
© Skyler Ewing
10. Juni 2026
Marianne Waldenfels
Ein Löffel Olivenöl am Morgen soll Verdauung, Stoffwechsel und Herz unterstützen. Was wissenschaftlich belegt ist – und wo die Datenlage dünn wird
Ein Löffel Olivenöl direkt nach dem Aufstehen – für viele Menschen im Mittelmeerraum gehört das seit Jahrzehnten zur täglichen Routine. Inzwischen taucht der Trend auch immer häufiger in Podcasts, Fitnessmagazinen und sozialen Medien auf. Selbst Fußballprofi Thomas Müller erzählte, dass er morgens gerne mal Walnüsse und ein paar Schlücke Olivenöl frühstücke.
Oft ist in diesem Zusammenhang von besserer Verdauung, weniger Entzündungen oder einem „gesünderen Stoffwechsel“ die Rede. Doch was davon ist tatsächlich wissenschaftlich belegt?
Tatsächlich zeigen große Studien: Hochwertiges extra natives Olivenöl kann Herz, Gefäße und Stoffwechsel positiv beeinflussen, vor allem als Bestandteil einer mediterranen Ernährung. Ob die Einnahme auf nüchternen Magen zusätzliche Vorteile bringt, ist dagegen bislang nicht eindeutig nachgewiesen.
Trotzdem kann ein Teelöffel hochwertiges Olivenöl am Morgen eine alltagstaugliche Ergänzung sein, vorausgesetzt, das Öl ist von guter Qualität und wird gut vertragen.
Extra natives Olivenöl (EVOO) besteht überwiegend aus einfach ungesättigten Fettsäuren, vor allem Ölsäure. Daneben enthält es bioaktive Pflanzenstoffe wie Oleuropein und Oleocanthal sowie Vitamin E.

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Vor allem die sogenannten Polyphenole stehen im Fokus der Forschung. Sie werden mit antioxidativen und entzündungshemmenden Effekten in Verbindung gebracht und könnten eine wichtige Rolle für die Gefäßgesundheit spielen.
Wichtig ist allerdings die Qualität: Nur extra natives Olivenöl enthält diese Verbindungen in nennenswertem Umfang. Der Gehalt kann je nach Herkunft, Verarbeitung und Lagerung stark variieren.
Viele hochwertige, polyphenolreiche Öle schmecken leicht bitter oder verursachen ein kratzendes Gefühl im Hals. Genau das gilt oft als Hinweis auf einen hohen Oleocanthal-Gehalt.
Die bekannteste Untersuchung ist die spanische PREDIMED-Studie. Sie untersuchte Menschen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko über mehrere Jahre hinweg.
Das Ergebnis: Teilnehmer mit mediterraner Ernährung plus extra nativem Olivenöl hatten deutlich weniger schwere kardiovaskuläre Ereignisse als die Kontrollgruppe mit fettarmer Ernährung. Die Risikoreduktion lag bei rund 30 Prozent.
Zusätzlich zeigte sich in Analysen der Studie ein geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Mortalität.
Entscheidend dabei: Die positiven Effekte entstanden durch den regelmäßigen Konsum im Rahmen der gesamten Ernährung, nicht durch einen einzelnen „Gesundheits-Shot“ am Morgen.
Polyphenolreiche Olivenöle könnten verschiedene Stoffwechselprozesse positiv beeinflussen.
Studien deuten darauf hin, dass sie:
Besonders interessant ist Oleocanthal, ein natürlicher Pflanzenstoff, der entzündungshemmende Eigenschaften besitzt und deshalb häufig untersucht wird.
Einige Studien fanden zudem Hinweise darauf, dass polyphenolreiche Olivenöle die Blutplättchenaggregation beeinflussen könnten, was wiederum für die Herzgesundheit relevant ist.
Die Deutsche Herzstiftung bestätigt ebenfalls, dass Olivenöl antioxidative, entzündungshemmende und gerinnungshemmende Eigenschaften hat und das Risiko für Herzerkrankungen senken kann.
Allerdings gilt auch hier: Die Datenlage unterstützt vor allem den langfristigen Konsum hochwertiger Olivenöle und nicht unbedingt die spezifische Einnahme auf nüchternen Magen.
Viele Menschen berichten, dass ein kleiner Löffel Olivenöl morgens die Verdauung angenehmer macht. Tatsächlich kann Fett die Ausschüttung von Gallenflüssigkeit anregen und damit die Fettverdauung unterstützen. Dafür reichen oft schon kleine Mengen aus.
Ob Olivenöl dafür unbedingt auf nüchternen Magen eingenommen werden muss, ist wissenschaftlich allerdings nicht geklärt.
Für Aussagen rund um „Detox“, Fettverbrennung oder eine angebliche Darmsanierung durch Olivenöl gibt es bislang keine überzeugende wissenschaftliche Evidenz.
Ein Teelöffel extra natives Olivenöl am Morgen ist kein Wundermittel – aber möglicherweise eine sinnvolle Ergänzung einer insgesamt gesunden Ernährung.
Die wissenschaftliche Evidenz spricht vor allem für den regelmäßigen Konsum hochwertiger, polyphenolreicher Olivenöle im Rahmen der mediterranen Ernährung.
Ob die Einnahme auf nüchternen Magen zusätzliche Vorteile bringt, ist bislang nicht eindeutig belegt.
Wenn Sie Olivenöl morgens gut vertragen und es Ihnen hilft, gesunde Routinen beizubehalten, spricht wenig dagegen. Entscheidend ist am Ende weniger der perfekte Zeitpunkt, sondern die langfristige Ernährungsweise.
Für den Einstieg reicht meist ein Teelöffel. Wer es gut verträgt, kann später auf einen Esslöffel erhöhen.
Nicht unbedingt. Ein klarer wissenschaftlicher Vorteil des nüchternen Konsums ist bislang nicht belegt.
Am besten eignet sich hochwertiges extra natives Olivenöl mit hohem Polyphenolgehalt.
Olivenöl kann gut sättigen und Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein. Wegen der hohen Energiedichte sollte die Menge aber berücksichtigt werden.
Hochwertige Öle schmecken oft leicht bitter oder scharf im Hals. Das kann ein Hinweis auf einen höheren Polyphenolgehalt sein.