
© Anna Shvets
23. Februar 2026
Christine Bürg & Margit Hiebl
Von KI-gestützter Chirurgie bis Alzheimer-Antikörper: 7 Ärztinnen und Ärzte aus dem PMC-Netzwerk erklären, welche medizinischen Innovationen 2026 wirklich relevant sind
Mit Experten aus unserem Netzwerk
Was bewegt die Medizin gerade jenseits von temporären Hypes? Wir haben sieben PMC-Ärzte gefragt, welche Entwicklungen in ihren Disziplinen gerade für echte Veränderungen sorgen. Die Antworten sind überraschend konkret: Ein Augenchirurg aus Düsseldorf, der Patienten in zehn Sekunden von der Lesebrille befreit.
Ein Münchner Viszeralchirurg, der mit Roboterpräzision operiert, die menschliche Hände übertrifft. Neurologen, die erstmals Antikörper gegen Alzheimer einsetzen. Und Zahnärzte, die längst nicht mehr nur Zähne behandeln. Diese Einblicke zeigen: Medizin verändert sich schneller als gedacht – und der Fortschritt ist oft schon heute verfügbar.
Dr. Detlev R. H. Breyer, Augenchirurgieklinik Breyer, Kaymak & Klabe und Augenlaserzentrum Premium Eyes in Düsseldorf
Die aufregendste Entwicklung ist momentan in der Korrektur der Alterssichtigkeit zu erleben: dass wir Menschen von der Lese- und Gleitsichtbrille befreien und damit ihre Lebensqualität deutlich steigern können. Ist die menschliche Linse noch klar, gibt es zurzeit nichts Besseres als das PresbyEDOF-Augenlasern, an dessen Weiterentwicklung ich mitgearbeitet habe.
Es dauert nur zehn Sekunden, ist schmerzfrei und sicherer als Kontaktlinsentragen. Ist die Linse aufgrund eines be- ginnenden Grauen Stars bereits getrübt, setze ich die neue Multifokallinse ‚Galaxy’ von Rayner ein. Im Gegensatz zu herkömmlichen Linsen verursacht sie deutlich weniger Blendungen und führt zu keinem Lichtverlust, so dass man auch bei schlechten Lichtverhältnissen gut sieht.
Prof. Dr. Franz Bader, Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und minimalinvasive Chirurgie am Isar Klinikum in München
Die minimalinvasive Chirurgie hat in den ver gangenen 20 Jahren die operative Behandlung von gutartigen und bösartigen Erkrankungen im Bauchraum geradezu revolutioniert. Die Entwicklung der klassischen Laparoskopie ist jedoch aus meiner Sicht mehr oder weniger abgeschlossen und hat Grenzen erreicht.
Was die minimalinvasive Chirurgie jetzt noch einmal entscheidend vorangebracht hat, ist der Einsatz von roboterassistierten Verfahren. So wird etwa mit dem Da-Vinci-System in höchster Präzision, optimierter Visualisierung und neuen Instru-menten, die die Freiheitsgrade der menschlichen Hand erreichen, die minimalinvasive Chirurgie neu definiert.
Dr. Elisabeth Zott, Praxis für Dermatologie, München
In letzter Zeit beschäftige ich mich intensiv mit sogenannter regenerativer ästhetischer Medizin. Nach Jahrzehnten mit Filler, Botox und Laser in allen Varianten gibt es nun zahlreiche neue Möglichkeiten. Regenerative ästhetische Medizin ist nicht exakt das Gleiche wie Biostimulation, überschneidet sich aber. Bei regenerativer Medizin geht es darum, die Hautstruktur auf zellulärer Ebene zu reparieren, wiederherzustellen, zu revitalisieren und nachhaltig zu verjüngen – optisch wie funktionell.
Dazu gehört auch die Reparatur von Zellschäden. Typische Verfahren dafür sind Exosome, PRP und PRF, Polyukleotide, Stammzellenbasierte Therapien, Mikrofett und Nanofett, Needling mit Wachstumsfaktoren und Exosomen. Durch Strukturverbesserung der Bindegewebszellen auf Zellebene kommt es zu langfristigen Effekten.
Prof. Dr. Stefan Lorenzl, Chefarzt der neurologischen Abteilung des Krankenhauses Agatharied am Schliersee
In der Neurologie werden in den kommenden Jahren neue Medika-mente auf den Markt kommen, die möglicherweise die therapeutischen Optionen verändern werden. Bereits im Jahr 2014 hatten wir in Agatharied die Möglichkeit eine Antikörper-therapie bei einer Patientin mit einem atypischen Parkinson-Syndrom duchzuführen.
Das war wirklich die erste in Europa behandelte Patientin und es hat mich sehr bewegt, dass wir bei dieser Entwicklung eine so zentrale Rolle spielen konnten. Und diese Entwicklung geht jetzt mit raschen Schritten voran, unter anderem mit Antikörpern, die zur Behandlung der Alzheimerkrankheit eingesetzt werden. Inzwischen haben sich zumindest zwei Antikör-per für die Therapie der Alzheimerkrankheit etabliert und weitere werden noch kommen. Ich bin da sehr zuversichtlich.
Dr. Yvonne Ebel, Ärztliche Leitung und Inhaberin Orthopädie Wernau
Der Trend geht immer mehr in Richtung digitale Gesundheitsanwen-dungen (DiGA), die auch verschrieben und erstattet werden können – also Training und Bewegung überall und jederzeit, per App und Smart-phone. So entsteht eine Routine, und man kann überall orts- und zeitunab-hängig trainieren. Darüber hinaus hat man immer einen guten Einblick in Trainingsfortschritte und Symptomverlauf – Erfolge sind also messbar.
Dr. Peter Neumann & Dr. Daniel Thome, Aesthetic and Soul, München
Man könnte sagen, die Reise geht hin zum Jungbrunnencocktail per Spritze, zum Beispiel durch die Weiterentwicklung der Eigenfetttherapie, bei der Fett abgesaugt und nach der Reinigung und Aufbereitung wieder als Filler eingespritzt wird. Diese Behandlung hat gleichzeitig einen nachweisbar regenerativen Effekt auf das Gewebe und funktioniert somit auch als Anti-Aging-Methode – vor allem beim Einsatz von Nanofett und Exosomen.
Dr. Mark T. Sebastian, Zahnarzt Praxis Max36, München
Der Trend in der modernen Zahnmedizin geht klar weg von reiner „Reparaturmedizin“ in Richtung Ganzheitlichkeit. Wir betrachten Zähne und Mundraum nicht mehr isoliert, sondern möchten wissen, welche Auswirkungen sie auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität unserer PatientInnen haben. Einige der wichtigsten Entwicklungen: