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12. Januar 2026
Marianne Waldenfels
JOMO statt FOMO: Die Joy of Missing Out wird zum Wellness-Trend. Wie die Freude am Verpassen die Gesundheit signifikant verbessert
In einer Welt, die uns ständig sagt, wir würden etwas verpassen, entsteht ein revolutionärer Gegentrend: JOMO – die Joy of Missing Out. Was 2026 als DER Wellness-Trend die Lifestyle-Medizin prägt, ist mehr als nur ein Akronym. Es ist eine Lebensphilosophie, die unsere mentale Gesundheit grundlegend transformieren kann.
JOMO steht für "Joy of Missing Out" – die Freude, etwas zu verpassen. Im direkten Gegensatz zur weit verbreiteten FOMO (Fear of Missing Out) beschreibt JOMO den bewussten Entschluss, nicht bei allem dabei sein zu müssen. Es geht darum, das ständige Gefühl loszulassen, immer auf dem neuesten Stand sein, jede Party besuchen oder jeden Social-Media-Trend miterleben zu müssen.
Der Begriff wurde erstmals 2012 von der amerikanischen Bloggerin Anil Dash geprägt, doch erst jetzt erreicht JOMO seinen Durchbruch als anerkanntes Konzept der Lifestyle-Medizin. Was lange als antisozial galt, wird jetzt als gesunde Selbstfürsorge gefeiert.
Aus lifestyle-medizinischer Sicht bietet JOMO messbare Vorteile für unsere psychische und physische Gesundheit:
Beginnen Sie mit kleinen Schritten: Definieren Sie bildschirmfreie Zeiten, etwa während der Mahlzeiten oder die erste Stunde nach dem Aufwachen. Schalten Sie Push-Benachrichtigungen aus und überprüfen Sie Social Media nur zu festgelegten Zeiten.
JOMO bedeutet, selektiv zu sein. Nicht jede Einladung verdient Ihre Energie. Fragen Sie sich: Möchte ich wirklich teilnehmen, oder habe ich nur Angst, etwas zu verpassen? Lernen Sie, ohne Schuldgefühle Nein zu sagen.
Schaffen Sie positive Rituale für Ihre "Me-Time": Meditation, ein langer Spaziergang ohne Smartphone, analog lesen, bewusstes Kochen. Diese Aktivitäten werden zu Ihrer persönlichen Luxuszeit.
Wenn Sie soziale Medien nutzen, tun Sie es bewusst. Entfolgen Sie Accounts, die negative Gefühle oder Vergleichsdrang auslösen. Folgen Sie Inhalten, die Sie inspirieren, nicht frustrieren.
Der Übergang von FOMO zu JOMO markiert einen gesellschaftlichen Wendepunkt. Während FOMO von Mangel und Angst getrieben ist – der Angst, nicht genug zu erleben, nicht dazuzugehören, etwas Wichtiges zu verpassen – entspringt JOMO aus einem Gefühl der Fülle und Selbstbestimmung.
FOMO fragt: "Was verpasse ich gerade?" JOMO antwortet: "Was gewinne ich, wenn ich hierbleibe?"
Diese Verschiebung der Perspektive ist fundamental für unsere mentale Gesundheit. Sie transformiert passives Konsumverhalten in aktive Lebensgestaltung.
2026 ist nicht zufällig das Jahr von JOMO. Nach Jahren der Pandemie-bedingten Isolation, gefolgt von einer Phase der Überkompensation und Hyperaktivität, sehnen sich Menschen nach Balance. Die Gen Z, oft als "always online"-Generation bezeichnet, führt paradoxerweise die JOMO-Bewegung an – erschöpft von der digitalen Dauerstimulation ihrer Jugend.
Zusätzlich wächst das Bewusstsein für mentale Gesundheit stetig. Burnout, Angststörungen und digitale Erschöpfung sind nicht länger Tabuthemen, sondern werden als reale medizinische Herausforderungen anerkannt. JOMO bietet einen praktikablen, selbstbestimmten Ansatz zur Prävention.
Die Arbeitswelt entdeckt JOMO als Produktivitätsfaktor. "Deep Work"-Phasen ohne E-Mail-Checking, Meeting-freie Tage und das bewusste Fernbleiben von unnötigen Konferenzen steigern nicht nur die Zufriedenheit, sondern auch die Leistung.
Freundschaften pflegen heißt nicht, bei jeder Gelegenheit präsent zu sein. JOMO erlaubt uns, Beziehungen zu priorisieren und in weniger, dafür intensivere Begegnungen zu investieren.
Der bewusste Umgang mit Technologie ist vielleicht der wichtigste Aspekt. Von App-Limits über Graustufenmodus bis zum kompletten Verzicht auf bestimmte Plattformen – digitales JOMO gibt uns Kontrolle zurück.
Trotz aller Vorteile ist JOMO eine Übung, die Durchhaltevermögen erfordert. Wir sind soziale Wesen mit einem tief verankerten Bedürfnis nach Zugehörigkeit. FOMO ist eine evolutionär sinnvolle Emotion – früher bedeutete Ausschluss von der Gruppe Lebensgefahr.
In unserer hypervernetzten Welt wird dieser Instinkt jedoch überreizt. Die Herausforderung besteht darin, zwischen echtem sozialem Bedürfnis und künstlich erzeugtem Druck zu unterscheiden.
In der Lifestyle-Medizin betrachten wir Gesundheit ganzheitlich. JOMO ist keine isolierte Technik, sondern Teil eines umfassenden Ansatzes, der Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stressmanagement und soziale Verbindungen einschließt.
JOMO unterstützt alle Säulen der Lifestyle-Medizin: Es schafft Zeit für gesunde Mahlzeiten, fördert Bewegung statt Bildschirmzeit, verbessert den Schlaf, reduziert Stress und vertieft echte soziale Verbindungen.
Möchten Sie JOMO ausprobieren? Starten Sie mit dieser 7-Tage-Challenge:
Tag 1-2: Identifizieren Sie Ihre FOMO-Trigger. Wann fühlen Sie sich am meisten unter Druck, mitzuhalten?
Tag 3-4: Wählen Sie eine Aktivität oder Plattform, auf die Sie bewusst verzichten. Beobachten Sie Ihre Gefühle.
Tag 5-6: Nutzen Sie die gewonnene Zeit für eine achtsame Aktivität, die Ihnen Freude bereitet.
Tag 7: Reflektieren Sie. Wie hat sich der Verzicht angefühlt? Was haben Sie gewonnen?
2026 wird JOMO vom Nischentrend zum Mainstream-Phänomen. Wir werden JOMO-freundliche Workspaces sehen, Hotels mit garantiert Wi-Fi-freien Bereichen und gesellschaftliche Akzeptanz für das bewusste Offlinebleiben.
Technologie-Unternehmen reagieren bereits: Apps, die uns helfen, weniger Zeit in Apps zu verbringen, werden populär. Das mag paradox klingen, zeigt aber den kulturellen Wandel.
JOMO ist mehr als ein Trend – es ist eine notwendige Gegenbewegung zu einer Kultur der ständigen Verfügbarkeit und des permanenten Vergleichs. In der Lifestyle-Medizin erkennen wir JOMO als wirksames Tool zur Förderung mentaler und physischer Gesundheit an.
Die Freude am Verpassen ist letztlich die Freude am bewussten Leben. Es ist die Erkenntnis, dass wahres Wohlbefinden nicht in der Anzahl unserer Erlebnisse liegt, sondern in der Qualität unserer Aufmerksamkeit für das, was wir erleben.
2026 ist das Jahr, in dem wir kollektiv lernen, dass weniger oft mehr ist, dass Stille wertvoller als Lärm sein kann und dass die beste Party manchmal die ist, zu der wir nicht gehen – weil wir genau dort sind, wo wir sein möchten: bei uns selbst.