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17. März 2026
Marianne Waldenfels
Eine Wurzelbehandlung verbessert nicht nur den Zahn – sie kann auch Blutzucker, Blutfette und Entzündungsmarker positiv beeinflussen. Was eine neue Studie zeigt.
Eine Wurzelbehandlung gilt gemeinhin als letzte Rettung für einen stark entzündeten Zahn. Neue Forschungsergebnisse aus London deuten jedoch darauf hin, dass der Eingriff weit mehr bewirken könnte – nämlich messbare Verbesserungen wichtiger Stoffwechsel‑ und Herz‑Kreislauf‑Marker im ganzen Körper.
Forschende des King’s College London haben untersucht, wie sich die Behandlung einer sogenannten apikalen Parodontitis – einer Entzündung an der Wurzelspitze – auf den gesamten Organismus auswirkt. Im Zentrum stand die Frage, ob die erfolgreiche Beseitigung der Infektion nicht nur den betroffenen Zahn, sondern auch systemische Entzündungsprozesse beeinflusst.
Hintergrund: Entzündungen im Mund sind oft kein rein lokales Problem. Bakterien und Entzündungsmediatoren aus dem infizierten Gewebe können in die Blutbahn gelangen und dort Prozesse in verschiedenen Organsystemen mitsteuern. Chronische Entzündungen gelten wiederum als wichtiger Risikofaktor für Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen und Stoffwechselstörungen wie Diabetes.
Für die aktuelle Studie wurden 65 Patientinnen und Patienten mit apikaler Parodontitis über einen Zeitraum von zwei Jahren nach ihrer Wurzelbehandlung beobachtet. In regelmäßigen Abständen wurden Blutproben entnommen und verschiedene Laborwerte analysiert, die mit Herz‑Kreislauf‑Gesundheit und Stoffwechsel in Verbindung stehen.
Die Forschenden konzentrierten sich unter anderem auf:
Die Auswertungen zeigen: Nach erfolgreicher Behandlung der Zahnwurzelentzündung verbesserten sich bei vielen Teilnehmenden mehrere dieser Laborwerte.
Beobachtet wurden unter anderem:
Die Ergebnisse legen nahe, dass die Behandlung einer chronischen Zahnwurzelentzündung nicht nur Schmerzen reduziert und den Zahn erhält, sondern auch systemische Effekte auf Entzündung, Zucker‑ und Fettstoffwechsel haben kann.
Die Vermutung, dass Mundgesundheit und allgemeine Gesundheit eng zusammenhängen, ist nicht neu. Chronische Entzündungen in der Mundhöhle – etwa durch Parodontitis – werden schon länger mit Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen, Diabetes und anderen systemischen Erkrankungen in Verbindung gebracht.
Die neue Studie liefert nun konkretere Hinweise darauf, wie stark dieser Zusammenhang bei Zahnwurzelentzündungen sein könnte. Die im Wurzelkanal sitzenden Bakterien und die von ihnen ausgelösten Entzündungsprozesse scheinen demnach:
Wird die Infektion nachhaltig beseitigt, kann sich der Körper offenbar nicht nur lokal im Zahn, sondern auch im Blutbild erholen.
Für die Praxis könnten bestimmte Blutmarker künftig eine größere Rolle spielen. Werte wie Glukose, Triglyceride oder ausgewählte Stoffwechselprodukte (etwa Aminosäuren wie Tryptophan) könnten helfen zu beurteilen, wie sich eine Wurzelbehandlung auf den allgemeinen Gesundheitszustand auswirkt.
Die Studienautor:innen betonen, dass die Ergebnisse vor allem eines zeigen: Zahnmedizin und Allgemeinmedizin sollten stärker zusammenarbeiten. Zahnärztinnen, Zahnärzte und Hausärzt:innen können gemeinsam dazu beitragen, entzündliche Risiken frühzeitig zu erkennen, zu therapieren und in ein ganzheitliches Behandlungskonzept einzubetten.
So vielversprechend die Daten sind, sie sollten nicht überinterpretiert werden:
Trotzdem verdeutlichen die Ergebnisse, wie wichtig es ist, Zahnwurzelentzündungen ernst zu nehmen und nicht aufzuschieben – sowohl aus zahnmedizinischer als auch aus allgemeinmedizinischer Sicht.
Ein entzündeter Zahn ist kein isoliertes Problem im Mund. Wird eine Zahnwurzelentzündung konsequent behandelt, profitiert nicht nur der betroffene Zahn: Auch Entzündungsmarker, Blutzucker‑ und Blutfettwerte können sich verbessern – und damit möglicherweise das Risiko für Herz‑Kreislauf‑ und Stoffwechselerkrankungen.
Oder anders gesagt: Der Weg zu besserer Gesundheit führt manchmal tatsächlich über den Zahnarztstuhl – allerdings eingebettet in einen insgesamt gesunden Lebensstil und eine gute medizinische Betreuung.
Ja. Bakterien aus dem infizierten Gewebe können in die Blutbahn gelangen und systemische Entzündungsprozesse auslösen, die mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung stehen. Eine konsequente Behandlung kann diese Belastung reduzieren.
Laut einer Studie des King's College London verbesserten sich bei vielen Patienten Blutzucker-Parameter nach erfolgreicher Behandlung – ein möglicher Hinweis auf eine Entlastung des Zuckerstoffwechsels durch den Rückgang der chronischen Entzündung.
Chronische Entzündungen in der Mundhöhle – etwa durch Parodontitis oder apikale Parodontitis – können Entzündungsmarker im Blut erhöhen und so das Risiko für Herzerkrankungen, Diabetes und andere systemische Erkrankungen steigern.
Ja. Auch eine schmerzlose Zahnwurzelentzündung kann stille chronische Entzündungsprozesse im Körper unterhalten. Zahnärzte und Hausärzte empfehlen daher, solche Befunde nicht aufzuschieben.