
© Ron Lach
20. Mai 2026
Christine Bürg & Marianne Waldenfels
Wie verliert die Haut Kollagen? Welche Behandlungen helfen wirklich? Dr. Lukas Kohler erklärt Ursachen der Hautalterung, Kollagenstimulation, Sculptra und moderne Anti-Aging-Methoden.

Ein Interview mit
Dr. med. Lukas H. Kohler
Kollagen gilt als einer der wichtigsten Faktoren für straffe, elastische Haut und ein jugendliches Erscheinungsbild. Doch was genau ist Kollagen eigentlich? Warum verliert unsere Haut mit zunehmendem Alter an Spannkraft? Und welche modernen Behandlungen können die körpereigene Kollagenproduktion stimulieren?
Darüber sprechen wir mit Dr. Lukas Kohler, Facharzt für plastisch-ästhetische Chirurgie und Gründer eines auf minimalinvasive Gesichtsbehandlungen spezialisierten Instituts in München.
Dr. Lukas Kohler: Kollagen ist eines der wichtigsten Strukturproteine unseres Körpers. Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie „Leim“ – und genau so kann man sich Kollagen auch vorstellen. Es hält Gewebe zusammen und sorgt für Stabilität, Festigkeit und Elastizität.
Kollagen macht etwa ein Viertel unserer gesamten Proteinmenge im Körper aus und kommt in Haut, Knochen, Sehnen, Knorpeln, Gefäßen und sogar in den Zähnen vor. Für die Haut ist Kollagen besonders wichtig, weil es ihr Spannkraft und Straffheit verleiht.
Je mehr Kollagen vorhanden ist, desto straffer und elastischer wirkt die Haut. Nimmt die Kollagenmenge ab, verliert die Haut an Festigkeit und erste Falten entstehen.
Dr. Lukas Kohler: Insgesamt kennt man heute 28 verschiedene Kollagentypen. Für die Haut sind vor allem Kollagen Typ I und Typ III relevant. Besonders Kollagen Typ I ist für Festigkeit und Straffheit verantwortlich.
In der ästhetischen Medizin konzentrieren wir uns deshalb gezielt darauf, die körpereigene Produktion von Kollagen Typ I anzuregen.
Viele glauben, Hautalterung beginnt erst später. Wann verliert unsere Haut tatsächlich Kollagen?
Dr. Lukas Kohler: Tatsächlich beginnt der Kollagenabbau schon relativ früh. Bereits ab etwa dem 25. Lebensjahr verliert der Körper ungefähr ein Prozent Kollagen pro Jahr.
Das klingt zunächst dramatisch, passiert aber schleichend über viele Jahre hinweg. Anfangs fällt das kaum auf, doch mit zunehmendem Alter verändern sich Hautstruktur, Elastizität und Volumen immer stärker.
Was genau passiert in der Haut während des Alterungsprozesses?
Dr. Lukas Kohler: Um das zu verstehen, muss man die Haut in ihre drei Schichten unterteilen.
Die äußerste Hautschicht, die Epidermis, erneuert sich in jungen Jahren etwa alle 25 Tage. Mit zunehmendem Alter dauert dieser Prozess deutlich länger.
Dadurch regenerieren sich UV-Schäden langsamer, die Hautbarriere wird schwächer und die Haut wirkt trockener sowie empfindlicher.
In der Lederhaut – der Dermis – befindet sich der Großteil unseres Kollagens. Dort verlaufen auch die Gefäße, die die Haut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen.
Mit zunehmendem Alter nimmt die Kollagenmenge ab. Die Haut verliert dadurch an Festigkeit, wirkt weniger rosig und insgesamt fahler.
Die Unterhaut besteht unter anderem aus Fettzellen, die für Volumen und Polsterung sorgen. Im Alter nehmen diese Fettdepots ab.
Dadurch entstehen typische Zeichen der Hautalterung wie:
Besonders sichtbar wird dieser Prozess oft zuerst im Bereich der Augenpartie.
Dr. Lukas Kohler: Wir unterscheiden zwischen intrinsischen und extrinsischen Faktoren.
Zu den intrinsischen Faktoren gehören genetische Veranlagung, hormonelle Veränderungen und ethnische Unterschiede.
Vor allem hormonelle Veränderungen spielen eine große Rolle. Mit den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel deutlich – gleichzeitig verliert die Haut massiv an Kollagen.
Viele Frauen bemerken deshalb ab den Wechseljahren plötzlich einen starken Verlust an Spannkraft und Volumen.
Die extrinsischen Faktoren können wir dagegen beeinflussen. Dazu zählen:
Diese Faktoren fördern oxidativen Stress und freie Radikale, die Zellstrukturen angreifen und die Hautalterung beschleunigen. Der wichtigste Anti-Aging-Faktor bleibt deshalb konsequenter Sonnenschutz.
Dr. Lukas Kohler: Kollagen sorgt für Festigkeit und Stabilität. Hyaluronsäure dagegen bindet Feuchtigkeit. Man kann vereinfacht sagen: Kollagen hält die Haut straff, Hyaluron sorgt für Hydration und Feuchtigkeit.
Viele Menschen nehmen Kollagen-Supplements ein. Wie sinnvoll ist das aus medizinischer Sicht?
Dr. Lukas Kohler: Das ist ein spannendes Thema. Grundsätzlich gibt es Hinweise darauf, dass hochwertiges Kollagen positive Effekte haben kann – insbesondere im orthopädischen Bereich.
Für sichtbare Hautverjüngung fehlen aktuell allerdings noch eindeutige wissenschaftliche Nachweise. Trotzdem glaube ich persönlich, dass hochwertige Produkte – insbesondere maritimes Kollagen – einen positiven Effekt haben könnten.
Wichtig ist außerdem: Auch vegane oder vegetarische Ernährung kann die körpereigene Kollagenproduktion unterstützen.
Lebensmittel mit Aminosäuren, Antioxidantien, Zink oder Kupfer fördern die natürliche Kollagensynthese. Dazu zählen beispielsweise:
Dr. Lukas Kohler: Wir arbeiten bei uns ausschließlich minimalinvasiv und setzen gezielt auf Kollagenstimulation.
Eine Möglichkeit ist Sculptra – ein sogenannter Biostimulator auf Basis von Poly-L-Milchsäure. Dabei setzen wir unter der Haut gezielt einen Reiz, der die körpereigene Kollagenproduktion aktiviert.
Ich erkläre das oft als eine Art „Face-Alarm“ unter der Haut. Die Behandlung aktiviert Fibroblasten, also faserbildende Zellen, die neues Kollagen aufbauen. Dadurch entsteht schrittweise wieder mehr Festigkeit und natürliches Volumen.
Besonders geeignet ist die Behandlung für:
Der Effekt entwickelt sich über mehrere Monate und wirkt besonders natürlich.
Eine weitere Methode ist die Kombination aus Microneedling und Radiofrequenz.
Dabei erzeugen feine Nadeln mikroskopisch kleine Verletzungen in der Haut. Gleichzeitig wird Wärmeenergie in tiefere Hautschichten abgegeben.
Diese mechanische und thermische Reizung stimuliert ebenfalls die Kollagenbildung und verbessert Hautstruktur, Elastizität und Straffheit.
Wie viele Sitzungen sind normalerweise notwendig?
In der Regel empfehlen wir zwei bis drei Behandlungen im ersten Jahr. Die Sitzungen erfolgen meist im Abstand von etwa sechs Wochen, da die Kollagensynthese ungefähr 42 Tage benötigt. Danach reicht häufig eine Auffrischung alle zwei Jahre.
Der große Vorteil ist: Wir stimulieren körpereigenes Kollagen. Dadurch wirken die Ergebnisse langfristig und sehr natürlich.
Dr. Lukas Kohler: Die Behandlungen sind minimalinvasiv und mit modernen Betäubungscremes sehr gut tolerierbar. Natürlich spürt man die Behandlung leicht, aber mit der richtigen Technik lassen sich die Anwendungen sehr schmerzarm durchführen.
Ich hatte bisher keinen einzigen Patienten, der eine Behandlung abbrechen musste.
Kollagen ist essenziell für eine feste, elastische und jugendlich wirkende Haut. Der natürliche Kollagenabbau beginnt bereits früh, lässt sich jedoch durch einen gesunden Lebensstil, UV-Schutz und moderne kollagenstimulierende Behandlungen gezielt verlangsamen.
Minimalinvasive Verfahren wie Sculptra oder Radiofrequenz-Microneedling setzen dabei auf einen natürlichen Ansatz: Sie regen die körpereigene Kollagenproduktion an und sorgen langfristig für mehr Spannkraft und frischere Haut.