
© Karolina Grabowska
1. Juni 2026
Sophie Rodewyk
Von Solarium bis Skincare-Trends: Dermatologin Dr. Hanna Halter erklärt die häufigsten Fehler in der Hautpflege

Ein Interview mit
Dr. med. Hanna M. D. Halter
TikTok-Hautpflege, DIY-Akne-Tipps und vermeintliche Wundercremes: Noch nie war es so einfach, an Beauty- und Skincare-Ratschläge zu kommen und gleichzeitig so schwer, seriöse Informationen von gefährlichen Trends zu unterscheiden.
Viele Tipps in sozialen Medien klingen harmlos, können der Haut langfristig jedoch erheblich schaden. Umso wichtiger ist es, auf echte medizinische Expertise zu setzen.
Wir haben deshalb mit Dermatologin Dr. med. Hanna M.D. Halter gesprochen. Sie erklärt die fünf größten Hautpflege-Fehler, die sie in ihrer Praxis immer wieder sieht – und warum man sie unbedingt vermeiden sollte.
Mittlerweile sollte jede:r wissen: UV-Strahlen, besonders im Solarium, sind die wichtigste vermeidbare Ursache für Hautkrebs, einschließlich Melanom und hellem Hautkrebs. UVA- und UVB-Strahlen schädigen das Kollagen in der Haut dauerhaft, was zu frühzeitiger Hautalterung, Falten, Pigmentstörungen und aktinischen Keratosen führt.
Besonders gefährlich ist hierbei, dass sich UV-Schäden über das Leben hinweg summieren, und schon „unbemerkte“ Alltagsstrahlung (wie durch Fenster) dazu beiträgt.
Als Dermatologin empfehle ich das tägliche Auftragen eines Breitband-Sonnenschutzes mit mindestens LSF 30 – auch an bewölkten Tagen. Solariumbesuche vervielfachen das persönliche Hautkrebsrisiko und führen sehr schnell zu irreparablen Lichtschäden, weshalb ich grundsätzlich davon abraten würde.
Viele Menschen glauben, Pickel verschwinden schneller, wenn man sie ausdrückt. Tatsächlich passiert häufig das Gegenteil. Unsachgemäßes Drücken verschlimmert Entzündungen oft erheblich.
Durch das Herumdrücken können:
Besonders problematisch ist das sogenannte „Gefahrendreieck“ im Gesicht – also der Bereich zwischen Nase und Oberlippe. Dort können sich Infektionen im schlimmsten Fall weiter ausbreiten.
Statt selbst Hand anzulegen, empfehle ich professionelle Aknetherapien sowie bewährte Wirkstoffe wie Benzoylperoxid oder Adapalen.
Tattoos und Piercings sind längst Mainstream, doch viele unterschätzen die gesundheitlichen Risiken schlechter Studios.
Fehlende Hygiene oder minderwertige Materialien können schwere Folgen haben:
Besonders kritisch sind billige oder nicht zugelassene Farbpigmente. Sie können starke Hautreaktionen auslösen und in seltenen Fällen sogar gefährliche Zellveränderungen begünstigen.
Worauf man achten sollte:
Rasche Veränderungen von Muttermalen oder anderen Hautläsionen können frühe Zeichen eines malignen Melanoms sein, aber auch für andere aggressive Hautkrebsarten sprechen.
Jeder sollte auf das ABCDE-Prinzip achten:
Früh erkannt ist Hautkrebs in fast allen Fällen heilbar – verzögerte Diagnosen verschlechtern die Prognose dramatisch, besonders beim Melanom.
Warnsignale sind außerdem:
Sollte man am Körper selbst Hautveränderungen feststellen, die eines der genannten Merkmale aufweisen, gilt: Sofort einen Hautarzt/eine Hautärztin aufsuchen. Grundsätzlich sollte jede:r regelmäßig alle zwei Jahre zur Hautkrebsvorsorge gehen.
Bevor man blind sämtlichen Trends im Bereich Skincare und Kosmetik folgt, sollte man sich unbedingt immer die Inhaltsstoffe und insbesondere die sogenannten aktiven Wirkstoffe anschauen und hinterfragen, was davon in der Hautpflege tatsächlich evidenzbasiert wirkt.
In Kosmetika und Pflegeprodukten stecken oft Allergene, Duftstoffe oder hautreizende Substanzen wie Alkohol, Konservierungsmittel oder aggressive Säuren.
Unbedachte Anwendung – gerade bei sensibler, vorgeschädigter oder erkrankter Haut (z. B. Neurodermitis, Rosazea) – kann Allergien, Kontaktdermatitiden oder Verschlechterungen chronischer Dermatosen auslösen. Mein Tipp als Dermatologin: Die Inhaltsstoffe (auch INCI-Liste genannt) kritisch prüfen, wissenschaftlich belegte Wirkstoffe bevorzugen und neue Produkte behutsam in die Routine integrieren.

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