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13. Mai 2026
Christine Bürg & Marianne Waldenfels
Warum sich viele Frauen heute bewusst für natürliche Brustchirurgie entscheiden: Dr. Juliane Bodo spricht über Eigenfett, Implantate, Social Media und moderne Methoden.

Ein Interview mit
Dr. med. Juliane Bodo
Natürliche Proportionen statt überzeichneter Schönheitsideale, Eigenfett statt Fremdkörper und ein neues, selbstbestimmtes Körpergefühl: Die moderne Brustchirurgie befindet sich im Wandel. Immer mehr Frauen wünschen sich ästhetische Eingriffe, die nicht auffallen, sondern zur eigenen Persönlichkeit passen.
Im Gespräch erklärt Dr. Juliane Bodo, Fachärztin für plastische und ästhetische Chirurgie, warum der Trend heute klar in Richtung Natürlichkeit geht, welche Möglichkeiten moderne Brustvergrößerungen und -straffungen bieten und welchen Einfluss Social Media auf das Schönheitsideal vieler Frauen hat.
Frau Dr. Bodo, Sie sagen über sich selbst, dass Sie keine Schönheitschirurgie betreiben und auch kein „Beauty Doc“ sind, sondern Fachärztin für plastische und ästhetische Chirurgie. Was bedeutet das konkret?
Der Begriff „Beauty Doc“ stammt ein bisschen aus den Social-Media-Zeiten. Inzwischen gibt es viele Ärztinnen und Ärzte, die zwar Medizin studiert haben, aber keine vollständige Facharztausbildung absolvieren und direkt mit Behandlungen wie Botox oder Fillern anfangen. Bei kleineren Eingriffen mag das noch funktionieren – bei Operationen wird es aber irgendwann problematisch.
Deshalb grenzen wir uns bewusst als Fachärzte für plastische und ästhetische Chirurgie ab. Nach dem Medizinstudium folgen noch einmal sechs Jahre Facharztausbildung, und bis man in der Ästhetik wirklich sicher operiert, vergehen meist noch weitere Jahre. Diese fundierte Ausbildung ist aus meiner Sicht die Grundlage für gute und sichere Ergebnisse.
Auch Brustoperationen unterliegen Trends. Was wird aktuell besonders nachgefragt?
Definitiv natürlichere Formen und Größen. Große, sehr auffällige Implantate werden zwar weiterhin gewünscht, aber insgesamt geht der Trend klar zurück zu kleineren und natürlicher wirkenden Brüsten.
Früher lagen viele Implantate bei etwa 350 Millilitern oder mehr. Heute bewegen wir uns eher um die 300 Milliliter oder sogar darunter. Auch international sieht man diese Entwicklung: In den USA werden inzwischen erstmals mehr Brustverkleinerungen als Brustvergrößerungen durchgeführt.
Bedeutet dieser Trend auch: weniger Implantate und mehr Eigenfett?
Ja, besonders jüngere Frauen möchten möglichst keinen Fremdkörper mehr. Eigenfett ist dafür eine sehr gute Alternative. Allerdings kann man mit einer Sitzung meist nur etwa eine halbe bis maximal eine Körbchengröße erreichen. Für größere Veränderungen sind oft zwei oder drei Eingriffe nötig.
Außerdem braucht man natürlich ausreichend Eigenfett. Sehr schlanke Frauen haben oft gar nicht genügend Reserven für einen Brustaufbau mit Eigenfett.
Wie läuft so ein Eingriff ab?
Beim sogenannten Eigenfetttransfer wird zunächst Fett abgesaugt – beispielsweise an Bauch oder Oberschenkeln. Das Fett wird dann speziell aufbereitet, gereinigt und steril verarbeitet, bevor es mit feinen Kanülen in die Brust eingebracht wird.
Die Fettzellen sind lebendig. Wenn sie gut durchblutet werden, wachsen sie dauerhaft ein. Ein Teil des Fettes wird allerdings immer wieder vom Körper abgebaut. Deshalb ist das Ergebnis nie zu hundert Prozent planbar und eher moderat.
Wie lange dauert so ein Eingriff und wie lange fällt man aus?
Der Brustaufbau mit Eigenfett ist meist unkompliziert. Die Brust selbst tut oft kaum weh – eher wie Muskelkater oder leichte blaue Flecken. Die Entnahmestellen merkt man meistens stärker als die Brust.
Viele Patientinnen können am nächsten Tag bereits wieder herumlaufen oder – wenn sie im Homeoffice arbeiten – sogar schon wieder am Rechner sitzen. Nach vier bis fünf Tagen ist der normale Alltag oft wieder möglich.
Es gibt auch Methoden wie Filler oder Ultraschall zur Bruststraffung. Was halten Sie davon?
Viele Filler, die früher verwendet wurden, sind inzwischen vom Markt genommen worden, weil sie starke Komplikationen verursacht haben. Deshalb bleiben Implantate oder Eigenfett weiterhin die sinnvollsten Methoden zur Vergrößerung.
Zur Straffung gibt es Verfahren mit Radiofrequenz oder Fadenlifting. Diese können kleine Verbesserungen erzielen, etwa bei leichten Asymmetrien oder minimaler Hauterschlaffung. Für eine echte Bruststraffung ersetzen sie eine Operation aber nicht.
Gibt es Frauen, die ihre Brustvergrößerung rückgängig machen möchten?
Ja, das kommt häufiger vor. Manche sagen nach zehn oder zwanzig Jahren einfach: „Ich brauche das nicht mehr.“ Andere haben Beschwerden oder möchten wieder eine kleinere, natürlichere Brust.
Interessanterweise zieht sich die Haut nach dem Entfernen der Implantate oft erstaunlich gut zurück, sodass nicht immer zusätzlich gestrafft werden muss.
Wie lange halten Implantate eigentlich?
Wenn keine Beschwerden bestehen, müssen moderne Implantate heute nicht automatisch ausgetauscht werden. Die heutigen Implantate bestehen aus einem stark vernetzten Silikongel – man kann sich das ein wenig wie ein Gummibärchen vorstellen. Selbst wenn ein Implantat beschädigt wird, läuft das Material normalerweise nicht aus.
Wird allerdings im Ultraschall festgestellt, dass ein Implantat kaputt ist, sollte es entfernt oder ersetzt werden.
Gibt es unterschiedliche Implantate für unterschiedliche Frauentypen?
Ja, sehr viele. Es gibt runde Implantate, anatomische beziehungsweise tropfenförmige Implantate, ergonomische Modelle oder auch besonders leichte Implantate.
Sie unterscheiden sich in Form, Breite, Projektion und Gewicht. Welche Variante am besten passt, wird immer individuell besprochen und gemeinsam ausprobiert.
Wie muss man sich ein Beratungsgespräch vorstellen?
Wir arbeiten klassisch mit speziellen Einlagen und BHs, damit Patientinnen vor dem Spiegel ein Gefühl für die gewünschte Größe bekommen.
Zusätzlich nutzen wir ein digitales Simulationstool, mit dem verschiedene Formen und Größen direkt am Bildschirm dargestellt werden können. Das hilft vielen Frauen sehr dabei, sich das spätere Ergebnis besser vorzustellen.
Wie alt sind Ihre Patientinnen?
Das ist tatsächlich sehr unterschiedlich – von Anfang 20 bis über 80. Kürzlich hatten wir sogar eine 80-jährige Patientin, die ihre alten Implantate austauschen lassen wollte.
Die meisten Patientinnen sind aber zwischen 20 und 40. Einerseits junge Frauen, die von Natur aus sehr wenig Brust haben. Andererseits Frauen nach Schwangerschaft und Stillzeit, bei denen die Brust an Volumen verloren hat oder abgesunken ist.
Gerade Bruststraffungen – oft kombiniert mit einer Vergrößerung – machen inzwischen sogar einen großen Teil unserer Eingriffe aus.
Hat eine Brustoperation oft auch einen psychologischen Effekt?
Ja, absolut. Viele Frauen leiden wirklich darunter, wenn sie sich nach Schwangerschaften oder Veränderungen des Körpers nicht mehr wohlfühlen. Es geht dabei oft nicht nur um „schöner aussehen“, sondern um Weiblichkeit, Selbstbewusstsein und das eigene Körpergefühl.
Viele sagen ganz bewusst: „Das mache ich jetzt für mich.“
Spüren Sie den Einfluss von Instagram und TikTok?
Definitiv. Social Media ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits kann man gut informieren, andererseits wird vieles extrem vereinfacht dargestellt: Vorher-Nachher-Bilder, schnelle Transformationen, perfekte Ergebnisse.
Dabei vergessen viele, dass dort oft stark bearbeitete Bilder gezeigt werden. Gerade junge Frauen entwickeln dadurch manchmal unrealistische Vorstellungen.
Wir erleben tatsächlich sehr junge Patientinnen, die mit Anfang 20 glauben, sie bräuchten bereits ein Facelift. Da muss man als Ärztin natürlich auch klar Grenzen setzen und manchmal sagen: Das ist medizinisch nicht sinnvoll.
Zum Schluss: Was steckt hinter der sogenannten Rapid-Recovery-Methode?
Dabei geht es darum, dass Patientinnen sich nach einer Operation schneller erholen und rasch wieder in ihren Alltag zurückkehren können.
Wir arbeiten mit speziellen OP-Techniken, bei denen Muskeln möglichst geschont werden. Zusätzlich werden direkt nach der Operation gezielt Schmerzmittel an bestimmte Nervenaustrittspunkte injiziert.
Dadurch haben viele Patientinnen deutlich weniger Schmerzen und können sich schneller wieder normal bewegen. Intensiver Sport sollte zwar zunächst vermieden werden, aber der normale Alltag ist oft schon sehr bald wieder möglich.