wollen wir auch nicht. Aber wir können ihn zumindest zum Teil auf ein neues Ausgangsniveau zurücksetzen. Danach altert der Körper ganz normal weiter.
Das erkläre ich meinen Patientinnen und Patienten auch ganz offen. Ich verspreche keine Ergebnisse für die Ewigkeit. Ich verspreche ein Ergebnis, das langfristig trägt und natürlich mit altert. In manchen Fällen können spätere Korrekturen sinnvoll sein. Aber das ist eher die Ausnahme als die Regel.
Komplizierter kann es werden, wenn eine sogenannte Rektusdiastase vorliegt. Was genau versteht man darunter und was können Sie dagegen tun?
Eine Rektusdiastase ist zunächst einmal kein Problem der Haut, sondern der Bauchwand. Während einer Schwangerschaft zum Beispiel weichen die geraden Bauchmuskeln auseinander, damit das Kind Platz hat. Bei vielen Frauen bildet sich dieser Spalt danach auch wieder zurück. Bei manchen bleibt er aber bestehen, vor allem nach mehrfachen Schwangerschaften. Dasselbe gilt übrigens auch für eine starke Gewichtszunahme.
Im Endeffekt führt das dazu, dass die Bauchwand an Stabilität verliert. Viele Patientinnen berichten dann über ein Gefühl fehlender Körperspannung, Schwierigkeiten bei körperlicher Belastung oder Rückenschmerzen. Manche leiden zusätzlich unter Beckenbodenbeschwerden. Wichtig ist aber: Nicht jede Rektusdiastase verursacht auch Beschwerden. Deshalb beurteilen wir immer die individuelle Situation.
Genau deshalb sehe ich eine Bauchdeckenstraffung nicht nur als ästhetischen Eingriff. Wenn eine Rektusdiastase vorliegt, geht es wirklich auch darum, die Bauchwand wieder zu stabilisieren. Ich verschließe den Spalt zwischen den geraden Bauchmuskeln und stelle damit die Funktion der Bauchwand wieder her. Erst danach kümmern wir uns um den überschüssigen Hautmantel und die Kontur.
Das beschreibt auch sehr gut meine Philosophie: Funktion und Ästhetik sind keine Gegensätze. Sie bedingen einander. Wenn die Wand wieder stabil ist und die Körperkontur gleichzeitig harmonischer wird, profitieren viele Patientinnen auf mehreren Ebenen – funktionell und ästhetisch.
Man könnte sagen: Die schönste Bauchdecke nützt wenig, wenn die Bauchwand darunter instabil ist.
Kommen überwiegend Frauen zu Ihnen oder auch Männer?
Der überwiegende Teil meiner Patientinnen sind zwar Frauen, aber der Anteil männlicher Patienten nimmt seit Jahren stetig zu. Interessant ist dabei, dass sich Männer und Frauen oft weniger in den Wünschen unterscheiden als in der Art, wie sie darüber sprechen.
Frauen kommen häufig mit einer sehr konkreten Vorstellung. Sie beschäftigen sich schon lange mit dem Thema, haben gegoogelt, KI befragt und wissen ziemlich genau, was sie stört. Männer beschreiben meist weniger den Eingriff als das Problem.
Sie sagen zum Beispiel: „Ich sehe ständig müde aus“ oder „Ich wirke älter, als ich mich fühle.“ Oder sie stört ihre Brust, eine Gynäkomastie oder hartnäckige Fettdepots trotz Sport und gesunder Ernährung.
Gemeinsam haben beide aber etwas ganz Entscheidendes: Kaum jemand möchte operiert aussehen. Sowohl Männer als auch Frauen wünschen sich Ergebnisse, die natürlich wirken und zunehmend zu ihrer Persönlichkeit passen. Ich glaube, da werden sich die Menschen insgesamt gerade bewusster.
Gerade bei Männern ist Zurückhaltung besonders wichtig. Eine Lidstraffung oder ein Facelift darf prinzipiell den Gesichtsausdruck nicht verändern. Das Ziel ist dann oft, nicht jünger auszusehen, sondern eher frischer und ausgeruhter – ohne dass jemand erkennt, warum.
Der größte Unterschied ist also wahrscheinlich: Frauen sprechen häufiger über Schönheit, Männer häufiger über die Funktion. Am Ende wünschen sich aber beide dasselbe. Sie möchten, dass ihr äußeres Erscheinungsbild wieder zu ihrem eigenen Gefühl passt.
Was ist wichtig, um ein dauerhaftes Ergebnis zu erzielen? Braucht es dafür auch ein stabiles Gewicht, Bewegung und eine ausgewogene Ernährung?
Absolut. Ich sage meinen Patientinnen und Patienten oft: Die Operation ist nur ein Teil der Reise oder des Ergebnisses, den anderen Teil bestimmen sie selbst, sowohl im Vorfeld als auch danach.
Ein dauerhaft gutes Ergebnis entsteht nicht allein durch meine Arbeit, sondern hängt auch davon ab, wie wir mit unserem Körper umgehen. Ein stabiles Gewicht, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung haben einen großen Einfluss. Besonders in der Wundheilung spielt auch der Verzicht auf Nikotin eine wichtige Rolle für die Heilung und das Langzeitergebnis.
Das bedeutet aber nicht, dass jeder perfekt leben muss. Es geht nicht um Verbote oder Ideale. Es geht eher darum, den eigenen Körper so gut zu behandeln, wie wir ihn während der Operation behandeln.
Ich spreche deshalb vor dem Eingriff offen mit meinen Patientinnen und Patienten über ihre Lebensgewohnheiten. Nicht, um sie zu belehren, sondern weil ich möchte, dass sie viele Jahre Freude an dem Ergebnis haben.
Am Ende ist die Operation kein Ersatz für einen gesunden Lebensstil. Sie kann ihn sinnvoll ergänzen. Und wenn beides zusammenkommt, entstehen die besten und dauerhaftesten Ergebnisse.

Starker Gewichtsverlust verändert den Körper – und nicht immer kann die Haut mithalten. Plastischer Chirurg Dr. Alexander de Heinrich erklärt, wann Body Contouring sinnvoll sein kann, warum Funktion und Ästhetik für ihn zusammengehören – und weshalb er von manchen Eingriffen bewusst abrät.
Christine Bürg & Marianne Waldenfels

Ein Interview mit
Dr. Alexander de Heinrich

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Christine Bürg & Marianne Waldenfels

Mit
Dr. med. Daniel Kaminski