
© Elly Fairytale
22. August 2026
Christine Bürg & Marianne Waldenfels
Isotretinoin gegen Akne – und für eine schmalere Nase? Auf Social Media wird das Medikament als Beauty-Hack gehypt. Dermatologin Dr. med. Elisabeth Zott erklärt, was Isotretinoin tatsächlich an der Nase verändern kann

Mit
Dr. med. Elisabeth Zott
Auf TikTok und Instagram kursiert ein ungewöhnliches Beauty-Versprechen: Niedrig dosiertes Isotretinoin soll nicht nur gegen unreine Haut helfen, sondern auch die Nase kleiner und schmaler erscheinen lassen. Unter Begriffen wie „Accutane Nose Job“ oder „Isotretinoin Microdosing“ zeigen Nutzerinnen und Nutzer Vorher-nachher-Effekte.
Zusätzlichen Auftrieb bekam die Theorie durch Kendall Jenner. Das Model hatte Spekulationen über eine Nasenoperation zurückgewiesen und dabei auch auf ihre frühere Akne und die Behandlung mit Accutane, dem US-Handelsnamen von Isotretinoin, verwiesen. Seither wird in sozialen Medien umso intensiver darüber diskutiert, ob das Akne-Medikament tatsächlich die Form der Nase verändern kann.
Die kurze Antwort lautet: Einen Nose Job ersetzt Isotretinoin nicht. Ganz falsch ist die Beobachtung hinter dem Trend allerdings auch nicht.
„Die Nase schrumpft dadurch natürlich nicht“, erklärt Dermatologin Dr. med. Elisabeth Zott. Isotretinoin verändert weder Knochen noch Knorpel, also jene Strukturen, die Form und Größe der Nase wesentlich bestimmen.
Was sich verändern kann, ist jedoch die Haut darüber. „Isotretinoin reduziert die Talgproduktion und die Verhornung der Haut. Bei Menschen mit sehr öliger Haut kann bei Einnahme die Nase optisch minimal kleiner erscheinen“, so Zott.
In einer Studie mit 40 Aknepatientinnen und -patienten wurde die Haut an verschiedenen Stellen der Nase per Ultraschall untersucht. Nach vier Monaten Isotretinoin-Therapie hatten Dermis und darunterliegendes Weichteilgewebe an mehreren Messpunkten an Dicke verloren. Die knöcherne oder knorpelige Grundstruktur der Nase verändert sich dadurch jedoch nicht.
Eine aktuelle Übersichtsarbeit zur sogenannten „Accutane rhinoplasty“ untersuchte sowohl die bisherige Studienlage als auch TikTok-Videos, in denen Nutzer von einer kleineren Nase nach Isotretinoin berichteten. Die Autoren fanden Hinweise darauf, dass Isotretinoin die Dicke der Haut reduzieren kann. Als nichtoperative Alternative zu einer Rhinoplastik lässt sich das Medikament daraus jedoch nicht ableiten.
Die Studien liefern damit eine mögliche Erklärung für die Vorher-nachher-Effekte, die in sozialen Medien zu sehen sind. Wie stark diese Veränderungen ausfallen, dürfte allerdings wesentlich vom Hauttyp abhängen.
Isotretinoin gehört zu den Retinoiden und ist seit Jahrzehnten eines der wirksamsten Medikamente gegen schwere Akne. „Es reduziert die Talgproduktion, dadurch erscheinen Poren kleiner und reiner. Außerdem reduziert es die Verhornung, die Haut wirkt feiner und dünner“, erklärt Zott. Hinzu kommt die entzündungshemmende Wirkung.
Besonders sichtbar können diese Veränderungen dort werden, wo viele Talgdrüsen sitzen – und dazu gehört die Nase. „Den besten Effekt werden Menschen mit fettiger Haut sehen“, sagt Zott.
Menschen mit trockener Haut profitieren nach Einschätzung von Dr. Zott nicht von der Behandlung – bei ihnen rät sie selbst von einer Low-Dose-Therapie ab. Der Trend, der Isotretinoin pauschal als Beauty-Tool bewirbt, blendet diese Unterschiede zwischen Hauttypen komplett aus.
Neu ist nicht, dass Dermatologinnen und Dermatologen Isotretinoin auch niedriger dosieren. Neu ist vor allem, dass diese medizinische Strategie in sozialen Medien unter dem Begriff „Microdosing“ zum Beauty-Hack umgedeutet wird.
Zott setzt niedrige Dosierungen nach eigener Aussage schon seit vielen Jahren bei ausgewählten Patientinnen und Patienten ein. „Bei Akne und Rosazea kann nach einer erfolgreichen Therapie oder wenn eine reguläre Dosis nicht vertragen wird, Isotretinoin in kleinen Dosen gut funktionieren. Man muss sie nur länger nehmen und ein bisschen mehr Geduld haben als bei leitliniengerechter Dosierung.“
Isotretinoin hat einen festen Platz in der medizinischen Aknetherapie. Die aktuelle europäische EuroGuiDerm-Leitlinie empfiehlt den Wirkstoff insbesondere bei schweren Formen der Akne.
Eine ärztlich gewählte niedrigere Dosierung ist allerdings nicht dasselbe wie das auf Social Media propagierte „Microdosing“ auf eigene Faust. Wie niedrig dosiert wird und über welchen Zeitraum, hängt vom Hautbild, der Erkrankung und der individuellen Verträglichkeit ab.
Gerade der Begriff „Microdosing“ kann den Eindruck vermitteln, eine sehr kleine Menge des Medikaments sei weitgehend harmlos. Das ist bei Isotretinoin eine problematische Verkürzung.
Eine niedrigere Dosierung kann einige dosisabhängige Nebenwirkungen verringern. Trotzdem bleibt Isotretinoin ein verschreibungspflichtiges Medikament, dessen Einsatz ärztlich begleitet werden muss. Häufig sind trockene Lippen, trockene Haut und Schleimhäute sowie trockene Augen. Auch Veränderungen von Leberwerten und Blutfetten sind möglich.
Besonders wichtig ist die stark fruchtschädigende Wirkung des Wirkstoffs. Während einer Schwangerschaft darf Isotretinoin nicht eingenommen werden; für Patientinnen, die schwanger werden können, gelten deshalb strenge Vorgaben zur Schwangerschaftsverhütung.
Aus einem medizinisch eingesetzten Akne-Medikament wird durch eine kleinere Dosis also kein unkompliziertes Beauty-Produkt. Wer Isotretinoin aufgrund von TikTok-Videos einnehmen möchte, um Poren zu verkleinern oder die Nase schmaler wirken zu lassen, setzt ein potentes Arzneimittel für einen Effekt ein, der weder einem Nose Job entspricht noch als kosmetische Behandlung der Nasenform gedacht ist.
Der Social-Media-Trend beruht damit auf einer interessanten Halbwahrheit: Isotretinoin kann die Haut der Nase verändern und bei manchen Menschen sogar messbar dünner machen. Die Nase selbst „schrumpft“ dadurch aber nicht.

Isotretinoin gegen Akne – und für eine schmalere Nase? Auf Social Media wird das Medikament als Beauty-Hack gehypt. Dermatologin Dr. med. Elisabeth Zott erklärt, was Isotretinoin tatsächlich an der Nase verändern kann
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