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27. Februar 2026
Christine Bürg
Rotwein, Kaffee, Kurkuma – was verfärbt Zähne am stärksten? Zahnarzt Dr. Christoph Wenninger erklärt, welche Lebensmittel Zähne verfärben, wann Bleaching sinnvoll ist und worauf man beim Whitening achten sollte

Ein Interview mit
Dr. Christoph Wenninger
Strahlend weiße Zähne gelten als Schönheitsideal – und doch kämpfen viele Menschen mit hartnäckigen Verfärbungen. Dabei liegt es nicht immer nur am Kaffee am Morgen oder dem Glas Rotwein am Abend. Entscheidend ist oft etwas, das man weder sieht noch spürt: die Beschaffenheit des Zahnschmelzes.
Zahnarzt Dr. Christoph Wenninger erklärt im Interview, welche Lebensmittel und Getränke Zähne wirklich verfärben, warum Whitening-Produkte aus der Drogerie riskant sein können – und was professionelles Bleaching leisten kann (und was nicht).
Welche fünf Dinge, sollte man nicht essen oder trinken, wenn man weiße Zähne haben möchte?
Alles, was von Natur aus starke Verfärbungen verursacht – also z.B. der übermäßige Konsum von Rotwein, Kaffee und Tee. Wie stark die Zähne verfärbt werden, hängt– unabhängig davon, was man konsumiert – immer auch von der Zahnoberfläche ab und ist individuell verschieden.
Bei einem raueren Zahnschmelz bleiben eher Rückstände hängen als bei einem weicheren oder glatteren Zahnschmelz. Wie der Zahnschmelz beschaffen ist, hat auch etwas mit dem Alter zu tun: Im Laufe der Jahre wird er brüchiger, ist nicht mehr so resistent und Verfärbungen werden schneller eingelagert.
Verfärben sich die Zähne nur dann, wenn ich viel von Tee, Rotwein & Co. trinke?
Das kann man nicht so pauschal sagen. Der eine trinkt viel Kaffee und trotzdem verfärben sich die Zähne kaum; ein anderer trinkt wenig, hat aber den gleichen Verfärbungsgrad. Entscheidend ist immer die Schmelz-Oberfläche. Außerdem hängt es davon ab wie oft man zur Prophylaxe geht, wie die Schmelz-Struktur gepflegt wird – zu Hause, in der Praxis. Auch davon, welche Hilfsmittel man verwendet…
Zurück zu den Lebensmitteln. Sie haben gesagt, alles, was stark abfärbt, verfärbt auch die Zähne – also auch bestimmte Gewürze wie Kurkuma, Obst- und Gemüsesorten?
Ja, auch. Aber längst nicht in dem Maße wie bei den Getränken. Wir sehen es nur bei starken Tee- und Rotweintrinkern. Selbst Rauchen wirkt sich mal stärker und mal schwächer auf die Zahnfarbe aus – je nach Oberflächenbeschaffenheit des Schmelzes.
Und was können Menschen mit einer eher rauen Oberfläche tun, um Verfärbungen zu vermeiden?
Man kann die Oberfläche durch eine Politur glätten – das hilft zumindest ein wenig. Außerdem sollte man eine Zahnpasta verwenden, die die Oberfläche nicht zu sehr anraut. Da gibt es ja unterschiedliche Abrasionsgrade in den Zahnpasten. Es gibt aggressivere und weniger aggressive.
Das sollte auf den Schmelz abgestimmt werden. Durch die Abrasion wird das Verfärben noch verschlimmert, sprich: Bei einer rauen Oberfläche brauche ich eine Zahnpasta, die schwächer abschleift. Wer sich bei der Wahl der Zahnpasta nicht sicher ist, sollte den Zahnarzt bzw. den Dental Alchemist (Zahnhygieniker) fragen.
Was sagen Sie zu frei verkäuflichen Whitening-Produkten aus dem Drogeriemarkt?
Davon würde ich abraten. Der Schmelz kann angegriffen werden, es kann zu Überempfindlichkeit kommen (z.B. auf Säuren) und somit zu Schmerzen. Auch Entzündungen sind möglich.
Das heißt, wenn bleachen, dann beim Zahnarzt. Wie können Sie den Weißheitsgrad regulieren?
Es kommen ja unterschiedliche Methoden zum Einsatz: Das Home Bleaching mit Schienen oder das In-Office-Bleaching, das wir in der Praxis mit einem Gel und einer Speziallampe durchführen. Letzteres hat den Vorteil, dass wir es individuell auf die Wünsche der PatientInnen abstimmen können. Wir können z.B. erst einmal sanft anfangen und den Bleaching-Effekt dann steigern.
Kann ein Zahn auch dann empfindlich reagieren, wenn das Bleaching professionell gemacht wird?
Ja, das kann passieren. Es gibt PatientInnen, die danach Schmerzmittel brauchen.
Funktioniert Bleaching für alle? Oder anders gefragt: Bekommen Sie jeden Zahn weiß?
Nein, aber sehr viele. Je nach Schmelzstruktur, Zahnstatus, Zahnaufbau kann es Probleme geben, auch bei stark gefüllten Zähnen ist es schwierig. Dann kann man die Areale bleachen, die noch intakt sind und danach die Füllungen austauschen, was aufwendig ist und schwierig, weil man die Farbe entsprechend angleichen muss.
So oder so braucht es eine Weile – durchschnittlich drei Wochen – bis man das End-Resultat erkennen kann. Die Farbe muss sich erst setzen. Wir bestellen die PatientInnen nach ein bis zwei Woche zur Kontrolle ein und bleachen ggfs. nach. Man kann In-Office und Home Bleaching auch kombinieren, also zuerst bei uns, danach zuhause.
Die Schienen fürs Home Bleaching werden individuell angepasst, sitzen also passgenau, so dass nichts vom aggressiven Bleaching-Gel mit dem Zahnfleisch in Berührung kommt. Und das ist eben auch der Vorteil zu den Drogeriemarktprodukten.
Bedeutet einmal bleachen, immer bleachen?
Wenn man das Ergebnis halten möchte, ja. Dann muss es regelmäßig aufgefrischt werden. Beim manchen hält es ein, bei anderen zwei Jahre. Wer die angepassten Schienen hat, kann in ein, zwei Nächten auffrischen. Man füllt das Gel ein und setzt die Schienen über Nacht ein.
Sobald man morgens die Zähne geputzt hat, sieht man den Effekt. Wenn der noch zu gering ist, setzt man die Schienen eine dritte Nach ein. Meist startet man mit einer geringeren Bleaching-Konzentration von zehn Prozent und steigert ggfs. auf 16 %.
Welche Lebensmittel verfärben Zähne am stärksten? Vor allem Getränke wie Rotwein, Kaffee und Tee hinterlassen Spuren. Aber auch Gewürze wie Kurkuma sowie bestimmtes Obst und Gemüse können Verfärbungen verursachen – allerdings in deutlich geringerem Ausmaß.
Warum verfärben sich manche Zähne schneller als andere? Die Beschaffenheit des Zahnschmelzes spielt die entscheidende Rolle. Bei einer rauen Oberfläche lagern sich Farbpigmente leichter ein als bei einem glatten Schmelz. Auch das Alter beeinflusst dies: Mit den Jahren wird der Schmelz brüchiger und weniger resistent.
Sind Whitening-Produkte aus der Drogerie empfehlenswert? Nein. Sie können den Zahnschmelz angreifen, Überempfindlichkeiten auslösen und im schlimmsten Fall Entzündungen verursachen. Bleaching sollte immer beim Zahnarzt durchgeführt werden.
Wie lange hält professionelles Zahnbleaching? Das ist individuell unterschiedlich – bei manchen ein Jahr, bei anderen zwei. Mit individuell angepassten Bleaching-Schienen lässt sich das Ergebnis aber unkompliziert auffrischen.
Kann Bleaching für jeden gemacht werden? Nicht immer. Bei stark gefüllten Zähnen oder bestimmten Schmelzstrukturen kann Bleaching an seine Grenzen stoßen. Eine individuelle Beratung beim Zahnarzt klärt, was möglich ist